Gegen den modernen Profifußball
Es war ein Bild voller Tristesse und erinnerte an längst vergessene Zeiten: Leere Plätze auf der Dortmunder Südtribüne, der berühmten gelben Wand. Und auch mancher Sitzplatz auf den anderen Tribünen blieb umbesetzt. Nur 54 300 Zuschauer wollten zu ungewohnter Zeit am Montagabend das 1:1 zwischen Borussia Dortmund den FC Augsburg sehen, viele Dauerkarten-Inhaber blieben zuhause.

Die meisten – dazu zählte auch der Kolumnist – fehlten aus Protest: Sie drückten auf diese Weise ihr Unbehagen gegen den Spieltermin Montag, gegen immer mehr Spieltermine in der Bundesliga und damit gegen den modernen Profifußball mit seinen Kommerz-Exzessen aus. „Die Einführung von Montagsspielen auch in Liga 1 ist ein weiterer großer Schritt hin zum Ausverkauf des Fußballs und der negative Höhepunkt der sukzessiven Spieltags-Zerstückelung in den vergangenen Jahren“, erklärte das Bündnis Südtribüne und rief zum Boykott des Spieles auf. Über 350 BVB-Fanclubs schlossen sich an.
Allerdings: Es war nicht viel ruhiger als in den letzten Heimspielen. Denn schon gegen Wolfsburg, Freiburg und dem HSV brodelte die Stimmung nicht gerade über, auch die Südtribüne mit den „besten Fans der Welt“ wirkte sehr zurückhaltend.
Ein Grund ist der aktuell grauenhafte Fußball der Borussia. Dabei holen die Dortmunder Punkte, sind unter Peter Stöger in der Bundesliga noch ungeschlagen. Aber es ist „Gruselfußball mit Glücksfaktor“, wie es ein User im Schwatzgelb-Forum nannte.
Das Spiel gegen Augsburg war das beste Beispiel: Der BVB hatte gefühlt 70 Prozent Ballbesitz, spielte Querpass, Rückpass, aber wenn das Anspiel in die Spitze erfolgte, landete der Ball beim Gegner. Zwei gute Spielzüge gab es in Halbzeit 1, einer führte zum Tor durch Marco Reus.
Nach dem 1:0 brachten die Schwarz-Gelben lange Zeit keine gescheite Offensiv-Aktion mehr zustande, das 1:1 verdiente sich der FC Augsburg. Es zeigt das aktuell schlechte Niveau der Bundesliga, dass Dortmund mit diesem Rumpelfußball noch oben mitmischt. So viele Punkte mit so wenig Fußball.

Genug ist genug
Aber es ist nicht nur der aktuelle Dortmunder Folterfußball, der mein Interesse am Profifußball stark reduziert. Eigentlich gehört die Bundesliga seit frühester Kindheit zum Samstagnachmittag, aber inzwischen hat das Interesse deutlich abgenommen. Auch die ARD-Sportschau gucke ich nur noch halbherzig, das ZDF-Sportstudio schalte ich eigentlich nur noch ein, wenn Dortmund um 18:30 gekickt hat. Zudem musste ich mich in letzter Zeit regelrecht zwingen, trotz Dauerkarte überhaupt ins Stadion zu gehen.
Dieser Dauer-Kommerz nervt gewaltig, es geht nur noch um Geld. Auch früher klagten viele Fans darüber, dass Fußball nur noch ein Geschäft sei. Aber inzwischen ist der Profifußball an einem Punkt angelangt, an dem er viele seine Anhänger anekelt. Der Bundesliga-Spieltag mit seinem inzwischen bis zu sechs Terminen, um möglichst viel aus den Fernsehverträgen zu erwirtschaften, ist da nur ein Beispiel.
Jetzt kommt natürlich das Argument, dass ohne lukrative Fernsehverträge Deutschlands Club in Europa chancenlos sind. Das sind sie leider bis auf Bayern München jetzt schon, zumal in Deutschland ja keine russischen Oligarchen oder orientalische Scheichs dank 50+1-Regelung Klubs besitzen. Aber diese Regelung ist ja schon in der Diskussion.
Irgendwann wird die Bundesliga nur noch im Pay-TV laufen (die Champions League findet ab der nächsten Saison bereits dort statt), der Fan muss drei oder vier Abos haben, um alles verfolgen zu können. Dem Rest bleiben Zusammenfassungen am Montagabend auf irgendeinem Spartensender.
Dabei wird die Bundesliga jetzt schon immer schlechter und langweiliger. Bayern München wird auch in den nächsten Jahren Ende März frühzeitig als Meister feststehen, aber vielleicht kommt mal irgendwann eine TV-Anstalt auf die Idee, dass die Liga so viel Geld nicht wert ist. Schwer vorstellbar? In Italien gab es diese Situation jetzt. Und die Klubs der Serie A machten dicke Backen. Mal sehen, wann in Deutschland die Ernüchterung kommt.



You’ll never walk alone im Dortmunder Signal Iduna Park. Auf der Südtribüne stehen die Besucher reichlich luftig, der Augsburger Gästeblock ist fast leer.