Freitag, 3. September 2010
Ballack, Lahm oder Captain Blaubär
Zum Glück ist sie jetzt beantwortet, die K-Frage der Deutschen Nationalmannschaft. Trainer Joachim Löw hat entschieden: Michael Ballack bleibt Kapitän, soll aber erstmal wieder richtig fit werden. So lange wird Philipp Lahm – wie schon bei der WM in Südafrika – die Binde tragen.
Dabei war die Diskussion völlig überflüssig. Denn es ist total egal, wer Kapitän ist – ob Ballack, Lahm, Kalle Grabowski oder Captain Blaubär. Denn was macht der Spielführer eigentlich? Er führt die Mannschaft auf den Platz, begrüßt Gegner sowie Schiedsrichter und führt die Platzwahl durch. Echte Führungsspieler in einem Team müssen nicht unbedingt die Binde tragen.
Nun zeigt die Reaktion auf Lahms Vorstoß während der WM („Ich möchte die Binde behalten“) deutlich, wie banal der Sportjournalismus und speziell die Berichterstattung über die deutsche Nationalmannschaft eigentlich ist. Nicht umsonst hat Lahm die Bild als Organ seines Geständnisses gewählt. Das Boulevardblatt hatte seine Exklusivgeschichte – und alle anderen Medien stürzten sich auf die Story.

Belgien wartet
Wobei das Fehlen des Altkapitäns Michael Ballack in Südafrika schon eine zweischneidige Sache war. Zum einen spielten ohne den Leitwolf einige Spieler regelrecht befreit auf, zum anderen fehlte in manchen Spielsituationen eine „Drecksau“ wie Ballack, der neben alle technischen und strategischen Fähigkeiten manchmal ziemlich rustikal zur Sache geht. Gegen Spanien im Halbfinale hätte Deutschland aber auch mit dem Neu-Leverkusener nicht gewonnen.
Heute geht es für die deutsche Nationalmannschaft in die EM-Qualifikation und da gilt es, den spielerischen Schwung der WM mitzunehmen. Auftaktgegner ist Belgien, einst ein Stammgast bei allen großen Veranstaltungen, inzwischen aber sportlich ziemlich abgestürzt. In der WM-Qualifikation gab es bittere Niederlagen gegen Fußballgrößen wie Estland und Armenien, erreichte das Team aus dem Land der besten Pommes gerade einmal 10 Punkte. Ein Neuaufbau ist fällig: Gegen Deutschland sind in der vermeintlichen Startaufstellung des nur van Buyten vom FC Bayern und der Neu-Nürnberger Simons über 25 Jahre. Einzige Spitze ist der erst 17jährige Lukaku vom RSC Anderlecht. In der englischen Premiere League spielt Marouane Fellaini, laut kicker „der reifste und kompletteste belgische Fußballer seit Enzo Scifo“ und bei den Anhängern des FC Everton schon aufgrund seiner Lockenmähne eine Kultfigur. Jedenfalls verkaufen sich die passenden Perücken blendend rund um den Goodison Park.



The kids will luv' it: Belgiens Marouani Fellaini macht den Zidane



Mittwoch, 1. September 2010
Nur der schnelle Rogalt überraschte - Baden-Baden live
15:40: Manchmal gibt es andere Dinge, die noch Vorrang haben, daher der verspätete Einstieg in den Liveblog. Zwei Rennen sind schon gelaufen in Baden Baden und gerade hat Adenike zu einer lukrativen Quote von 72 den UVEX-Preis, einen Ausgleich 4, gewonnen. Im Sattel saß Patrick Gibson, Sohn des viel zu früh verstorbenen Dortmunder Trainers Tim Gibson.
Das Zweijährigen-Rennen ging erneut an den Stall von Peter Schiergen. Aigrette Gazette setzte den positiven Trend des Stalles fort, auch wenn gestern im Kronismus-Rennen der Favorit Darnell patzte. Der Sieg der Stute des Gestütes Ammerland sah ganz gut aus, die Gegnerinnen waren chancenlos. "Zum dritten Mal im ersten Rennen Andrasch Starke", sagt Rennkomentator Manfred Chapman.

16:10: Etwas kämpfen musste er schon, der 16:10-Favorit Next Vision, aber letztendlich gewann der Hengst souverän gegen Salontänzerin. Der Sieger kommt aus ganz anderen Rennen, im letzten Jahr lief er noch - in Frankreich trainiert - in einem Gruppe I-Rennen gegen die großartige Goldikova, war aber chancenlos.
Gar nicht geht im übrigen das neue Design des Livestreams. Wer sich den ausgedacht hat, gehört bestraft. Gelbe Schrift auf weißem Untergrund - wer soll denn das lesen können. Und warum sind die Quoten so überirdisch groß und bleibt aus dem Führring nur ein Minibild? Wenn ich den deutschen Stream mit den englischen vergleichen, dann habe ich immer den Eindruck, dass man den deutschen Bildern einen Grauschleier verpasst hat. Unscharfe Bilder, verwaschene Farben - grauenhaft.

16:25: Mein in mühsamer Arbeit ausgeguckter Favorit Shirsam läuft nicht. So entscheide ich mich im Ausgleich III über lange 2800 Meter für Spirit of Stars zum racebets-Festkurs von 75, auf der Bahn steht er bei 46. Daniel Delius und Andy Suborics nennen im Expertentalk die Favoriten aus dem Wöhler-Stall Altano (steht lächerliche 23) und Ticana. Ich nenne eher noch die beiden Rotering Pferde Saba Dancer und Miami Tallyce, beide Bahn- und Distanzsieger.

16:45: Sch...deutsche Rennen: Der Favorit Altano, runter gewettet auf 18:10, siegt hochüberlegen wie ein Pferd anderer Klasse. Weit dahinter die Rotering-Pferde und mein Tipp Spirit of Stars. Diese permanenten Favoritensiege gehen mir ziemlich auf den Geist.

17:00: Die Wettchance des Tages folgt, es winken 30 000 Euro in der Viererwette. Für diese Rennen bietet das Fachblatt Sport-Welt inzwischen eine Sonderseite mit Expertentipps und Statements der Trainer an und für diesen Extraservice muss man das oftmals geprügelte Fachblatt auch mal loben. Experte Olaf Schick wirkt auf dem Foto allerdings reichlich zerknittert. Die Rennen scheint eher mittelschwer zu sein, mit Chinook, Bonasera, Mirakhour, Crespo, Boulders und Milano gibt es einige Formpferde. Dazu kommen die noch nicht voll erfassten Tara Sb und Novarov. Wie gesagt: eher mittelschwer....Ich schaue jetzt mal, wie Boulders aus dem Stall des Baden-Baden-Spezialisten John Smith steht, 50:10 ist mir aber zu wenig. Vielleicht kommt Smith ja auch mit seinem anderen Starter Sissley, der steht über 800. Um die Viererwette zu attackieren, fehlt mir einfach die finanzielle Munition...

17:25: Novarov (75:10) gewinnt die Wettchance des Tages, behält knapp die Oberhand gegen Mirakhour (79:10). 4 mal lief der Vierjährige hinterher, beim fünften Start zeigte er einen Ansatz und jetzt gab es den ersten Sieg im Ausgleich IV mit 54 kg. Die Viererwette zahlt 17 790:10, Boulders (43:10) und Wellmondo (124:10) landen auf den Plätzen 3 und 4. Und der siegreiche Jockey Stephen Hellyn beweist eindrucksvoll im Interview nach dem Rennen mit dem ehemaligen Kollegen Suborics, dass Rennreiten eine anstrengende Angelegenheit ist.

17:45: Früher konnte man immer sicher sein, dass die Pferde aus dem Krefelder Quartier von Erika Mäder in Baden-Baden zu Hochform auflaufen, auch wenn sie vorher nicht unbedingt Topform hatten. Das ist allerdings schon länger her und früher hätte ich auch blind ihre Vertreterin Trust Me gespielt. In diesem Rennen sind aber andere Kaliber am Start: Glady Romana kommt aus den Toprennen des Jahrgangs und geht jetzt einige Klassen tiefer. Dazu wird noch Keydream gewettet - schaut nach einem Zwei-Pferde-Rennen aus. Dann schauen wir mal...

18:00: Nächster Favoritenerfolg: Glady Romana (23:10) gewann wirklich wie ein Pferd, dass schon ganz andere Gegnerinnen viel besserer Klasse gesehen hat. Dahinter wurde Damanda noch richtig schnell, konnte die Siegerin aber nicht gefährden. Yann Lerner ritt die Favoritin aber auch sehr souverän, wusste immer, auf was für einem Kaliber er saß. Dritter wurde Keydream, Trust Me blieb erwartungsgemäß chancenlos.

18:10: Schalke-Fan Uli Potofski interviewt Klaus Allofs, Manager von Werder Bremen, und großer Freund des Galopprennsports. Seit 30 Jahren, so Potofski, treffe man sich auf Galopp- und Trabrennbahnen. Allofs tippt Mulan als Sieger im Belmondo-Preis, dem ehemaligen Fürstenmberg-Rennen (Gruppe III über 2000 Meter), erzählt vom Galoppsportfreak Claudio Pizarro und kündigt einen Werder Bremen-Renntag in Bremen an. Ich schließe mich dem Werder-Manager ab, tippe auch Mulan, weil er mir in Hamburg bei seinem Sieg ungemein imponierte. Die Gegner kommen aus dem Schiergen-Stall: Elle Shadow, Altair Star, Neatico. Nicht zu vergessen der beständige Empire Storm aus dem Wöhler-Stall.

18:30: Der nächste Favoritensieg: Elle Shadow aus dem Schiergen-Quartier triumphiert vor Empire Storm und Neatico. Die Skeptiker hatten bei Mulan recht: Die Distanz war zu kurz, das Pferd war reell geschlagen und kam erst auf den letzten Metern näher. 2200 oder 2400 Meter sind eindeutig besser. Das Kompliment geht an die siegreiche Stute Elle Shadow, die in den Top-Stutenrennen als Zweite immer etwas Pech hatte. Ein weiterer schöner Erfolg für das Gestüt Wittekindshof des langjährigen Präsidenten des Dortmunder Rennvereins, Hans-Hugo Miebach. Und wo lässt er die Stute trainieren? Natürlich in Köln...

18:50: Einen haben wir noch, einen ziemlich undurchsichtigen Ausgleich IV über die Sprinterdistanz von 1000 Metern. Ich versuche es einfach mal mit Saldenlöwe, auch wenn die Form nicht gut ist und die Distanz vielleicht etwas kurz. Aber richtige 1000 Meter-Spezialisten sehe ich in dem Rennen auch nicht. Und wenn einer ein Pferd für Baden-Baden in Form bringen kann, dann ist das Trainer Stoltefuß aus Dortmund. Gewettet wird der Wallach allerdings kaum...

19:05: "Der schnelle Rogalt kommt nach Hause" kommentierte Rennbahnkommentator Chapman und er hatte Recht. Der Sohn von Rock of Gibraltar gewann einst über 1000 Meter in Herschberg und war am Sonntag über 1200 Meter gar nicht weit geschlagen. Der Sieg blieb im Südwesten bei Trainer Hans-Peter Rosport, das Pferd gehört Sohn Denny. Auf den Sieger hätte man eigentlich kommen können. Zweiter wurde der Baden-Baden Spezialist Mack Summerland, mein Tipp Saldenlöwe lief gar nicht so übel, am Ende fehlte aber die Spritzigkeit über die kurze Distanz.
Fazit: Baden-Baden bleibt für mich wettmäßig ein schwieriges Pflaster, außer Spesen nichts gewesen.



Auf den Spuren von Overdose - heute Liveblog aus Baden
Friede, Freude, Eierkuchen - so war die Stimmung bislang bei der Großen Rennwoche in Baden-Baden/Iffezheim, wenn man Veranstalter und Fachpresse so glauben darf. Alle sind erleichtert, dass in Baden die Pferde überhaupt wieder laufen, was zeitweise ja gar nicht so sicher war. Ausnahmesprinter Overdose, nicht nur Ungarns Turfliebling, war auch da, sorgte für ein ungewohntes hohes Kameraufkommen im Führring und kassierte in der Goldenen Peitsche nach 15 Starts die erste Niederlage.
Bundesweite Schlagzeilen machten die zwei Glücklichen, die die Viererwette am Sonntag trafen - ob sie nun aus München (Sport-Welt/Galopponline) oder NRW (dpa) stammen.
Guter Auftakt also für den neuen Betreiber, der wie jeder Neuling eine Schonfrist verdient. Die Frage dürfte aber sehr spannend sein, wie ein erfolgreicher Fußballvermarkter wie Infront die Materie Galopprennsport umsetzt.
Für mich war Baden-Baden wettmäßig noch nicht so erfolgreich, ich habe allerdings auch nur Samstag und Dienstag einige Wetten placiert. Heute habe ich Zeit und daher gibt es einen Liveblog von den heutigen Rennen - nicht live aus Iffezheim, sondern aus meinem Wohnzimmer vom Internetstream.



Freitag, 27. August 2010
Lust auf glorreiche europäische Abende


Und wieder trifft Lars Ricken im Europapokal, hier sein legendäres 3:1 gegen La Coruna in der Verlängerung. Manche Zuschauer bekamen das Tor gar nicht mehr mit, weil sie schon auf dem Heimweg waren. Man beachte zudem die Vorarbeit von Abwehrspieler Bodo Schmidt.

Touristisch höchst attraktiv, sportlich hätte es schlimmer kommen können: Borussia Dortmund trifft in der Gruppenphase der Euro League auf den FC Sevilla aus Spanien, Paris St-Germain aus Frankreich und Karpaty Lwiw (Lemberg). Damit dürften einige stimmungsvolle Europapokalabende in Dortmunds guter Stube garantiert sein.
Es waren legendäre Zeiten – in den neunziger Jahren, als der BVB Stammgast im UEFA-Pokal und Champions League war. Die dramatischen Spiele gegen den AS Rom, Lazio Rom oder Deportivo La Coruna waren die Höhepunkte zu Beginn der neunziger Jahre, unvergessen ist das Finale gegen Juventus Turin im UEFA-Cup 1993/1994. Juve hatte damals eine bärenstarke Mannschaft, Dortmunds ersatz- geschwächtes Team blieb chancenlos.
Dann kam die Champions League: Der Höhepunkt war der Finalsieg 1997 in München wiederum gegen Juventus Turin, die größte Stunde der BVB-Vereinsgeschichte. Aber auch andere Dinge blieben im Gedächtnis: Das überragende Team von Ajax Amsterdam etwa, das den BVB im Viertelfinale der Champions League 1995/1996 ziemlich vorführte. Bei Ajax spielten damals unter anderem Spieler wie Van der Sar, Davids, Kluivert, Kanu oder Finidi George, die fast alle noch am Anfang ihrer Karriere standen. Die Niederländer waren der beste Gegner, den ich je im Westfalenstadion gesehen habe.
Doch irgendwann wurde die europäische Königsklasse Alltag. Die Umrüstung der Südtribüne zu Sitzplätzen während der internationalen Spiele tat ihr Übriges und dämpfte so ziemlich die Stimmung. Zudem spielte man damals noch eine zweite völlig überflüssige Gruppenphase, spätestens da war die Spannung raus.
Und irgendwann war beim BVB auch die Luft in der Champions League raus. 2003 scheiterte Schwarz-Gelb am FC Brügge in der Qualifikation – übrigens ein Angstgegner des BVB: 1987/88 siegte Dortmund im Hinspiel 3:0, im Rückspiel in Belgien folgte eine 0:5-Niederlage, die van der Elst-Brüder auf Seiten des FC Brügge werde ich nie vergessen.
Es folgte der finanzielle Kollaps des BVB und an Champions League war so schnell nicht mehr zu denken.

Vorfreude
Doch wie das so ist, wenn es man etwas nicht hat: Es wächst die Sehnsucht danach. So auch nach europäischem Fußball – und nach dem Kurzauftritt vor zwei Jahren gegen Udinese ist es endlich wieder so weit. Zwar spielt Borussia nicht in der Champions League, sondern in der deutlich wenig wertvollere Europa League, dem ehemalige UEFA-Pokal. Aber Champions League wäre für das junge BVB-Team noch eine Nummer zu groß.
Sportlich ist der FC Sevilla ein ziemlich harter Brocken. UEFA-Cup Sieger 2006 und 2007, in der letzten Saison war das Achtelfinale der Champions League Endstation. Und eigentlich hatte der Klub auch in diesem Jahr die Königsklasse im Visier, nur leider hatten die portugiesischen Nobodies von Sporting Braga etwas dagegen und beförderten den FC Sevilla mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb.
Paris St-Germain, kurz PSG genannt, qualifizierte sich als französischer Pokalsieger für die Europa League, in der Liga wurden die Hauptstädter nur 13. Sportlich dilettiert PSG schon seit Jahren herum, nur ein Teil ihrer Anhängerschaft, der äußerst gewalttätig ist, sorgt für Aufsehen. Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Altstars wie Gregory Coupet, Claude Makelele oder Mateja Kezman.
Das große Fragezeichen trägt den Namen Karpaty Lwiw. Das Team aus der Ukraine schaltete in den Play-Offs überraschend Galatasaray Istanbul aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore aus. Also kein Grund zur Nachlässigkeit, zumal viele ukrainische Teams deutlich aufgerüstet haben. Das gilt nicht nur für Schachtjor Donezk oder Dynamo Kiew. Allerdings besteht Karpaty immer noch mehrheitlich aus ukrainischen Akteuren. (Quellen: kicker, weltfussball.de)