„Hilfe“, „die Bombe platzte…“ – dramatische Worte, die GaloppOnline da wählte. Aber was macht dem Online-Angebot der Sport-Welt so viel Angst? Die Redaktion befürchtet, dass eventuell die Galopprennen am Sonntag auf der Dortmunder Allwetterbahn ausfallen könnten, weil die Rennställe zu wenig Starter gemeldet haben. Über Sprachstil lässt sich bekanntlich nicht streiten, in der Sache hat das Fachblatt aber Recht.
Es gibt zu wenig Starter für die geplanten zehn Rennen auf der Wambeler Bahn. Nur in den vier Rennen der Kategorie Ausgleich 4 ist die Zahl der genannten Pferden halbwegs akzeptabel, ausgesprochen dürr sind die Nennungen in zwei ausgeschriebenen Ausgleich 3 mit fünf bzw. sechs Pferden und im Rennen für die sieglosen Dreijährigen mit fünf potenziellen Teilnehmern.
Was ist los? Will keiner mehr hier laufen? Zugegeben, die Witterungsverhältnisse verhindern derzeit oft die Trainingsarbeit, die Zahl der in Deutschland trainierten Pferde nimmt von Jahr zu Jahr ab, das Preisgeld ist bescheiden. Dennoch: Es ist der einzige Termin der Woche, da sollten sich doch wohl noch ein paar Pferde finden lassen. Die Vorstarterangabe wurde immerhin um einen Tag verlängert.
Fakt ist aber auch, dass es in diesem Winter immer schwieriger wird, selbst für einen Ausgleich 3 Starter finden. Beispiel: Das Rennen Anfang Januar in Dortmund mit nur vier Startern (bei drei Nichtstartern), auf das insgesamt nur 6 000 Euro gewettet wurden.
Und schauen wir mal, wie viele deutsche Pferde am Wochenende in Frankreich laufen? Heute siegte im übrigen Astronom aus dem Stall von Werner Baltromei in einem mit 24 000 Euro dotiertes Handicap in Cagnes, der verdiente Lohn waren 12 000 Euro. Für dieses Preisgeld müsste er in Neuss und Dortmund mindestens fünf Mal gewinnen – wenn es denn Rennen überhaupt für Pferde dieser Leistungsklasse auf den deutschen Winterbahnen geben würde.
„Irgendwo erwartest du auch ein mal ein bisschen Hilfe. Irgendwo mal so einen kleinen Zuspruch“: Lothar Matthäus glaubt nicht immer an Gott – sagt er zumindest dem kicker. Das Gespräch mit dem deutschen Rekordnationalspieler (nicht online), der derzeit mal wieder private Schlagzeilen macht, bildet den Auftakt einer neuen Serie im Fachblatt. Klaus Smentek, seit kurzem dort Chefredakteur, „interviewt Spieler und Trainer, die im deutschen Fußball Geschichte geschrieben haben“ und möchte auch den Menschen hinter dem Spieler oder Trainer zeigen.
Boulevard-Geschichten wie diese sind ein Grund, warum der Name Lothar Matthäus oft für unfreiwillige Erheiterung sorgt. Sein Image ist im Keller: Während Leute wie Franz Beckenbauer oder Uwe Seeler quasi Heldenverehrung genießen, bekommt der gebürtige Franke als Trainer in Deutschland kein Bein auf die Erde. Dabei hat der Mann sportlich außergewöhnliches geleistet: 150 Länderspiele für Deutschland, Weltmeister 1990, UEFA-Pokalsieger 1991 und 1996, sieben Mal Deutscher Meister, Italienischer Meister 1989 mit Inter Mailand, Weltfußballer 1990 und 1991, Europas Fußballer des Jahres 1990…..
Mein Tagebuch vertont
„Ich weiß, dass in Deutschland viele Leute wissen, was ich geleistet habe. Aber ganz klar, in anderen Ländern würde man sich gegenüber solchen Leuten, die so viel geleistet haben, ganz anders verhalten“, sagt Matthäus. Auf die Frage, ob er nicht ganz schuldlos an seinem Image sei, antwortet er: „Sicher habe ich auch viele Fehler gemacht. Ich habe mich vielleicht zu oft zu allen möglichen Dingen geäußert. Entscheidend ist aber auch, dass ich total als Spieler von Bayern München gelte. Ich habe zwar auch für woanders gespielt, aber für die Leute generell ist Lothar Matthäus nicht Mönchengladbach, nicht Inter Mailand, sondern er ist Bayern München.“ Deswegen seien auch Engagements als Trainer in Frankfurt und Nürnberg am Widerstand der Fans gescheitert.
Gute Freunde stehen zusammen
Vielleicht liegt es aber an der Nähe zu Bild und Sport-Bild: Zu den Blättern aus dem Springer-Verlag pflegte Matthäus schon als Spieler ein inniges Verhältnis. Auf die Freunde beim Boulevard kann er sich immer noch verlassen: Immer wenn in der Bundesliga ein Trainerjob frei wurde, brachte Bild den Trainer Matthäus ins Gespräch – und schreckte damit eventuelle Interessenten ab, denn welcher Verein möchte seine Interna am nächsten Tag brandaktuell bei Bild lesen.
So beschränkt sich seine Tätigkeit in Deutschland bislang nur auf das Jux-Team Borussia Banana für den Fernsehsender RTL 2; ansonsten trainierte Matthäus Teams in Österreich, Serbien, Ungarn, Brasilen und zuletzt Israel. Dabei sei er „jemand, der ganz professionell arbeitet, ins Detail geht, versucht die Mannschaft zu erreichen, die Mannschaft zu verbessern.“
Immerhin hat er die Wurzeln zu seinem erlernten Beruf Raumausstatter noch nicht verloren. „Wenn ich zum Beispiel in ein Hotelzimmer komme, gefällt mir oft die Anordnung der Möbel oder Lampen nicht. Da nehme ich mir schon ein paar Minuten, um einige Sachen so zu verändern, wie es mir optisch besser gefällt.“
Noch knapp zwei Monate Zeit bis zum großen Cheltenham Festival im März – und da derzeit wenig in Sachen Hindernisrennen passiert, blickt nurpferdefussball in den nächsten Wochen schon einmal auf die wichtigsten Rennen des bedeutendsten Hindernis-Festivals der Welt. Den Auftakt macht heute der Cheltenham Gold Cup, das Champions-Race für die Steher über die Jagdsprünge.
Es ist der Zweikampf, dem alle mit viel Spannung entgegenblicken: Kauto Star gegen Denman. Sie werden trainiert von Paul Nicholls und zählen jetzt schon zu den besten Pferden aller Zeiten über die großen Hindernisse.
Remis steht es nach zwei Duellen im Cheltenham Gold Cup: 2009 hatte Kauto Star überlegen mit 13 Längen die Nase vorn, allerdings war Denman nach einer langen Verletzungspause noch nicht wieder in Top-Form. 2008 schlug dessen große Stunde, als er seinen alten Rivalen von der Spitze aus quasi demoralisierte und mit sieben Längen triumphierte.
Beide kommen in tadelloser Form nach Cheltenham: Kauto Star gewann hochüberlegen am zweiten Weihnachtstag sein viertes King George in Serie, Denman siegte mit Höchstgewicht im Hennessy Gold Cup in Newbury, einem der wichtigsten Handicaps der englischen National Hunt-Saison.
Und die zwei Protagonisten haben Rennbilanzen, wie sie nur Ausnahmepferde besitzen: Kauto Star war 23 mal am Start, gewann 16 mal und war 5 mal Zweiter. Denman lief 18 mal, siegte davon 14 mal und war drei mal Zweiter.
Der Gold Cup ist nicht unbedingt ein Rennen für eine große Wette: Beide trennen nicht viel, sie stehen relaiv kurz bei den Buchmachern auf der Insel. Ich gehöre eher zur Denman-Fraktion, weil sein Sieg 2008 mir noch immer ein Grinsen aufs Gesicht zaubert, so überzeugend war das.
Die Gegner
Kaum vorstellbar, dass sie geschlagen werden. Wenn es einen Kandidaten gibt, der dafür vielleicht in Frage kommt, dann Imperial Commander aus dem Stall von Trainer Nigel Twiston-Davies. Vergessen wir mal die grässliche Form aus dem King George, aber davor in Haydock hatte er Kauto Star bei dessen ersten Jahresstart immerhin am Rand einer Niederlage, auch wenn dieser da noch nicht seine Bestform hatte. Zudem ist Cheltenham die Lieblingsbahn des Wallachs: Fünf seiner sechs Erfolge feierte er dort, zuletzt in der Ryanair Chase während des letzten Festivals. Twiston-Davies bevorzugt aber in diesem Jahr den Gold Cup und hat zudem keine Bedenken wegen der längeren Strecke. Cooldine gewann im letzten Jahr sehr imponierend die RSA Chase, das Rennen über die längere Distanz für die jüngeren Pferde. Doch Junior und Senior-Bereich trennen Welten: Die beiden Formen in dieser Saison in Irland waren ernüchternd. Viel Zeit hat Trainer Willie Mullins nicht mehr, zaubern kann er auch nicht – auch wenn manche das auf der grünen Insel glauben. What a Friend ist die dritte Waffe aus dem Nicholls-Stall, steigerte im Hennessy alle Vorformen und sah kurz gefährlich gegen Denman aus, hatte aber auch entsprechende Gewichtsvorteile. Danach gewann er die Lexus Chase in Leopardstown, soll allerdings nur im Gold Cup laufen, wenn Kauto Star oder Denman ausfallen.
Und sonst? Einige interessante Kandidaten für Wetten ohne die großen Zwei wie Madison Du Berlais, Money Trix oder Carruthers – aber gewinnen? Unvorstellbar…