Die John Smith’s Fox Hunters Chase am ersten Tag zeigte mal wieder den gnadenlosen Charakter der National-Hindernisse: Nur neun der 21 Starter kamen ins Ziel, der Rest warf seinen Reiter ab, stürzte oder wurde angehalten. Am Ende triumphierte der 510:10-Schuss Silver Adonis.
Heute begann das dreitägige Aintree-Meeting auf der Rennbahn in der Nähe von Liverpool. Drei Wochen nach Ende des Cheltenham-Festivals trifft sich in Aintree wieder alles, was Rang und Namen im englischen National Hunt-Sport hat. Einmal am Tag geht es über die berüchtigten schweren Hindernisse auf dem National-Kurs. Der Höhepunkt folgt natürlich am Samstag: Das Grand National, das wohl berühmteste und (umstrittenste) Pferderennen der Welt.
Gemetzel oder Spektakel? Das National ist beides. Zu schwere Hindernisse, zu viele Starter (40), die lange Distanz von 7200 Metern – gegen das National spricht einiges. Besonders wenn die Pferde noch nicht ihren Rhythmus gefunden haben und an den ersten Hindernissen reihenweise ihre Jockeys zu Boden befördern bzw. spektakulär fallen, wirkt das Rennen wie die klassische Anti-Werbung für den Rennsport.
Dennoch ist das Meeting ein Muss. Zum anderen gibt es im Rahmenprogramm exzellenten Sport, zum anderem ist das Grand National bei aller Kontroverse ein Ereignis, in dem Legenden geboren werden. In England zählt es zur großen Sporttradition. Jeder, auch wenn er sonst nicht viel mit Pferderennen am Hut hat, riskiert eine Wette und hat eine Meinung dazu.
Beispiel gefällig? 2005 war ich in der Nähe von Liverpool und am Donnerstag auf der Rennbahn in Aintree. Am Freitag vor dem National waren wir in einem Pub in einem Waliser Dorf. Auf einmal ging ein Hut mit 40 Papierschnitzeln, auf denen die Namen der Teilnehmer des Grand Nationals notiert waren, rum. Für zwei Pfund Einsatz konnte man ein Papierschnitzel ziehen – und der Glückliche, dessen Papier den Namen des Siegers trug, durfte sich am nächsten Tag über 80 Pfund freuen. Ist so etwas in Deutschland zum Beispiel vor dem Derby vorstellbar? Definitiv nicht!
Das Grand National ist das Rennen mit den höchsten Wettumsätzen auf der Insel. Letztendlich freuen sich zwar meist die Buchmacher, wenn wie 2009 ein 1010:10-Außenseiter wie Mom Mome triumphiert.
Eine der Legenden des Grand Nationals: Red Rum gewinnt 1973 nach einem dramatischen Rennen gegen Crisp. Red Rum triumphierte auch 1974 und 1977, seine Reste liegen am Zielpfosten von Aintree.
Becher’s und The Chair
Mom Mome ist auch in diesem Jahr wieder am Start, steht aber erheblich kürzer. Meine Idee eines Siegers ist er nicht, obwohl der Schützling von Venetia Williams zuletzt im Gold Cup ungefähr zwei Minuten später als respektabler Dritter hinter Imperial Commander und Denman ins Ziel lief.
Wer gewinnt also 2010? 40 Pferde laufen, der Faktor Glück spielt eine entscheidende Rolle. Black Apalachi schwebte im letzten Jahr lange quasi über die schweren Sprünge, bis er dann in der zweiten Runde an Becher’s kapitulierte. Sein Trainer Dessie Hughes hat ihn genau für dieses Rennen vorbereitet und seine schwache Phase mit einem Sieg am letzten Wochenende in Fairyhouse beendet.
Im letzten Jahr Vierter war State of Play und auch er kommt relativ geschont an den Start, lief nur einmal in dieser Saison. Das macht gar nichts, denn der Hennessy-Sieger 2006 absolviert seine besten Rennen frisch. Zudem steht er im Handicap noch günstiger als im letzten Jahr.
Interessant finde ich zudem Niche Market (die Aintree-Hindernisse könnten ihm liegen) und den "alten Ganoven" Character Building. Der lief zuletzt in Cheltenham schlecht, aber das Ziel von Trainer John Quinn in diesem Jahr ist das National. Der Wallach hat zudem mit Cheveley Park Stud einen neuen Besitzer und die haben ähnliches schon mal mit Party Politics geschafft, den sie ebenfalls kurz vor dem Rennen gekauft hatten. Nicht so begeistert bin ich allerdings über den Jockeywechsel: Nichts gegen die famose Nina Carberry, aber James Codd hat Character Building im letzten Jahr bei seinem Erfolg in Cheltenham ein Rennen nach Maß serviert, als er wartete und wartete und dann seinen Vorstoß genau zum richtigen Zeitpunkt ansetzte.
Seit gestern hängt bei mir im Haus gegenüber eine Fahne des Bayern München aus dem Fenster – wohlgemerkt, wir befinden uns in der Dortmunder Innenstadt und und diese ist natürlich schwarz-gelbes Terrain. Doch das Böse ist immer und überall – und gestern durfte der FC Bayern mal wieder richtig feiern, weil er im Viertelfinale der Champions League mit Manchester United einen der Großen Europas besiegte und damit gute Chancen für das Rückspiel in Old Trafford anmeldete. Wobei die Münchener mit ihrer teueren Mannschaft sich innerlich immer noch zu den Großen in Europa zählen, obwohl der Erfolg in den letzten Jahren fehlte.
Der gestrige Sieg war hochverdient, auch wenn der Siegestreffer durch den unermüdlichen Irvica Olic erst in der Nachspielzeit fiel. Vorher hatte Gomez bereits eine Riesenchance, die United-Keeper van der Sar im letzten Moment vereitelte. Sir Alex Ferguson, seit 1986 Manager bei United, soll zwar im Laufe der Jahre etwas ruhiger geworden sein, aber die Fehlerkette vor dem 1:2 dürfte ihn ziemlich wütend gemacht haben. Früher flogen da schon einmal die Fußballschuhe durch die Kabine, David Beckham wird sich schmerzlich erinnern.
Verwaltungsbeamte
Dabei hatten die Rot-Weißen einen Auftakt nach Maß, als Demichelis wegrutschte und Wayne Rooney bereits nach 77 Sekunden das 1:0 für die Engländer markierte. Bayern tat sich jetzt schwer, brauchte einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Ribéry war nach seinen diversen Verletzungspausen noch weit von seiner Bestform entfernt, sorgte nur sporadisch für Aufsehen. Am auffälligsten spielte noch der überraschend in die Mannschaft gekommene Hamit Altintop.
Doch Manchester verwaltete nur den Vorsprung, Bayern „biss“ sich immer mehr ins Spiel. Das 1:1 durch Ribérys abgefälschten Freistoss war zwar glücklich, aber belohnte die unermüdlichen Bemühungen der Truppe von Louis van Gaal. Und das 2:1 durch den famosen Olic lässt den FC Bayern für das Rückspiel hoffen. Auch wenn es keine Revanche für die Schmach von Barcelona vor elf Jahren war.
Was sonst noch derzeit in Manchester abgeht, zeigt dieser Beitrag. Und eine wichtige Rolle spielen die Farben Gelb und Grün. Das sind nämlich die Vereinsfarben des Gründungsvereins Newton Heath und sie sind das optische Symbol des Protests gegen die Glazer-Familie, Mehrheitseigner des Vereins.
Gelungene Überraschung am Sonntagabend: Die Bild am Sonntag hat auf ihren Mittelseiten immer eine Rubrik „Das sprechende Foto“, wo auf einer Doppelseite allerhand Wissenswertes zu einem bestimmten Foto präsentiert wird. Und wen zeigen die Macher von „Europas größter Sonntagszeitung“ diesmal ihren Millionen von Lesern? Es ist Overdose, das einstige „Wunderpferd“ über Sprintdistanzen, der Stolz Ungarns, dessen Erfolgsweg im vergangenen Jahr so früh durch diverse Verletzungen endete.
Gut, die Überschrift „Das schnellste Pferd der Welt“ ist reichlich boulevardesk übertreiben – mangels Gelegenheit, weil er ja verletzt war, konnte der Hengst von Besitzer Zoltan Mikoczy das 2009 nicht unter Beweis stellen. Verdammt schnell war „The Budapest Bullet“ allerdings schon bei seinen zwölf Starts, die er allesamt spektakulär gewann.
Und auch sonst erfährt der geneigte Leser einiges Wissenswertes. Zum Beispiel dass Overdose
• in sechs Sekunden auf 65 Stundenkilometer kommt
• die 1000 Meter in 54,4 Sekunden schafft, nur der mexikanische Gabelbock ist laut BamS auf dieser Distanz schneller
• zweimal täglich Hafer, Äpfel, Karotten, Gras und zusätzliche Vitaminportionen erhält und sein Trinkwasser mit Traubenzucker und Mineralstoffen ergänzt wird.
• eine perfekte Hinterhand hat, die ihn beim Sprinten mit Kraft und Schnelligkeit antreibt. Denn „der Arsch ist der Motor beim Pferd.“
Schöne PR für den ersten Renntag der Saison am 4. April (Ostersonntag) in Hoppegarten. Denn auf der Parkbahn vor den Toren Berlins trainiert Trainer Sandor Ribarszki inzwischen – und dort wird Overdose zwar nicht an dem Renntag laufen, aber den Besuchern als besondere Attraktion vorgestellt. Die Pressekonferenz fand schon einmal standesgemäß in der ungarischen Botschaft in Berlin statt.
>
Der größte Erfolg, der keiner war: Overdose gewinnt im Oktober 2008 den Prix De L'Abbaye (Gr. I) in Paris-Longchamp. Wegen eines angeblichen Fehlstarts wurde das Rennen aber am Ende der Karte noch einmal gelaufen. Nur diesmal fehlte der Hengst.