Es ist zweifellos nicht das Jahr des Lanfranco, besser bekannt als „Frankie“, Dettori. Erst verlor er seinen langjährigen Stalljockey-Posten bei Godolphin und jetzt auch noch dieses
Malheur: Der 41jährige Jockey wurde am 16. September in Longchamp positiv auf eine verbotene Substanz gestestet. Genaueres ist noch nicht unbekannt, auch wenn manche Zeitung von Kokain als verbotene Substanz spricht. Dettori will sich erst in der nächsten Woche auf einer Anhörung äußern, erklärte sein Rechtsanwalt. Wenn er für schuldig befunden wird, droht ihm eine weltweite lange Sperre.
Nun könnte es dem gebürtigen Italiener doch eigentlich egal sein: Er befindet sich quasi im Herbst seiner Karriere, hat fast alle wichtigen Rennen der Welt gewonnen, Millionen dabei verdient und ist einer der besten Jockeys der Welt. Eigentlich könnte er doch Schluss machen, ein gemütlicheres Leben führen und sich um seine Kinder kümmern.
Wer allerdings den Dettori der letzten Jahre erlebt hat, der hat von Müdigkeit wenig gespürt. Gut, die Trefferquote ist in diesem Jahr nicht mehr so hoch wie in den Jahren zuvor. Das mag aber auch daran liegen, dass er bei Godolphin nicht mehr automatisch die erste Wahl hatte, sondern Mikael Barzalona und Silvestre da Sousa gleiche Rechte haben. Und jetzt der fehlgeschlagene Test: Das mit dem Wendepunkt der Karriere (
Guardian) hat schon seine Richtigkeit.
Moralapostel
Schon wetzen viele die Messer. Natürlich sollten Jockeys keine Drogen nehmen - wie jeder andere Sportler auch. Allerdings gibt es mildernde Umstände: zum Beispiel, dass Jockeys einen Stressjob haben und es ziemlich ungesund ist, wenn sie bei einer Größe von 1,70 Gewichte um die 50 kg auf die Waage bringen müssen und permanent Hunger haben. Noch 'mal: Das ist keine Absolution für etwaiges Fehlverhalten.
Jockeys und Drogen sind kein neues Problem. Gerüchte gibt es viele, konkrete Fälle weniger.
2008 stand der englische Top-Jockey Kieren Fallon 18 Monate am Zaun, weil er Kokain genommen hatte.
Dennoch kein Vergleich zum Profi-Radsport, wo in den letzten Jahren wohl jeder Top-Fahrer verbotene Substanzen nahm. Auch wenn Fallon damals das englische Turfzentrum Newmarket als „hotbed of drug abuse“ bezeichnete.
Das sei aber definitiv nicht so, zitiert der englische
Independent Graham Locking, Geistlicher der Rennsport-Gemeinde. Auch in Newmarket sei der Gebrauch von Alkohol und Drogen eher durchschnittlich. „Die große Mehrheit der Leute, die im Rennsport arbeiten, führen normale Leben, arbeiten hart…“, so der Kaplan. Er fordert Fairness gegenüber Newmarkets bekanntestem Einwohner. Locking: „Niemand sollte mit dem Finger auf Frankie Dettori zeigen.“ Aber so sei das mit den Stars: Wenn sie sich als menschlich erwiesen und Fehler machen, werden viele Menschen zu Moralaposteln.
Sie haben es geschafft und spielen dort, wo andere von träumen: Ein
Portrait der U8 des FC Bayern München, geschrieben von Christian Thiele von der Zeitschrift Nido. Textausschnitt: "
Es heißt zum Beispiel, dass man aus einem Dorf nahe Ingolstadt jede Woche vier Mal bestenfalls eine bis anderthalb Stunden nach München zum Training fährt, im schlimmsten Fall quer durchs Land zu Auswärtsspielen und dann wieder zurück nach Hause. Nur für das Fußballkind, da lohnt sich schon ein Diesel. " Sehr einfühlsam geschrieben, sehr lesenswert - diese Reportage über die .Jungtalente des Rekordmeisters. Es gibt ihn also noch, den Qualitäts-Journalismus der etablierten Medien. Und nicht nur Geschichten wie
diese.....
Wie viele Stunden verbringt der Fußball-Fan im Stadion seines Lieblingsclubs? Schwer zu sagen, für manche mag es ein zweites Wohnzimmer sein. Generell: Jedes Fußballstadion hat etwas Besonderes - für den Fan, für den neutralen Besucher. Mit dem wundersamen Ort Stadion beschäftigt sich auch „Fußball-Wunder-Bauten - Die schönsten Stadien und ihre Geschichten", das vor kurzem erschienene Buch von Andreas Bock, Alexander Gutzmer und Benjamin Kuhlhof. Das Schöne: Die drei Autoren beschrieben die Stadien nicht nur vom architektonischen Standpunkt, sie präsentieren unterschiedliche Geschichten zu den einzelnen Bauwerken. Das verwundert nicht, denn Bock und Kuhlhoff schreiben für das Fußball-Magazin
11 Freunde, nur Gutzmer arbeitet als Redakteur im Architekturbereich.
Manchmal funktioniert diese Mischung wirklich gut. Im Gegensatz zum
BVB-Fanzine schwatzgelb.de finde ich gerade das Kapitel über das Westfalenstadion, neudeutsch Signal-Iduna-Park, sehr gelungen. So eine Begehung der Südtribüne von unten nach oben in 90 Minuten erfordert nicht nur viel Kondition, sondern bietet auch dem dauerhaften Westfalenstadion-Besucher neue Einsichten. Ich weiß nur nicht, wie der Autor das geschafft hat, denn im Normalfall stehen die Leute auf der Süd so dicht, dass es kaum ein Durchkommen gibt und jeder Bierholer mühselig Slalom nach oben laufen muss.
Interessant fand ich das Interview mit Campino über das Stadion des FC Liverpool an der Anfield Road und die legendäre Stehtribüne Kop. Der Frontmann der Toten Hosen plaudert viel über die alte Faszination des englischen Fußballs, scheint aber von den Neuzeiten der Premier League noch nicht viel mitbekommen zu haben. Und ob alles früher immer so toll war, sei mal dahingestellt. Dennoch ein lesenswertes Interview mit schönen alten Fotos.
Mein drittes Highlight ist die Geschichte über Sven Brux, den heutigen Sicherheitsbeauftragten des FC St. Pauli. Brux erzählt von seinen Besuchern in den neunziger Jahren bei den Fans von Celtic Glasgow im Celtic Park – zu einer Zeit, als Fußball noch lange kein Event war, sondern knallhartes Arbeiter-Vergnügen. Allerdings, liebe Fans des FC St. Pauli: In Dortmund gab es schon seit 1987, als beide Vereine im UEFA-Cup aufeinander trafen, eine Fanfreundschaft mit den Grün-Weißen. Das Celtic-Trikot war lange Zeit das zweit meistverkaufte in Dortmund.
Natürlich sind auch einige Geschichten nicht so gelungen: München fand ich zu architektonisch, Maracana zu allgemein und auch Netzers Interview zum Estadio Bernabeu zählt eher zur Kategorie Durchschnitt. Und das wunderbare Stadion des FC Fulham mit dem Craven Cottage hätte mehr Raum verdient.
Fazit
19 Stadien – unterteilt in die Bereiche Champions League, Erste Liga und Überraschungserfolge – stellen die Autoren vor. Die Bilder sind meist eindrucksvoll, manche Texte auch, manche weniger. Dennoch eine nette Lektüre für lange Winterabende. 39,95 Euro sind zwar ein stolzer Preis, aber so etwas kann man sich auch schenken lassen. Ist ja bald Weihnachten.
Fußball-Wunder-Bauten - Die schönsten Stadien und ihre Geschichten,
Andreas Bock, Alexander Gutzmer, Benjamin Kuhlhoff, Callwey Verlag, 192 Seiten, zahlr. Abb., 25 x 28 cm, gebunden, ISBN 978-3-7667-1969-0, 39,95 Euro