Etwas flapsig nennt man das wohl „vorglühen“: Weil Borussia Dortmund im nächsten Jahr mit hohen Wahrscheinlichkeit wieder in der Champions League spielt, schaue ich mir die Spiele der europäischen Königsklasse noch genauer an. Zum Beispiel das Duell am Mittwoch zwischen Arsenal London gegen FC Barcelona: Zwei Mannschaften der europäischen Spitzenklasse, die eine ähnliche Spielphilosophie auszeichnet. Beide Teams sind offensiv ausgerichtet, es dominiert das gepflegte Kurzpassspiel, viel Direktspiel – und alles passiert in einem Wahnsinnstempo. Da waren Erwartungen und Vorfreude groß.
Zum Glück erfüllte das „Duell der Passkünstler“ (kicker) dann auch die Erwartungen. Es war ein tolles Spiel zweier technisch perfekter Teams. 60 Minuten dachte ich, dass Barca die Partie locker nach Hause bringt. Der Ball lief grandios durch die Reihen der Katalanen; Xavi, Iniesta, Messi und co. bewiesen eindrucksvoll, dass sie derzeit das beste Vereinsteam der Welt sind. Doch dann lockerte Barca das Tempo; Arsenal fand zurück ins Spiel, profitierte beim 1:1 von einem Fehler von Victor Valdes im Barcelona-Tor, erarbeitete sich weitere Chancen und kam sogar zum 2:1 durch den eingewechselten Arshavin.
Barcelona ist also auch ohne den berühmten „Bus“ schlagbar. Mit dieser Taktik hatte Jose Mourinho im letzten Jahr mit seinem damaligen Klub Inter Mailand die Katalanen in der Champions League ausgeschaltet. Mourinho hatte strikte Defensive angeordnet, quasi einen „Bus in den Strafraum“ geschoben.
So eine Taktik widerspricht allerdings völlig der Philosophie von Arsenal-Manager Arsene Wenger. „Er will schönen Fußball spielen wie Barcelona, er weigert sich, die irre anmutenden Transfersummen für die Top-Stars zu zahlen, und er glaubt an den Aufbau von Mannschaften mit jungen Spielern, die er selbst ausgebildet hat“, charakterisierte der kicker den Franzosen sehr treffend in seinem Champions League-Sonderheft.
Seit September 1996 trainiert der Elsässer den Londoner Traditionsklub – und er hat im Laufe der Zeit den Verein gründlich umgekrempelt. „French Revolution“ schrieben die englischen Gazetten häufig in den ersten Jahren, „Boring Arsenal“, wie die Westlondoner aufgrund ihrer ergebnisorientierten Spielweise gerne in den achtziger Jahren tituliert wurden, war längst Vergangenheit.
Fish, Chips und Lager
Wenger setzte auf Offensive und Kurzpass, brachte moderne Trainingsmethoden in den Verein und kümmerte sich auch um Dinge wie die Ernährung seiner Spieler. Das war offensichtlich völlig neu für englische Profis: Nach dem Vormittagstraining ging es häufig nach einer ordentlichen Portion Fish und Chips zum nachmittäglichen Umtrunk ins nächste Pub. Da verwunderte es nicht, dass eine Arsenallegende wie der kantige Abwehrspieler Tony Adams zum Alkoholiker wurde.
Drei Mal holte Arsenal unter Wenger den Titel in der Premiere League, vier Mal den FA-Cup. In den letzten Jahren stand er allerdings erstmals etwas in der Kritik. Denn der letzte Titel lag schon einige Jahre zurück (2005 FA-Cup), sein Jugend-Konzept fand nicht mehr überall Anklang. Zudem monierten manche Kritiker, dass kaum noch ein Engländer im Startteam stand.
Die großen Namen fehlten bis auf Arshavin auch in den letzten Jahren bei den Neueinkäufen. Allerdings kamen mit Squillaci, Vermaelen, Koscielny und Charmakh etwas routiniertere Spieler. Aber keine großen Namen, andere Vereine der Premiere League rüsten da ganz anders auf. Das Gerüst bilden weiter Spieler, die früh zu den Gunners kamen und die Wenger und sein Trainerteam formten.
In dieser Spielzeit läuft es in der Premiere League ganz ordentlich, nur haben die Westlondoner Pech, dass der alte Rivale Manchester United eine fast perfekte Saison statt. Mit seinem Managerkollegen Alex Ferguson verband Wenger lange Zeit eine heftige Rivalität, inzwischen verstehen sich diese beiden Alpha-Tiere des englischen Ligafußballs aber besser.
Das Emirates Stadium, in dem Arsenal seit 2006 spielt, ist fast immer ausverkauft. Ohne Mitgliedschaft läuft gar nichts – bei Eintrittspreisen, bei denen man in Deutschland nur die Ohren anlegt. Die Premiere League ist ein kostspieliger Spaß und in London noch einmal besonders teuer. „Wer 50 Pfund für ein Fußballspiel bezahlt, der erwartet ein Spektakel“, meint Wenger. Und das bekamen die Zuschauer am Mittwoch zweifellos..
Die Spannung steigt: Noch fünf Wochen bis zum Beginn des Cheltenham-Festivals (15. bis 18. März), dem Gipfeltreffen der besten Hindernispferde aus England und Irland. Racing Post und Sporting Life haben schon seit geraumer Zeit Extra-Cheltenham-Seiten. Auch diese Kolumne wird in nächster Zeit die wichtigsten Rennen dieses grandiosen Festivals analysieren. Den Auftakt machen die wichtigsten Protagonisten der Champion Hurdle, dem großen Höhepunkt des ersten Tages.
Binocular: Der Titelverteidiger und Führende im Wettmarkt. Das war schon imponierend, wie Binocular in der Champion Hurdle 2010 im letzten Jahr die Zielgerade in Cheltenham hochstürmte und letztendlich leicht gegen Khyber Kim triumphierte. Wie schon in den Jahren zuvor brauchte der Schützling von Trainer Nicky Henderson etwas Zeit: Beim Saisonauftakt fehlten die letzten Reserven gegen Peddlers Cross und Starluck. Es folgten ein überzeugender Sieg in der Christmas Hurdle in Kempton und zuletzt ein standesgemäßer Erfolg in einem Listenrennen in Sandown gegen schwächere Gegner. Eine Form, die allerdings nur schwer einzuschätzen ist….
Hurricane Fly: Die große irische Hoffnung, allerdings noch nie außerhalb der grünen Insel gelaufen. Immer ein Pferd mit einem Riesenruf, kleine Verletzungen stoppten jedoch bislang einen Cheltenham-Start. Vier Mal in Folge erfolgreich, zuletzt sehr leicht gegen Solwhit auf weichem Boden in der Irish Champion Hurdle. Der Mullins-Schützling ist aber noch nie gegen so starke Gegner gelaufen. Einst trainierte ihn in Frankreich Jean-Luc Pelletan, der zu Beginn der neunziger Jahre als Jockey in Deutschland aktiv war.
Menorah: Erst sechs Jahre und ein Starter mit einer phänomenalen Bilanz: 9 Starts, 6 Siege, 3 zweite Plätze. Auf der Bahn in Cheltenham ist Menorah sogar noch ungeschlagen, war unter anderem Kampfsieger in der letztjährigen Supreme Novice Hurdle gegen Get Me Out of Here. Auch die letzten Formen auf der Bahn sahen sehr gut aus, besonders der Erfolg mit Höchstgewicht in der Grade 2 Greatwood Handicap Hurdle. Ein Pferd mit einem fantastischen Kampfgeist und die beste Chance seit langem für Trainer Philip Hobbs und Jockey Richard Johnson, mal wieder in einem Prestige-Rennen zu triumphieren. Die einzige schwächere Form zeigte der Kings Theatre-Sohn auf gut bis festem Boden in Doncaster.
Phantastische Bilder, die an ein Ausnahmepferd erinnern: Istabraq in den bekannten Farben von J P Mc Manus triumphierte 1998 erstmals in der Champion Hurdle. Es folgten noch zwei weitere Erfolge.
Peddlers Cross: Sogar noch ungeschlagen in sechs Starts ist Peddlers Cross, ein weiterer Sechsjähriger und das Aushängeschild des Stalles von Trainer Donald Mc Cain. Der Wallach hat schon während des Festivals gewonnen, siegte im vergangenen Jahr in den Neptune Investment Management Novice Hurdle. Dort war die Strecke zwar rund 1000 Meter länger als in der Champions Hurdle, aber zum einen war Peddlers Cross auch über zwei Meilen erfolgreich, zum anderen ist Stehvermögen auf der hügeligen Bahn von Cheltenham immer von Vorteil. Zu Saisonbeginn überzeugte der Wallach gegen Binocular, danach verhinderten leichter Husten und Meetings, die dem Winter zum Opfer fielen, einen weiteren Start. Jetzt sei aber alles wieder in Ordnung, sagt Donald Mc Cain und plant noch einen weiteren Vorbereitungsstart in Kelso oder Wincaton.
Oscar Whisky: So etwas wie ein „dunkles“ Pferd, das noch einiges an Reserven haben könnte. Dennoch steht der zweite Starter von Trainer Nicky Henderson vor der bislang schwersten Aufgabe seiner Karriere. Sechs Siege bei sieben Starts lesen sich aber eindrucksvoll, der einzige „Wermutstropfen“ war der vierte Platz hinter Menorah in der Supreme Novices Hurdle. In dieser Saison lieferte Oscar Whisky zwei tadellose Vorstellungen gegen schwächere Gegner ab, besonders der Erfolg in Cheltenham, wo er auf der Zielgerade noch gute Reserven zeigte, beeindruckte.
Mille Chief: Nach einem schwacher Saison 2009/2010 hat Trainer Alan King seine Pferde derzeit wieder prächtig in Schuss. Sein aussichtsreichster Starter in der Champion Hurdle ist Mille Chief, zuletzt mit Höchstgewicht überlegener Sieger auf schwerem Boden in einem Handicap in Sandown. Da bin ich erst einmal etwas skeptisch: Formen auf schwerem Boden täuschen oftmals, weil viele Pferde diese Verhältnisse überhaupt nicht mögen. Der Wallach hat bestimmt noch Luft nach oben, doch auf Kontrahenten dieser Güteklasse traf er noch nie. Für die Statistiker: Auch sein Stallgefährte Katchit triumphierte fünfjährig in der Champion Hurdle.
Khyber Kim: Der Zweite aus dem Vorjahr, wo ihn nur Binocular schlug. In dieser Jahr nur einmal am Start, doch er war chancenlos in der Christmas Hurdle gegen seinen alten Rivalen. Lange Zeit war fraglich, ob er überhaupt läuft, doch jetzt gab Trainer Nigel Twiston-Davies grünes Licht. Doch was hat Khyber Kim noch in petto? In Bestform ist er brandgefährlich, aber der neunjährige Wallach wird auch nicht jünger.
Der Rest: Erstaunlich tief steht bei einigen Buchmachern Dunguib, vor zwei Jahren Gewinner des Festival Bumpers und 2010 der irische Banker in der Supreme Novices Hurdle. Das Ergebnis ist bekannt: Dunguib wurde „nur“ Dritter, sein Reiter musste sich hinterher einige Kritik anhören, weil er ihn zu sehr aus der Reserve geritten habe. Seinen letzten Start absolvierte er im April 2010 in Cheltenham. Noch gibt es viele Fragezeichen. Cue Card dürfte eher in einem der Novice-Rennen laufen, Solwhit und Silviniaco de Conti haben mehrmals ihre Grenzen gesehen. Bleibt noch Get me out of There, im letzten Jahr Zweiter in der schon mehrfach genannten Supreme Novice Hurdle hinter Menorah,aber vor Dunguib, die letzten Formen waren aber zu schlecht.
Urteil: Mal wieder ein phantastisches Rennen mit einer Menge an Möglichkeiten. Mein Mumm ist allerdings spätestens seit seinem Newbury-Sieg Peddlers Cross, den größten Gegner sehe ich in Menorah. Von den Außenseitern gefällt mir Oscar Whisky am besten.
Launige Worte des Präsidenten: Pferderennen in Dortmund sollen wieder Event-Charakter haben. „Wo man hingeht, um zu sehen und gesehen zu werden“, formulierte es Markus Sträter, Präsident des Dortmunder Rennvereins, im Interview mit dem Fachblatt Sport-Welt. Die Gegenwart der Winterrennen in Wambel ist allerdings hart genug und weit von Ereignis-Charakter entfernt. nurpferdeundfussball war am Sonntag vor Ort.
Vergessen wir mal das ganze Event-Gerede: So ganz out sind Galopprennen nicht – auch wenn mancher Zeitgenosse das Gegenteil behauptet. Am Sonntag in Dortmund war das Publikum altersmäßig schon gemischt. Die Studentenclique freute sich tierisch über ihre Gewinne bei der Platzwette freute, auch wenn die ältere Generation dominierte. Das Wetter war zudem in Ordnung: etwas windig, aber trocken und für die Jahreszeit richtig warm.
Bekannt und gelobt: Der Bratwurst-Profi aus Unna
Ich bin mir nicht sicher, ob früher die Winterrennen besser besucht waren. Die Rennvereine nennen ja nie Besucherzahlen, wobei das in Dortmund aufgrund des freien Eintritts eher nicht mehr möglich ist. Am Sonntag füllte sich die Bahn so langsam, richtig voll war es jedoch nicht. Das war es früher aber meist auch nicht, nur die Zeiten, dass ganze Busse aus dem Rheinland anreisten, sind Geschichte.
Definitiv höher war früher der Wettumsatz. Über 130 000 Euro hätte man vor 20 Jahren nur gelacht, so ein Sonntag im Februar hätte mindest 500 000 DM gebracht. Nicht viel hingegen hat sich bei den Preisgeldern getan, die waren vor 20 Jahren fast auf dem gleichen Niveau.
Sportlich dominieren weiter die Handicaps der unteren Kategorie, der „Nützlichkeitssport“, wie die Sport-Welt immer so schön schrieb, dominiert. Nur mit einem Unterschied: In der Vergangenheit gab es meist einen Ausgleich 2 als sportlichen Höhepunkt. Das waren meist schöne Wettrennen. Nur kommen sie heute nicht mehr zustande, weil Pferde dieser Klasse inzwischen lieber in Frankreich Rennen bestreiten, da sie dort viel mehr Geld verdienen können.
Das Elend des Wettscheins
Eine Schönheit war die Dortmunder Rennbahn im Winter noch nie. Es wirkt alles etwas trist, die Wetthalle in der zweiten Tribüne verkörpert die gleiche Trostlosigkeit wie immer. Die unter Denkmalschutz stehende Tribüne ist ansonsten ein Pluspunkt im Winter: Die Glasscheiben bieten Wetterschutz, die Sicht ist auf den meisten Plätzen gut und das Catering funktioniert ebenfalls.
Die meisten Besucher verfolgten allerdings die Rennen draußen vor den Tribünen auf dem Rasen. Mein Geheimtipp ist die mittlere Treppe; auf deren oberen Stufen hat man den besten Blick auf die Allwetterbahn.
Auf Sparflamme kochte am Sonntag hingegen der Service-Gedanken des Dortmunder Rennvereins. So wenige offene Wettkassen habe ich in Dortmund noch nie gesehen, teilweise bildeten sich lange Schlangen vor diesen. Konsequenz: Manche Besucher konnten nicht mehr ihren Schein abgeben, da sie noch an den Kassen anstanden, als die Rennen schon gestartet waren.
Überlegener Sieger: Valenziani aus dem Stall von Mario Hofer gewann das dritte Rennen, so stark waren die Gegner des nobel gezogenen Sohns von Royal Applause aber nicht ...
Für Verzögerungen sorgte außerdem (wie immer) der viel zu komplizierte Wettschein, der selbst Profi zweifeln lässt. Für Neulinge ist der Schein noch erklärungsbedürftiger. Ich weiß nicht, warum man nicht einfach Ansagekassen für die einfachen Wettarten wie Sieg und Platz öffnet. So was wie der Quick-Tipp-Schein in der Viererwette geht da schon in die richtige Richtung.
Immerhin haben sie in Dortmund das Catering halbwegs in den Griff bekommen. Was auch daran liegt, dass der Bratwurstprofi Kratz aus Unna inzwischen präsent ist. Manche meinen ja, dass der Niedergang der Mülheimer Bahn mit der zwischenzeitlichen Abstinenz des Kratz-Wagens direkt zusammenhängt. So weit würde ich nicht gehen, aber die Qualität des Bratwurstprofis ist schon sehr ordentlich und deutlicher besser als das, was früher an den Ständen angeboten wurde. Dennoch bleibt noch viel zu tun…
Wetttechnisch war es übrigens ein ziemlicher Flop-Tag für mich. Was ich am Sonntag in Wambel verloren habe, habe ich allerdings am Samstag in Sandown gewonnen. So ist eben das Zockerleben.