Es wird ein Wiedersehen mit vielen Emotionen: Michael Meier, einst Manager von Borussia Dortmund und jetzt in Diensten des 1.FC Köln, kehrt am Samstag ins Westfalenstadion zurück. Im Vorfeld gab er der Dortmunder Tageszeitung
Ruhr-Nachrichten ein Interview. Unter der Überschrift „BVB immer im Herzen“ blickte Meier auf „wunderschöne Zeiten mit unglaublichen Erfolgen" zurück – Fragen zur Finanzkatastrophe, die Borussia beinahe die Existenz kosteten, umdribbelte er allerdings mehr oder weniger elegant. Das sorgte nicht nur im
Forum des BVB-Fanzines schwatzgelb.de für zornige Reaktionen.
Mit dem gebürtigen Lüner und dem damaligen Präsidenten Dr.Gerd Niebaum sind die größten Triumphe, aber auch der absolute Super-GAU in Form des Beinahe-Unterganges verbunden. 1986 wurde Niebaum Präsident des BVB, der zu diesem Zeitpunkt fast in der zweiten Liga gelandet wäre. Mit dem Juristen kehrte der Erfolg in Dortmund ein, 1989 wachte der BVB mit dem Gewinn des DFB-Pokals endgültig aus dem Dornröschen-Schlaf auf.
Ab 1. Dezember 1989 trat Meier seinen Dienst als Manager in Dortmund an. 1991 kam mit Ottmar Hitzfeld ein Trainer, der den BVB an die Spitze führte. 1992 verpassten die Schwarz-Gelben die Meisterschaft noch denkwürdig knapp. Niebaum und Meier pokerten hoch, holten hochkarätige Spieler aus Italien zurück in die Bundesliga. Das zahlte sich aus: 1995 und 1996 wurde Borussia mit der wohl besten Mannschaft der Vereinsgeschichte Meister. Namen wie Klos, Kohler, Julio Cesar, Sammer, Freund, Möller, Riedle oder Chapuisat sorgen heute noch für eine Gänsehaut. 1997 folgte die absolute Krönung: Dortmund siegte im Champions League-Finale gegen Juventus Turin – ausgerechnet im Münchener Olympiastadion. Die Verantwortlichen des FC Bayern waren grün vor Neid.
Borussia war auf einmal auf Augenhöhe mit Europas Spitzenvereinen wie Real Madrid, Juventus Turin, AC Mailand oder Manchester United – ein ungleiches Duell. Denn rote Zahlen begleichen deren Investoren oder Präsidenten zur Not aus ihrer Privatschatulle.
Zu diesem Zeitpunkt war Gerd Niebaum der ungekrönte König in Dortmund. Das BVB- Management in Dortmund galt als innovativ und vorbildlich; Meier wurde mehrfach von seinen Bundesliga-Kollegen als Manager des Jahres ausgezeichnet.
Das böse Erwachen
1997 begann allerdings auch schon der Niedergang. Sportlich lief nicht mehr viel, unternehmerisch verloren Niebaum und Meier so langsam die Bodenhaftung. So sollte unter anderem die eigene Sportmarke „Goool“ den Giganten Adidas, Nike oder Puma Marktanteile abjagen. Der Börsengang im Oktober 2000 war das nächste Alarmzeichen, brachte aber noch mal dringend benötigtes Kapital nach Dortmund.
Der BVB investierte wieder kräftig in die Mannschaft, holte mit Rosicky, Koller und Amoroso teuere Spitzenkräfte und knackte die eigenen Transferrekorde. 2002 wurde der Verein letztmals deutscher Meister und erreichte das Finale im UEFA-Cup. Ein Jahr später folgte der sportliche Tiefschlag: Zuerst verpasste Dortmund durch ein Unentscheiden gegen Cottbus die direkte Teilnahme an der Champions League und scheiterte in der Qualifikationsrunde am FC Brügge. Die dringend benötigten Einnahmen aus der europäischen Königsklasse fehlten. Irgendwann musste Borussias waghalsiges Finanzkonstrukt zusammenkrachen, zumal der teuere Ausbau des Westfalenstadions aus eigenen Mitteln den Verein zusätzlich belastete.
Am 22. Dezember 2003 berichteten der
kicker und die
Süddeutsche Zeitung zeitgleich, „dass sich Borussia Dortmund in einem akuten Liquiditätsengpass befindet und frisches Geld benötigt, um riesige Haushaltslöcher im laufenden Geschäftsjahr zu decken.“ Geplant sei eine Anleihe bei einer englischen Investitionsbank über 12 Jahre.
Was dann folgte, war ein Wirtschaftskrimi allererster Güte - nur dass diesmal nicht irgendein anonoymes Unternehmen, sondern der Lieblingsverein der Übeltäter war. Fast im Wochenrythmus gab es neue Schockmeldungen, Fußballfans machten auf einmal einen Crash-Kurs in Sachen BWL und konnten einiges lernen über Kommanditgesellschaften auf Aktien, Kapitalfonds und die Wünsche von Großinvestoren. Es hatte sich ausgeträumt: Im Oktober 2004 trat Niebaum als BVB-Präsident zurück, Meier räumte seinen Stuhl im Juli 2005.
Wer das finanzielle Drama um den BVB noch einmal nachlesen möchte: Die Akte Schwarzgelb von Frank und Sascha Fligge, 2005, erschienen im Medienhaus Lensing Dortmund. Einfach mal googeln, ob es das Buch noch gibt.
Zwischen 1998 und 2001 kam es nie zu einem Spiel Bayern München gegen den FC Barcelona in der Champions League. Wenn das aber so gewesen wäre, wäre folgender Spielausgang gut möglich gewesen: Im Hinspiel erkämpfen sich Kahn, Effenberg und co. im Camp Nou in Barcelona ein schmutziges 1:1, das Rückspiel in München gewinnen die Bayern 1:0 und Barca ist draußen. In diesen Jahren, der ersten Amtszeit von Trainer Ottmar Hitzfeld, war der FC Bayern eine Mannschaft, die nur schwer zu schlagen war. 2001 holten die Roten dann auch die begehrteste Vereinstrophäe – im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia.
2009 ist die Mannschaft von der Besetzung nicht schlechter, doch offensichtlich fehlt das Sieger-Gen ihrer Vorgänger. Nicht in der Champions League: Da überstanden die Bayern souverän die Vorrunde ohne Niederlage. Im Achtelfinale fertigten sie die bedauernswerten Portugiesen von Sporting Lissabon, immerhin eine Mannschaft der oberen europäischen Mittelklasse, mit insgesamt 12:1-Toren ab.
Die Bundesliga bereitet Sorgen. Jürgen Klinsmann hatte Hitzfeld als Trainer abgelöst, der in seinem letzten Jahr mit zehn Punkten Vorsprung die Meisterschaft holte. „Wer wird hinter Bayern Zweiter?“, fragte Hitzfeld im Kicker-Sonderheft Bundesliga 2008/09 und sprach damit aus, was viele vor der Saison dachten.
Doch in der heimischen Liga läuft es nicht: Nur Platz 4, drei Punkte hinter Tabellenführer Wolfsburg, da droht der für Bayern so unwürdige UEFA-Cup. Am Samstag kassierte das Starensemble um Ribery und Toni ein bitteres 1:5 gegen eben jenen VfL Wolfsburg.
Das Beständige am FC Bayern unter Jürgen Klinsmann ist seine Unbeständigkeit. Besonders im Defensivverhalten offenbaren sich große Schwächen, 36 Gegentore sind der Beweis. Kein Wunder, dass Klinsmanns Job wackelt, wenn der FCB in der Champions League ausscheidet und – noch entscheidender – die Meisterschaft verfehlt.
Franz Beckenbauer hat die Debatte schon eröffnet.
Und ausgerechnet jetzt geht es zum FC Barcelona mit den Offensiv-Assen Messi, Eto’o und Henry sowie den Mittelfeld-Künstlern Xavi und Iniesta. Viele sehen sie derzeit als die beste Vereinsmannschaft der Welt. Barca hat sein kleines Tief überwunden, zuletzt
6:0 und 1:0 gewonnen und führt die spanische Primera Division mit 72 Punkten und dem sagenhaften Torverhältnis von 85:24 vor dem Erzrivalen Real Madrid (66 Punkte) an.
Den
Katalanen passt die letzte Schlappe der Krisen-Bayern allerdings nicht ins Konzept. Zumal die Bilanz negativ ist: Von vier Spielen in UEFA-Cup und Champions League gewannen die Münchener drei, eines endete Unentschieden.
Noch mal ein Nachtrag zum Grand National in Aintree: Wenn die britische Institution Grand National auf dem Programm steht, dann trumpft die
Racing Post immer besonders auf und kurbelt das Fieber noch kräftig an.
Keine Ahnung, wie viele Exemplare die Post an diesem Tag mehr verkauft. Fakt dürfte jedoch sein, dass am Grand National-Samstag Leute das Blatt lesen, die ansonsten nicht unbedingt zum Stammklientel gehören. Und daher gibt es an diesem Tag auch Tipps für Neulinge. Chefkorrespondent James Willoughby erklärt, dass Wetten durchaus mit Intelligenz zusammenhängt und es falsch sei, sein Geld auf ein Pferd zu setzen, nur weil einem der Name gefällt.
Dann kommen Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Die Favoriten werden detailliert vorgestellt, bei den Außenseitern (
„rest of the field“ reicht ein kurzes Statement von Trainer, Reiter oder Besitzer.
Es folgen die Einschätzungen des RP Tipping Teams – ob Pricewise (
the service the bookies fear most), Spotlight, Matt Williams oder Gerald Delamere.
Mon Mome hatte übrigens keiner auf seinem Zettel – einen Fleißpunkt erhält aber Gerald Delamere, der den späteren Sieger wenigstens kurz in seinem Artikel vorstellte.
Nicht fehlen durften natürlich Aussagen der großen Buchmacher wie Ladbrokes, Coral oder William Hill. Sie fürchteten am meisten Siege von
My Will und
Butler’s Cabin und dürften am Ende mehr als glücklich gewesen sein, dass ein krasser Außenseiter vorne war. Während die anderen Buchmacher einen Umsatz von 300 Millionen Pfund erwarteten, rechnete William Hill sogar mit rund 500 Millionen Pfund, die nur auf das Grand National gewettet werden. Zum Vergleich: Im deutschen Galoppsport gab es 2008 im ganzen Jahr einen Umsatz von rund 39 Mio. Euro am Totalisator. Gut, 1997 waren es noch 140 Millionen Euro, aber das ist eine andere Geschichte....