Mittwoch, 29. Juli 2009
BVB 2 im Glück
Lange Schlangen an den Eintrittskassen waren der Beweis – Fußball-Dortmund hat Lust auf die 3. Liga. Am Ende kamen 3260 Zuschauer (davon natürlich viele aus Braunschweig) in die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde und sahen ein 0:0 zwischen der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig.
Das unglückliche 3:4 in Burghausen und das Remis gegen die Niedersachsen zeigen deutlich: Es wird eine schwierige Saison für den gelb-schwarzen Nachwuchs. Das 0:0 war aus Dortmunder Sicht höchst glücklich, die besseren Chancen hatten die Gäste.
Borussia tat sich schwer gegen die kompakt stehenden Braunschweiger. Das in der Regionalliga oftmals noch so flüssige Kombinationsspiel harkte, der letzte Ball erreichte häufig nicht den Mitspieler. Verantwortlich dafür war nicht nur der bessere Gegner, sondern auch die Tatsache, dass beim BVB die Vorbereitung höchst unzureichend war, weil einige Spieler bei der 1. Mannschaft trainierten und die A-Junioren erst spät zum Team stießen.
Da die Eintracht offensiv auch nicht viel auf die Reihe brachte, entwickelte sich eine langweilige Partie. Für Stimmung sorgte nur der BVB-Fanblock, an den Dauergesang muss sich der etwas ältere Beobachter allerdings erst gewöhnen.
In Abschnitt 2 ein ähnliches Bild – Dortmund fand nicht in die Partie und hatte Glück, dass die Eintracht ihre Torchancen kläglich vergab bzw. BVB-Schlusssmann Marcel Höttecke prächtig reagierte. Schwung brachte beim BVB erst kurz vor Schluss die Einwechslung von Daniel Ginczek, doch die BVB-Youngster vertändelten ihre Möglichkeiten.
Fazit: Ein Spiel für den Taktikfreund, der etwas lernen will über mustergültiges Verschieben und kompakt stehende Mannschaften. Für den Rest war es weniger aufregend, die Eintracht wird sich ärgern, dass sie zwei Punkte verschenkte.



Dienstag, 28. Juli 2009
Panama-Hüte vor malerischer Kulisse


Der Auftakt gab schon einen Vorgeschmack, was uns die nächsten fünf Tage erwartet: Drumfire, 90:10-Schuss aus dem großen Stall von Mark Johnston, gewann die „Paul goes the Extra Mile Stakes“ – ein „Heritage Handicap“ über 1986 Meter, dotiert mit 50 000 Pfund. „Glorious Goodwood“ hat begonnen und das war ein typisches Handicap für das Festival: Viele chancenreiche Starter, unglaublich schwer zu entziffern. Und es gab die üblichen „Hard-Luck-Stories“ im Rennverlauf. Ich kenne keine Bahn, auf der es so oft zu Behinderungen kommt, auf der so häufig die „Bude dicht“ ist und das Pferd neu aufgenommen werden muss.
Bis einschließlich Samstag laufen die schnellen Vollblüter noch bei „Glorious Goodwod“, einem der Höhepunkte im britischen Sportkalender. Was auch an der idyllischen Umgebung liegt: Die Rennbahn im Süden England gilt bei vielen als die schönste im Land. Der Film auf der Homepage der Bahn untermauert dies eindrucksvoll. Voraussetzung: Das Wetter im britischen Sommer spielt mit.
Selbst nüchterne Zeitgenossen wie Paul Ostermeyer alias „The Beast“ lässt die malerische Kulisse poetisch werden. „Es ist eine fantastische natürliche Kulisse mit großartigen Blicken auf die Sussex Downs auf der einen Seite und Chichester und das Meer auf der anderen Seite“, schreibt der Experte für englische Rennbahnen. „Wenn Rennkurse menschlich wären, wäre Goodwood die perfekte Frau: Attraktiv, verführerisch, klassisch und mit vielen Kurven.“
Weil Sommer ist, ist in der Richmond Enclosure, „der besten Tribüne auf englischen Rennplätzen“ (Ostermeyer), der Dresscode nicht ganz so streng wie beispielsweise während Royal Ascot: Polo-Hemden unter dem Jacket sind ausdrücklich erlaubt, gerne getragen wird zudem der „Goodwood Panama Hut“.
Das sportliche Programm kommt nicht ganz an Royal Ascot heraus, ist aber immer noch außergewöhnlich gut. Sportliche Höhepunkte sind die BGC Sussex Stakes (Gr. 1) über die Meile am Mittwoch und die Blue Square Nassaus Stakes (Gr.1) für Stuten über die verlängerte Meile am Samstag. Außerdem stehen jeden Tag mehrere Rennen der Kategorien Gruppe 2 und Gruppe 3 auf dem Programm. Wett-Highlights sind die großen Heritage Handicaps wie die Totesport Mile am Freitag oder der Showdown der Sprinter, der Blue Square Stewards Cup, über 1200 Meter am Samstag.
Goodwood war in der Vergangenheit die Bahn, auf der ich mit die schlechteste Trefferquote auf der Insel hatte. Das hat sich glücklicherweise etwas geändert, dennoch war der Kurs früher ein Ort permanenter Demütigung. Jahrelang hatte ich dort ein Dauerabo auf Platz 2, wurde bevorzugt auf der Linie noch abgefangen. Oder der Rennverlauf war so schlecht, dass mein Tipp zu spät angebraust kam und am Ende mit einem kurzen Kopf geschlagen wurde. Dann war da noch der Stewards Cup 2007, als die Stewards im Zielfoto für Zidane und gegen meinen Tipp Borderlescott entschieden. Ich sehe das heute noch anders…
P.S: Die ersten drei Rennen waren mal wieder ernüchternd: Das Gamble auf Tactic aus dem Stall von John Dunlop zahlte sich nicht aus, der Hengst wurde Vierter in den Betfair Gordon Stakes. J J The Jet Plane, Südafrikas Sprinterstar, schlug im Betfair Cup nur ein Pferd, immerhin den Favoriten Main Aim. Es gewann Finjaan vor den Außenseitern Baltazaar’s Gift und Regal Parade. Ich leiste Abbitte, denn was habe ich vor der Saison über die englischen Sprinter gelästert.
Noch ein Nachtrag: Überhaupt nicht vom Ende weg kam Waldvogel, einst trainiert von Andreas Wöhler und jetzt in der Obhut des englischen Trainers Luca Cumani, in den Deltica Summer Stakes über lange 2800 Meter. Morgens bei Betfair wurde das Pferd durchaus gehandelt, mit der Handicap-Marke wird der 5jährige Wallach es aber schwer haben.



Dienstag, 28. Juli 2009
Der Galopper der Woche: Le Big
Dortmunder Siege in München sind etwas Besonderes. Weil sie so selten sind: Im Fußball hat das Borussia bei Bayern schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschafft, nur bei den kleineren Löwen gab es einige Erfolge, als diese noch in der Bundesliga kickten. Im Galopprennsport sind sie ebenfalls nicht alltäglich, zumal selten einmal Dortmunder Pferde den weiten Weg nach Riem wagen. Die Reise lohnt sich höchstens für Gruppe- oder Listenrennen – und dafür fehlt es den meisten in Wambel trainierten Vollblütern einfach an Klasse.
Das gilt nicht für Le Big, der am Sonntag in der Dallmayr Prodomo Trophy, einem Listenrennen über 1400 Meter, gegen Black out und Shinkos Best siegte. Der 5jährige Wallach dürfte das derzeit beste Pferd aus der Wambeler Trainingszentrale sein. Schon sein Erfolg Anfang Juni in Düsseldorf beeindruckte, als er ein formstarkes Feld im Ausgleich 1 mühelos distanzierte.
Der Triumph im Münchener Listenrennen krönte eine unvergessene Woche für seinen Betreuer Uwe Stoltefuß. Letzte Woche hatte er in Bad Harzburg seinen 2 000 Trainersieg geschafft – und damit ist der mehrfache Champion der derzeit erfolgreichste aktive Trainer in Deutschland. Wie viele seiner Kollegen in Deutschland hat auch Stoltefuß bessere Zeiten hinten sich, die Krise im deutschen Galopprennsport trifft gerade Trainer wie ihn, die nicht eines der großen Gestüte im Rücken haben.
Besitzer von Le Big ist das Gestüt Wittekindshof von Hans-Hugo Miebach, gleichzeitig auch Präsident des Dortmunder Rennvereins. Seine Pferde waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich, doch dieser Erfolg ging so ziemlich an den Dortmunder Trainern vorbei. Trainiert wurden die Pferde meist in Köln.
Und auch der Big Shuffle-Sohn stand zuerst bei Andreas Trybuhl auf dem Weidenpescher Hippodrom, debütierte zweijährig als Vierter hinter Pferden wie Persian Storm, Molly Max sowie Conillon und siegte danach in Mülheim. 2007 musste er verletzt pausieren und kam zu Uwe Stoltefuß nach Dortmund ins Training.
Mit Erfolg: 2008 gewann der Wallach bei 12 Starts zweimal und war sieben Mal platziert. In diesem Jahr dürfte er sich weiter verbessert haben. Geduld im Galopprennsport zahlt sich eben doch meist aus.