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Mittwoch, 6. Oktober 2010
Dream Ahead, Hooray, Cityscape – drei für 2011
Der Herbst ist im Galopprennsport oft eine Zeit der Träume – besonders bei den Besitzern von hoffnungsvollen zweijährigen Pferden. Die 1000 und 2000 Guineas, die Klassiker im nächsten Frühjahr, sind das große Ziel. Zwei talentierte Youngster gab es am letzten Freitag im englischen Newmarket zu sehen, dazu einen wenig geprüften vierjährigen Hengst, der noch einiges an Reserven haben dürfte. Meine Drei für das Notizbuch.

Dream Ahead, Shadwell Middle Park Stakes (Group 1) – Es war eine Demonstration. Natürlich sind Formen auf weichen Boden gerade bei Zweijährigen mit Vorsicht zu genießen, aber wie Dream Ahead beschleunigte und das achtköpfige Feld mit neun Längen distanzierte, das sah schon nach Rennpferd aus. Mit Strong Suit und Temple Meads (der allerdings völlig aus dem Rennen fiel), dürfte er zwei sehr gute Pferde des Jahrgangs geschlagen haben.
Es war bereits der zweite Gruppe 1-Erfolg für den noch ungeschlagenen Hengst, nachdem er bereits im Darley Prix Morny in Deauville erfolgreich war. „Ich bin sicher, dass er auch über die Meile kommt“, verriet sein Trainer David Simcock hinterher im Racing UK-Interview.
Wahrscheinlich wird Dream Ahead noch mal in den Dewhurst Stakes in Newmarket, dem wohl wichtigsten Zweijährigenrennen auf der Insel, laufen. Dort könnte es dann zu einem Duell mit Frankel kommen, einem anderen Youngster, der derzeit für Schlagzeilen sorgt.
Auch für Simcock war es der zweite Erfolg auf höchster Ebene. 2004 begann er mit zehn Pferden und es ging Jahr für Jahr aufwärts. So richtig etablierte sich Simcock mit dem Erfolg von Darley Sun im 2009er Cesarewitsch, einem dieser englischen Megahandicaps.

Hooray, Adnams Cheveley Park Stakes (Fillies, Group 1) – Bereits im August hatte Hooray mit ähnlicher Taktik in York gewonnen. Start-Ziel von der Spitze aus, immer wieder zulegend, alle Attacken abwehrend – das sah schon damals gut aus. Diesmal wählte Jockey Seb Sanders die gleiche Taktik – und es wirkte noch besser. Denn während Hooray immer wieder neue Reserven offenbarte, sendeten ihre Gegnerinnen frühzeitig Notsignale auf dem weichen Boden. Ein Pferd des Cheveley Park Studs triumphierte in den Cheveley Park Stakes – die Besitzer dürften mehr als erfreut gewesen sein. „Ich war vorher sehr besorgt wegen des Regens“, meinte ihr Trainer Sir Mark Prescott nach dem Rennen. Doch auch ein erfahrener Trainerfuchs wie Sir Mark kann sich mal irren. Skeptisch ist er hingegen, ob die Stute das Stehvermögen für die Meile in den 1000 Guineas besitzt. „Ich glaube nicht, dass sie über die Distanz kommt“, sagt er und hofft, dass er vielleicht doch falsch liegt.
Seit 1970 trainiert Prescott Rennpferde in Newmarket und ist wahrscheinlich der einzige „toff“, mit dem sich der eher linksliberale Guardian anfreunden kann. Der Trainer gilt als jemand, der seine Pferde meisterhaft in den Handicaps placieren kann. Wenn man sich seinen Schnitt Starts/Siege anschaut, dann zeigt das Qualität: In den letzten zehn Jahren lag dieser Schnitt fast immer über 20 Prozent, in diesem Jahr liegt er bei sensationellen 27 Prozent (56 Siege, 210 Starts, Stand 6.10). In Deutschland dürfte besonders Albanova bekannt sein. Mit der Stute gewann Prescott 2004 drei Gruppe 1-Prüfungen, unter anderem den Preis von Europa in Köln.

Cityscape, Nayef Joel Stakes (Group 3)
Es war zwar „nur“ ein Gruppe 3-Rennen, aber auch hier machte der Ton die Musik. Der vierjährige Hengst Cityscape siegte wie ein Pferd, das noch einiges im Tank haben dürfte. Zumal die Gegner so schlecht nicht waren. Sieben Längen Vorsprung hatte der Schützling von Trainer Roger Charlton vor Penitent und Fair Trade. Steve Drowne im Sattel des Siegers hätte den Richterspruch noch durchaus deutlicher gestalten können, so viel hatte er noch in der Hand.
Der Selkirk-Sohn hatte im Quartier von Trainer Charlton schon immer einen hohen Stellenwert. 2008 war er zweijähriger Zweiter in den Juddmonte Royal Lodge Stakes (Gr.2) hinter dem auch in Deutschland gut bekannten Jukebox Jury. Doch nachdem er in den englischen 2000 Guineas 2010 im geschlagenen Feld endete, musste er den Rest der Saison verletzt pausieren.
In diesem Jahr folgte dann das Comeback: Nach zwei Placierungen siegte er zuletzt in Haydock. Im nächsten Jahr könnte Cityscape besonders auf weichem Boden in den Gruppe 1-Prüfungen über die Meile eine gute Rolle spielen.



Dienstag, 5. Oktober 2010
Workforce wie im Epsom-Derby


“Nein“, war am Sonntag Abend meine erste Reaktion, als ich mir das Ergebnis des Prix de la Arc des Triomphe anschaute. Denn der Sieger hieß Workforce , der französische Toto zahlte erstaunliche 86:10.
Dummerweise fiel in diesem Jahr mal wieder ein BVB-Heimspiel auf den gleichen Termin und als das Rennen um 16:05 gestartet wurde, war ich auf dem Weg Richtung Westfalenstadion, wo der BVB dem FC Bayern aus München die Lederhosen ausziehen wollte.
Zudem war in diesem Jahr das Interesse am Arc nicht besonders groß. So richtig überzeugt hatte mich nämlich kein Teilnehmer und so blieb das europäische Monsterennen über 2400 Meter eine wettfreie Zone. Zumal ich – siehe oben – das Rennen nicht live verfolgen konnte.
Doch interessant war schon die Frage, welcher Workforce denn nun in Longchamp auftaucht. Der herausragende Triumphator, der das englischen Derby quasi im Handgalopp gewann? Oder das geschlagene Pferd aus dem King George, als er als Unter-Pari-Favorit abgeschlagen ins Ziel trudelte. Das Vertrauen in den Stoute-Schützling fehlte, zumal am letzten Mittwoch ernste Zweifel auftauchten, ob der Hengst überhaupt startet. Und dann war da noch der Gedanke an Delegator. Der triumphierte ebenfalls überlegen im englischen Derby und ging dann im Arc völlig unter.
Alternativen? Man musste schon sehr patriotisch veranlagt sein, die zwei deutschen Teilnehmer Liang Kay und Wiener Walzer selbst auf Platz zu wetten. Cape Blanco aus dem Stall von Aidan O’Brien hatte einige sehr harte Rennen hinter sich, die er auf dem schweren Boden spüren wird. Auch die zwei französischen Favoriten Behkabad und Planteur standen am Ende einer langen Saison; zudem wette ich in einem solchen Rennen keinen Favoriten – außer dieser fällt in die Kategorie Ausnahmepferd.

Ein Ritt für die Ewigkeit
Um 16:10 (ich etwas später) war die Turfwelt dann klüger. Workforce zeigte sein Epsom-Gesicht und hatte nach einem energischen Ritt von Ryan Moore die Nase knapp vorne gegen den japanischen Gast Nakayama Festa. Es war das übliche raue Rennen und es war imponierend zu sehen, wie Moore Workforce nervenstark durch die Lücken steuerte und danach noch einen fantastischen Endkampf ritt. Zudem hatten die Experten Recht, die bereits im Frühjahr prognostiziert hatten, dass der Schützling von Erfolgstrainer Sir Michael Stoute (der im übrigen seinen ersten Arc gewann) aufgrund seiner Galoppade den weichen Boden kann.
Der Favorit Behkabad wurde Vierter, vor ihm endete noch die Stallgefährtin aus dem Stall des Aga Khans, Sarafina. Die deutschen Teilnehmer blieben chancenlos: Liang Kay wurde 9., Wiener Walzer 12. Ganz verstehe ich die Verantwortlichen von Wiener Walzer nicht: Im Preis von Europa melden sie wegen des weichen Bodens ab, in Paris lassen sie ihn hingegen auf schwerem Boden laufen. Noch einen Platz hinter Wiener Walzer endete Cape Blanco, der irische Derbysieger und der Bezwinger von Workforce in den Dante Stakes in York.
Zum Schluss ein weiterer Leckerbissen vom Arc-Meeting: Goldikova triumphiert mit viel Kampfgeist im Prix de la Foret gegen Paco Boy und Dirk Turpin, nachdem sie Mitte der Geraden fast schon geschlagen schien.



Freitag, 1. Oktober 2010
Sevilla hatte einen Schutzheiligen
Nicht immer gewinnt beim Fußball die bessere Mannschaft. Borussia Dortmund war gestern Abend im Spiel der Europa League gegen den FC Sevilla das eindeutig stärkere Team, spielte besonders in der ersten Halbzeit das „Monster“ (BVB-Coach Jürgen Klopp) dieser Gruppe an die Wand. Doch am Ende hieß es 1:0 für den Gast aus Andalusien, der gnadenlos eine Schwäche der Dortmunder Abwehr vor der Pause nutzte.
Es gibt so Tage, da hat man das Gefühl, heute hat sich alles gegen einen verbunden. So ging es gestern Abend den Dortmundern. Sie vergaben beste Chancen,
• weil zum Beispiel Barrios bei einer Möglichkeit ziemlich unglücklich zum Ball stand.
• weil Sevilla-Keeper Palop bei zwei weiteren Barrios-Chancen sensationell reagierte.
• weil Kagamas Schuss vom Pfosten zurückprallte und nicht vom Innenpfosten ins Tor ging.
• weil ein Sevilla-Abwehrspieler Hummels Kopfball von der Linie kratzte.
Dazu kam Schiedsrichter Michael Dean aus England, der einige zweifelhafte Entscheidungen traf. Die Gelb-Rote-Karte für Schmelzer wegen einer Schwalbe war ein Witz, zudem übersah er ein eindeutiges Handspiel von Kanoute.

Sitzen ist doof
Wobei es schon imponierend war, wie Borussia in der ersten Halbzeit diesen international renommierten Gegner spielerisch eindeutig dominierte und sich durch sichere Kombinationen immer wieder Chancen erarbeitete. Und auch mit 10 Spielern war der BVB das bessere Team. Doch am Ende zahlte das Klopp-Team internationales Lehrgeld in Sachen Cleverness.
Internationale Spiele haben eine eigene Atmosphäre im Westfalenstadion. Die größte Veränderung zu einem normalen Bundesligaspiel sind die Sitzreihen auf der Südtribüne. Vor geraumer Zeit meinte die UEFA einmal, dass Zuschauer auf Sitzplätzen nicht randalieren und verbot die Stehplätze für internationale Spiele. Was für ein Schwachsinn! Keiner saß (wie auch in anderen Stadion) auf der Südtribüne, die Zuschauer standen entweder vor ihren Plätzen oder auf den Treppenstufen. Das zeigt, was man von dieser FIFA-Direktive hält.