Ach wie ist das schön! 2:1 siegte Borussia Dortmund gestern gegen Real Madrid in der Champions League. Da vergessen wir doch einfach mal das
blöde Revierderby, die verdiente Niederlage gegen den FC Schalke 04 und den Rückfall in den Rumpelfußball. So ist das eben im kurzlebigen Ergebnissport Fußball.
Wer diese Kolumne regelmäßig verfolgt, kennt meine Abneigung gegenüber den Königlichen aus Madrid. Folgerichtig werden Siege gegen Real entsprechend gewürdigt, auch wenn die Auswärtsbilanz der stolzen Spanier in Deutschland nicht gerade Furcht erregend ist.
Jedenfalls war das an diesem Mittwoch Abend wieder die Borussia aus den vergangenen Jahren: Läuferisch stark, permanent pressend, versuchte der BVB von Beginn an, Real unter Druck zu setzen. Als dann bei Real Madrid Sami Khedira verletzt raus musste, kam mit Modric ein eher offensiver Spieler. Die Unordnung, die so entstand, nutzte Lewandowski zum 1:0. Das ganze hatte allerdings nur ein paar Minuten Bestand: Als der BVB zu stark aufgerückt war, spielte Mesut Özil einen grandiosen Pass auf Cristiano Ronaldo und der netzte souverän ein.
Auch in Halbzeit 2 ging es munter weiter, beide Teams auf Augenhöhe. Das Dortmunder 2:1 durch Marcel Schmelzer fiel eigentlich viel zu früh (64.) Doch diesmal war der Fußballgott ein Schwarz-Gelber, der BVB überstand die restlichen Minuten.
Keine Schwachstelle
„Das war eine exzellente Leistung des Dortmunder Teams“, zitiere ich jetzt einfach einmal die internationale Taktikseite
zonalmarking. „Zurück in ihrer bevorzugten Formation, spielten sie ihr bekanntes hochintensives Spiel, fanden aber auch Reals Schwachstelle – die hintere linke Seite“. Dort agierte mit Essien ein Spieler, der eigentlich im Mittelfeld zuhause ist. Was will er auch machen, der gute Jose Mourinho, wenn er keine anderen Spieler hat für diese Position.
Drei Spieler ragten aus einer geschlossen guten BVB-Mannschaft noch heraus: Lukas Piszczek kurbelte auf rechts unermüdlich an und hatte „CR 7“ weitgehend im Griff. Marcel Schmelzer, sein Pendant auf links, schoss nicht nur das 2:1, sondern war auch sonst völlig auf der Höhe. Von wegen keine internationale Klasse. Und dann war da noch Kevin Großkreutz. Bislang war es noch nicht sein Jahr, aber gegen Real stellte er eindrucksvoll unter Beweis, dass er ungemein wichtig für die Mannschaft ist. Dazu hatte er auch spielerisch einige gute Elemente. Und Schmelzer spielt mit ihm zusammen auf links einfach besser.
Mal was für lange Abende: Die
BBC hat eine
Übersicht über die billigsten und teuersten Eintrittskarten im englischen Profifußball zusammengestellt – angefangen mit den Dauerkarten. Das ist manchmal schon ziemlich heftig – nicht nur bei den Londoner Vereinen. Zwar toppt Arsenal, wo die billigste Dauerkarte stolze 985 Pfund (über 1200 Euro) kostet, die Liste, aber auch Provinzclubs wie Southampton, Norwich oder Sunderland verlangen ihren Fans einiges ab.
Allerdings haben die Engländer mit hohen Eintrittspreisen ihre Erfahrung: Auch zu den großen Galoppmeetings in Ascot, York oder Cheltenham wird der Besucher für einen gescheiten Platz oft 50 Pfund oder mehr los.
Lobenswerter Weise hat der
Übersteiger, das Fanzine des St. Pauli, einen
Überblick über die Preise in Deutschland zusammengestellt, Erläuterungen dazu
hier.
Da kann man schön vergleichen, ein Fazit: Deutschlands schönstes Stadion ist auch eines der teuersten. Und die Preise haben in Deutschland angezogen, obwohl ein Stadionbesuch dank der Stehplätze immer noch preiswert ist.
Darum beneiden uns viele englische Fußball-Fans: Stehplätze. Die gibt es in England offiziell nicht mehr, aber wenn ich manche Übertragung sehe, dann stehen viele Fans dennoch, obwohl sie eigentlich sitzen sollten. Ist in Dortmund auf der Südtribüne bei internationalen Spielen ebenso.