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Dienstag, 26. Oktober 2010
Alt und erfolgreich: Monet's Garden
Früher beim Buchmacher gab es einen Kollegen, der schrie immer „Hossa“, wenn ein von ihm gewettetes Pferd auf der Zielgerade vorne war. Am Samstag hatte ich vor dem PC mein persönliches „Hossa-Erlebnis“ – der Grund hieß Monet’s Garden, der zum dritten Mal in der Old Roan Chase, immerhin ein Gruppe 2-Rennen, in Aintree triumphierte.
Es war ein emotionaler Erfolg und es sind Pferde wie Monet’s Garden, die die Faszination des Hindernissports ausmachen. Denn der Schimmel ist ein fantastischer Springer, der in Bestform quasi über die Hindernisse gleitet. Das war auch am Samstag so: Jockey Dougie Costello ließ den Frontrenner marschieren, der Wallach sprang tadellos und als dann Barry Geraghty mit dem hervorragend gehenden Poquelin zum Angriff schritt, zeigte Monet’s Garden viel Kampfgeist und hatte am Ende die Nase vorn. „The old boy finds a bit more“, analysierte Rennkommentator Stuart Machin treffend.
Und damit sind wir beim nächsten Stichwort: Denn der Schützling von Trainer Nicky Richards ist bereits zwölf Jahre alt und damit quasi im Veteranenstatus. Das ist einer der größten Pluspunkte des Hindernissports: Die Pferde sind länger dabei, sie wachsen selbst hartgesottenen Betrachtern regelrecht ans Herz. Ihre blaublütigen Verwandten von der Flachbahn beenden hingegen – wenn sie erfolgreich sind – spätestens mit fünf Jahren ihre Karriere und gehen in die Zucht, was für die Wallache aus dem Hindernissport bekanntlich keine Alternative ist.
Im April 2005 war ich live auf der Rennbahn in Aintree. Es war der Donnerstag des Grand National-Meetings; Monet’s Garden gewann damals die Liverpool Hurdle, danach triumphierte mit dem grandiosen Grey Abbey ein weiterer Schimmel und ich hatte beide gewettet. Es war ein unvergesslicher Nachmittag.
Seitdem verfolge ich die Laufbahn von Monet’s Garden, der ein gutes und erfolgreiches Pferd über die großen Hindernisse wurde. Besonders Aintree mag der Wallach: Fünf seiner 17 Siege (bei nur 32 Starts) feierte er auf der Bahn nahe Liverpool; 2007 schlug er in besagter Roan Chase immerhin den großen Kauto Star. 2009 triumphierte der Schimmel gegen Tidal Bay, Gewinner der Arkle Chase in Cheltenham.



Donnerstag, 21. Oktober 2010
Bayern baggert Sahin an
„FC Bayern denkt über Sahin nach“, titelte der kicker heute und sorgte damit für einige Aufregung. „Aus sicherer Quelle“ hat das (meist gut informierte) Fachblatt erfahren, dass Rekordmeister Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin nach München locken möchte.
Ich befürchte, solche Meldungen wird der BVB-Anhänger zukünftig häufiger lesen. Borussia Dortmund ist Tabellenführer der Bundesliga, spielt höchst attraktiven Fußball und hat viele junge Spieler, die noch nicht am Ende ihres Leistungsvermögens angekommen sind. Sahin, Barrios, Schmelzer, Hummels und co. haben durch ihre guten Leistungen die Begehrlichkeiten anderer finanzkräftigerer Vereine geweckt.
Nuri Sahin absolviert bislang eine überragende Saison, ist Taktgeber im Dortmunder Mittelfeld und führt mit einem sensationellen Notenschnitt von 2,19 die Liste der Top-Feldspieler im kicker an. Ins Team des FC Bayern würde der Edeltechniker auf den ersten Blick gut passen: Der Vertrag von Mark van Bommel endet am 30.06.2011, verlängert wurde er bislang nicht. Zudem ist der selbsternannte „Aggressiv Leader“ mit 33 Jahren nicht unbedingt eine Lösung für die Zukunft. Vom ukrainischen Nationalspieler Anatoly Tymoshchuk (Vertrag bis 2012) hält Bayern-Coach Louis van Gaal offensichtlich nicht viel, setzt ihn meist auf die Reservebank. Da könnte Sahin neben Bastian Schweinsteiger die Doppel-Sechs im Mittelfeld bilden.

Das Beispiel Podolski
Das Interesse des Münchener Rekordmeisters zeigt, dass der FC Bayern die Borussia wieder ernst nimmt. Denn eine Strategie des finanzkräftigen FCB war es immer, sportliche Konkurrenten zu schwächen und ihnen die besten Leute wegzukaufen – siehe Stuttgart (Gomez), Bremen (Klose) als aktuelle Beispiele oder früher Leverkusen (Ze Roberto, Ballack, Lucio).
Finanziell dürfte Sahin in München mehr verdienen, aber würde er sich sportlich verbessern? In Dortmund weiß der türkische Nationalspieler, was er hat. Sahin identifiziert sich mit dem Verein, fühlt sich in Dortmund wohl. Er ist Leistungsträger einer Mannschaft, die gut funktioniert, glänzende Perspektiven hat und schon in dieser Saison sportlich einiges erreichen kann. Die Zukunft spricht also für Schwarz-Gelb.
Nun bin ich nicht so naiv zu glauben, dass Werte wie Identifikation im Profifußball eine große Rolle spielen. Im Endeffekt zählt nur das Geld. Aber vielleicht sollte Nuri Sahin bedenken: Gomes (auch wenn er jetzt einige Mal getroffen sind) oder Klose machen nicht den Eindruck, dass sie in München glücklich sind. Sein „Kumpel“ Lukas Podolski drückte beim FC Bayern meist die Ersatzbank. Oder vielleicht auf Campino und die Toten Hosen hören...




Mittwoch, 20. Oktober 2010
Quijano: Abschied von einer Lichtgestalt
Das war wohl der Abschluss einer großen Rennkarriere: Quijano, Turf-Deutschlands erfolgreichster Wallach, verabschiedete sich mit einem 7. Platz im Grand Premio del Jockey Club in Mailand. Zwar hat der achtjährige Acatenango-Sohn noch eine Nennung für Hongkong Ende November, aber wahrscheinlich wird er dort nicht mehr starten, schreibt Galopponline. In Deutschland gab Quijano bereits zwei umjubelte Abschiedsvorstellungen, als er in Baden-Baden (siehe Video) und Köln noch einmal zu großer Form auflief.
40 Starts, 14 Siege, 11 Platzierungen, Gewinnsumme 1 877 266 Euro: Die Bilanz des Wallachs liest sich beeindruckend. Dabei begann alles mit einem Flop am 27. März 2005 auf der Rennbahn in Dortmund-Wambel: Als 15:10-Favorit ging der dreijährige Quijano bei seinem Lebensdebüt an den Start. Das war nicht verwunderlich, denn er galt als Derbyhoffnung im großen Quartier von Trainer Peter Schiergen. Doch an diesem Ostersonntag lief auf dem weichen Boden gar nichts, Quijano endete weit geschlagen als Letzter im kleinen Feld. Die Verantwortlichen waren nach dem Rennen erstmal etwas ratlos. Kleiner Trost: Der Sieger Kartago entpuppte sich als durchaus gutes Pferd, das unter anderem im Mai den Großen Preis der Sparkasse Dortmund gewann.

Seriensieger
Quijano hingegen hatte nun Pause und tauchte erst wieder als vierjähriger Wallach im nächsten Jahr auf: Am 17. April 2006 siegte er hoch überlegen in einer harmlosen Aufgabe in Hannover. Was dann folgte, war eine Aufsehen erregende Serie: 10 Mal gewann der Wallach nacheinander, zum Abschluss gab es drei Siege gegen starke internationale Gegner in Nad Al Sheba/Dubai. Quijano entwickelte sich zu einem Globetrotter und einer Lichtgestalt des deutschen Turfs, sportliche Highlights waren drei Gruppe 1-Erfolge, zweimal in Mailand, einmal in Baden-Baden. Und da Bilder in diesem Fall mehr aussagen als Worte, empfehle ich diesen schönen Rückblick auf eine sehr erfolgreiche Karriere.