Die einstige Teenage-Sensation beendet seine Karriere: Michael Owen (33, derzeit noch Stoke City) hört zum Saisonende auf. Der ehemalige englische Fußball-Nationalspieler hatte zuletzt wegen Verletzungen kaum noch gespielt.
Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1997 und ich bin seit einiger Zeit so anglophil angehaucht wie noch nie. Zum Samstag gehört in der Regel die Rennzeitung Racing Post (und ich bin stocksauer, wenn diese mal nicht kommt oder beim Bookie bereits ausverkauft ist). Die Rennsportseiten lese ich bis zur letzten Form. Für den Sonntag habe ich die umfangreichen Sonntagszeitungen wie den Observer oder die Sunday Times entdeckt.
Es waren auch aufregende Zeiten im Vereinigten Königreich: Tony Blair kreierte „Cool Britannia“ und Fußball war auf einmal so sexy wie noch nie. Die mittleren und oberen Schichten hatten die einstige Hooligan-Sportart entdeckt, die Premiere League boomte wie noch nie, die Spitzenvereine schwammen dank eines lukrativen Fernsehvertrags mit Murdochs Sky regelrecht im Geld. Die Eintrittspreise schossen ebenfalls in die Höhe, den Leuten war es egal, sie zahlten diese Preise einfach.
Nicht nur Riedle war verzückt
Ausländische Stars wie Ruud Gullit oder der grandiose Gianfranco Zola prägten die Schlagzeilen. Selbst das einstige Sorgenkind Nationalmannschaft ließ auf einmal hoffen. 1996 verlor das Team bei der Heim-EM erst im Halbfinale (natürlich nach Penalties) gegen Deutschland, die Mannschaft um Paul Gascoigne glänzte nicht nur durch außersportliche Trinkgelage, sondern zeigte auch ordentliche Leistungen.
Das Beste schien noch zu kommen: In den Startboxen stand die talentierteste Generation seit Jahren mit etwa David Beckham, Paul Scholes oder Robbie Fowler. Selbst Nationaltrainer Glenn Hoddle symbolisierte den Aufbruch, zumal er schon als technisch versierter Mittelfeldspieler nicht gerade ein typischer Vertreter englischer Fußballkultur war. Die Nation hoffte: Irgendwann musste doch mal diese Seuche ein Ende haben und England wieder Fußball-Weltmeister werden.
1997 verbrachte ich meinen Urlaub auf der Insel, besuchte die Rennbahnen in Ascot, Chester, Newcastle und Newmarket, entdeckte, dass Fußball-Gucken im Pub richtig Spaß machen kann und las ausgiebig die britischen Fußballmagazine wie Four-Four Two. Ein Name tauchte immer auf: Michael Owen, ein Stürmer, der damals noch nicht mal 18 Jahre war. Im Mai 1997 gab er sein Premiere League-Debüt für den FC Liverpool.
„Es ist unglaublich, sich vorzustellen, dass er erst 17 ist, wenn du ihn spielen siehst“, sagte sein damaliger Mitspieler Karl-Heinz Riedle, der Owen vor seinem Wechsel nach Liverpool nicht kannte. „Er ist so ein guter Spieler, so schnell und für sein Alter schon so reif."
Ein Tor für die Ewigkeit: Owens Sturmlauf gegen Argentinien
Doch bereits im ersten Jahr erfüllte Owen alle Vorschusslorbeeren. 18 Tore schoss er in seiner ersten Premiere League-Saison und spätestens seit der Fußball-WM 1998 in Frankreich kannte ihn jeder Fußball-Fan. Dieses Tor gegen Argentinien verkörperte alle Qualitäten des Michael Owen: unheimlich schnell, unheimlich zielstrebig und eine exzellente Schuss-Technik. „Er war ein Killer mit Babyface. Sein Abschluss war erstaunlich“, urteilte Glenn Hoddle. Dennoch schied die junge englische Mannschaft gegen die abgezockten Argentinier aus – natürlich nach Elfmetern.
Trostpreise
Bis 2004 hatte Michael Owen sportlich seine beste Zeit beim FC Liverpool, traf in der Premiere League bei 216 Einsätzen 118 Mal. Doch die wichtigen Titel in England holten andere, besonders der Erzrivale Manchester United. Für die Reds blieben nur die „Trostpreise“ wie der FA-Cup oder der UEFA-Pokal. Und schon in dieser Zeit stoppten Knieverletzungen die Karriere des Stürmers.
Der erste richtige Karrierebruch kommt bei Real Madrid. Dort sitzt er meist nur auf der Bank. Die Heimkehr nach England zu Newcastle United sollte die Karriere wieder ankurbeln, doch verletzungsbedingt macht Owen in vier Jahren nur 71 Spiele, am Ende steigt Newcastle sogar aus der Premiere League ab. Auch die Zeiten bei Manchester United und zuletzt bei Stoke City waren nicht gerade von persönlichem Erfolg geprägt.
Der schnelle Angreifer teilte das Schicksal vieler Frühbegabter: Am Anfang großartig erfolgreich und irgendwann ebbt der Erfolg rapide ab. Was nicht verwundert – nur sind die Erwartungen so hoch, weil viele meinen, dass der Erfolg ewig bleibt. Da Owen aber sein Privatleben im Gegensatz zu anderen Mitspielern weitgehend unter Verschluss hielt, blieben die Negativ-Schlagzeilen weitgehend aus. Und im Gegensatz zu Cool Britannia hat Michael Owen wenigstens ansatzweise die Erwartungen erfüllt. Nur England zu einem Titel schießen – das konnte auch er nicht.
Was macht Owen danach? Gemeinsam mit seiner Frau besitzt er die Manor House Stables und lässt dort von Tom Dascombe Galopper trainieren. „Wird Michael Owen jetzt Galoppertrainer?“ rätselt schon die Turf-Times. In England ist das gar nicht so ungewöhnlich: Mick Channon war ein bekannter Fußballer in den 70er und 80er Jahren und ist jetzt ein erfolgreicher Trainer von Vollblütern. Jedenfalls zeigt Owen Geschmack, wie er seine Gagen anlegt.
In Dortmund liegen zwar noch die letzten Schneereste, aber Düsseldorf und Mannheim (wobei im Südwesten das Wetter offensichtlich besser ist) trotzen den tiefen Temperaturen. Endlich: Die Grasbahnsaison in Deutschland beginnt am kommenden Sonntag, das Winterelend in Neuss und Dortmund hat ein Ende.
Erstmals seit langer Zeit gibt es so etwas wie eine etwas bessere Stimmung im deutschen Turf, nachdem in den Jahren zuvor doch eher die Untergangs-Propheten das Sagen hatten. Es gibt wirklich positive Initiativen für das Rennjahr 2013: Die Preisgelder wurden sowohl in den Dreijährigen-Rennen als auch im Ausgleich 2 erhöht. Beides ist gut, aber besonders letzteres verdient ein Extralob. Denn gerade gut besetzte hohe Handicaps sind etwas, was dem deutschen Rennsport ungemein fehlte. Pferde dieser Klasse liefen zuletzt immer in Frankreich, weil dort die Preisgelder besser waren. Und damit kommen wir zu meinem perfekten Renntag, der mich zum Beispiel wieder mehr mit dem deutschen Turf verbinden würde. Was müsste das Rennprogramm bieten? Eigentlich sind die Zutaten ganz einfach:
• Ein Hauptrennen, das diesen Namen wirklich verdient und ein echter Höhepunkt des Tages ist: Am besten wäre natürlich ein Kracher – ein Klassiker etwa. Oder ein Grupperennen. Vierbeinige Stars sind immer gut und locken die Besucher. Wäre doch mal schön, wenn diese nicht nur im Ausland laufen würden. Zugegeben – bei den Topstars ist das schwer.
Natürlich kann nicht jede Veranstaltung mit einem Gruppe- oder Listenrennen punkten. Ein Handicap der oberen Kategorie tut es aber auch. Die Zeiten, wo es im Ausgleich 1 in Deutschland wunderbare Wettrennen gab, sind zwar leider vorerst vorbei. Ein deutsches Cambridgeshire oder Ebor-Handicap wird ein Traum bleiben. Aber wenigsten ein Ausgleich 2 sollte es sein, da laufen auch schon gute Pferde. Also bitte, keine Veranstaltung mehr mit einem Ausgleich 3 als vermeintlicher Hauptprüfung.
Wer soll das bezahlen, höre ich schon die ersten Kritiker. Und dem Wetter ist es doch so und so egal, auf was er wettet – Hauptsache kopfstarke Felder. Das stimmt nicht: Ich wette lieber auf sportlich höherwertige Angelegenheiten.
• Mehrere Prüfungen für den Derbyjahrgang: Gerade im Frühjahr sind diese Rennen das Salz in der Suppe. Weil in ihnen unzählige Talente stecken, weil es Spaß macht, die oftmals noch unreifen Pferde zu beobachten. Oftmals ist eine Leistung in einer Maidenprüfung das Ereignis, über das man nach dem Renntag spricht. Früher, als ich noch regelmäßiger das Fachblatt Sport-Welt gelesen habe, habe ich mir immer die Einschätzung der Trainer in der Stallparade notiert. Das war häufig übrigens sehr interessant – besonders, wenn Meinung und Realität noch weit auseinander klafften.
• Handicaps der oberen Kategorie: Siehe oben, aber auch im Rahmenprogramm sollte es Handicaps der höheren Kategorien geben. Zumindest im Ausgleich 3 lassen sich auch sehr starke Felder zusammenstellen. Und selbstverständlich gehören die Ausgleiche der Kategorie IV und die Rennen für die vierjährigen Sieglosen auch zu einem Renntag – aber der Tag sollte nicht nur aus diesen Prüfungen bestehen.
• Hindernisrennen: Bekanntlich ist der Autor ein großer Freund des englischen Hindernissports, der ihm seit Jahren über den Winter hilft. In Deutschland bin ich etwas skeptisch, weil ich oftmals katastrophale Rennen mit schlecht geschulten Pferden gesehen habe. Gut gelaufene Prüfungen über die Hindernisse sind allerdings eine willkommene Abwechslung im Rennprogramm. Es muss einfach nur mehr Rennen für diese Pferde geben, dann laufen dort auch wieder bessere Kandidaten. Und ein Pferd wie Registano gehörte einst zu den Attraktionen auf Deutschlands Rennbahnen.
Wenn dann noch das Wetter einigermaßen stimmt, dann steht einem fast perfekten Renntag nichts entgegen.
Es sind Worte wie diese, mit denen Jürgen Klopp die Herzen der BVB-Anhänger gewinnt. Nicht jeden Tag, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem grandiosen 3:0 seiner Mannschaft gegen Schachtar Donezk und dem Erreichen des Viertelfinals in der Champions League, könne seine Elf fußballerisch die Welt verändern. „Aber es gibt Tage, an denen uns das gelingt.“ Wenn man Dortmunder fragen würde, wer in der Ruhrgebiets-Metropole ein Denkmal verdiene, dann würden gefühlte 95 Prozent Jürgen Klopp antworten. Zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg lautet die sportliche Bilanz des 2008 von Mainz nach Dortmund gekommenen Fußball-Lehrers. Zweifellos: Klopp hat den BVB aus der Lethargie geweckt, er hat wieder ein Team geschaffen, dessen Fußball die Anhänger stolz macht. Da können andere ihn heftig kritisieren, wenn der Übungsleiter während des Spiels mal wieder ausrastet und ihn ein schlechtes Vorbild nennen. Klopp ist eben authentisch.
Kein Wunder, dass es schon mehrere Biografien über ihn gibt. Eine heißt Jürgen Klopp – Echte Liebe, stammt von Elmar Neveling und anderen Autoren und erschien Ende 2011. Allerdings hat Jürgen Klopp an der Biografie nicht mitgewirkt, nurpferdeundfussball hat sie dennoch gelesen.
Inhalt
Streng chronologisch: Erst die Jugend im Schwarzwald, dann die Zeit als aktiver Spieler mit dem Schwerpunkt natürlich auf Mainz 05, der Übergang in den Trainerjob und die Mainzer Epoche als Trainer, die Klopp so prägte. Es folgt die Zeit in Dortmund mit all den großen Erfolgen.
Im zweiten Teil des Werkes beschäftigen sich Neveling und seine Mitautoren intensiv mit der Spielphilosophie von Klopp in Dortmund, versuchen den Mensch zu charakterisieren. Dazu gibt es Informationen zur „Marke Jürgen Klopp“, zum Umfeld des Erfolgstrainers und ein Interview mit Persönlichkeitstrainer Cristian Galvez.
Stärken
Wie gut eine Biografie ist, hängt immer von den Zeitzeugen ab, die zur Verfügung stehen. Das ist eine alte Weisheit und gilt auch bei „Jürgen Klopp – Echte Liebe“. Mitautor Roger Repplinger war in Glatten, dem Ort, wo der Trainer aufwuchs und hat sich dort unter anderen mit früheren Trainern und Mitspielern unterhalten. Und da Repplinger ein sehr guter Schreiber ist, entstand ein wunderbar zu lesender, sehr spannender Text über den jungen Jürgen Klopp.
Noch spannender sind die Rückblicke auf die Zeit bei Mainz 05. Christian Heidel, der Manager des selbsternannten Karnevalsvereins, erzählt sehr offen und liefert hochinteressante Einblicke in den Profifußball der 90er und 00erJahre. Immer wieder taucht der Name Wolfgang Frank auf. In den 90er Jahren galt der Fußball-Lehrer im „Manndecker-Paradies“ Deutschland als leicht verschrobener Phantast, der auf die exotische Viererkette setzte. „Deutschland hatte ein Trainerproblem“, berichtet Heidel. Frank prägt Klopp, Mainz 05 und Heidel – und der Klub Mainz 05, der früher nie eine große Rolle im deutschen Fußball spíelte, schafft auf einmal den Sprung in die Bundesliga mit dem Trainer Jürgen Klopp. „Das ist der größte Trainer in Deutschland“, sagte damals Christian Heidel zum Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, als der BVB Jürgen Klopp verpflichtete.
Schwächen
Dieses Niveau kann der Dortmunder Teil leider nicht halten. Weil eben Klopp nicht als Gesprächspartner zur Verfügung stand und auch sonst niemand aus seinem Dortmunder Umfeld etwas erzählt. So bleiben viele Texte ziemlich flach und oberflächlich, es ist nichts Neues, was der BVB-Fan erfährt. Das Meiste kennt er schon, wenn er regelmäßig Zeitungen und Fachmagazine verfolgt. Nur Thomas Hennecke, seit langem journalistischer Begleiter der Borussia beim Fachmagazin kicker, liefert ein paar interessante Einblicke.
Auch das Kapitel über die Spielphilosophie von Klopp überzeugt nicht wirklich, vieles wirkt reichlich aufgewärmt. Ebenso ist das mit der Markenbildung und der Persönlichkeit Jürgen Klopp. Vieles davon könnte auch in einem Management-Buch stehen – und das ist oft viel heiße Luft. Und für nicht BWL-Fetischisten schwere Kost.
Urteil
Es beginnt furios. Die ersten 70 Seiten sind eine spannende Lektüre. Doch dieses Tempo kann das Werk nicht halten, die Abschnitte über Jürgen Klopp beim BVB bleiben sehr oberflächlich und bieten weitgehend nichts Neues. Eben weil sich niemand aus dem BVB-Umfeld äußert und auch Klopp nicht beteiligt ist. Vielleicht hätte man warten sollen, bis er mal Manchester United trainiert oder Bundestrainer ist. Dann wäre zumindest der Teil über die Zeit bei Borussia Dortmund spannender ausgefallen.
Elmar Neveling: Jürgen Klopp, Echte Liebe, Copress Edition, ISBN 978-3-7679-1073-7, erhältlich bei den üblichen Verdächtigen
Eine Leseprobe gibt es auf der Homepage des Autors