Nach dem Schlusspfiff lagen die Spieler apathisch auf dem Boden, Tränen flossen – Hansa Rostock hatte auch das zweite Relegationsspiel gegen den FC Ingolstadt 04 mit 0:2 verloren und stürzte erstmals in seiner Geschichte in die Drittklassigkeit ab. Muss man Mitleid mit den Hanseaten haben? Nein, weil der bisherige Drittligist Ingolstadt in den beiden Spielen die bessere Mannschaft war. Besonders im Rückspiel hätten die Bayern gegen völlig angeschlagene Rostocker noch höher gewinnen müssen. Hansa wirkte verkrampft und konnte nie seine Nervosität verbergen. Kampf allein reicht nicht aus. Und natürlich ist der Abstieg die verdiente Quittung für eine desolate Saison. Fehler machten die Verantwortlichen auf allen Ebenen, nach dem letzten Bundesligaabstieg 2007 ging die Entwicklung eigentlich nur noch abwärts. Nein, weil gewalttätige Idioten in den letzten Jahren das Bild des Hansa-Fanblocks prägten und Angst und Schrecken in Fußball-Deutschland verbreiteten. Wobei sie jetzt ihr Unwesen in Liga 3 treiben werden. Ja, weil der letzte DDR-Meister für viele Ostdeutsche mehr als nur ein Fußballverein war. Der Erfolg von Hansa war auch der Erfolg der Menschen aus dem wirtschaftlich arg gebeutelten Mecklenburg-Vorpommern. 12 Jahre spielte Rostock insgesamt in der Bundesliga und schlug sich mit kleinem Etat respektabel. Und während Traditionsvereine wie Dresden, Magdeburg, Jena oder Dynamo Berlin in der sportlichen Anonymität verschwanden, traf Hansa, das in der DDR nie Meister war, auf die Elite des deutschen Fußballs.
Und die Zukunft? Die sieht erstmal düster aus…
Weil Racing UK mal wieder rumzickt und es nicht erlaubt, das Video hier zu zeigen, verweise ich einfach einmal auf die Ergebnisseite der Sporting Life. Dort gibt es seit kurzem auch bewegte Bilder und Enthusiasten des gepflegten Rennsports können so noch einmal die grandiose Vorstellung des Paco Boy genießen.
Manchmal wirkt die Reitweise von Jockey Richard Hughes schon reichlich arrogant. Zum Beispiel in den Lockinge Stakes, Gruppe 1-Prüfung im englischen Newbury über die Meile: Während die anderen Teilnehmer schon reichlich bemüht werden, sitzt Hughes auf dem 17:10-Favoriten Paco Boy immer noch seelenruhig. Weil er weíß, auf was für einem Klassepferd er sitzt. Alles deutet auf einen problemlosen Erfolg des Hengstes aus dem Quartier von Richard Hannon hin, ohne dass sein Jockey groß arbeiten muss.
Doch dann wird es doch noch Arbeit: Richard Hills forciert auf einmal mit Ouqba das Tempo und erwischt – so scheint es auf den ersten Blick – Hughes und Paco Boy quasi auf dem falschen Haus. Doch die zwei haben eine Antwort und was dann folgte, war ganz großes Kino: Der Hannon-Schützling beschleunigt wie es nur große Rennpferde können und zieht mühelos an Ouqba vorbei. Eine beeindruckende Vorstellung und vielleicht die bislang beste der englischen Flachsaison. „Eine Vorstellung, die hinreisst, aufregt und erfreut, wird dringend benötigt“, schrieb Lee Mottershead in der Racing Post vom Samstag und bezog sich auf eine bislang wenig aufregende Flachsaison. Nicht nur Mottershead bekam sie….
Der Sohn von Desert Style machte zudem die Schmach vom Vorjahr weg, als er als haushoher Favorit nur Vierter hinter Virtual wurde. Über die Meile winken nun packende Duelle mit Rip Van Winkle oder Goldikova.
Es sind die kleinen Dinge, die irgendwie den Zustand des deutschen Galopprennsports dokumentieren. Zum Beispiel der Live-Stream von den deutschen Galopprennbahnen, der die Rennen zu den Buchmachern und Internet-Usern überträgt. Genauer gesagt: der Ton, der hier schon lange nicht mehr die Musik macht. Denn wenn Manfred Chapman, Pan Krischbin und co. schweigen, dann krächzen leise andere Stimmen im Hintergrund. Ist es der Traberkanal? Keine Ahnung, aber ich vermute es mal stark. Das Ganze klingt so wie früher bei einem guten alten Kofferradio, wenn man Radiostationen gesucht hat und diese nicht genau getroffen hat. Nur das es permanent rauscht.
Und wenn sich der Sprecher aus der Zentrale mal einschaltet, dann kündigt sich das mit einer leichten Rückkoppelung an. Zwischendurch wird dann mal laut Tobias Sosundso gesucht, der sich im Büro melden soll, unterhalten sich irgendwelche Leute, atmet jemand schwer und nährt Befürchtungen, dass der Notarzt nicht fern sein sollte. Neu ist das Problem nicht, aber offensichtlich interessiert es keinen. Nennen wir es einfach einmal mal amateurhaft – die Außenwirkung ist allerdings fatal.
Neulinge dürften auch nicht unbedingt von den Bildern fasziniert sind. Zwei (?) Kameras, die das Renngeschehen aus der Ferne dokumentieren, willkürliche Bilder aus dem Führring – das Ganze erinnert an frühere Dia-Abende von Foto-Amateuren, die ihre Urlaubserlebnisse zeigen. Dummerweise ist die Konkurrenz von Racing UK und Attheraces nur ein paar Streams entfernt. Dort kann der User dann sehen, wie professionelles Renn-TV im 21. Jahrhundert aussieht.
Immerhin unterhält German Racing jetzt eine Seite bei facebook. Und der eigene Internetauftritt sieht auch nach Digitalzeitalter aus.
Diesmal beschäftigen wir uns mit den Mittelfeldspielern von Borussia Dortmund.
Sven Bender (19/3,00): Einer der Entdeckungen der Saison. Der Neuzugang aus der 2. Liga vom 1860 München sollte im ersten Jahr eigentlich nur lernen, entwickelte sich aber im defensiven Mittelfeld zum absoluten Leistungsträger und vertrat BVB-Kapitän Sebastian Kehl tadellos. Harmonierte prächtig mit Nuri Sahin und zeigte für einen 21jährigen überraschendes strategisches Verständnis. Leider scheint er etwas verletzungsanfällig zu sein.
Jakub Blaszczykowski (32 Spiele/1 Tor/kicker-Durchschnittsnote 3,56): Antrittsschnell, dribbelstark – irgendwie denkt man, von „Kuba“ müsste eigentlich viel mehr kommen. Doch dann ist da wieder der zaudernde Spieler, der sich nicht traut, an seinem Gegner vorbeizuziehen. Und so war es meist in dieser Saison beim Polen mit dem Turboantritt.
Markus Feulner (9/3,50): Nur ein Spiel von Anfang an und dazu eine langwierige Verletzung im Winter: So richtig angekommen ist der Neuzugang von Mainz 05 in Dortmund noch nicht. Auch bei Trainer Jürgen Klopp scheint der im letzten Jahr in der 2. Liga herausragende Feulner keine gute Karten zu haben. Da liegt die Frage „warum Borussia ihn verpflichtet hat“ nahe...
Tamas Hajnal (21/3,96): 2008/2009 noch eine der Leistungsträger im BVB-Mittelfeld, wird Hajnal diese Spielzeit schnellstens vergessen wollen. Der offensive Mittelfeldspieler begann ganz schwach und fiel dann wegen einer Verletzung aus. Klopp stellte das Spielsystem auf 4-2-3-1 und Hajnal saß draußen als er wieder da war. Zuletzt mit einigen guten Ansätzen, aber auch schlimmen Aussetzern wie beim bitteren 1:1 gegen Hoffenheim.
Sebastian Kehl (6 Spiele/1Tor/2,50): Wenn man alle Verletzungen aufzählen würde, die den BVB-Kapitän in den letzten Jahren plagten, wäre diese Seite voll. Diesmal war eine Sehnenverletzung am Schambein Schuld, dass Kehl nur sechs Spiele bestreiten konnte. Das Erstaunliche: Als er gegen Ende der Saison zurückkam, spielte er, als wenn er nie gefehlt hätte. Kehl ordnete das Spiel der Mannschaft, ein echter Leader. Ihm ist nur zu gönnen, dass er einfach einmal eine völlig „normale“ Saison absolvieren kann.
Nuri Sahin (33 Spiele/4 Tore/3,20): Starke Saison des einstigen Ausnahmetalents, der endgültig zum Taktgeber der Mannschaft wurde. Trotz seiner erst 21 Jahren ein absoluter Führungsspieler, nicht nur technisch überragend, sondern auch ein hervorragender Mannschaftsspieler. Sahin hat sich auch athletisch sehr gut weiterentwickelt. Ich nehme einmal an, dass er schon längst im Visier der Top-Vereine Europas steht.
Tinga (7 Spiele/3,75): Es war ein Abschied voller Emotionen: Das brasilianische „Kampfschwein“ verlässt den Verein. Tinga war eine der wenigen positiven Verpflichtungen der unsäglichen Doll-Ära und entwickelte sich dank seines nimmermüden Einsatzes schnell zu einem Publikumsliebling. Nur diese Saison wird Paul César Fonseca di Nascimento schnell abhaken: Nur sieben und nicht besonders gute Spiele, danach stoppten ihn Adduktoren-Beschwerden. Zudem hat Jürgen Klopp jüngere Alternativen für das defensive Mittelfeld. Tinga kehrt zurück nach Brasilien zu Internacional Porto Alegre – und dort bereitete man ihm einen heldenhaften Empfang, zu sehen auf dem Video unten.