Montag, 10. Juni 2013
Das Beste von Jürgen Klopp 2012/2013
„Dein Blog solltest mal etwas über die Saison 2012/2013 des BVB schreiben“, forderte vor kurzem ein Leser per E-Mail. Mache ich doch gerne, aber eigentlich wissen wir doch alle, wie es war: Borussia Dortmund rockte bekanntlich die Champions League und scheiterte erst im Finale in einem deutsch-deutschen Duell an einem unsympathischen Verein aus Bayern. Aber Amsterdam, Manchester, Donezk, Malaga und zweimal mal Madrid – das war schon ganz großes Kino.
In der Bundesliga fiel die Bilanz etwas durchwachsener aus: Platz 2 ist in Ordnung, aber manchmal hakte es schon etwas. Der Rückstand auf den FC Bayern war zu groß. Aber selbst diese Kolumne muss einräumen, dass der FC Bayern München eine überragende Saison gespielt hat. Obwohl er mit dem Kauf von Mario Götze die BVB-Fanseele empfindlich traf. Und dann vielleicht noch Robert Lewandowski, aber der Angreifer bleibt ja offenbar noch eine Spielzeit.
Aber so ist das Geschäft. Was soll beispielsweise der SC Freiburg sagen? Dessen großartige Saison wurde in der Weise belohnt, dass es vier Offensivkräfte zu finanzkräftigeren Klubs zog.
Und Dortmund hat ja noch Trainer Jürgen Klopp. Unsere Freunde von sportlive haben auch in diesem Jahr die besten Momente des Fußball-Lehrers dokumentiert. So lustig können Pressekonferenzen sein. Aber Vorsicht, lieber potenzieller Journalisten-Nachwuchs: Klopp macht auch gerne Späße über die Pressevertreter.




Dienstag, 4. Juni 2013
Eindrucksvoller Blick hinter die Kulissen
Ansprachen des Trainers sind im Profi-Bereich auch nicht anders als in der Kreisliga. Das ist eine Erkenntnis des Filmes „Trainer“ von Aljoscha Pause, der gestern im dritten Programm des WDR lief. Und auch wenn obige Erkenntnis nicht neu ist: Die Dokumentation von Grimme-Preisträger Pause („Tom meets Zizou“) lieferte ansonsten sehenswerte Einblicke in den Alltag eines Profitrainers, die der normale Dauerkarteninhaber, Sportschau-Schauer und kicker-Leser nicht erhält.
Es ist der letzte Spieltag der Saison 2012/2013 und gerade hat der 1.FC Heidenheim den dritten Platz in der 3. Liga, der zum Relegationsspiel mit dem Zweitliga-16. berechtigt, denkbar knapp verpasst. Ein Blick in die Kabine, die Enttäuschung ist greifbar, die Spieler hocken dar wie das berühmte Häufchen Elend. Keiner sagt etwas – und Trainer Frank Schmidt geht los, gibt jedem seiner Akteure die Hand und bedankt sich so für die gute Saison.



Es sind intensive Szenen wie diese, die den Reiz der Dokumentation ausmachen. Pause hat drei Trainer über die gesamte Saison 2012/2013 begleitet. Neben Frank Schmidt (Heidenheim) sind dies Andre Schubert (FC St. Pauli) und Stephan Schmidt (SC Pàderborn). Zwei von ihnen – Schubert und Stephan Schmidt – erleben das Saisonende in dieser Funktion nicht mit. Dazu äußern sich bekannte Namen wie Jürgen Klopp, Hans Meyer, Armin Veh oder auch DFB-Ausbilder Frank Wormuth.
Der Druck auf den Fußball-Lehrer ist groß. Der Zuschauer spürt das, wenn er Heidenheims Frank Schmidt begleitet und diesem zuschaut. Schmidt lässt am meisten zu – die Kamera ist in der Kabine, bei Spielen, beim Training und bei internen Sitzungen. Dabei sitzt der Heidenheimer doch fest im Sattel, denn der Aufstieg des 1.FC in den Profi-Fußball ist stark mit dem seit 2007 amtierenden Trainer verbunden. Aber Heidenheim will weiter nach oben, das Ziel heißt Liga 2.
„Der Spieler bekommt von mir, was er bracht“, sagt Frank Schmidt und charakterisiert sich als „hart, aber herzlich“. Es sind unterschiedliche Typen, die Pause portraitiert: der eher hemdsärmelige Frank Schmidt, der höchst selbstbewusste Stephan Schmidt und der ruhige Andre Schubert.

Paderborn
„Ich bin aufgewachsen in den Käfigen Berlins, musste mich dort durchsetzen“, sagt Stephan Schmidt. Der SC Paderborn 07 ist seine erste Profistation, er übernahm die Truppe, als die Saisonvorbereitung bereits begonnen hatte und sein Vorgänger Roger Schmidt zu Red Bulls Salzburg ging. Paderborns Präsident Wilfried Finke sieht den Klub „in der oberen Tabellenhälfte der 2. Liga“, was allerdings mit dem Kader und Budget reichlich schwierig zu realisieren ist. Stephan Schmidt hält sich wacker – und wird kurz vor Schluss der Spielzeit nach einer Serie siegloser Spiele doch noch entlassen. Der Zuschauer spürt seine Frustration und begleitet ihn bei seiner letzten Tour durch die westfälische Provinz.
Schon im September 2012 endet für Andre Schubert der Job beim FC St. Pauli. Der Kiezclub startet desaströs in die neue Saison – und schuld ist wie so häufig der Trainer. Der intellektuell wirkende Schubert muss beim emotionalen Volksverein St. Pauli gehen. Auch hier liefert Pause eindrucksvolle Dokumente ab, indem er etwa die Aussagen von Schubert, Assistenztrainer Thomas Meggle oder Manager Rachid Azzouzi hintereinander legt. „Wir hatten etwas zu viel Rachid auf der Bank“, kommentiert ein sichtlich enttäuschter Schubert.
„Bei einem Verein mit einem schlechten Präsidenten bist du verloren“, sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Das Problem des Trainers sei eben, dass er häufig zu viel mit Leuten zu tun habe, die vom Fußball eigentlich keine Ahnung haben. Die dafür andere Dinge besitzen – Geld etwa.

Filmmacher Aljoscha Pause im Interview



Montag, 3. Juni 2013
Epsom zu lang für Chopin
Das war dann doch etwas viel Optimismus meinerseits im Vorfeld: Chopin verkaufte sich im englischen Derby zwar teuer, doch am Ende fehlte dem deutschen Teilnehmer das letzte Stehvermögen über die langen 2400 Meter in Epsom. Platz 7 klingt schlechter als es ist, denn soweit war der Hengst gar nicht geschlagen. Aber das „Wunder" fand doch nicht statt.
„Chopin ist nicht der Steher wie es vielleicht vor seinem Start im Epsom-Derby den Anschein hatte“ hieß es nach dem Rennen auf der Homepage des Stalles Wöhler. „Ich denke, kürzere Distanzen sind besser für ihn“, zitierte die Sporting Life Trainer Andreas Wöhler. Zukünftig solle der Hengst auf Distanzen bis etwa 2000 Meter laufen, ein Start im Deutschen Derby Anfang Juli stehe nicht mehr auf dem Programm.
Ansonsten war es das übliche Drama auf dem hügeligen Epsom-Kurs: Es gab einen großartigen Sieger Ruler of the World aus dem Aidan O’Brien-Quartier nach einem fantastischen Ritt von Ryan Moore. Ebenso gefallen konnte der Zweite Libertarian mit famosem Speed (nur leider etwas spät) und auch der Außenseiter Galileo Rock imponierte durch sein Stehvermögen. Das schlechteste Rennen hatte der französische Gast Ocovango, für den mehrmals kein Raum da war.
Deutsche Turf-Fans kritisierten nach der Prüfung auch den Ritt von Jamie Spencer auf Chopin. Zwischendurch musste Spencer schon mal „kurz vom Gas“, aber
entscheidend war das nicht.

Trost
Bitter enttäuscht waren hingegen die Anhänger des großen Favoriten Dawn Approach. Auch diese Kolumne hatte im Vorfeld die Coolness des bis dato ungeschlagenen Hengstes gelobt, doch am Samstag eiferte der Schützling von Jim Bolger auf einmal seinem Vater New Approach (der aber bekanntlich das Epsom-Derby gewann) nach und zeigte sich übereifrig im Rennen. Kevin Manning schickte den stark pullenden Dawn Approach früh nach vorne und es verwunderte nicht, dass der Top-Favorit früh geschlagen war. Selbst No-Hoper Ocean Applause endete vor dem einstigen Jahrgangs-Primus. Es gibt eben so Tage, an denen geht eben alles schief.
Immerhin gab es für einige „Verlierer“ in Epsom schnell Trost: Andre Fabre, der Trainer des unglücklichen Ocovango, triumphierte mit Intello im Prix Du Jockeyclub, dem französischen Derby über 2200 Meter. Trainer Andreas Wöhler gewann mit Akua’da die 93. German 1000 Guineas in Düsseldorf. „Eine echte Kampfsau“, kommentierte der Trainer auf der Homepage und meinte damit die Stute, die erst gar nicht ihre Box beziehen wollte. Und ich kann endlich mal die hervorragende Homepage des Rennstalles Wöhler loben.

Das englische Derby gibt es hier noch einmal

Korrektur: Das französische Derby ist nur 2100 Meter und nicht wie oben beschrieben 2200 Meter.