Freitag, 28. Mai 2010
Der Start-Ziel-Virtuose Richard Hills
Es war ein beeindruckender Erfolg: Akmal aus dem Stall von Trainer John Dunlop und im Besitz von Hamdan Al Maktoum gewann gestern auf der Galopprennbahn im englischen Sandown Park die Blue Square Henry II Stakes, ein Gruppe II-Rennen über weite zwei Meilen. Der vierjährige Wallach siegte Start-Ziel – und hatte dafür den richtigen Mann im Sattel. Denn Richard Hills ist einer der besten Jockeys, wenn es darum geht, ein Rennen von vorne zu gestalten. Weil er es meisterhaft versteht, sich ein Rennen einzuteilen und die Signale seines vierbeinigen Partners richtig zu deuten weiß. Ich kenne keinen Reiter in England oder Deutschland, der diese Taktik besser beherrscht.
Der Ritt auf Akmal zeigte all diese Qualitäten eindrucksvoll: Hills diktierte das Tempo, verschärfte es zwischendurch, ließ den Fuchs mit der markanten Blesse mal kurz durchpusten und kitzelte dann aus diesem immer neue Reserven heraus, als Ryan Moore mit Saptapadi angriff. Nie hatte man den Eindruck, dass die Kombination Akmal-Hills das Rennen verlieren könnte. Auch der Godolphin-Neueinkauf Darley Sun, der im letzten Jahr das große Steher-Handicap Cambridgeshire gewonnen hatte, blieb chancenlos. 14:1 geben die meisten Buchmacher jetzt für den Dunlop-Schützling im Ascot Gold Cup, 50:1 lautete die Quote vorher.
Weitere Beispiele gefällig, warum der 47-jährige Hills so gut von der Spitze aus reitet? Der Sieg mit Fareer während des diesjährigen Dante-Meetings in York in einem Listenrennen und natürlich der klassische Triumph mit Ghanaati in den letztjährigen englischen 1000 Guineas.



Mittwoch, 26. Mai 2010
Herzschläge und Spaziergänge in den Guineas


Wenn ein ausländisches Pferd ein deutsches klassisches Rennen gewinnt, dann fällt die Stimmung danach immer etwas gedämpfter aus. Das dürfte auch am Montag nach dem Mehl Mülhens-Rennen, den deutschen 2000 Guineas, der Fall gewesen sein, zumal die Besitzer nicht irgendein ein joviales Turfsyndikat waren, die freudestrahlend im Absattelring ihren Erfolg zelebrierten. Der Sieger Frozen Power kommt aus dem mächtigen Godolphin-Stall und gewann das Gruppe II-Rennen auf der Kölner Rennbahn in einem „echten Herzschlagfinish“ (Galopponline) vor Kite Hunter sowie Noble Alpha und dem Favoriten Russian Tango, die auch durch die vergrößerte Zielfotografie nicht zu trennen waren.
Es war ein packendes Rennen und am Ende hatte Frankie Dettori mit dem Oasis Dream-Sohn seinen Vorstoß außen genau richtig getimt: Einen Hals Vorsprung hatte Frozen Power gegenüber Kite Hunter, der innen immer wieder anzog und von der Spitze aus ein großartiges Rennen lief. Und auch Kite Hunters Stallgefährte Noble Alpha und Russian Tango enttäuschten nicht, beide waren nur einen weiteren Hals entfernt.
Wobei besonders der Wöhler-Schützling Russian Tango einen Hinweis verdient: Der lief immer noch etwas grün, kam nach einer kurzen Schwächeperiode aber wieder und zog gut an. 2000 Meter dürfte er können, bei der Derbydistanz von 2400 Meter habe ich bezüglich des Stehvermögens immer noch ein paar Bedenken.

Hochüberlegen
Der Sieger Frozen Power war schon im Winter während des Dubai Carnivals in Meydan City ziemlich aktiv, gewann unter anderem ein Rennen. Die Formen sind aber schwer einzuordnen – ich hatte den Godolphin-Schützling nicht auf meine Rechnung.
Sein Trainer dürfte vielen in Deutschland noch kein Begriff sein: Mahmood al-Zarooni trainiert seit Beginn des Jahres einen Teil der Godolphin-Pferde in Newmarket. Zarooni war im letzten Jahr Assistenztrainer von Saeed bin Suroor, der weiterhin erster Trainer für die Scheichs bleibt. Schlecht macht der Newcomer seinen Job nicht: Der Erfolg in Köln war sein erster klassischer Erfolg.
Vielleicht denkt er aber auch kurz an seinen deutschen Trainerkollegen Mario Hofer: Der war am Montag im Mehl Mülhens-Rennen knapp geschlagen Zweiter (und ebenfalls hauchdünn unterlegener Dritter). Ähnliches erlebte Zarooni am Sonntag in den Irish 1000 Guineas, als Anna Salai nur mit einem Kopf gegen Bethreb (Pat Smullen/Dermot Weld) unterlag.
Die Vorstellung der Woche kommt übrigens auch von der irischen Rennbahn The Curragh. Und wieder spielen Trainer Richard Hannon und Jockey Richard Hughes eine tragende Rolle. Nur das der vierbeinige Held diesmal nicht Paco Boy, sondern Canford Cliffs hieß. Der Hengst triumphierte höchst eindrucksvoll in den Irish 2000 Guineas. So ungefähr nach 1300 Metern konnte man schon sehen, wer das Rennen gewinnt. Als alle andere Jockeys bereits schon kräftig arbeiteten, saß Richard Hughes immer noch seelenruhig auf dem 32:10-Favoriten. Und dann sagte Hughes „Go“ – und Canford Cliffs beschleunigte und gewann hochüberlegen mit drei Längen.
Es ist bislang ein phantastisches Jahr für Richard Hannon - einer der großen Namen der englischen Szene, seit 1970 Trainer von Rennpferden und bekannt für frühreife Zweijährige. Mit Paco Boy, Dick Turpin, dem Doppelzweiten aus den französischen und englischen 2000 Guineas, und eben diesem Canford Cliffs dürfte Hannon drei der besten europäischen Meiler im Stall haben. Und für den Iren Hughes, der quasi auf der Curragh aufgewachsen ist, dürfte es ein besonderer Erfolg gewesen sein.

Nachtrag: Die Stimmung in Köln war nach dem Erfolg von Frozen Power alles andere als gedämpft, wie ich der Homepage des Kölner Rennvereins entnehmen darf. Das Kölner Publikum feierte frenetisch Jockey Frankie Dettori, der natürlich seinen berühmten Dettori-Jump nach großen Siegen vorführte.



Freitag, 21. Mai 2010
Von Barrios bis Zidan - die Bilanz der Dortmunder Angreifer
Dritter und letzter Teil unserer Saisonbilanz: Diesmal beschäftigt sich nurpferdeundfussball mit den Leistungen der BVB-Angreifer.

Lucas Barrios (33 Spiele, 19 Tore, kicker-Durchschnittsnote 3,27): Was soll man zu ihm noch sagen? Auch diese Kolumne war am Anfang skeptisch, als Barrios den Schweizer Publikumsliebling Alex Frei ersetzen sollte. Der Anfang war (verständlicherweise, wenn man aus der ersten chilenischen Liga kommt, die Sprache nicht kennt etc.) holprig, doch was dann kam, ähnelte einer Explosion. Barrios lernte schnell und schoss Tore: 19 waren es am Ende der Saison. Der Argentinier mit der Mutter aus Paraguay ist technisch passabel, schirmt den Ball geschickt ab und setzt seinen Körper gut ein. Und er ist ein echter Knipser, der weiß, wo das Tor steht. Ich habe beim BVB schon exzellente Strafraumspieler erlebt: Stephane Chapuisat zum Beispiel oder die brasilianische Diva Marcio Amoroso. Barrios übertrifft sie alle in Sachen Torinstinkt…

Kevin Großkreutz (32 Spiele, 5 Tore, Note 3,52): Es war eine fast märchenhafte Saison für den gebürtigen Dortmunder, der vom Zweitligisten RW Ahlen zu Saisonbeginn kam und vor zwei Jahren noch selbst auf der Südtribüne stand. Großkreutz schaffte den Sprung scheinbar mühelos, absolvierte 32 von 34 Spielen und war ab dem 14. Spieltag Stammspieler auf der linken Seite. Dort lief er und lief, harmonierte prächtig mit Marcel Schmelzer. Die beide spielten so, als wenn sie schon 400 Spiele zusammen absolviert hätten. Am Ende schnupperte Großkreutz sogar bei Joachim Löw rein, auch wenn es nur gegen Malta war und die Hälfte der Nationalmannschaft andere Verpflichtungen hatte. Wenn er auf dem Boden bleibt und weiß, wie er mit den ganzen Schulterklopfern, die ihn derzeit umschwirren, umgehen muss, dann dürfte Großkreutz noch viele Jahre erfolgreich Fußball spielen. Als Juniorentrainer bei Phönix Eving ist die Erdung mit der Basis noch vorhanden.

Dimitar Rangelov (10 Spiele, 1 Tor, Note 5,00): Schoss immerhin in der Vorsaison neun Tore für Absteiger Cottbus. In Dortmund konnte der Bulgare noch nicht auftrumpfen. Zumal er wegen eines Mittelfußbruches von November bis März pausieren musste.

Nelson Valdez (28 Spiele, 5 Tore, Note 4,00): Es war ein enttäuschendes Jahr für den Dauerläufer mit der bekannten Abschlussschwäche. Dabei war Valdez im Vorjahr, als Klopp vorwiegend mit zwei Spitzen spielte, noch eine der Schlüsselfiguren im Dortmunder Spiel, weil er durch seine unermüdliche Laufarbeit immer wieder Lücken in die gegnerische Abwehr riss. Die Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 war gar nicht nach seinem Geschmack, der Paraguayo sieht sich selbst als „Mann für ein Zwei-Spitzen-System“.

Mohammed Zidan (27 Spiele, 6 Tore, Note: 3,57): Der sensible Ägypter fühlt sich wohl in Dortmund. Das merkte man spätestens ab Oktober/November, als der Techniker immer besser wurde. Weil ihm die Position hinter Barrios gefiel und er dort seine Stärken ausspielen konnte. Zidan spielte auf einmal mannschaftsdienlich, setzte seine Dribblings endlich richtig und sammelte fleißig Sympathiepunkte beim Dortmunder Publikum. Es schien sein Jahr zu werden: Gewinn der Afrikameisterschaft mit der Nationalmannschaft, Tor in Wembley, Formanstieg in Dortmund – und dann kam der 18. April: Zidan verdrehte sich das Knie, die Diagnose lautete Kreuzbandriss, ein halbes Jahr Pause.