Donnerstag, 7. Januar 2010
Afrika-Cup 2010: Ein Kontinent hofft


Ab Sonntag blickt die Fußball-Öffentlichkeit zum ersten Mal nach Afrika: Am 10. Januar startet in Angola mit dem Eröffnungsspiel der Gastgeber gegen Mali der 27. Afrika-Cup. Im Juni folgt bekanntlich die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.
Für den Kontinent eine große Chance, am Image zu arbeiten. „Die wichtigste Aufgabe wird 2010 sein, das Bild zu ändern, das die Menschen von Afrika haben, wir müssen dem Rest der Welt zeigen, was Afrika kann", zitiert die taz Anthony Baffoe, einst Bundesligaspieler in Köln und Düsseldorf und heute Teammanager Ghanas.
Angola steht im Januar im Blickpunkt des Interesses: eine noch junge Nation, erst 1975 unabhängig geworden und bis 2002 von einem blutigen Bürgerkrieg geplagt. Es grenze fast ein Wunder, schreibt der kicker in seiner Print-Ausgabe vom Montag, „dass die vier Spielstätten in der Hauptstadt Luanda, in Cabinda, in Benguela und Lubango rechtzeitig fertig geworden sind“. Für die Gastgeber ist die Organisation eine Herkules-Aufgabe, aber sie sind optimistisch und hoffen, von der verbesserten Infrastruktur zu profitieren – ähnlich wie Mali, Veranstalter 2002.
Sportlich wird es für Angola, immerhin 2006 in Deutschland bei der WM dabei, schwierig. In der Afrika-Qualifikation scheiterten die „Palanca Negras (Schwarze Antilopen)“ bereits in Runde 2 an Benin. Die Favoriten tragen andere Namen: Da wären zum einen die fünf WM-Teilnehmer Elfenbeinküste, Kamerun, Ghana, Nigeria und Algerien. Ägypten gewann die letzten beiden Turniere, scheiterte in der WM-Qualifikation aber an Algerien. Auch mit Tunesien sollte zu rechnen sein. Für Freunde interessanter Aussenseiter empfehlen sich Mali, Benin und Burkina Faso; drei Nationen, die sich in der WM-Qualifikation ganz achtbar schlugen.

Exodus
Aufschlussreich ist ein Blick in die offizielle Spielerliste: Es gibt eigentlich keine Profiliga in Europa, in denen afrikanische Fußballer nicht am Ball sind. Sie kicken in Moldawien, Bulgarien, Norwegen oder Kroatien, in der zweiten französischen oder zweiten deutschen Liga – aber auch in den Top-Ligen wie die großen Namen Samuel Eto’o (Kamerun/Inter Mailand), Didier Drogba (Elfenbeinküste/Chelsea London), Michael Essien (Ghana/Chelsea London) und Frederic Kanoute (Mali/FC Sevilla), die selbstverständlich bei dieser Prestige-Veranstaltung dabei sind. Aus Deutschlands Profiligen kommen 21 Spieler, darunter vom BVB Mohammed Zidan, der für Ägypten auf Torjagd geht.
Die Liste dokumentiert auch ein großes Problem: Es gibt keine funktionierenden Profiligen (Ausnahme vielleicht Ägypten oder Südafrika) auf dem Kontinent, irgendwann landet fast jeder talentierte Spieler - oftmals mit Hilfe dubioser Berater - in Europa.
Interessant dürfte zudem sein, wie sich das sportliche Niveau entwickelt. Immer wenn ich mir bei den Veranstaltungen zuvor Spiele angeschaut haben, waren das Begegnungen, bei denen sich die Mannschaften taktisch quasi selbst neutralisierten. Nur die oftmals unsicheren Torhüter sorgten für Unterhaltung.
Afrikas Fußball stagniert. Die Prognosen, dass beispielsweise Nigeria oder Kamerun bei einer WM in naher Zukunft ein Finale erreichen werden, erwiesen sich als falsch. Was nicht verwundert: Nigeria hatte zum Beispiel immer wunderbare Fußballer, doch es fehlt einfach an Kontinuität und Strategie. Wer jedes halbe Jahr einen neuen Trainer (am besten irgendeinen Europäer) für viel Geld holt, der nach kurzer Zeit wieder fliegt, darf sich nicht wundern, das sein Team nur aus eitlen, egoistischen Diven besteht. Und auch Shaibu Amodu, einheimischer aktueller Coach der Super Eagles, steht schon wieder zur Diskussion, falls er nicht mindestens das Halbfinale erreicht.
Ein Land fehlt übrigens: WM-Gastgeber Südafrika scheiterte frühzeitig. Wenigstens dort dürfte es drei ruhige Wochen geben.



Montag, 4. Januar 2010
Winter in Wambel: Verlust trotz Gewinn
Vor geraumer Zeit gab es in Dortmund immer Galopprennen an Neujahr. Das war durchaus dem Neujahres-Skispringen vorzuziehen, weil man eben an der frischen Luft seinen Silvester-Kater viel effektiver abbaut.
Den Neujahrs-Renntag veranstaltet der Dortmunder Rennverein schon lange nicht; nichtsdestotrotz startete in diesem Jahr auch wieder die deutsche Rennsaison 2010 mit acht Rennen auf der Allwetterbahn im Vorort Wambel.
Weil in Deutschland derzeit Schnee und Eis regieren, mussten die Dortmunder ziemlich kämpfen, damit die Starterfelder einigermaßen gefüllt waren. Die Situation hatte sich am Sonntag nicht verändert: Das Winterwetter sorgte nicht nur für einige Nichtstarter, sondern auch dafür, dass viele Zuschauer daheim blieben. „Man konnte beim Umsatz natürlich keine Wunderdinge erwarten“, lautet dann immer der Standardsatz bei GaloppOnline – und so war es auch diesmal. Ganze 27 000 Euro wurden auf der Bahn gewettet – mit meinen mageren 20 Euro Gesamteinsatz lag ich also ziemlich im Trend der Bahnbesucher. Der Gesamtumsatz betrug mässige 123 970 Euro.
Ganz früher war ich häufiger im Winter in Wambel. Seitdem ich aber mein Herz für den englischen Hindernissport entdeckt habe, sind die Besuche dort selten, obwohl die Bahn direkt vor der Haustür liegt. Zumal der sportliche Anreiz fehlt: Immer die gleichen mäßigen Pferde, von denen mal der eine, mal der andere vorne ist; hinzu kommt die Erkenntnis, dass man auf Dauer mit Tipps auf langsame Vollblütern nur Geld verlieren kann. Die besseren deutschen Pferde laufen hingegen in den höher dotierten Rennen im französischen Deauville.
Es ist die vielbeschworene Galoppsportbasis, die die Winterrrennen in Dortmund und Neuss am Leben hält. Viele Teilnehmer kommen aus dem Osten oder aus dem Südwesten und nehmen lange Anfahrtswege bei widrigen Wetterbedingungen in Kauf - für Preisgelder, die schon seit 20 Jahren nicht mehr gestiegen sind.

Buschtrommeln blieben stumm
Dabei wirkt die Dortmunder Bahn schon lange nicht mehr so trostlos wie noch vor einigen Jahren. Das Bemühen, das Umfeld gastlicher zu gestalten, ist deutlich zu erkennen. Die Gastronomie ist viel besser geworden – früher war sie allerdings auch eine Zumutung.
Am Sonntag waren aber auch die beiden beheizten Glastribünen für viele kein Argument für einen Bahnbesuch. Vor dem ersten Rennen um 14 Uhr standen vielleicht geschätzte 30 Leute am Führring und schauten sich die dreijährigen Pferde an. Erstaunlich, dass sogar zwei Starter aus Frankreich sich um die 4 500 Euro Preisgeld bewarben. Sie liefen allerdings ziemlich hinterher – Steffi Hofer gewann für ihren Vater Mario mit Starcos die erste Prüfung des Jahres, meine Zweierwettenpferde Cresta Gold und Lips Devil belegten die Plätze 2 und 3. So ging das wettmäßig weiter: im zweiten Rennen 1. und 3. im Einlauf, im dritten Rennen hatte mein Tipp Hurry Girl einige gute Szenen, aber keine Durchschlagskraft.
Der Sieger Vengador aus dem Stall des einstigen Topjockeys Dragan Ilic gewann zur lukrativen Quote von 189:10, was mich etwas erstaunt. Normalerweise sind die Buschtrommeln aus dem Ilic-Stall ziemlich laut, wenn ein Pferd aus dem Quartier gewinnen kann. Das war diesmal offensichtlich nicht so.
Im vierten Rennen war rein rechnerisch nur ein Duell zwischen Löwenherz und Libon möglich, beide standen „kilometerweit“ (Sport-Welt) über den restlichen drei Startern. Nun ist das auf der Sandbahn mit den guten Dingen so eine Sache – doch wenn in diesem Rennen eine der drei noch verbliebenen Pferde vor bzw. zwischen die Favoriten gelaufen wäre, ich glaube, ich hätte so schnell keine deutsche Bahn mehr betreten.
Doch am Ende lief alles formgemäß: Löwenherz vor Libon, der Einlauf zahlte 19:10. Und da ich diesen natürlich hin und zurück geschrieben hatte, gab es trotz des Treffers noch 25 Cent Verlust.
Eine ziemliche Farce war der Ausgleich 3, der „sportliche Höhepunkt“ der Karte. Drei Nichtstarter reduzierten das Starterfeld auf vier Teilnehmer – am Ende distanzierte der größte Außenseiter Rolling Arrogance seine Gegner. Es war Zeit zu gehen…



Freitag, 1. Januar 2010
Meine Pferde des Jahres: Zenyatta, Night Magic, Irish Raptor
Jahreswechsel sind immer Zeit der Bilanzen. nurpferdeundfussball macht da keine Ausnahme und kürt die beste Leistung in einem Galopprennen in den Kategorien International und National. Hinzu kommt die beste erfolgreiche Wette – alles selbstverständlich rein subjektiv. Hier sind meine drei Favoriten – die Pferde, die mir bei ihrem Erfolg am meisten imponierten.

International: Zenyatta, Jockey Mike Smith, Trainer John Shireffs, Breeders’ Cup Classic, Santa Anita: International fiel die Entscheidung mehr als schwer, denn es gab viele Kandidaten. Da war der Ausnahmegalopper Sea The Stars, der mal soeben Kleinigkeiten wie englische 2000 Guineas, englisches Derby oder den Arc gewann. Goldikova aus Frankreich brillierte nicht nur bei ihrem Erfolg während des Breeders’ Cup, Yeats feierte einen historischen Sieg im Ascot Gold Cup, die amerikanische Wunderstute Rachel Alexandra pulverisierte mehrfach ihre Gegner. Auf den Hindernisbahn imponierten unter anderem Kauto Star mit Siegen im Gold Cup und King George, bewies Master Minded in der Champion Chase, dass er ein Ausnahmepferd in den kürzeren Jagdrennen ist. Entschieden habe ich mich allerdings für Zenyatta und ihren Erfolg im Breeders’ Cup Classic in Santa Anita. „This un…be…lievable“ sagte der Kommentator. Unglaublich war es wirklich, man muss es gesehen haben – vom letzten Platz gewann sie mit gespitzten Ohren das Rennen und schrieb Geschichte, weil sie als erste Stute in dieser Prestigeprüfung triumphierte. Die Zuschauer auf der kalifornischen Rennbahn feierten frenetisch ihren Liebling und manche sprachen gar von einem neuen Wunderpferd. Die Bilanz blieb makellos: 14 Starts, 14 Siege.

Deutsch: Night Magic, Jockey Karoly Kerekes, Trainer Wolfgang Figge, Preis der Diana Düsseldorf: Wenn ein Pferd Start-Ziel gewinnt, dann wirkt das oft spektakulär. Doch wie Night Magic im Stutenklassiker auf dem Düsseldorfer Grafenberg mit ihren Gegnerinnen spielte, das war atemberaubend. Aus der Startbox 13 hatte Jockey Karoly Kerekes die Stute nach vorne beordert und was dann folgte, war eine taktische Meisterleistung ihres Reiters. Kerekes war sich bewusst, dass er auf dem an diesem Tag besten Pferd saß und als er vor dem Berg das Tempo noch einmal forcierte, stand frühzeitig fest, wer gewinnen wird. Lukrative 70:10 zahlte der Toto für das Pferd des Münchener Trainers Walter Figge, der Night Magic für den Stall Salzburg trainiert. Dabei war die Stute mit tadellosen Formen auf den Grafenberg gekommen, hatte vorher – ebenfalls von der Spitze aus – in Hamburg die gute Miss Europa geschlagen. Wäre sie von Jens Hirschberger, Peter Schiergen oder Andreas Wöhler trainiert worden, wäre sie als klare Favoritin an den Start gekommen. Aber eine klassische Siegerin trainiert in München – das konnten sich nur die wenigsten vorstellen.

Wette des Jahres, Irish Raptor, Jockey Paddy Brennan, Trainer Nigel Twiston-Davies, Topham Chase Aintree: Selten war ein Wettjahr besser als 2009 – zumindest in den ersten zehn Monaten. Finanzielles Highlight war natürlich die durchgebrachte Schiebewette Ende April, mein persönlicher Höhepunkt – trotz schöner Treffer während des Cheltenham-Festivals oder getroffener Sieger in Mega-Handicaps wie dem Ebor in York oder dem Stewards Cup in Goodwood – war aber der Sieg von Irish Raptor über die furchterregenden National-Fences in Aintree. Es war zwar nicht das Grand National, sondern „nur“ die Topham Chase, aber Treffer übe diese Hindernisse zählen doppelt. Und Irish Raptor sprang an diesem Tag so leicht und locker über die Hindernisse, als wenn er das schon sein ganzes Leben gemacht hätte. Nur Oadachee aus dem irischen Quartier von Charlie Schwan sah kurzzeitig gefährlich aus, doch Paddy Brennan hatte seinen Ritt auf Irish Raptor gut getimt und gewann letztendlich souverän. 8:1, also 90 für 10 Euro, gab es auf den Sieger, der an diesem Tag kräftig gewettet wurde. Was nicht verwundert, denn 2008 unterlag der Wallach aus dem Stall von Nigel Twiston-Davies im gleichen Rennen nur äußerst knapp Gwanako.