Freitag, 5. März 2010
Immer noch ein Hauch von Fußball-Romantik
Herzlichen Glückwunsch und Respekt! 11 Freunde, das schon lange nicht mehr kleine Magazin für Fußballkultur, hat jetzt seine 100. Ausgabe vorlegt. Bis auf die erste dürfte ich sie alle gelesen haben – und bereut habe ich es nicht.
Das Beste an den 11 Freunden: Die Redakteure kamen von den Stehplätzen, waren also nicht Journalisten, die sich bereits ihren Hintern auf den Plätzen der Pressetribüne breit gesessen hatten. Entsprechend herzerfrischend anders gingen die Macher, die vorher das Arminia Bielefeld-Fanzine mit dem schönen Namen „Um halb vier war die Welt noch in Ordnung“ produziert hatten, ans Werk.

Es fehlten die 08/15-Interviews mit den Stars der Branche. Dafür gab es witzig geschriebene Geschichten über strauchelnde Traditionsvereine oder wütende Fans, Fotostrecken über die lustigsten Fußballfrisuren oder Wohnungseinrichtungen von Fußballern aus den 70er Jahren – Themen, die traditionelle Blätter wie der kicker meist übersahen. Vorbild war das englische Blatt When Saturday comes - 11 Freunde war aber immer viel witziger.
Nach 10 Jahren hat das Blatt das Flegelalter verlassen: Es gibt Interviews mit Trainern, Managern und Spielern (die manchmal so gut sind, dass ich mich frage, warum der kicker so etwas nicht kann). Das Heft ist (meist) pickepackevoll mit Anzeigen, was die ersten langjährigen Leser schon wieder bemängeln („Ist ja nur noch Werbung im Heft“).
„Der Profifußball ist insgesamt schon ein hartes und uncharmantes Geschäft“, hat auch Chefredakteur und Mitgründer Philipp Köster in dieser Zeit einige Illusionen verloren. Nichtsdestotrotz bleiben die 11 Freunde lesenswert, auch wenn Günter Hetzer und seine trinkfeste Clique zwar Kult sind, ihren Witz aber weitgehend verloren haben. Immer noch beeindruckend finde ich die Fotos von Hans van der Meer aus den unteren Ligen dieser Welt, der eigentlich mal wieder eine längere Strecke verdient hätte. Und so lange das Blatt einem Drittligisten und seinen Fans acht Seiten widmet wie im Jubiläumsheft, bleibt die Welt weiter in Ordnung – zumal auch Trollinger im Kofferraum nicht leiden muss. Nur die Kolumne des HSV-Nerds Formenseyn vermisse ich.



Donnerstag, 4. März 2010
Punjabi und Celestial Halo gegen den Rest
Nicht mehr zwei Wochen Zeit bis zum Cheltenham Festival, dem Höhepunkt der National Hunt-Saison auf der Insel. Sportlicher Höhepunkt des ersten Tages ist die Champion Hurdle über zwei Meilen. Im Gegensatz zum Gold Cup, der Champion Chase und der World Hurdle – den anderen Top-Rennen des Festivals – ist das Meisterschaftsrennen über die Hürden eine völlig offene Angelegenheit. Und es ist die beste Chance für einen irischen Sieg, denn Solwhit und Go Native führen den Wettmarkt an. nurpferdeundfussball stellt die wichtigsten Kandidaten vor.

Zaynar (Trainer Nicky Henderson/Kurs 80:10): Gewinner 2009 der Triumph Hurdle (siehe Video), mag den Kurs in Cheltenham, kann auch guten Boden. Überzeugende Erfolge im November und Dezember in Ascot und Cheltenham, auch wenn die Distanz etwas länger war. Doch dann kam der Rückschlag am 18. Februar, als er als haushoher Favorit in Kelso geschlagen wurde. Trainer Nicky Henderson machte dafür den schweren Boden verantwortlich. Den wird er wahrscheinlich im März nicht haben, dennoch stieg er bei den Buchmachern. Was mich allerdings mehr stört: Es ist erst sein sechster Start, mit fünf Jahren ist er noch ein richtiger Youngster. Ob das gegen die routinierte Konkurrenz reicht?
Solwhit (Trainer Charles Byrnes/Kurs 50:10): Die erste Hoffnung von der grünen Insel, gewann die wichtigsten Hürdenrennen in diesem Jahr in Irland. Alle aber auf weichem bei schwerem Boden, auf gut bis weichen Boden enttäuschte er beim Saisondebüt in Newcastle. Gewann zwar auf gutem Boden im April die Aintree Hurdle, doch das war über längere Distanz und gegen nicht so starke Gegnerschaft. Bei schwerem Boden ist Solwhit das gemeinte Pferd, auf gutem Boden jedoch nicht.
Go Native (Noel Meade/Kurs 50:10): Der zweite irische Mitfavorit jagt das große Geld, denn nach den Siegen in der Fighting Fifth (Newcastle) und der Christmas Hurdle (Kempton) winkt ihm bei einem Triumph in der Champion Hurdle ein Millionenbonus. Imponierte bei seinen Siegen mit viel Speed, ist aber – wie sein ehemalige Stallgefährte Harchibald – ein Pferd, das unter Druck nicht mehr viel macht und so beinahe in Kempton gegen Starlight verloren hätte. In Cheltenham reitet ihn wieder Paul Carberry, nach Aussage von Trainer Noel Meade der optimale Jockey für das Pferd. Mag guten Boden, hat im letzten Jahr hauchdünn die Triumph Hurdle gegen Medermit gewonnen. Ein Kandidat mit allerbesten Chancen.
Punjabi (Nicky Henderson/Kurs 90:10): Der Überraschungssieger des Vorjahres, 2008 zudem guter Dritter hinter Katchit. Weiß also, um was es geht und ist zudem im Frühjahr auf gutem Boden viel stärker einzuschätzen. Die letzte Pflichtaufgabe löste er ohne große Anstrengung, der zu schlagende Kandidat.
Celestial Halo (Paul Nicholls/Kurs 160:10): Der Zweite aus dem Vorjahr, als er nach hartem Kampf Punjabi unterlag. Für ihn gilt das Gleiche wie für den Titelverteidiger Punjabi: Auf gutem Boden ist er im Frühjahr ein viel besseres Pferd, von daher kann man die schlechten Boden auf weichem oder schweren Boden ignorieren. Und für diesen Kurs ist er definitiv eine kleine Sieg-Wette wert.
Khyber Kim (Nigel Twiston-Davies/Quote 90:10): der Aufsteiger des Winters, gewann zwei gute Rennen im Winter in Cheltenham, schlug dabei zuletzt Celestial Halo, Medermit und Punjabi, hatte allerdings gegen den Zweiten und Vierten Gewichtsvorteile. Kyber Kim braucht aber unbedingt mindestens weichen Boden, auf guten Boden ist er deutlich schlechter.
Starluck (Alan Fleming/Quote 160:10): Sein Trainer meint, dass er noch einiges im Tank hat und sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert hat. Hervorragendes Rennen in der Christmas Hurdle in Kempton, als er nur knapp von Go Native geschlagen wurde. Im letzten Jahr wurden ihm die 3400 Meter auf der Zielgerade in Cheltenham etwas lang.
Medermit (Alan King/Quote 90:10): Sprintete im letzten Jahr die Cheltenham-Zielgerade in der Supreme Novice Hurdle herunter, danach zweimal hinter Khyber Kim und zuletzt Sieger mit Gewichtsvorteilen gegen Punjabi. Ein weiterer chancenreicher Kandidat.

Tipp: Ich gehe mal davon aus, dass der Boden im März gut sein wird. Punjabi und Celestial Halo sind meine Kandidaten in einem sehr ausgeglichenen Rennen.

Quoten racebets



Montag, 1. März 2010
Viel Prügel für die einstige „Hand Gottes“


Zuletzt war er – glaube ich zumindest – bei der WM 2006 in Deutschland. Dort saß Diego Maradona fröhlich grinsend mit einer seiner Töchter auf der Tribüne, bis ihm die Gesichtszüge entgleisten, als Argentinien im Viertelfinale an Deutschland scheiterte. Jetzt kommt der „Pibe de oro“ (Goldjunge) als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft wieder zum Freundschaftsspiel gegen das deutsche Team nach München.
Diego Armando Maradona war der genialste Fußballer aller Zeiten. Kein anderer Spieler beherrschte den Ball so perfekt, kein anderer Spieler verkörperte diese Mischung aus Genie und Wahnsinn so wie er. Die Menschen vergötterten ihn, in Neapel ist er immer noch der Stadtheilige. Er war „Die Hand Gottes“ und im gleichen Spiel gegen England der Schütze eines der sensationellen Tore der Fußballgeschichte, als er von der Mittellinie mehrere Engländer wie Slalomstangen umkurvte. Die FIFA kürte diesen Treffer zum Tor des Jahrhunderts.
Und irgendwie stellte Maradona auch die Fußball-Weisheit in Frage, dass zu einem Erfolg 11 Spieler gehören. Beim WM-Triumph der Argentinier 1986 in Mexiko schoss er quasi allein die Gegner ab.
Doch wo Maradona war, da war auch der Absturz nie fern: positive Dopingproben, Kokain, falsche Freunde aus dem organisierten Verbrechen, gesundheitliche Probleme – eigentlich ließ Diego nichts in seinem Leben aus. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass er noch lebt.

„wie mein A…gespielt“
Doch 2005 verbesserte sich Maradonas Gesundheitszustand wieder. Im Oktober 2008 übernahm er den Posten des Cheftrainers der argentinischen Nationalmannschaft – und hier weht ihm nach verheißungsvollem Beginn mit Siegen in Schottland und Frankreich der Wind ziemlich heftig ins Gesicht. Argentinien qualifizierte sich mit Ach und Krach für die WM 2010 in Südafrika, trauriger Höhepunkt war ein 1:6 in der Höhenluft von Bolivien. 102 Spieler berief Maradona bislang zu 16 Spielen – Fußball ohne jegliches System, werfen ihm seine zahlreichen Kritiker unter anderem vor. „Er macht nichts richtig“, urteilte die Zeitung La Nation. Oft habe Argentinien „wie mein A..gespielt“, meinte Ex-Coach Cesar Luis Menotti. Und auch Maradona Aufforderung zum Oralsex an seine Kritiker nach geschaffter WM-Qualifikation entspannte nicht gerade die Lage.