Montag, 18. Juni 2012
All Shamar, Scalo und ein ganz starker Andrasch Starke
Am Abend Deutschland gegen Dänemark bei der EM, am Nachmittag Galopprennen in Dortmund-Wambel – nette Kombination für einen Sonntag. Vereinzelt waren dann auch Deutschland-Trikots zu sehen, doch dieser Nachmittag gehörte dem Galopprennsport. Der Renntag um den Großen Preis der Wirtschaft, ein Gruppe 3-Rennen dotiert mit 55 000 Euro, zählt zu den Traditionsterminen der Dortmunder Galopprennbahn. So lange ich Rennbahnen besuche, gibt es diesen Renntag – leider einer der wenigen Termine im Dortmunder Sommer.
Mancher Name, der heute als Deckhengst wieder im Rennprogramm auftaucht, konnte sich einst in die Siegerliste eintragen: Lord of England etwa oder Soldier Hollow. Ich erinnere mich hingegen mit Freude an eine meiner lukrativsten Zweiterwetten, die ich in Deutschland gemacht habe: Iron Fighter vor Enharmonic zu Beginn der neunziger Jahre.


Gefeierter Gewinner: All Shamar nach seinem Erfolg im Großen Preis der Wirtschaft

Sieger des Tages
Spätestens nach seinem zweiten Platz zum großen Derbyfavoriten Novellist in Frankfurt zählte All Shamar zur Creme des Derby-Jahrgangs. So wie er in Dortmund die keinesfalls schlechte Gegnerschaft besiegte, sollte der Dreijährige seinen Besitzern, dem Stall Pregel, noch einige Freude bereiten. Jockey Andrasch Starke hatte den Schützling von Trainer Waldemar Hickst immer im Vorderfeld placiert. Als es dann ernst wurde, löste sich All Shamar leicht und gewann mit zwei Längen vor Theo Danon, Russian Tango und Scalo. Als „sehr, sehr guten Dreijährigen“ charakterisierte Jockey Starke den Shamardal-Sohn. Extra für diesen Ritt brachte er einige Opfer: Denn 53,5 Kilogramm sind sein Gewichtsminimum.

Comeback des Tages
So recht war danach keiner klug. „Das war noch nicht der Scalo, wie man ihn kennt“, sagte nach dem Rennen sein Trainer Andreas Wöhler. Nur Platz 4 in einem Gruppe 3-Rennen klingt auf den ersten Blick für einen Gruppe 1-Sieger, der vor Danedream das beste deutsche Pferd über längere Distanzen war, enttäuschend – allerdings: 2000 Meter sind für Scalo einfach zu kurz, auch wenn er einst eine Gruppe 2-Prüfung im französischen Deauville über diese Strecke für sich entscheid. In Dortmund fehlten die letzten Reserven – und so weit war er auch nicht geschlagen. Für das erste Rennen nach elfmonatiger Verletzungspause auf nicht passender Distanz sah das so übel nun auch wieder nicht aus.
Im Führring sah Scalo übrigens gut aus, rennfit wirkte er schon. Am besten gefiel mir aber Tesey - nur das der Hengst abgeschlagen Letzter wurde. Da muss doch irgendetwas mit dem Pferd sein.


Ist das Glas jetzt halb voll oder halb leer? Scalo nach seinem Comeback...

Mann des Tages
Vier Siege und dazu noch zwei zweite Plätze: Nicht nur im Hauptereignis des Tages ritt Starke mit viel Erfolg. Der Kölner Jockey ist derzeit groß in Form, denn auch am Samstag in Düsseldorf war er mehrfach erfolgreich. Was mir immer wieder auffällt: Starke ist kein Reiter, der gerne von hinten mit viel Speed kommt (wie etwa Ryan Moore und Kieran Fallon, die Kollegen aus England). Starke postiert seine Pferde fast immer im erweiterten Vorderfeld und sucht relativ früh die Entscheidung. Diese Taktik beherrscht er wie kein anderer in Deutschland; dazu kommt, dass er für deutsche Verhältnisse ein starker Endkampf-Reiter ist. Und derzeit reitet er eben auf einer Welle des Vertrauens.

Stimmung des Tages
6000 Besucher waren nach Angaben des Dortmunder Rennvereins auf der Bahn. „Bei diesem schönen Wetter hätten wir uns ein paar Tausend mehr erhofft“, sagte hinterher Markus Sträter, Präsident des Rennvereins. Na ja, zu voll war die Bahn jedenfalls nicht.
Die Dortmunder Rennbahn ist wahrlich nicht schön, sie hat eher diesen herben westfälischen Charme, bei dem Schönheit eher nur lästiges Beiwerk ist. Immerhin habe ich Bekannte wieder getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe und von denen ich dachte, es gibt sie gar nicht mehr. Aber verändert haben sie sich nicht: Nach dem Rennen muss ein Sündenbock her, wenn die Wette nicht getroffen wurde. Und das ist in diesem Falle fast immer der Jockey….


Zu wenig Zuschauer? Himmelfahrt ist es erheblich voller auf der Dortmunder Rennbahn

Bilanz des Tages
Ich war reichlich spät auf der Bahn und wettete das erste Rennen nicht. Das war ein Fehler, denn eigentlich wollte ich Diyalani spielen und der gewann für 69. Danach lief nicht mehr viel, ein paar zweite Plätze waren die beste Ausbeute. Nur einmal habe ich mich richtig geärgert: Beim Erfolg von Manguinho über 2000 Meter, weil ich dachte, diese Strecke ist zu lang für das Pferd. Von wegen zu lang – das Pferd von Trainer Sascha Smrczek siegte zum lukrativen Toto von 92. Dumm gelaufen!



Samstag, 16. Juni 2012
Irische Fans singen auch wenn sie nicht gewinnen
Faszinierend und ganz großes Kino. Da wird ihre Mannschaft gerade fürchterlich bei der Fußball-EM von den Spaniern verhauen (0:4) und dennoch singen die irischen Fans - minutenlang zum Abschluss des Spieles. „Low lie the fields of Athenry“, schallt es durch das Stadion in Danzig und selbst ARD-Kommentator Tom Bartels schweigt. „Die EM erlebt ihren bislang schönsten Moment“, schreiben die 11 Freunde" – und dem ist nichts mehr hinzufügen. Außer Gänsehaut pur vielleicht und nichts mit "You are only singing when you are winning".

Wer mitsingen möchte
By a lonely prison wall
I heard a young girl calling
Michael they are taking you away
For you stole Trevelyan's corn
So the young might see the morn
Now a prison ship lies waiting in the bay

Chorus
Low lie the Fields of Athenry
Where once we watched the small free birds fly
Our love was on the wing
We had dreams and songs to sing
Now it's so loney round the fields of Athenry
By a lonely prison wall
I heard a young man calling
Nothing matters Mary when you're free
Against the famine and the crown
I rebelled they cut me down
Now you must raise our child with dignity

Chorus
Low lie the Fields of Athenry
Where once we watched the small free birds fly
Our love was on the wing
We had dreams and songs to sing
Now it's so loney round the fields of Athenry
By a lonely harbour wall
She watched the last star falling
As the prison ship sailed out against the sky
Now she must live in hope and pray
For her love in Botany bay
For it's lonely round the fields of Athenry

Chorus
Low lie the Fields of Athenry
Where once we watched the small free birds fly
Our love was on the wing
We had dreams and songs to sing
Now it's so loney round the fields of Athenry



Dienstag, 12. Juni 2012
Alles wegen Anja, Tanja und dem Ingo
Die Meinung war eindeutig und sie galt dem Zweiten Deutschen Fernsehen. „Ein derartiger Comedy-Marathon wie heute gesehen wird zukünftig schwer zu toppen sein“ schrieb User Adddam im BVB-Forum von schwatzgelb.de. „Wark als genialer Headliner, Poschmann zumindest mit guten Ansätzen und Müller Hohenstein kann die Qualität ihrer Moderation tatsächlich noch einmal unterbieten.“ Gemeint sind die Reporter Thomas Wark, Kommentator des EM-Spieles Frankreich – England und Wolf-Dieter Poschmann, am Mikrofon bei Ukraine gegen Schweden sowie Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die gemeinsam mit Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn durch Nachmittag und Abend führt.
Adddam, zuhause 147 km vom Westfalenstadion, weiter: „Dazu Feinheiten wie der Running Gag mit den Tonproblemen, die lächerliche Kulisse im Fernsehgartenstil, die, wie gerade gehört, sogar die Kollegen von "volle Kanne" nutzen, und ein Oliver Kahn, der verzweifelt versucht, nicht laut loszulachen und irgendwie den völlig bescheuerten Fragen auszuweichen. Und das war bestimmt noch nicht alles, irgendetwas hab ich eh noch vergessen.“
Das war noch eher moderat, andere urteilten erheblich härter. Recht haben sie: Es war teilweise unterirdisch, was das Zweite an diesem Montag bei der Fußball-Europameisterschaft bot. Besonders die Gespräche der Moderatorin mit dem Experten waren grauenhaft. Dabei ist Kahn jemand, der durchaus einiges zu sagen hat – nur wenn ich als Gesprächspartner dies nicht aufnehme, kommt so ein tropfender, nichtssagender Small-Talk heraus. Zum ersten Mal in meinem Leben sehne ich mich nach Johannes B. Kerner. Natürlich ist Kerner eine totale Nervensäge, aber gemeinsam mit dem heutigen BVB-Trainer Jürgen Klopp und Schiedsrichter Urs Meier waren das lustige Runden – dank Klopp und (ein wenig) Meier.

Twitternder Torwart-Titan
Noch etwas ist neu: Weil das Zweite ja ein moderner und junger Sender ist, hat er jetzt auch eine Moderatorin, die sich um Facebook, Twitter und co. kümmert. Dann wird es immer richtig heimelig, wenn Jeannine Michaelsen auftaucht und Schönes aus der bunten Facebook und Twitter-Welt berichtet und beispielsweise aufzeigt, welche Nationen am meisten twittern während der EM (die Dänen jedenfalls nicht). Müller-Hohenstein giggelt dazu, Kahn macht lustige Miene zum bösen Spiel und bekommt am Ende einen eigenen Twitter-Account, bestimmt unter dem Namen Ex-Torwart-Titan. Bei Facebook motzt die Zielgruppe aber ziemlich rum, am meisten allerdings über die Kommentatoren Wark und Poschmann.
Und warum machen die das vom ZDF? Alles nur wegen Anja und Tanja. „Anja & Tanja (A&T) sind Mädchen oder junge Frauen, die sich bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft oder generell bei Fußballspielen mit Eventcharakter einfinden“, heißt es im Löwen-Wiki der Anhänger von 1860 München. „Eingehüllt in Fahnen, Nationalfarbenschminke im Gesicht, kreischen sie ahnungslos drauf los, wenn der Ball ins Aus geht.“ Es gehe darum, Party zu machen – das Spiel sei egal. Die männliche Version heißt übrigens Ingo!
Anja, Tanja und Ingo traten übrigens auch massenweise auf Meisterfeiern von Borussia Dortmund auf.

Nachtrag 15.6.
Die Zeit hat das Gespräch zwischen der "Twitter-Tante" (schwatzgelb.de, gemeint ist Jeanine Michaelsen) und Oliver Kahn dokumentiert. Ganz großes Theater....