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Mittwoch, 4. Mai 2011
Der schönste Titel aller Zeiten
Vier Tage ist das jetzt her – und so langsam wird die Farbe Schwarz-Geld im Dortmunder Stadtbild wieder etwas weniger. Seit Samstag steht fest, dass Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister ist und nur jemand, der auf einer fernen Insel lebt, hat das noch nicht mitbekommen. Hier in Dortmund gab es so und so keine Chance, dem BVB-Wahn zu entkommen.
Es war allerdings ein wunderschöner Wahn. Weil es eine Meisterschaft war, von der wir später noch einmal unseren Nachkommen erzählen werden. Zum einen war es – zumindest vor der Saison – völlig unerwartet, zum anderen hat das wirklich beste Team in diesem Jahr gewonnen. Fußballromantiker kommen auf ihre Kosten: Denn der BVB schickte eine junge Truppe ins Rennen, einige Spieler wie etwa Sahin, Schmelzer oder Großkreutz kommen aus dem eigenen Nachwuchs oder aus Dortmund selbst. Und offensichtlich passt die Mannschaft auch charakterlich zusammen, obwohl ich das mit den 11 Freunden nicht ganz glauben möchte.
Die Mannschaft von Jürgen Klopp hat Maßstäbe gesetzt und in (fast) jeder Partie ihren Gegner eindrucksvoll dominiert. „Mit einem mitreißenden Fußball, von dem man zuvor kaum ahnte, dass er existieren könne, rockte Dortmund die Republik“, formulierte das Fachblatt kicker.
Es gab viele Highlights in dieser Saison und ein ganz besonderer war der 3:1-Triumph beim Rekordmeister FC Bayern München. Hier gibt es noch einmal die Tore – natürlich gewohnt sachlich kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert im BVB-Netradio. Hier kann man gut erkennen, wie Borussia in dieser Saison spielte: Schnelle Balleroberung, schnelle Kombinationen, möglichst direkt. Einfach phänomenal!




Donnerstag, 28. April 2011
„Sadismus und Brutalismus“ – das Grand National 1954
Kontroversen um das Grand National, das vielleicht schwerste Galopprennen der Welt, sind keine Erfindung der heutigen Zeit. Ein Blick in den Spiegel aus dem Jahr 1954 beweist das nachdrücklich. „Zu viele Kadaver“ titelte das Nachrichtenmagazin auf einer Seite. Vier Pferde verloren in diesem Jahr ihr Leben auf der Bahn in Aintree und der Spiegel lässt ausführlich die Gegner des Rennens zu Wort kommen. Dazu zählen Politiker wie der sozialistische Oberhaus-Abgeordneten Lord Ammon. „Rennen wie das Grand National sind Sadismus und Brutalismus gegenüber diesen herrlichen Tieren“, meint der Lord.
Und auch die Konservativen standen damals nicht alle hinter dem Sport. „Eine nationale Schande“ nannte der Tory-Politiker Howard Johnson das Rennen. Ob dieser Johnson was mit dem späteren fast gleichnamigen Trainer zu tun hat? Der Name Johnson ist allerdings in England so verbreitet wie bei uns etwa Müller.



Mittwoch, 20. April 2011
Von Mode- und echten Fans
War doch klar, dass er wieder auftaucht: Der Mode-Fan. Jetzt wo Borussia Dortmund kurz vor der Krönung einer grandiosen Saison (der besten aller Zeiten) steht, schauen sich manche Stammbesucher im Stadion etwas verwirrt um. Weil um sie herum auf einmal Leute sind, die ansonsten da nicht stehen oder sitzen. Manchmal verhalten sich diese dann auch noch abseits des Fan-Mainstreams. Das Urteil ist dann schnell gefällt: Mode-Fan. Der wahre Fan führt dann gerne entsprechende Diskussionen in den einschlägigen Fan-Foren.
Denn niemanden verachtet der echte Fan mehr wie den Mode-Fan. Der echte Fan ist immer dabei, egal wie gut oder schlecht es dem Verein geht. Sein Fandasein ist für ihn eine Herzensangelegenheit und hat nichts mit Tabellenständen zu tun. Der Mode-Fan kommt hingegen nur, wenn es etwas zu Feiern gibt. Der schnöde Alltag ist ihm so ziemlich egal – Hauptsache Party.

Statussymbol
Nun ist das mit den Mode-Fans in Dortmund so eine Sache. Denn in dieser Stadt hat jeder zu Borussia Dortmund eine Meinung. Selbst wenn die Mannschaft – wie zum Beispiel in den Jahren vor Jürgen Klopp in der unsäglichen Doll-Ära – wirklich grottenschlecht und uninspiriert Fußball spielt, kommen immer noch über 70 000 Zuschauer in den Tempel - mindestens. Die Kracher gegen Bayern und Schalke sind selbstverständlich ausverkauft. Wenn der BVB dann noch wie 2007 Schalke die Meisterschaft versaut, dann gilt die Saison sogar als gelungen.
Die BVB-Dauerkarte ist auch in schlechten Zeiten ein absolutes Muss und für viele ein Statussymbol. Dass dies einige Mode-Fans anzieht, ist leider eine unbestrittene Tatsache. Nur ihre Zahl ist in Hochburgen wie Dortmund im Gegensatz zu anderen Städten wie Stuttgart und Berlin noch recht moderat und durchaus erträglich. Wenn es wie nach den Meisterschaften 1995 und 1996 vorkommt, dass sich ausgewiesene Fans des FC Bayern München Dauerkarten für das Westfalenstadion holten, dann kamen diese aus dem Sauerland. Und die Bayern-Fan waren dann nach ersten Mißerfolgen schnell wieder verschwunden.