Dienstag, 11. September 2012
Die königlich Unsympathischen aus Madrid
Losglück sieht anders aus: Borussia Dortmund trifft in der Gruppenphase der Champions League auf Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam und hat damit im Vergleich zum letzten Jahr eine sogenannte „Hammergruppe“ erwischt. Eine – zugegeben etwas subjektive – Vorstellung der drei Gruppengegner.

Real Madrid
Was einst der FC Bayern München war, das ist heute Real Madrid. Der Verein, dem ich alles, nur nichts Gutes wünsche. Wenn ich schon immer höre: Mythos Real. Dieses Mythos besteht schon seit Jahrzehnten darin, mit fremdem Geld sich eine Mannschaft mit großen Namen zu kaufen. Das war schon zu Zeiten des Club-Granden Santiago Bernabeu so: Puskas, di Stefano, später dann Netzer, Breitner etc. Die Banken gaben immer gerne und wenn diese nicht wollten, hatte man auch beim Diktator Franco immer ein offenes Ohr für die Wünsche des Vereins.
Nun mag dies zu Zeiten eines Bernabeu noch eine gewisse Klasse gehabt haben, unter seinem Erben Florentino Perez wurde es hingegen nur noch neureich-peinlich. Ronaldo, Figo, Zidane oder Beckham – Perez kaufte in seiner ersten Amtsperiode alles, was gut und teuer war und ordentlich Trikots bei den Fans verkaufte. Nur dachte er nicht daran, die Defensive ähnlich gut auszustatten. Das sportliche Ergebnis war bescheiden, diverse Auswärtspleiten in der Champions League sorgten für Häme beim neutralen Zuschauer.
Jetzt ist alles etwas anders: Real hat mit Jose Mourinho einen Top-Trainer, natürlich kickt mit Cristiano Ronaldo der teuerste Spieler im weißen Dress. In der Liga distanzierte man den Erzrivalen Barca, nur in der Champions League scheiterte Real am FC Bayern. Und Nuri Sahin konnte sich aus diversen Gründen nicht bei Real durchsetzen. „Wo kommt der denn her“, höhnte das verwöhnte Real-Umfeld. Und wer ist schon Borussia Dortmund?
Allein diese Arroganz muss bestraft werden. Immerhin hat der BVB im letzten Jahr Bayern mehrmals geschlagen, also wer ist Real Madrid?

Manchester City
Natürlich ist Manchester City dank des Geldes aus 1001 Nacht ein Verein, dessen zusammenkaufte Truppe eigentlich nur Verachtung verdient. „Ich scheiß euch zu mit meinem Geld“, sagte einst ein Klebstoffproduzent aus dem Bergischen Land (gespielt von Mario Adorf) in der wunderbaren Serie „Kir Royal“ und ähnlich gilt das auf größerer Ebene auch für City. Teves, Aguero, Balotelli oder Dzeko – schon die Namen in der Offensive zeigen die hohen Ambitionen.
Den meisten City-Fans wird das Gerede der anderen jedoch egal sein. Sie haben wieder ein Team, das Trophäen gewinnt. Verständlich, wenn der Stadtrivale United heißt. Während die Roten in den letzten Jahren alles abräumten, war City eher das Gespött der Stadt und erlebte eine aufregende Berg- und Talfahrt - nur das die Anhänger darauf gerne verzichtet hätten. Bis in die dritte Liga ging der Abstieg und wenn dies schon schwierig genug war, war es noch schwerer zu ertragen, wenn der Erzrivale Titel hamstert. Aber Fahrten nach Gillingham sind jetzt Vergangenheit und City kommt wieder an United ran. Da fragt man nicht nach der Herkunft des Geldes.

Ajax Amsterdam
Der Außenseiter: Im letzten Jahr scheiterte Ajax nur knapp in der Gruppenphase. Auch wenn der holländische Renommierclub ein durchaus gutes Team hat, wird es immer schwieriger gegen die großen Klubs. Das war in den siebziger Jahren mit Johan Cruyff nicht so und auch nicht in den 90er Jahren. 1995 gewann Ajax die Champions League und es war der 5. März 1996, als die Niederländer im Dortmunder Westfalenstadion gastierten. Der BVB war Außenseiter und hatte beim 0:2 nicht den Hauch einer Chance. Ajax dominierte nach Belieben, war technisch und taktisch eine Klasse stärker. Für mich war es die stärkste Leistung eines Gastvereins, die ich je im Westfalenstadion gesehen habe.
Louis van Gaal trainierte damals Ajax, mit dabei unter anderem Akteure wie Van der Sar, Davids, Kluivert, Kanu und ein gewisser Ronald de Boer, derzeit Trainer der Amsterdamer. Es war Fußball 2000 damals, das Ajax-System mit den drei Spitzen kannte man in Deutschland gar nicht mehr. Auch die Viererkette war Neuland, bei uns waren Libero und zwei „Manndecker“ noch angesagt.
Im Finale unterlag Ajax dann Juventus Turin, danach wechselten die meisten Spieler zu finanzkräftigeren Vereinen.



Donnerstag, 6. September 2012
Neue Karriere für Denman
Er war einer der Großen des englischen Hindernissports der letzten Jahre: Denman gewann unter anderen den Cheltenham Gold Cup und dominierte gemeinsam mit seinem Stallkollegen Kauto Star die Szene. Doch irgendwann endet jede erfolgreiche Karriere und was Denman heute macht, das kann man im Blog von Charlotte Alexander in der horse and hound nachlesen. Also Lesebefehl!



Mittwoch, 22. August 2012
Thomas Broich: „Roarcelona“ heilte Depression
Zum Schluss fand Thomas Broich doch noch sein sportliches Glück. In Australien beim Klub Brisbane Roar: Dort wurde er zweimal australischer Meister, dazu erhielt er die Auszeichnung „Australiens Fußballer des Jahres“. In Deutschland quälte ihn hingegen zuletzt eine „ausgewachsene Fußball-Depression“.
„Tom meets Zizou“ nannte Aljoscha Pause seine Dokumentation, die am Montag in West 3 lief. Tom steht für Thomas Broich und „Zizou“ natürlich für den großen Zinedine Zidane. Pause hatte Broich jahrelang begleitet – von den Anfängen der Karriere bis heute. Das Ergebnis ist ernüchternd – eben kein neues Sommermärchen aus dem Profifußball.
Dabei begann alles traumhaft: Broich schaffte den Sprung vom Zweitligisten Burghausen in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach und galt schnell als einer der Hoffnungen des deutschen Fußballs für die WM 2006, weil er spielerisch sehr gut ist. „Ein ganz starker Fußballer“, sagt der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts und ist sich mit seinen einstigen Gladbacher Weggefährten Horst Köppel und Udo Lattek einig.

Bücherwurm
Auch die Medien stürzen sich auf den Hoffnungsträger. Zumal dieser nicht nur kicker und Sport-Bild liest, sondern auch Autoren wie Hemingway, Dostojewski oder Camus. Und weil er klassische Musik hört, hat er schnell den Spitznamen Mozart weg. Kaum eine Geschichte erscheint, bei der ein findiger Redakteur nicht irgendwelche Mozart-Wortspiele einbaut.
Und klar, dass das alles zurückkommt, wenn es nicht mehr so läuft. Unter Dick Advocaat folgte der Karriereknick, der strenge General aus den Niederlanden mag keine Schönspieler im harten Abstiegskampf. Das Schöne am Film ist die Ehrlichkeit seines Protagonisten. Broich redet erst gar nicht groß rum, ihn und Advocaat trennen Welten. Er mag den Holländer einfach nicht, der ihm den Spaß am Spiel nimmt.
Der Mittlfeldspieler wechselte dann zum 1.FC Köln, in eine Stadt, „wo man die Vergnügungen so herunterpflücken kann“ und wo der Wahnsinn irgendwie Alltag ist.“ Hier zeigt sich Thomas Broich zunehmend desillusioniert mit den Launen des Profifußballs. Zumal er auf einen Trainer wie Christoph Daum trifft, bei dem vieles Show ist. Ganz starke Szene: Während Daum schwadroniert und eigentlich nichts sagt, redet Broich Klartext über sein schwieriges Verhältnis zum FC-Zampano. Der Absturz folgte dann in Nürnberg, obwohl sein Freund Michael Oenning dort Trainer ist. Erst im fernen Australien kommt Broich wieder in die Spur – in „Roarcelona“, weil der Rucksack mit den Erwartungen weg war.

Urteil
Empfehlenswertes Portrait eines Profifußballers, das eindrucksvoll auch die negativen Seiten des Geschäfts zeigt.