Freitag, 29. Oktober 2010
Daumen hoch für die Hartplatzhelden
Glückwunsch an Macher Oliver Fritsch und sein Team! Der Bundesgerichtshof hat gestern entschieden, dass das Internetportal Hartplatzhelden auch weiterhin Videoaufnahmen von Amateurfußballspielen zeigen darf. Der Württembergische Fußballverband (WFV) wollte das verbieten, weil er darin eine unerlaubte gewerbliche Verwertung sah. Es gebe kein ausschließliches Recht an der Verwertung von Fußballspielen, urteilte jetzt der BGH. Das Landesgericht und das Oberlandesgericht Stuttgart hatten hingegen zugunsten des WFV entschieden. Mehr zum Prozess gibt es hier im Blog, der WFV reagiert gelassen auf das Urteil.
Die Hartplatzhelden sind so eine Art Youtube für den Amateurfußball. Nutzer können dort Videos von Amateurspielen kostenlos ins Netz stellen, die Seite finanziert sich über Werbung.



Mittwoch, 27. Oktober 2010
Der ewige Patient
Der Niedergang des einst so stolzen 1.FC Köln begann im Juni 1990, schrieben bereits die Autoren von „Hennes & Co. – Die Geschichte des 1.FC Köln“ und sie haben damit Recht. Es war die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 und der damalige FC-Präsident Dietmar Artzinger-Bolten, CDU-Politiker und Jurist, fuhr extra nach Italien und verkündete dort zur Überraschung aller die Entlassung des damaligen Trainers Christoph Daum. Warum er seinen Coach vor die Tür setzte, verriet Arztinger-Bolten im sonnigen Italien nicht.*
Denn unter Fußballlehrer Daum, zu dieser Zeit am Anfang seiner Laufbahn, hatten die Kölner erfolgreiche Jahre hinter sich. 1988 wurden sie Dritter, 1989 und 1990 sogar Vizemeister. Danach kam der Absturz: Von Daums Nachfolger Erich Rutemöller blieb nur das Zitat „Mach et Otze“ hängen – sportlich war sein Schaffen eher ein Flop. Danach gaben sich die Trainer in Köln quasi die Klinke in die Hand – unter anderem Jörg Berger, Morten Olsen, Stephan Engels, Peter Neururer oder Lorenz-Günther Köstner. Keiner war richtig erfolgreich und während andere Vereine in den Champions League richtig Geld verdienten, ging es in Köln nur noch abwärts.


Zumindest er wurde noch nie gefeuert beim FC: Geißbock Hennes

Die Kölner Medien spielten (und spielen) bei den Turbulenzen eine entscheidende Rolle. Zwei Boulevardblätter vor Ort bedeuten Unruhe. Besonders der Kölner Express, der sein Schicksal unabwendbar mit dem FC verbunden hat, macht Stimmung. So und so gibt es nur zwei Extreme: Himmel oder Hölle.
Es war immer das gleiche Bild bei den Trainerentlassungen: Die Mannschaft verlor und Bild und Express hatten den Schuldigen schnell ausgemacht. Der Kandidat wurde mit Schlagzeilen regelrecht weich geschossen, irgendwann reagierten die Verantwortlichen und schickten den Coach in die Wüste. Das Spiel begann von vorne: Ein neuer Übungsleiter kam mit neuen Ideen und Vorstellungen und durfte bei der ersten Krise wieder gehen.

Zwischen Himmel und Hölle
Nicht verwunderlich, dass dieser Dauer-Dilettantismus der Verantwortlichen 1998 zum Abstieg in die zweite Liga führte. Und seitdem ist der FC eine Fahrstuhlmannschaft, die zwischen erster und zweiter Liga pendelt – so wie Bochum oder Bielefeld. Dreimal Aufsteig, dreimal Abstieg in zehn Jahren – Trainer wie Lienen, Funkel, Schuster, Koller oder Latour versuchten in dieser Zeit ihr Glück und scheiterten.
Nur sind die Ansprüche in Köln andere: Viele meinen, dass der Traditionsverein FC einfach in die Spitzengruppe der Bundesliga gehört. 2007 kam Christoph Daum zurück und wurde gefeiert wie der Messias. Immerhin stieg Daum wieder auf und hielt den FC (mit wenig attraktivem Spiel) in der Liga. Mit der Rückkehr von Lukas Podolski sollte alles besser werden (der Express feierte die Rückkehr mit einer dicken Beilage), doch auch der „Prinz“ konnte die Wende nicht bewerkstelligen. Der FC ist derzeit Tabellenletzter, die Mannschaft spielt grauenhaft – und damit wiederholt sich das Spiel: Trainer Zvonimir Soldo musste gehen.
Sportlich durchaus nachvollziehbar. Die Bilanz ist verheerend, was aber nicht nur an Soldo liegt. In der Kritik steht zudem Manager Michael Meier, der schon in Dortmund ziemlichen Mist baute.
Wie immer in Köln wird mächtig spekuliert, tauchen unter anderem die Namen Meyer, Toppmöller oder Sammer auf. Erstmal soll es der bisherige U23-Trainer Frank Schäfer richten – viel Spaß kann man da nur wünschen.

*Der Spiegel schrieb 2000 in einem Artikel über die Kokain-Affäre von Christoph Daum: „Dietmar Artzinger-Bolten, ehemals Präsident des 1. FC Köln, nimmt die Berichte „mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis". Der Anwalt hatte Daum 1990 gefeuert, die Gründe blieben unklar. „Ich fühle mich bestätigt", sagt er jetzt, „daraus können Sie Ihre Schlüsse ziehen."



Dienstag, 26. Oktober 2010
Alt und erfolgreich: Monet's Garden
Früher beim Buchmacher gab es einen Kollegen, der schrie immer „Hossa“, wenn ein von ihm gewettetes Pferd auf der Zielgerade vorne war. Am Samstag hatte ich vor dem PC mein persönliches „Hossa-Erlebnis“ – der Grund hieß Monet’s Garden, der zum dritten Mal in der Old Roan Chase, immerhin ein Gruppe 2-Rennen, in Aintree triumphierte.
Es war ein emotionaler Erfolg und es sind Pferde wie Monet’s Garden, die die Faszination des Hindernissports ausmachen. Denn der Schimmel ist ein fantastischer Springer, der in Bestform quasi über die Hindernisse gleitet. Das war auch am Samstag so: Jockey Dougie Costello ließ den Frontrenner marschieren, der Wallach sprang tadellos und als dann Barry Geraghty mit dem hervorragend gehenden Poquelin zum Angriff schritt, zeigte Monet’s Garden viel Kampfgeist und hatte am Ende die Nase vorn. „The old boy finds a bit more“, analysierte Rennkommentator Stuart Machin treffend.
Und damit sind wir beim nächsten Stichwort: Denn der Schützling von Trainer Nicky Richards ist bereits zwölf Jahre alt und damit quasi im Veteranenstatus. Das ist einer der größten Pluspunkte des Hindernissports: Die Pferde sind länger dabei, sie wachsen selbst hartgesottenen Betrachtern regelrecht ans Herz. Ihre blaublütigen Verwandten von der Flachbahn beenden hingegen – wenn sie erfolgreich sind – spätestens mit fünf Jahren ihre Karriere und gehen in die Zucht, was für die Wallache aus dem Hindernissport bekanntlich keine Alternative ist.
Im April 2005 war ich live auf der Rennbahn in Aintree. Es war der Donnerstag des Grand National-Meetings; Monet’s Garden gewann damals die Liverpool Hurdle, danach triumphierte mit dem grandiosen Grey Abbey ein weiterer Schimmel und ich hatte beide gewettet. Es war ein unvergesslicher Nachmittag.
Seitdem verfolge ich die Laufbahn von Monet’s Garden, der ein gutes und erfolgreiches Pferd über die großen Hindernisse wurde. Besonders Aintree mag der Wallach: Fünf seiner 17 Siege (bei nur 32 Starts) feierte er auf der Bahn nahe Liverpool; 2007 schlug er in besagter Roan Chase immerhin den großen Kauto Star. 2009 triumphierte der Schimmel gegen Tidal Bay, Gewinner der Arkle Chase in Cheltenham.