Wieder „Veteran“ Josef Vana, wieder der neunjäjrige Wallach Tiumen: Das Erfolgsteam aus dem letzten Jahr gewann auch 2010 die 210. Velka Pardubicka über weite 6 900 Meter auf der Rennbahn in Pardubice (Tschechien). Für den 57jährigen Vana war es der siebte Erfolg als Jockey und der achte als Trainer in dem Jagdrennen, das als zweitschwerstes Hindernisrennen der Welt nach dem Grand National in Aintree gilt.
Diesmal musste das siegreiche Team allerdings zittern: Denn Besitzer und Trainer des Zweitplatzierten Amant Gris legten Protest wegen Behinderung ein, die Stewards sahen eine solche allerdings nicht. Ursprünglich wollte das Gestüt Albertovec, Besitzer von Amant Gris, vor das Renngericht des JCKK in Prag ziehen, diesen Plan aber wieder verworfen.
Amant Gris scheint zu einer tragischen Figur der Prüfung zu werden: 2008 war der Schimmel als Erster im Ziel, wurde aber disqualifiziert, weil er den falschen Kurs genommen hat. In diesem Jahr unterlag der 12 jährige Wallach nur mit einer Nase.
12 der 19 Starter kamen ins Ziel.
Der Herbst ist im Galopprennsport oft eine Zeit der Träume – besonders bei den Besitzern von hoffnungsvollen zweijährigen Pferden. Die 1000 und 2000 Guineas, die Klassiker im nächsten Frühjahr, sind das große Ziel. Zwei talentierte Youngster gab es am letzten Freitag im englischen Newmarket zu sehen, dazu einen wenig geprüften vierjährigen Hengst, der noch einiges an Reserven haben dürfte. Meine Drei für das Notizbuch.
Dream Ahead, Shadwell Middle Park Stakes (Group 1) – Es war eine Demonstration. Natürlich sind Formen auf weichen Boden gerade bei Zweijährigen mit Vorsicht zu genießen, aber wie Dream Ahead beschleunigte und das achtköpfige Feld mit neun Längen distanzierte, das sah schon nach Rennpferd aus. Mit Strong Suit und Temple Meads (der allerdings völlig aus dem Rennen fiel), dürfte er zwei sehr gute Pferde des Jahrgangs geschlagen haben.
Es war bereits der zweite Gruppe 1-Erfolg für den noch ungeschlagenen Hengst, nachdem er bereits im Darley Prix Morny in Deauville erfolgreich war. „Ich bin sicher, dass er auch über die Meile kommt“, verriet sein Trainer David Simcock hinterher im Racing UK-Interview.
Wahrscheinlich wird Dream Ahead noch mal in den Dewhurst Stakes in Newmarket, dem wohl wichtigsten Zweijährigenrennen auf der Insel, laufen. Dort könnte es dann zu einem Duell mit Frankel kommen, einem anderen Youngster, der derzeit für Schlagzeilen sorgt.
Auch für Simcock war es der zweite Erfolg auf höchster Ebene. 2004 begann er mit zehn Pferden und es ging Jahr für Jahr aufwärts. So richtig etablierte sich Simcock mit dem Erfolg von Darley Sun im 2009er Cesarewitsch, einem dieser englischen Megahandicaps.
Hooray, Adnams Cheveley Park Stakes (Fillies, Group 1) – Bereits im August hatte Hooray mit ähnlicher Taktik in York gewonnen. Start-Ziel von der Spitze aus, immer wieder zulegend, alle Attacken abwehrend – das sah schon damals gut aus. Diesmal wählte Jockey Seb Sanders die gleiche Taktik – und es wirkte noch besser. Denn während Hooray immer wieder neue Reserven offenbarte, sendeten ihre Gegnerinnen frühzeitig Notsignale auf dem weichen Boden. Ein Pferd des Cheveley Park Studs triumphierte in den Cheveley Park Stakes – die Besitzer dürften mehr als erfreut gewesen sein. „Ich war vorher sehr besorgt wegen des Regens“, meinte ihr Trainer Sir Mark Prescott nach dem Rennen. Doch auch ein erfahrener Trainerfuchs wie Sir Mark kann sich mal irren. Skeptisch ist er hingegen, ob die Stute das Stehvermögen für die Meile in den 1000 Guineas besitzt. „Ich glaube nicht, dass sie über die Distanz kommt“, sagt er und hofft, dass er vielleicht doch falsch liegt.
Seit 1970 trainiert Prescott Rennpferde in Newmarket und ist wahrscheinlich der einzige „toff“, mit dem sich der eher linksliberale Guardian anfreunden kann. Der Trainer gilt als jemand, der seine Pferde meisterhaft in den Handicaps placieren kann. Wenn man sich seinen Schnitt Starts/Siege anschaut, dann zeigt das Qualität: In den letzten zehn Jahren lag dieser Schnitt fast immer über 20 Prozent, in diesem Jahr liegt er bei sensationellen 27 Prozent (56 Siege, 210 Starts, Stand 6.10). In Deutschland dürfte besonders Albanova bekannt sein. Mit der Stute gewann Prescott 2004 drei Gruppe 1-Prüfungen, unter anderem den Preis von Europa in Köln.
Cityscape, Nayef Joel Stakes (Group 3)
Es war zwar „nur“ ein Gruppe 3-Rennen, aber auch hier machte der Ton die Musik. Der vierjährige Hengst Cityscape siegte wie ein Pferd, das noch einiges im Tank haben dürfte. Zumal die Gegner so schlecht nicht waren. Sieben Längen Vorsprung hatte der Schützling von Trainer Roger Charlton vor Penitent und Fair Trade. Steve Drowne im Sattel des Siegers hätte den Richterspruch noch durchaus deutlicher gestalten können, so viel hatte er noch in der Hand.
Der Selkirk-Sohn hatte im Quartier von Trainer Charlton schon immer einen hohen Stellenwert. 2008 war er zweijähriger Zweiter in den Juddmonte Royal Lodge Stakes (Gr.2) hinter dem auch in Deutschland gut bekannten Jukebox Jury. Doch nachdem er in den englischen 2000 Guineas 2010 im geschlagenen Feld endete, musste er den Rest der Saison verletzt pausieren.
In diesem Jahr folgte dann das Comeback: Nach zwei Placierungen siegte er zuletzt in Haydock. Im nächsten Jahr könnte Cityscape besonders auf weichem Boden in den Gruppe 1-Prüfungen über die Meile eine gute Rolle spielen.
“Nein“, war am Sonntag Abend meine erste Reaktion, als ich mir das Ergebnis des Prix de la Arc des Triomphe anschaute. Denn der Sieger hieß Workforce , der französische Toto zahlte erstaunliche 86:10.
Dummerweise fiel in diesem Jahr mal wieder ein BVB-Heimspiel auf den gleichen Termin und als das Rennen um 16:05 gestartet wurde, war ich auf dem Weg Richtung Westfalenstadion, wo der BVB dem FC Bayern aus München die Lederhosen ausziehen wollte.
Zudem war in diesem Jahr das Interesse am Arc nicht besonders groß. So richtig überzeugt hatte mich nämlich kein Teilnehmer und so blieb das europäische Monsterennen über 2400 Meter eine wettfreie Zone. Zumal ich – siehe oben – das Rennen nicht live verfolgen konnte.
Doch interessant war schon die Frage, welcher Workforce denn nun in Longchamp auftaucht. Der herausragende Triumphator, der das englischen Derby quasi im Handgalopp gewann? Oder das geschlagene Pferd aus dem King George, als er als Unter-Pari-Favorit abgeschlagen ins Ziel trudelte. Das Vertrauen in den Stoute-Schützling fehlte, zumal am letzten Mittwoch ernste Zweifel auftauchten, ob der Hengst überhaupt startet. Und dann war da noch der Gedanke an Delegator. Der triumphierte ebenfalls überlegen im englischen Derby und ging dann im Arc völlig unter.
Alternativen? Man musste schon sehr patriotisch veranlagt sein, die zwei deutschen Teilnehmer Liang Kay und Wiener Walzer selbst auf Platz zu wetten. Cape Blanco aus dem Stall von Aidan O’Brien hatte einige sehr harte Rennen hinter sich, die er auf dem schweren Boden spüren wird. Auch die zwei französischen Favoriten Behkabad und Planteur standen am Ende einer langen Saison; zudem wette ich in einem solchen Rennen keinen Favoriten – außer dieser fällt in die Kategorie Ausnahmepferd.
Ein Ritt für die Ewigkeit
Um 16:10 (ich etwas später) war die Turfwelt dann klüger. Workforce zeigte sein Epsom-Gesicht und hatte nach einem energischen Ritt von Ryan Moore die Nase knapp vorne gegen den japanischen Gast Nakayama Festa. Es war das übliche raue Rennen und es war imponierend zu sehen, wie Moore Workforce nervenstark durch die Lücken steuerte und danach noch einen fantastischen Endkampf ritt. Zudem hatten die Experten Recht, die bereits im Frühjahr prognostiziert hatten, dass der Schützling von Erfolgstrainer Sir Michael Stoute (der im übrigen seinen ersten Arc gewann) aufgrund seiner Galoppade den weichen Boden kann.
Der Favorit Behkabad wurde Vierter, vor ihm endete noch die Stallgefährtin aus dem Stall des Aga Khans, Sarafina. Die deutschen Teilnehmer blieben chancenlos: Liang Kay wurde 9., Wiener Walzer 12. Ganz verstehe ich die Verantwortlichen von Wiener Walzer nicht: Im Preis von Europa melden sie wegen des weichen Bodens ab, in Paris lassen sie ihn hingegen auf schwerem Boden laufen. Noch einen Platz hinter Wiener Walzer endete Cape Blanco, der irische Derbysieger und der Bezwinger von Workforce in den Dante Stakes in York.
Zum Schluss ein weiterer Leckerbissen vom Arc-Meeting: Goldikova triumphiert mit viel Kampfgeist im Prix de la Foret gegen Paco Boy und Dirk Turpin, nachdem sie Mitte der Geraden fast schon geschlagen schien.