„FC Bayern denkt über Sahin nach“, titelte der kickerheute und sorgte damit für einige Aufregung. „Aus sicherer Quelle“ hat das (meist gut informierte) Fachblatt erfahren, dass Rekordmeister Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin nach München locken möchte.
Ich befürchte, solche Meldungen wird der BVB-Anhänger zukünftig häufiger lesen. Borussia Dortmund ist Tabellenführer der Bundesliga, spielt höchst attraktiven Fußball und hat viele junge Spieler, die noch nicht am Ende ihres Leistungsvermögens angekommen sind. Sahin, Barrios, Schmelzer, Hummels und co. haben durch ihre guten Leistungen die Begehrlichkeiten anderer finanzkräftigerer Vereine geweckt.
Nuri Sahin absolviert bislang eine überragende Saison, ist Taktgeber im Dortmunder Mittelfeld und führt mit einem sensationellen Notenschnitt von 2,19 die Liste der Top-Feldspieler im kicker an. Ins Team des FC Bayern würde der Edeltechniker auf den ersten Blick gut passen: Der Vertrag von Mark van Bommel endet am 30.06.2011, verlängert wurde er bislang nicht. Zudem ist der selbsternannte „Aggressiv Leader“ mit 33 Jahren nicht unbedingt eine Lösung für die Zukunft. Vom ukrainischen Nationalspieler Anatoly Tymoshchuk (Vertrag bis 2012) hält Bayern-Coach Louis van Gaal offensichtlich nicht viel, setzt ihn meist auf die Reservebank. Da könnte Sahin neben Bastian Schweinsteiger die Doppel-Sechs im Mittelfeld bilden.
Das Beispiel Podolski
Das Interesse des Münchener Rekordmeisters zeigt, dass der FC Bayern die Borussia wieder ernst nimmt. Denn eine Strategie des finanzkräftigen FCB war es immer, sportliche Konkurrenten zu schwächen und ihnen die besten Leute wegzukaufen – siehe Stuttgart (Gomez), Bremen (Klose) als aktuelle Beispiele oder früher Leverkusen (Ze Roberto, Ballack, Lucio).
Finanziell dürfte Sahin in München mehr verdienen, aber würde er sich sportlich verbessern? In Dortmund weiß der türkische Nationalspieler, was er hat. Sahin identifiziert sich mit dem Verein, fühlt sich in Dortmund wohl. Er ist Leistungsträger einer Mannschaft, die gut funktioniert, glänzende Perspektiven hat und schon in dieser Saison sportlich einiges erreichen kann. Die Zukunft spricht also für Schwarz-Gelb.
Nun bin ich nicht so naiv zu glauben, dass Werte wie Identifikation im Profifußball eine große Rolle spielen. Im Endeffekt zählt nur das Geld. Aber vielleicht sollte Nuri Sahin bedenken: Gomes (auch wenn er jetzt einige Mal getroffen sind) oder Klose machen nicht den Eindruck, dass sie in München glücklich sind. Sein „Kumpel“ Lukas Podolski drückte beim FC Bayern meist die Ersatzbank. Oder vielleicht auf Campino und die Toten Hosen hören...
Das war wohl der Abschluss einer großen Rennkarriere: Quijano, Turf-Deutschlands erfolgreichster Wallach, verabschiedete sich mit einem 7. Platz im Grand Premio del Jockey Club in Mailand. Zwar hat der achtjährige Acatenango-Sohn noch eine Nennung für Hongkong Ende November, aber wahrscheinlich wird er dort nicht mehr starten, schreibt Galopponline. In Deutschland gab Quijano bereits zwei umjubelte Abschiedsvorstellungen, als er in Baden-Baden (siehe Video) und Köln noch einmal zu großer Form auflief.
40 Starts, 14 Siege, 11 Platzierungen, Gewinnsumme 1 877 266 Euro: Die Bilanz des Wallachs liest sich beeindruckend. Dabei begann alles mit einem Flop am 27. März 2005 auf der Rennbahn in Dortmund-Wambel: Als 15:10-Favorit ging der dreijährige Quijano bei seinem Lebensdebüt an den Start. Das war nicht verwunderlich, denn er galt als Derbyhoffnung im großen Quartier von Trainer Peter Schiergen. Doch an diesem Ostersonntag lief auf dem weichen Boden gar nichts, Quijano endete weit geschlagen als Letzter im kleinen Feld. Die Verantwortlichen waren nach dem Rennen erstmal etwas ratlos. Kleiner Trost: Der Sieger Kartago entpuppte sich als durchaus gutes Pferd, das unter anderem im Mai den Großen Preis der Sparkasse Dortmund gewann.
Seriensieger
Quijano hingegen hatte nun Pause und tauchte erst wieder als vierjähriger Wallach im nächsten Jahr auf: Am 17. April 2006 siegte er hoch überlegen in einer harmlosen Aufgabe in Hannover. Was dann folgte, war eine Aufsehen erregende Serie: 10 Mal gewann der Wallach nacheinander, zum Abschluss gab es drei Siege gegen starke internationale Gegner in Nad Al Sheba/Dubai. Quijano entwickelte sich zu einem Globetrotter und einer Lichtgestalt des deutschen Turfs, sportliche Highlights waren drei Gruppe 1-Erfolge, zweimal in Mailand, einmal in Baden-Baden. Und da Bilder in diesem Fall mehr aussagen als Worte, empfehle ich diesen schönen Rückblick auf eine sehr erfolgreiche Karriere.
„Das beste Zweijährigen-Rennen aller Zeiten“ hatte die Racing Post noch am Samstag getitelt und das ganz mit einem Fragezeichen versehen. Dieses Prädikat verdienten sich die Dewhurst Stakes in Newmarket nicht. Denn das Duell zwischen Frankel, Dream Ahead und Saamidd fand nicht statt, zu indisponiert wirkten die beiden Letztgenannten.
Es war die Soloshow (siehe Video) eines Pferdes: Frankel gewann die Dewhurst Stakes, das wohl wichtigste Zweijährigen-Rennen in England, ganz leicht und untermauerte seinen Superstar-Status. „Er ist wie ein Formel 1-Auto. Er gewinnt alles so lange ich ihn nicht fahre", meinte nach dem Rennen Trainer Henry Cecil. Es war schon höchst beeindruckend, wie der Galileo-Sohn beschleunigte und sich ziemlich leicht von seinen Gegnern löste, nachdem er fast die Hälfte der 1400 Meter-Distanz wild gepullt hatte. Jockey Tom Queally hatte alles sicher im Griff. Frankel also ein sicheres Ding für die 2000 Guineas im nächsten Jahr zum Kurs von 5:4 (22)? Selbstverständlich nicht, denn erstmal kann bis Anfang Mai 2011 noch viel passieren. Überragende Zweijährige sind auch nicht immer herausragende Dreijährige. Oft entwickeln sie sich über Winter nicht weiter, andere Pferde – die vielleicht zweijährig noch etwas schwach waren – hingegen schon. Ich erinnere mal an Rainbow View, die Stute aus dem Stall von John Gosden, die 2008 zweijährig alle wichtigen Rennen des Jahrgangs gewann und meilenweit über ihre Jahrgangsgefährtinnen stand. Sie wurde zu einem ähnlichen Kurs für die 1000 Guineas gehandelt. Das Ergebnis: Rainbow View wurde Fünfte, konnte dreijährig nicht an ihre Leistungen anknüpfen. Und beim Thema Frankel und das Derby zeigt sich Cecil noch ziemlich zugeknöpft.
Dream Ahead und Saamidd landeten hingegen am Ende des Feldes und belegten nur die Plätze 5 und 6. Das Pferd aus dem Stall von John Simcock ließ seinen „Dash“ vermissen, die schweren Rennen vorher forderten offensichtlich ihren Tribut. Saamidd wirkte schon beim Aufgalopp nervös, fand nie ins Rennen. Laut Godolphin-Homepage kam er nicht mit dem weichen Boden zurecht.
Die Entdeckung des Rennen war Roderic O’ Connor und darüber wird man im Quartier von Aidan 0’Brien ziemlich zufrieden sein. Johnny Murtagh hatte den Hengst schön an den Rails platziert und ließ ihn galoppieren. Gegen Frankel war er zwar chancenlos, dennoch gefiel, wie Roderic O’Connor zum Schluss noch einmal anzog.
Hellier mal wieder
Der Preis des Winterfavoriten in Köln war hingegen die erwartete enge Angelegenheit (siehe Video). Mit Silvaner, trainiert von Peter Schiergen, gewann ein Pferd, das – im Gegensatz zu den Siegern der letzten Jahre – noch Ambitionen für das deutsche Derby hat.
Denn sein Trainer Peter Schiergen schätzt den Lomitas-Sohn als Steher ein. Es war ein typischer Terry Hellier-Ritt: Erstmal das Pferd in Ruhe auf die Beine kommen lassen, sich im Hintertreffen aus allen Scharmützeln raus halten und dann in der Gerade beschleunigen. Kein Jockey in Deutschland kann das besser als Hellier, international fallen mir Ryan Moore, Kieren Fallon und Olivier Peslier ein, die diese Taktik ebenfalls meisterhaft beherrschen. Silvaner zeigte sich gegenüber dem erfolgreichen Debüt in Dortmund weiter verbessert und setzte damit die gute Bilanz der Youngster aus dem Schiergen-Quartier fort. Mein Eindruck ist zudem, dass der Hengst dreijährig noch mehr im Tank haben könnte.
Die ersten beiden Zweijährigen-Rennen der Karte hatte Trainer Andreas Wöhler gewonnen und mit Nice Danon verpasste er im Winterfavoriten einen dritten Erfolg nur knapp. Kurz war der Schimmel auch diesmal vorne, am Ende unterlag er jedoch, zeigte aber erneut famosen Kampfgeist. Ausgezeichnet lief zudem der Außenseiter Manchester als Dritter.
Viel Pech hatte hingegen mein Tipp Zantano, der als Vierter ins Ziel kam und zweimal von Nice Danon gestört wurde. Besonders nach der zweiten Störung musste Jockey Daniele Porcu sein Pferd quasi neu aufnehmen. Ob er allerdings ohne die Behinderungen gewonnen hätte? Fraglich…
Die beste Rennsport-Nachricht kommt aber aus dem englischen Cheltenham: Dort feierte Hindernisjockey Dominic Elsworth nach einer Verletzungspause von 14 Monaten ein erfolgreiches Comeback und triumphierte mit Edgbriar in einem toll besetzten Handicap über die schweren Sprünge. Nicht nur der Jockey war danach richtig glücklich.