Samstag, 4. April 2009
Mon Mome schockt alle im Grand National
Die Buchmacher dürften sich die Hände gerieben haben: Der Außenseiter Mon Mome hat das Grand National vor Comply Or Die und My Will gewonnen. Wer Mon Mome auf Sieg gewettet hatte, bekam für 10 Euro Einsatz 1010 Euro ausgezahlt - eine wahrhaft lukrative Verzinsung.
Der neunjährige Wallach siegte bislang fünfmal bei 33 Starts und verdiente dabei rund 181 000 Pfund Preisgeld. Jetzt kommen noch mal über 500 000 Pfund dazu.
Siegjockey Liam Treadwell erreichte etwas, was illustren Kollegen wie Championjockey Tony Mc Coy bislang verwehrt blieb: Er ritt einen Grand National-Sieger und schaffte das bei seiner Premiere.
Trainiert wird Mon Mome von Venetia Williams. Sie ist erst die zweite Frau, die nach Jenny Pitman das berühmteste Hindernisrennen der Welt gewonnen hat. Williams gilt als sehr fleißige Trainerin, doch der richtig große Erfolg fehlte ihr noch. Ihr bislang erfolgreichstes Pferd war die Stute Lady Rebecca, die in drei Grade 1-Rennen über Hürden die Nase vorn hatte.
Mein Tipp Black Apalachi führte und sprang gut, stürzte dann aber am berüchtigten Becher’s Brook, dem 22. Hindernis. Insgesamt kamen 17 der 40 Starter ins Ziel, der bedauernswerte Hear the Echo kollabierte 100 Meter vor der Ziellinie und starb.



Freitag, 3. April 2009
Das Grand National: Faszination und Abscheu
Es ist vielleicht das bekannteste Rennen der Welt – das Hindernisrennen Grand National, das am Samstag um 17 Uhr 15 deutscher Zeit auf der Rennbahn in Aintree bei Liverpool gestartet wird.
Das Grand National ist eine Mischung aus Faszination und Abscheu. Faszination, weil es eines der schwersten Rennen der Welt ist, höchste Anforderungen an Pferd und Reiter stellt und es schon eine Leistung ist, über die schweren Sprünge überhaupt das Ziel zu erreichen. Abscheu, weil Pferde stürzen, sich verletzen und manche ihren Einsatz mit dem Leben bezahlen.
Auch wenn die Hindernisse vor einigen Jahren entschärft wurden, fordern „Becher's Brook“, „Foinavon“ oder „The Chair“ den Teilnehmern alles ab. Solche Hindernisse gibt es auf keiner anderen Rennbahn – und am Start sind wohlgemerkt ältere Pferde, die viel Erfahrung über Jagdsprünge haben. Erschwerend sind zudem die Marathondistanz von 7 242 Metern (so weit wie in keinem anderen Rennen) und die hohe Starterzahl von rund 40 Pferden.

Wett-Bonanza
Gerade zu Beginn führt das oft zur Behinderungen und Stürzen, zumal die Pferde auch erst mal ihren Rhythmus über die ungewohnten Sprünge finden müssen. Im Laufe des Rennens sorgen dann häufig oft lose Pferde ohne Reiter für Turbulenzen.
Böse Stimmen sagen, dass das Rennen eigentlich nur zum Wohle der Buchmacher gelaufen wird. Die machen mit dem Grand National blendende Umsätze, weil das Rennen das Wettereignis auf der Insel ist und auch die „Einmal-im-Jahr-Wetter“ anzieht. Und da häufig Außenseiter zu hohen Quoten gewinnen, freuen sich die Bookies in den meisten Jahren.
Sportlich ist es nicht das wichtigste Rennen im Jahr. Das Grand National ist ein Handicap, das heißt: Jedes Pferd erhält das Gewicht nach seinen Rennleistungen. Theoretisch sollten alle so ausgehandicapt sein, dass sie alle gleich ankommen...
Drei Tage dauert das Meeting, pro Renntag wird ein Rennen über den Grand National-Kurs gelaufen. Die Stimmung ist gigantisch, das Liverpooler Publikum weiß zu feiern. Freitag ist Ladies Day. Dann zeigen die weiblichen Besucher eindrucksvoll, dass tiefe Temperaturen und spärliche Bekleidung keine Gegensätze sein müssen.

Persönliche Dramen
Meine Wettbilanz im Grand National ist – um es wohlwollend auszudrücken – durchwachsen. 2004 zum Beispiel Clan Royal.
Der hüpfte über die Hindernisse mit einer Leichtigkeit, als wenn es kleine Hürden wären. Leider kam er im langen Einlauf kurz vom Kurs ab, so dass Amberleigh House an ihm vorziehen konnte. Oder 2007: Mc Kelvey kam spät, aber gewaltig und hätte das Rennen gewonnen, wenn es noch fünf Meter weiter gewesen wäre. Ich bin zudem der Meinung, dass er vorne gewesen wäre, wenn ich das Rennen bei meinem Stammbookie in Dortmund gesehen hätte. Weil ich zu diesem Zeitpunkt in Bayern gearbeitet habe, musste ich das Rennen beim Buchmacher auf der Münchener Galopprennbahn verfolgen. Das ist die Rennbahn in Deutschland, wo ich eine fürchterliche Bilanz zu diesem Zeitpunkt hatte: Bestimmt 30 Rennen ohne Treffer.
2009 ist zum Glück alles anders. Erstens werde ich das Spektakel im Internet verfolgen. Zweitens habe ich derzeit einen absoluten Lauf. Drittens waren die bisherigen Tipps in diesem Jahr über die National-Hindernisse 2. (Christy Beamish) und 1. (Irish Raptor).
Mein Tipp 2009 kommt aus Irland: Black Apalachi hat Siegform über die Hindernisse, auch wenn er im letzten Jahr gestürzt ist. Etwas Bedenken habe ich wegen des guten Bodens, weil er seine beste Form auf weichem Geläuf hat. Trainer Dessie Hughes ist allerdings optimistisch. Und der muss es wissen.



Mittwoch, 1. April 2009
Alte Helden: "Knuuuuut" Reinhardt
Sehr schöne Geschichte in der Zeit über Knut Reinhardt, einst einer meiner Favoriten im Trikot von Borussia Dortmund. „Knuuuuut“ beackerte von 1991 bis 1998 höchst dynamisch die linke Seite im Westfalenstadion und hatte einen Schuss wie ein Pferd.
Von seinen vielen guten Spielen bleibt eines immer haften: März 1993, UEFA-Cup-Rückspiel gegen den AS Rom und der BVB drehte das Spiel gegen die damals bärenstarken Römer mit einem überragenden Knut Reinhardt.
Unvergesslich auch eine Szene, als er zum Abschluss seiner Karriere mit dem 1.FC Nürnberg in Dortmund gastierte: Ecke für den Club vor der Südtribüne, Reinhardt läuft zur Eckfahne und die Südtribune ruft „„Knuuuuut“, der sichtlich gerührt darüber ist.
Heute arbeitet er als Lehrer an einer Grundschule in der Dortmunder Nordstadt – ein ungewöhnlicher Karriereweg für einen ehemals gefeierten Profi. Viele bleiben im Fußball und arbeiten mehr oder weniger erfolgreich als Trainer, Manager oder Spielerberater. Oder sie betrieben eine Fußballschule wie Marcel Raducanu oder Willi Landgraf. Fußballschulen sind heute offensichtlich das, was die gute Lotto-Annahmestelle in den 50- und 60er Jahren für Berufsfußballer war. Und viele einstige Helden scheitern im späteren Berufsleben. „Nicht wenige von den Mitspielern (in der BVB-Traditionsmannschaft) sind Sozialfälle“, schreibt das Hamburger Wochenblatt. Was mich wiederum erstaunt – allerdings begann die Explosion der Spielergehälter auch erst 1995 mit dem Bosman-Urteil.