Donnerstag, 23. Mai 2013
Ein Hauch von Klassenkampf: Bayern gegen den BVB
Bei den Buchmachern wie bwin fussball ist die Sache eindeutig: Bayern München ist klarer Favorit im deutsch-deutschen Champions League-Finale gegen Borussia Dortmund. Für einen Erfolg der Bayern gibt es für 1 Euro Einsatz gerade mal 1,67; bei einem Erfolg der Borussia sind es immerhin 4,33 Euro. Bei den anderen Buchmachern sieht es ähnlich aus.
Selten hat ein Fußballspiel die Deutschen so beschäftigt wie das Finale am Samstag im legendären Londoner Wembley-Stadion. Seit Wochen sprechen alle davon – verständlich, zwei deutsche Teams im wichtigsten Spiel des mit Abstand bedeutendsten Clubwettbewerbes. Nur ein Finale der Fußball-Weltmeisterschaft kann da noch mithalten.
In Dortmund herrscht schon seit Tagen der Ausnahmezustand. Viele Dortmunder werden auch ohne Ticket nach London reisen, Schwarz-Gelb dürfte eindeutig das Straßenbild prägen. Manche Public-Viewing-Veranstaltungen in Dortmund sind bereits ausverkauft; Stadt und Kneipen dürften am Samstag proppenvoll sein. Falls der BVB triumphiert, rechnet die Stadt Dortmund mit bis zu 250 000 Menschen, die am Sonntag die Mannschaft in der Innenstadt feiern wollen.

„Kohle gegen Pott“
Selbst Medien, denen der Fußball sonst nur Randgeschichten wert ist, rücken das Match in den Vordergrund. Der Focus etwa (dessen Herausgeber Helmut Markwort zum Bayern-Aufsichtsrat gehört und der bei den Spielen eine Reihe unter den Bayern-Granden Rummenigge und Hoeneß sitzt), brachte zum langen Wochenende eine Titelgeschichte mit der Überschrift „Das deutsche Duell – Kohle gegen Pott, was ein Fußballspiel über unser Land erzählt. Meine Neugier war geweckt und so habe ich das Blatt am Zeitungsstand im Dortmunder Hauptbahnhof mal eben schnell begutachtet. Die Story? Na ja, das arme Ruhrgebiet, geplagt von Hartz IV und Arbeitslosigkeit, gegen das reiche, wirtschaftlich florierende Bayern. Ein wenig Klassenkampf, ein wenig David (BVB) gegen Goliath (Bayern), ein wenig Malocher gegen Manager – ganz nette Thesen, aber auch ein wenig inzwischen an der Realität vorbei. Denn Dortmund ist schon lange nicht mehr nur das Ruhrgebiet, der Pott ist nicht mehr nur Elend und Verzweiflung. Der Global Player Bayern München verkörpert zudem nicht mehr den Freistaat allein - auch wenn er diese Wurzeln gerne betont. Aber wenn der Focus häufig solche Geschichten im Blatt hätte, würde ich ihn vielleicht auch mal lesen. Obwohl der Text reichlich kurz war und ziemlich abrupt endete.
Jedenfalls ist Dortmund schon der Herausforderer, der den Platzhirsch Bayern München in den letzten Jahren heftig ärgerte. Besonders die 2:5-Schlappe im letzten DFB-Pokalfinale war für Hoeneß und Freunde eine richtige Demütigung. Nach dreimal Vize in der Saison 2011/2012 durfte der brave Christian Nerlinger gehen; Matthias Sammer kam dafür und spielte erfolgreich den Spaßverderber.
Das Ergebnis ist bekannt: Bayern absolvierte eine hochbrilliante Bundesligasaison, war haushoch überlegen und wirkte auch in der Champions League sehr souverän. Die Krönung waren die zwei deutlichen Erfolge gegen den großen FC Barcelona im Halbfinale. Selbst ich war beeindruckt.

Kein Götze-Abschied
Der BVB hingegen spielte eine eher mäßige Bundesliga-Saison, ließ viele Punkte liegen. Nur in der Champions League bot das Klopp-Team herausragende Leistungen, imponierte in der sogenannten „Todesgruppe“ gegen Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam, schaffte gegen Malaga ein Wunder und überzeugte auch gegen Real im Halbfinale. Trotz Münchener Störfeuers, denn mitten in die Vorbereitungen des Spiels platzte die Meldung vom Götze-Transfer nach München.
Eine Meldung, die nicht nur die Dortmunder Fangemeinde schockte. Durch diesen Wechsel ist die Stimmung deutlich angespannt. Mario Götze wird allerdings nicht spielen und sonst? Ich habe ein schlechtes Gefühl, erwarte eine deutliche Dortmunder Niederlage – und das ist gut so. Denn immer wenn ich so ein mieses Gefühl hatte, endete die Sache positiv. Das war schon früher in der Schule so. Und dass der BVB gegen Bayern München gewinnen kann, hat das letzte Jahr eindeutig bewiesen. Muss ja diesmal nicht unbedingt ein 5:2 sein.



So war es 1966: Ausgerechnet Stan Libuda traf in der 116. Minute zum 2:1 gegen den FC Liverpool. Und Borussia Dortmund holte erstmals einen Europapokal nach Deutschland.



Donnerstag, 9. Mai 2013
Die Leve-Stallform steht: Gestüt Haus Ittlingen schlägt Gestüt Itttlingen
Himmelfahrt ist Großkampftag in Turf-Deutschland: Dortmund, Magdeburg und seit einiger Zeit auch Baden-Baden. Normalerweise stürze ich mich an diesem Tag immer in die Massen auf der Dortmunder Bahn, aber seitdem die Derby-Vorprüfung (weil Baden-Baden meint, sie müssten ein ähnliches Rennen zum fast gleichen Zeitpunkt veranstalten) nicht mehr ist, fehlt ein wichtiger sportlicher Anreiz. Und das restliche Programm war nicht so prickelnd, dass man es unbedingt sehen muss. Obwohl der Dortmunder Rennverein großes Lob verdient, dass er einen Ausgleich 1 als Hauptereignis anbietet, auch wenn Pferde dieser Kategorie heute lieber in Frankreich starten. Aber große Lust auf den Rummel hatte ich nicht.
Also zuhause vor dem PC geblieben, zumal Chester auf der Insel auch ein nettes Programm bot. Doch Chester fiel für mich flach, die Konzentration lag diesmal auf Dortmund und Baden-Baden. Generell: Die Übertragungen von den deutschen Galopprennbahnen sind immer noch nicht gut – verglichen etwa mit dem Standard von Racing UK. Die Bilder sind eindeutig nicht HD, die Farben wirken verschwommen. Wobei Baden-Baden qualitativ besser war als Dortmund und Magdeburg.
Ziemlich amateurhaft wirken manchmal die Kameraeinstellungen, wenn etwa in Magdeburg auf einmal das Feld nicht mehr zu sehen ist. Und dann diese Hintergrundgeräusche: Mal brummt es, mal blökt jemand etwas in ein Funkgerät, mal gibt es Privatgespräche live – im besten Fall lustig, im schlimmsten Fall peinlich. Immerhin waren die Veranstalter einigermaßen pünktlich.
Sportlich setzte natürlich Baden-Baden die Maßstäbe. Höhepunkt des Tages war die Badener Meile, ein Gruppe III-Rennen dotiert mit 55 000 Euro. Auf dem Papier eine offene Sache, zumal ein Gruppe 1-Sieger wie Zazou sich über eine ungewohnte Strecke stellte. Ich hatte einen Einlauf mit Amarillo und Neatico, den beiden Startern aus dem Schiergen-Stall, gespielt.
Am Ende aber hatte der 165:10-Schuss Felician die Nase vorn. Der Wallach setzte damit die großartige Stallform von Ferdinand Leve fort, der für das Gestüt Haus Ittlingen trainiert. Es ist schon erstaunlich, wie gut die Leve-Schützlinge derzeit laufen. So schlecht waren die Formen von Felician nicht, dennoch zählte er zu den Außenseitern. Aber Stallform verleiht offenbar Flügel – und so fand Jockey Lennart Hammer-Hansen, der eigentlich schon aufgehört hatte, die Lücke zum Sieg. Neatico wurde für das Gestüt Ittlingen mal wieder Zweiter; Combat Zone bestätigte als Dritter die gute Hofer-Form.
Die Rennen in Iffezheim sind schon harte Nüsse für die Wetter. Donna Sophia rettete meine Wettbilanz mit ihrem Erfolg in der Nestle Schöller-Trophy, obwohl sie vorher sieglos war, aber immerhin dabei sieben Mal Zweite zwar. Es war ein perfekter Ritt von Filip Minarik, von der Spitze führte er die Stute zum Erfolg. In letzter Zeit hatte ich als Wetter mit Minarik-Ritten wenig Glück, was allerdings überwiegend nicht am Jockey lag. Klagen sollte ich zudem nicht, denn Night Chapparal sorgte in der Japan Association-Trophy für den zweiten Wetterfolg des Tages.

Zukunftsmusik
Aber sonst gab es die üblichen Überraschungen: Just in Front (Toto 157), Belmondo (118, aus dem Stall von Erika Mäder, die früher in BB schöne Erfolge feiern konnte) oder Poly Cross (180) waren in den Handicaps erfolgreich auf den Punkt trainiert.
Sehr eindrucksvoll fand ich den Erfolg von Destor in einem der zwei Dreijährigen-Maidenrennen. Der in Hoppegarten von Uwe Stech trainierte Schimmel hatte zuletzt nur gegen den hoch gehandelten Nuntius verloren und bestätigte diese Form gegen durchaus gut gehandelte Konkurrenten. Dabei wirkte der Sternkönig-Sohn noch etwas heftig. Jedenfalls bin ich gespannt auf seine weitere Laufbahn.
Auch in Dortmund gefiel mir ein Vertreter des Derby-Jahrgangs am besten. Saloon Day triumphierte im Preis des Vermögensmanagements über 2000 Meter und wehrte sich immer wieder hartnäckig gegen die Attacken von Stürmer und Andarta. Auch hier bin ich gespannt auf die weitere Karriere – und auf die von Barcelona (der Ruhrgebietler sagt Batzelona), der als Vierter reichlich grün lief. Das andere Dreijährigen-Rennen gewann Francine aus dem Stall von Andreas Wöhler und konnte auch gefallen.
Im besten Rennen des Tages aber unterlag der Wöhler-Schützling Kahoon knapp dem Hofer-Schützling Primera Vista. Der Große Preis der Sparkasse Dortmund ist inzwischen ein Ausgleich 1 – und leider laufen Pferde dieser Klasse lieber in Frankreich, weil sie dort erheblich mehr verdienen können. In Dortmund gab es nur 15 000 Euro und wenn ich denke, dass es früher Handicaps gab, wo man deutlich mehr verdienen konnte, dann habe ich eindeutig nostalgische Gefühle. So ein Preis der Stadt Mülheim etwa, ein Ausgleich 1 am 1. Mai, das war ein richtiges Wettrennen mit einer Vielzahl starker Pferde. In Dortmund liefen fünf Pferde – das ist die Realität im deutschen Turf 2013.
Immerhin: Die Hofers hatten einen sehr erfolgreichen Renntag. Zwei Erfolge in Dortmund mit Jockey Andre Best (der zudem noch ein drittes Rennen gewann), in Baden-Baden feierte Steffi Hofer zwei schöne Erfolge im Sattel (einen davon für den Stall). Mann des Tages in Dortmund aber war Routinier Dave Mc Cann, der als „Gelegenheitsjockey“ Kinara noch einmal energisch ritt und so noch an La Donosa vorbeizog. „Der Dave ist da“, verkündete Kommentator Pan Krischbin. „Alter schützt vor Können nicht“.



Dienstag, 23. April 2013
Das Ende der FC Bayern-Kuschelzeit
Es gibt Tage, die beginnen einfach nur bescheiden. „Dortmunder, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein“, verkündete Moderator (und Dortmunder) Peter Großmann im ARD-Morgenmagazin. „Mario Götze wechselt zum FC Bayern München. Das meldet die BILD-Zeitung.“
Nun steht das Boulevardblatt nicht unbedingt für glaubhaften Journalismus, aber in diesem Falle funktionierte die alte Verbindung zwischen BILD und dem FC Bayern München. Mario Götze, das Jahrhundert-Talent im Trikot von Borussia Dortmund, geht wirklich nach Bayern – für 37 Millionen Euro, er hatte irgend so eine Klausel im Vertrag. Offensichtlich stand der Deal schon etwas länger fest.
Nicht zufällig hat der FC Bayern gerade zu diesem Zeitpunkt der BILD diese Geschichte gesteckt. Dieser Wechsel bestimmt natürlich die Schlagzeilen und lenkt vom Steuerskandal ihres Präsidenten Uli Hoeneß ab. Strategisch wohl platziert – vielleicht gab es ja auch einen Deal zwischen dem Klub und dem Springer-Blatt: „Ihr bekommt die Götze-Geschichte, dafür lasst ihr unseren Präsidenten in Ruhe“. Natürlich ist das Spekulation, aber ich bin nicht der einzige, der so denkt.
Ansonsten sind nur wir Fans, die ihr Geld für Dauerkarten und ähnliches verbraten, für die Abteilung Fußball-Romantik zuständig. Profifußball ist ein Geschäft, in dem es nur ums Geld geht. Was will Götze in München? Sportlich fällt mir da wenig ein, außer dass er dort wahrscheinlich jedes Jahr mit großem Abstand Deutscher Meister wird. Dafür bekommt er deutlich mehr Geld und sein Berater kann sich einen neuen Porsche kaufen.
Ich will auch gar nicht groß jammern: Für 37 Millionen Euro geht der BVB shoppen bei Vereinen wie Gladbach (Hallo Herr Reus), Leverkusen oder Frankfurt und die holen sich ihre neuen Spieler dann wieder bei Vereinen wie Mainz, Freiburg oder Augsburg. Fußball ist eben wie ein Raubfischbecken – die Großen fressen die Kleinen.



Wenn Mario Götze mal Langeweile hat, dann kann er wunderbar bergwandern in Bayern. So toll kann er das im Sauerland nicht.

Hoffen auf Barca
Was soll zum Beispiel ein Anhänger des SC Freiburg denken? Die spielen eine großartige Saison und zur Belohnung verlassen Leistungsträger wie Kruse, Rosenthal und Caligiuri den Klub. Die Freiburger haben ein Problem – der BVB nicht. Borussia hat in den letzten Jahren jeden Spieler adäquat ersetzt – ob Sahin, Barrios oder Kagawa. Das wird bei Mario Götze genau so sein, auch wenn sein Abgang weh tut.
Übrigens zeigt der Götze-Transfer, dass die Gedanken des Uli Hoeneß vor zwei Wochen reine Folklore waren. Der Bayern-Präsident hatte nämlich befürchtet, dass Bayern und Dortmund die Bundesliga zu sehr dominieren und die anderen Vereine den Anschluss verlieren. Die Lösung wäre einfach: Die Münchner geben ihre teueren Ergänzungsspieler wie Gomez, Pizarro, Rafinha oder Shaqiri an andere Klubs ab.
Es hätte so eine schöne Festwoche des Fußballs werden können: Halbfinale der Champions League, heute Bayern gegen Barca, am Mittwoch der BVB gegen Real Madrid. Der FC Bayern hat mir den Spaß verdorben, heute abend bin ich Barca-Fan! Mit Barcelona verbindet der Bayern-Fan zwei der größten Demütigungen der letzten Zeit: das Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United und die legendäre 0:4-Klatsche aus dem Jahre 2009. So soll es wieder sein.

Einen noch härteren Ton schlägt Ulrich Homann, alter Kämpfer der Reviersport, an. Manchmal ein wenig übertrieben, aber lesenswert. Bei den Kommentaren fällt auf, wie plump die meisten Bayern-Fans argumentieren. Kein Wunder, dass früher niemand mit denen spielen wollte.