Dienstag, 23. Oktober 2012
Teuer Fußball gucken
Mal was für lange Abende: Die BBC hat eine Übersicht über die billigsten und teuersten Eintrittskarten im englischen Profifußball zusammengestellt – angefangen mit den Dauerkarten. Das ist manchmal schon ziemlich heftig – nicht nur bei den Londoner Vereinen. Zwar toppt Arsenal, wo die billigste Dauerkarte stolze 985 Pfund (über 1200 Euro) kostet, die Liste, aber auch Provinzclubs wie Southampton, Norwich oder Sunderland verlangen ihren Fans einiges ab.
Allerdings haben die Engländer mit hohen Eintrittspreisen ihre Erfahrung: Auch zu den großen Galoppmeetings in Ascot, York oder Cheltenham wird der Besucher für einen gescheiten Platz oft 50 Pfund oder mehr los.
Lobenswerter Weise hat der Übersteiger, das Fanzine des St. Pauli, einen Überblick über die Preise in Deutschland zusammengestellt, Erläuterungen dazu hier.
Da kann man schön vergleichen, ein Fazit: Deutschlands schönstes Stadion ist auch eines der teuersten. Und die Preise haben in Deutschland angezogen, obwohl ein Stadionbesuch dank der Stehplätze immer noch preiswert ist.


Darum beneiden uns viele englische Fußball-Fans: Stehplätze. Die gibt es in England offiziell nicht mehr, aber wenn ich manche Übertragung sehe, dann stehen viele Fans dennoch, obwohl sie eigentlich sitzen sollten. Ist in Dortmund auf der Südtribüne bei internationalen Spielen ebenso.



Donnerstag, 18. Oktober 2012
Excelebration würdigt Frankel
Hallo Frankel,

hier schreibt Dein alter Kumpel Excelebration. Dieser Zweibeiner von einem Blogbetreiber hat mich lange genug bekniet, Dir ein paar Zeilen zu widmen – mach ich ja sonst nich’, aber der Typ war wirklich hartnäckig. Und da meine große Laufbahn ja quasi in Deutschland begann, als ich deren Elite im Mehl-Mülhens-Rennen mal eben schnell die Hacken zeigte, habe ich zugesagt. Auch um zu demonstrieren, dass ich ein guter Verlierer bin.
In Deutschland trainierte mich noch der Marco, doch schon lange bin ich bei Aidan in Irland. Dort habe ich ein cooles Leben, doch manchmal möchten mich meine Kollegen richtig ärgern. Dann sagen sie einfach Frankel – Camelot dieses dreijährige Großmaul etwa, dem zu Glück zuletzt etwas das große Maul gestopft wurde. Dachte schon, er wäre so wie Du.
Aber sie haben schon recht – fünf Mal bin ich gegen Dich gelaufen, fünf Mal bist Du locker an mir vorbeigezogen. Jedes Mal, wenn ich Dich auf den letzten 200 Metern attackieren wollte, hast Du einfach nur gelacht und bist mit dem Kollegen Tom an mir vorbei gezogen. Zuletzt waren es 11 Längen – als wenn ich ein mittelmäßiger Handicapper wäre. Das tat schon weh.
Dabei bin ich der weltbeste Meiler – zumindest immer dann, wenn Du nicht dabei warst. Du hast mir vieles versaut, aber ich bin Dir nicht böse. Na ja, vielleicht etwas: Warum ist Dein Trainer nicht früher auf die Idee gekommen, Dich über 2000 Meter einzusetzen. Mein Stallkollege St. Nicholas Abbey litt nach York jedenfalls unter posttraumatischen Zuständen.
Jedenfalls bist Du – das gebe ich gerne zu trotz Sea The Stars– das beste Rennpferd gewesen, das in den letzten 30 Jahren eine Rennbahn betreten hat. Meint auch der Henry, Dein Trainer, und der muss es wissen, weil er schon viele Klassepferde trainiert hat. Das hat er aber schon sehr früh gesagt und dich hat das extern überhaupt nicht beeinflusst. Intern hat er Dir wohl manchmal die Ohren lang gezogen, weiß ich aus verlässlichen Quellen.
Jedenfalls laufe ich am Samstag eine halbe Stunde vor Dir und vielleicht können wir nach den Rennen mal zusammen einen trinken. Ist ja wohl das Ende deiner großartigen Karriere. Auch ich darf mich danach um die Ladies kümmern. Vielleicht sollten wir uns mal jährlich treffen und an die alten Zeiten erinnern. Du bezahlst jedoch die Drinks, Grund: siehe oben, hat was mit dem besten Meiler zu tun. Unsere Drinks nach dem Rennen gehen allerdings auf den Deckel der Jungs aus Ascot. Denn wer sorgt dafür, das am Samstag ihre Kassen voll sind?



Montag, 8. Oktober 2012
Solemia-Triumph im Arc dank Peslier
So …wer? war meine erste Reaktion, als ich die blau-weißen Wertheimer Farben erstmals prominent erblickte. Pferderennen auf schwerem Boden ergeben oft die kuriosesten Ergebnisse. So auch im Prix de l'Arc de Triomphe 2012 in Longchamp: Die Siegerin Solemia hätte ich nach Vorformen nie gespielt, in meiner Analyse hatte ich sie gar nicht erwähnt. Als 415:10-Außenseiterin rückte die Stute aus dem Quartier von Carlos Laffon-Parias in die Boxen. Aber wie heißt es so schön nach BVB-Legende Adi Preißler: „Entscheidend ist auf’m Platz“.
Im Vorfeld sprach wenig für die Stute: Zwar war sie mal vor der stark beachteten Shareta, aber da stand sie günstiger im Gewicht. Unter gleichen Gewichten hatte sie gegen Shareta keine Chance. Auf weichem Boden unterlag die Poliglote-Tochter Anfang Mai mit drei Längen Allied Powers – einem 7jährigen Wallach, der davor und danach meist weit in Grupperennen geschlagen war, am Samstag etwa mit 21 Längen in einer Gruppe 3-Prüfung in Ascot. Pferderennen sind schon ein komischer Zeitvertreib.
Höchstens mit einem Platz hatte Trainer Carlos Laffon-Parias gerechnet. „Weicher Boden ist wichtig für sie“, erklärte er nach dem Triumph. „Aber manchmal macht der Jockey den Unterschied und Olivier Peslier war derjenige, der das Rennen gewonnen hat.“ In der Tat war es eine großartige Leistung von Peslier, der Solemia noch einmal schnell machte und auf den letzten Metern den führenden Orfevre noch passierte.
Olivier Peslier wäre der einzige Grund gewesen, die Stute zu wetten. Denn mit dem französischen Meisterjockey habe ich fast immer Erfolg gehabt. Peslier saß bereits 1997 auf Borgia, meinem ersten Derbytreffer. Unvergessen auch sein Ritt auf Cockney Rebel, den er 2007 in den englischen 2000 Guineas als Außenseiter zum Sieg steuerte. Es war sein vierter Erfolg im Arc, mit 39 könnte der Jockey noch ein paar großartige Jahre im Sattel haben.

Armer Orfevre
Trotzdem verdient der unglückliche Zweite Orfevre Mitgefühl. Wieder war es nichts mit einem japanischen Erfolg, der Richterspruch "Hals" sorgte für kollektive Trauer bei der japanischen Fangemeinde. Dennoch zeigte der Triple Crown-Gewinner aus Fernost, warum diese Hymnen auf ihn durchaus Berechtigung haben. Wie er auf der Geraden aus hinterer Position mal eben beschleunigte und außen scheinbar mühelos fast am gesamten Feld vorbeimarschierte, das war schon Weltklasse. Doch dann wanderte der Hengst quasi über die halbe Bahn, lief hinterher fast noch in die Rails und wurde auf den letzten Metern noch gestellt.
Immerhin hatten die ersten Zwei deutlichen Vorsprung auf den Rest des Feldes, angeführt von Masterstroke, dem Monsun-Sohn mit der ach so noblen Abstammung.
Mein Tipp Great Havens wurde Sechste, hatte eigentlich einen sehr guten Rennverlauf, war aber chancenlos. Der Sprung in diese Klasse war doch ein gewaltiger.
Einen Platz dahinter, auf 7, endete Camelot, der englische und irische Derbysieger und „Fast“-Triple Crown-Sieger von der Insel. Nächster Dämpfer für den so hoch gehandelten O’Brien-Schützling, zumal er diesmal Frankie Dettori im Sattel hatte und nicht am Rennverlauf scheiterte. Vielleicht ist er doch nicht so gut wie ursprüngliche viele dachten. Der Primus in einem schwachen Jahrgang. Ich plädiere aber etwas für Milde: zum einen wegen des schweren Bodens, zum anderen hat Aidan O’Brien noch nie seine Dreijährigen so trainiert, dass sie im Herbst den Arc gewonnen. Ihr Saison-Höhepunkt sind die Frühjahrs-Klassiker. Vielleicht kommt die große Stunde von Camelot ja im nächsten Jahr? Immerhin bleibt der Montjeu-Sohn vierjährig im Training.
Ansonsten gab es noch weitere Enttäuschungen in Longchamp: Shareta, die Zweite aus dem Vorjahr etwa. Oder Saonois, der französische Derby-Sieger. Das Pferd des wackeren Bäckermeisters endete völlig abgeschlagen.

Ergebnis und Video