Donnerstag, 28. Juni 2012
Derby 2012: Macht Novellist den Camelot
Das Derby-Meeting in Hamburg-Horn hat noch gar nicht begonnen und schon steht am Sonntag das Deutsche Derby auf dem Programm. Alles neu macht in diesem Jahr die Fußball-EM: Das wichtigste Rennen im deutschen Turf findet diesmal nicht nach gefühlten 500 anderen Prüfungen statt, das Geläuf ist somit besser.
Selten gab es in den Jahren zuvor einen so deutlichen Favoriten wie in diesem Jahr mit Novellist aus dem Stall von Andreas Wöhler. Der Hengst steht schon jetzt unter 20. Die Starter im Überblick

1 Novellist (Trainer Andreas Wöhler/Jockey Eddi Pedroza): Wenn ein Pferd in diesem Jahr den Derbyjahrgang dominiert, dann ist das dieser Monsun-Sohn. Vier Starts, vier Siege lautet die makellose Bilanz und besonders die Art und Weise der letzten beiden Erfolge imponiert. Danach scheint Novellist nur schwer schlagbar. Fünf Längen Vorsprung waren es im Kölner Union-Rennen, der immer noch wichtigsten Derbyvorprüfung in Deutschland. Mit sechs Längen distanzierte Novellist im Frankfurter Frühjahrspreis All Shamar, der diese Form später deutlich bestätigte.

2 Black Arrow (Andreas Wöhler/Frankie Dettori): Das Pferd der Fußballprofis Claudio Pizarro und Tim Borowski nahm spätestens nach dem imponierenden Start-Ziel-Erfolg in Hannover eine führende Rolle im Derbymarkt ein. Die knappe Niederlage in München gegen Pakal sah nicht so toll aus. Jetzt soll es Frankie Dettori im Sattel richten, irgendwas von „Derby-Bombe“ schrieb GOL ganz grauenhaft boulevardesk. Eine Bombe in Hamburg-Horn….

3 Salon Soldier (Peter Schiergen/Filip Minarik): Dritter in München hinter Black Arrow und nicht weit von diesem entfernt. Aber so recht mag ich an ihn nicht glauben, zumal sich Stalljockey Andrasch Starke für Girolamo entschieden hat. Von der Abstammung eher ein Pferd für Distanzen um 2000 Meter.

4 Feuerblitz (Michael Figge/Robert Havlin): Der Sieger im italienischen Derby, davor war der Münchener Gast schon deutlich hinter Black Arrow. An eine Formumkehr glaube ich nicht so recht. Immerhin, so fand Turf-Times heraus: Der erste Big Shuffle-Sohn im Derby. Der Vater steht eben für frühreife und schnelle Pferde auf kurzen Distanzen. Die Mutter Flamingo Island aber stammt aus der berühmten Flamingo-Familie mit Stehern wie Flamingo Road und Flamingo Paradiese.

5 Pastorius (Mario Hofer/Terry Hellier): Sehr erfolgreicher Zweijähriger, dreijährig lief es nicht so toll, auch wenn der Rennverlauf im Busch-Memorial nicht besonders gut war. Ein viel größeres Fragezeichen ist jedoch die Distanz, weil Pastorius erstmals über 1700 Meter läuft. Immerhin ist er die Wahl von Stalljockey Terry Hellier aus dem dreiköpfigen Hofer-Aufgebot.

6 Munic Boy (Manfred Hofer/Frederick Tylicki): Lief in Frankreich, bevor er dann als Zweiter in der Union hinter Novellist überraschte und damit alle bisherigen Formen steigerte. Für die Klasse des Jahrgangs spricht das aber nicht.

7 Girolamo (Peter Schiergen/Andrasch Starke): Immerhin hat sich Andrasch Starke für Girolamo aus dem Schiergen-Quartier entschieden und dieser Jockey ist in Hamburg immer eine gute Entscheidung. Gefiel zwei Mal durch guten Speed, war aber immer geschlagen. Immerhin macht er den Eindruck, dass 2400 Meter die ideale Distanz ist.

8 Baltic Rock (John Hillis/Gary Hind): Offenbar deutlich verbessert, nachdem er vom Kölner Trainer Peter Schiergen zu John Hillis nach München wechselte. Unter dessen Ägide ist der Ammerländer noch ungeschlagen und nach dem Bremer Listenerfolg nannten ihn die Verantwortlichen für 50 000 Euro nach. Der Bremer Erfolg sah ganz gut aus, was er aber wert ist, ist noch schwer zu sagen.
9 Mano Diao (Mario Hofer/Fredrik Johansson): Etwas spätreifer Hengst aus dem Hofer-Quartier, zweimal deutlich von Novellist geschlagen, aber immer mit gutem Schlussakkord. Platzkandidat.

10 Andolini (Andreas Wöhler/Jozef Bojko): Der gleicher Besitzer wie Macao (Thomas Gehrig) und in der Union vom zweiten Platz gar nicht weit entfernt. Auch der zweite Platz im Iffezheimer Derby-Trial liest sich nicht schlecht, dennoch ist der Halbbruder der guten Antara als Sieger nur schwer vorstellbar.

11 Nostro Amico (Mario Hofer/Andre Best): Listensieger in Italien, die bisherigen Formen reichen nicht aus. Nach Abstammung sind 2400 Meter auch nicht gerade die Idealdistanz.

12 Milord (Jens Hirschberger/Adrie de Vries): Der einzige Schlenderhaner in diesem Jahr im Feld, nach jeder Vorform aber nur Außenseiter.

13 Russian Song (Andreas Wöhler/Eugen Frank): Der Halbbruder von Russian Tango qualifizierte sich als Dritter im Bremer Derby-Trial, hatte dort einen ganz schlechten Rennverlauf und wirkte wie ein Pferd, das noch Reserven hat. 2400 Meter sind ideal. Gewinnen wird er nicht, aber er könnte der Kandidat für eine lukrative Platzwette sein.

14 Anakin Skywalker (Pavel Vovcenko/Daniele Porcu): Noch sieglos, beste Form war ein zweiter Platz hinter der guten Stute Wilddrossel, dennoch großer Außenseiter.

15 Macao (Roland Dzubasz/Alexander Pietsch): Teilnehmer aus Hoppegarten, für den aber nach allen Vorformen das Rennen viel zu schwer ist.

Urteil
Es gab schon Jahre, da habe ich dem wichtigsten Rennen im deutschen Turfkalender mehr entgegen gefiebert. Weil es 2012 mit Novellist einen klaren Favoriten gibt, der allerdings zu nicht mehr wettbaren Konditionen unterwegs ist. Natürlich gibt es keine Unverlierbaren im Turf, aber es ist schwer vorstellbar, dass beispielsweise ein Black Arrow oder ein Feuerblitz ihn schlagen können. Da ist es schön, dass manche Bookies eine Siegoption ohne den heißen Favoriten anbieten. Warum also nicht Russian Song: Quote ist lukrativ, Distanz ist ideal und zwischen den Pferden hinter Novellist gibt es nur minimale Unterschiede. Natürlich muss sich Russian Song steigern. Die gute alte Ita-Wette tut es natürlich auch in diesem Fall.

Quellen: unter anderem Turf-Times



Mittwoch, 27. Juni 2012
In Erinnerung an Campbell Gillies
Campbell Gillies, britischer Hindernisjockey, ist am Dienstag nach einem Unfall in Kavos auf der griechischen Insel Korfu gestorben. Gillies machte dort mit einigen Jockeykollegen wie Nathan Moscrop, Henry Brooke und Harry Haynes Urlaub. Heute wäre er 22 Jahren alt geworden.
Gillies ritt hauptsächlich für den Stall von Lucinda Russell und zählte zu den großen Nachwuchshoffnungen im englischen National Hunt-Sport. Gerade in diesem Jahr bekam seine Karriere einen richtigen Schub: So ritt er mit Brindisi Breeze in der Albert Bartlett Novices Hurdle seinen ersten Sieger während des Cheltenham-Festivals. Es war ein fantastischer Ritt - von der Spitze aus mit unheimlich viel Tempogefühl. Eine großartige Leistung von Pferd und Jockey. Hier kann man die Albert Bartlett Novices Hurdle noch einmal sehen, in Erinnerung an Campbell Gillies.
Quellen: Independent, Sporting Life



Montag, 25. Juni 2012
Black Caviars großer Anhang musste zittern
Ich gebe es zu: Royal Acot ist in diesem Jahr in unserem Familien-Blog etwas kurz gekommen. Dabei liefen die zwei aktuell größten vierbeinigen Superstars während der königlichen Verkleidungsshow: Frankel und Black Caviar.
Frankel, der Stolz der Insel, startete bereits im ersten Rennen des Festivals am Dienstag und wurde seinem exponiertem Status mal wieder mehr als gerecht. Mein Eindruck: Der Hengst wird von Start zu Start noch besser. Auch diesmal distanzierte er in den Queen Anne Stakes die Gegner mit einer Leichtigkeit, dass einem fast schwindlig wird. Diese Beschleunigung ist unglaublich, nur gehen einfach irgendwann die Superlative aus, das zu beschreiben.
Samstag folgte der nächste Vollblut-Gigant: Black Caviar, die australische Wunderstute, in 21 Rennen vorher ungeschlagen und natürlich große Favoritin in den Diamond Jubilee Stakes über 1200 Meter. Eine Nation blickte auf die Stute: In Melbourne versammelten sich 10 000 Menschen mitten in der Nacht, um Black Caviar gewinnen zu sehen. Eine Niederlage in dieser Gruppe 1-Prüfung gegen einige von Europas Top-Sprintern – undenkbar. In Melbourne sind Plakate mit der Aufschrift „Black Caviar vs. England“ zu sehen, der Start des besten australischen Pferdes ist ein großes Spektakel und sorgte für einen ausverkauften Samstag am letzten Tag des königlichen Festivals.
Doch dann bewahrheitete sich die alte These, dass es keine Unverlierbaren im Turf gibt. Was auch viel mit Jockey Luke Nolen zu tun hatte. Denn der hörte auf einmal auf zu reiten, weil er dachte, er hätte das Rennen schon sicher. Die beiden französischen Gäste Moonlight Cloud und Restiadargent kamen bedrohlich nahe, am Ende gewann Black Caviar mit einem Kopf.

Mühlensteine um den Hals
„Nolen war Sekunden davon entfernt“, schrieb der Guardian, „einen der größten unentschuldbaren Jockey-Fehler in der Turf-Geschichte zu begehen.“ Hätte wenn aber – Nolen und Black Caviar rauften sich ins Ziel. Dennoch war die Stimmung eher abgekühlt, zumal viele in Europa dachten, dass die Stute deutlicher gewinnt. Man musste sich nur die entsprechenden Videos auf Youtube anschauen.
„Enttäuschender Gewinn in Royal Ascot“, titelte die australische Herald Sun. Allerdings gab es viel Verständnis, obwohl Black Caviars Vorstellung nicht mit der von Frankel standhalten konnte. „Pferde sind Tiere, keine Maschinen und Rennen auf der anderen Seite der Welt sind nicht einfach“, so das Blatt von Downunder weiter. Nach dem Rennen stellte sich zudem heraus, dass die Stute eine leichte Muskelverletzung hatte.
Das Beste wäre, schreibt Kolumnist Stephen Romei im
Australian: Black Caviar hätte verloren. „Natürlich nicht in Royal Ascot. Das wäre eine Schande gewesen, aber auch keine nationale Katastrophe“, schränkt er ein. Früher in ihrer so eindrucksvollen Karriere, dann wären die Erwartungen an Black Caviar nicht so hoch gewesen. Der Nimbus der Ungeschlagenen hänge wie „ein Mühlenstein um die Hälse ihrer Umgebung“ – Trainer, Jockey und Besitzer.
Aus deutscher Sicht war es ein starkes Royal Ascot: Indormito wird guter Vierter in Frankels Rennens und dann war noch Energizer aus dem Gestüt Schlenderhan. Der dreijährige Monsun-Sohn triumphierte in den Tercentenary Stakes (Gruppe 3) - sicher mit über zwei Längen. Respekt!