Hammerwerfen statt Derby Live
Auftakt geglückt: Finanziell waren die ersten zwei Renntage der Hamburger Derby-Woche, die am Samstag startete, durchaus
erfolgreich. Es gab ein Umsatzplus im Vergleich zum (allerdings katastrophalen) Vorjahr, „Super-Umsatz“ (
GaloppOnline) ist aber doch etwas übertrieben.
Sportlich standen zwei sehr gut besetzte Grupperennen im Mittelpunkt. Besonders der Hansa-Preis, in dem in manchen Jahren oftmals nur sehr kleine Felder an den Start kamen, entpuppte sich mit Pferden wie
Kamsin, Getaway, Ambassador, Adelar oder
Poseidon Adventure als richtiges Wettrennen. Am Ende hatte der Top-Steher
Flamingo Fantasy die Nase vorn. Samstäglicher Höhepunkt war die Dreierserie von Trainer Werner Baltromei, der zudem mit
Earl of Fire das Hauptereignis, das Franz-Günther von Gärtner-Gedächtnisrennen, entschied.
Doch bei allem Top-Sport: Leider war von der Derby-Woche kein einziges Bild auf irgendeinem der zahlreichen Fernsehsender dieser Republik zu sehen – ob privat oder öffentlich-rechtlich. Galopprennen wandeln sich von einer Randsportart zu einer Sportart, die im TV gar nicht mehr stattfindet.
Selbst für das „Rennen der Rennen“, das 140. Deutsche Derby, sieht es in diesem Jahr wegen einer Live-Übertragung – wie schon in den vergangenen Jahren – mal wieder schlecht aus.
Das Problem sei, so Eugen-Andreas Wahler, Vorsitzender des Hamburger Renn-Clubs im
Gespräch mit
GaloppOnline, dass am Derbytag das ZDF den ganzen Tag über Sport übertrage. Für die Sport-Redaktion des Zweiten Deutschen Fernsehens sind Galopprennen leider ein großes weißes Feld. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren dort mal irgendein Pferderennen lief. Da helfen auch keine bitterbösen Briefe, Faxe oder Mails – das ZDF zeigt sich in Sachen Galopprennen ziemlich dickfellig. So berichten die Mainzer am Sonntag von den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten und der 2. Etappe der Tour de France. Ab 18 Uhr sind dann doch Pferde im Programm – allerdings Springreiten, irgendein ein großer Preis beim CHIO in Aachen. Bei diesen drei Sportarten kann das ZDF zumindest seine Doping-Kompetenz beweisen.
Überhaupt blickt der Galoppfreund neidisch auf die Spring- und Dressurreiter. Denn das fast zeitgleich stattfindende CHIO in Aachen, das Weltfest des Pferdesports, ist im WDR-Fernsehen wie immer groß präsent. Es begann heute (Dienstag) mit der Eröffnungsfeier – es folgen ausführliche Sendungen am Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag. Der WDR ist über Satellit oder Kabel in ganz Deutschland empfangbar.
Nicht nur gut besucht, sondern auch im TV mehr als präsent: das CHIO in Aachen. Foto: ALRV
Immerhin, so Wahler, hätten einige ARD-Redakteure signalisiert, dass sie sich auf der Redaktionskonferenz für eine Live-Übertragung am Nachmittag einsetzen wollen. Und zumindest am Abend gibt es beim NDR um 23 Uhr wieder die Rivalen der Rennbahn – eine halbstündige Zusammenfassung vom Derby, die in den letzten Jahren eigentlich immer relativ gut war.
Auch der WDR hat am nächsten Sonntag ein Herz für Vollblutfans. Um 13 Uhr läuft dort ein Portrait über Albert Darboven unter dem Titel „Ein Leben für Kaffee+Pferde“. Nur dumm, dass Herr Darboven an diesem Sonntag auf der Rennbahn in Hamburg-Horn ist und die Sendung nicht sehen kann.
uknig22 am 01. Juli 09
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Am Ende gewinnen immer die Deutschen
Es ist schon erstaunlich: Jahrelang haben die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften nie etwas gerissen und jetzt kommen die Titel im Dreierpack: Nach der U 17 und U 19 wurde jetzt auch die U 21 Europameister. Das Team von Trainer Hrubesch gewann den Titel in Schweden durch ein famoses 4:0 gegen den alten Rivalen aus England.
Gründe für diesen Wandel? Für das Fachblatt
kicker und Schlussmann Manuel Neuer steht ein Namen für den Aufschwung: Sportdirektor Matthias Sammer. „Der Sportdirektor hat gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw die personellen und strukturellen Bedingungen reformiert, weiter professionalisiert und extrem an Leistung und Erfolg orientiert. Die Resultate sprechen für sich“, mutmaßt das Zentralorgan des deutschen Fußballs.
Zumindest hat Sammer personell durchgegriffen und den zu diesem Zeitpunkt verantwortlichen Trainer Dieter Eilts nach der sehr glücklichen Qualifikation gegen spielerisch überlegene Franzosen in die Wüste geschickt. Es kam als Interimslösung Horst Hrubesch, Europameister mit der U 19 und als aktiver Spieler das personifizierte Kopfball-Ungeheuer. Als Vereinstrainer war der Westfale allerdings weniger erfolgreich.
Hrubesch haben viele unterschätzt. Als Trainer ist er ein gewiefter Taktiker, der genau weiß, wann er seine Mannschaft loben und tadeln muss. Denn das Auftreten der U21-Kicker glich einer Achterbahnfahrt: Einer sehr guten zweiten Halbzeit gegen Spanien, die aber vom Ergebnis (0:0) nicht belohnt wurde, folgten ein glückliches 2:0 gegen Finnland und ein schmeichelhaftes 1:1 gegen Englands B-Mannschaft.
Doch nach diesem Katastrophenkick stand die Mannschaft wieder auf: Gegen die spielerisch überlegenen Italiener hatte die Mannschaft etwas Glück und einen herausragenden Manuel Neuer im Tor, verdiente sich aber den 1:0-Erfolg in der zweiten Halbzeit durch eine abgebrühte Leistung, die den starken Nachwuchs aus der Serie A zur Verzweiflung brachte.
Im Finale gegen die Premier League-Starlets aus England lieferte der deutsche Nachwuchs dann ein taktisches und spielerisches Meisterwerk ab. Beim famosen 4:0 hatte England nur zu Beginn den Hauch einer Chance, verzweifelte an der kompakt stehenden deutschen Mannschaft und fand kein Rezept gegen den immer wieder klug kombinierenden DFB-Nachwuchs. „Am Ende gewinnen immer die Deutschen“: Gary Lineker hatte doch recht. Und nicht nur der Verantwortliche im 11 Freunde-Liveticker (
hier und
hier) feierte Mats Hummels, der nach halbjähriger Pause ein großartiges Comeback feierte und neben Mesut Özil aus einer starken deutschen Elf noch herausragte.
uknig22 am 30. Juni 09
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Der Galopper der Woche: Fame and Glory
Natürlich stellt sich die Frage, was wäre wenn gewesen – wenn
Sea The Stars gelaufen wäre? Doch Trainer John Oxx meldete den Hengst wegen des nicht passenden weichen Bodens ab, der Traum vom Triple Englische 2000 Guineas, Englisches Derby und Irisches Derby platzte damit.
So war der Weg frei für den 17:10-Favoriten
Fame and Glory, der in Epsom noch Zweiter hinter Sea The Stars war. Der Hengst gewann das
irische Derby auf der Curragh leicht vor seinem Stallgefährten
Golden Sword. Dritter wurde
Mourayan, wiederum ein Stallgefährte von Sea The Stars.
Und natürlich kommt das siegreiche Pferd aus dem Ballydoyle/Coolmore-Imperium: Für seinen Trainer Aidan O’Brien war es bereits der siebte Erfolg im wichtigsten Klassiker der grünen Insel und zugleich der Vierte in Serie, Jockey Johnny Murtagh feierte seinen dritten Sieg.
Diesmal bekam der große Steher Fame and Glory im Gegensatz zu Epsom das passende schnelle Rennen. Sein Stallgefährte
Rockhampton setzte vorne einen flotten Takt und als es dann ernst wurde, stand der Sieger schnell fest. Am Ende waren es fünf Längen Vorsprung vor Golden Sword.
Spätestens Ende 2008 war deutlich, dass Fame and Glory ein Derbykandidat und in der Ballydoyle-Rangordnung ziemlich oben war. Nach erfolgreichem Debüt in Navan gewann er zweijährig im November 2008 das Criterium de Saint Cloud auf schweren Boden über weite 2000 Meter. 2009 siegte der Montjeu-Sohn in den Ballysax-Stakes (Gr.3) und im Derrinstown Stud Derby Trial Stakes in Leopardstown – jedes Mal war im übrigen Mourayan hinter ihm. Die einzige Niederlage kassierte der O’Brien-Schützling gegen Sea The Stars im englischen Derby. Und wie beim englischen Derbysieger ist auch bei Fame and Glory die deutsche Vollblutzucht nicht ganz unbeteiligt, denn die Mutter
Gryada ist eine Tochter der deutschen Stute
Grimpola, die von
Windwurf stammt.
uknig22 am 29. Juni 09
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Der Messias und erste Grausamkeiten
Der verlorene Sohn ist wieder da. Nationalspieler Lukas Podolski kehrte nach drei eher unglücklichen Jahren bei Bayern München zum 1.FC Köln zurück und
20 000 Besucher feierten ihren neuen Helden zum Trainingsauftakt frenetisch. „Hä es widder do“ hatte der Express, das Organ der rheinischen Fußballbefindlichkeit, bereits am Mittwoch getitelt und zur Feier des Tages eine 22seitige
Sonderbeilage produziert. Und was sagte der Angebetene auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz? Er brauche einen Trainer, der mit mir spricht, aber nicht jeden Tag, dämpfte etwas den rheinischen Optimismus („…man darf nicht erwarten, dass wir in zwei Jahren in der Champions League spielen und Meister werden) und bedankte sich bei Bayern-Manager Uli Hoeneß. Podolski: „In ihm habe ich einen Freund gefunden, der mir in schweren Zeiten zur Seite stand.“ Dann hoffen wir doch einfach mal, dass FC-Manager Michael Meier ähnliche Größe zeigt.
Der Westfale an sich neigt da eher zur Bodenhaftung. So kamen auch „nur“
4 000 Besucher zum ersten Training von Felix Magath beim FC Schalke 04. Das Schaulaufen fand allerdings nicht in der Arena statt, sondern auf dem Schalker Trainingsgelände – und das war nach den Bildern des
ARD-Morgenmagazins rappelvoll. Auf den Fotos praktizierten die Spieler fleißig Liegestütze, die Medizinbälle blieben aber erst mal noch im Schrank und werden erst beim Zirkeltraining in der nächsten Woche benötigt.
Allerdings kündigte „Quälix“ schon mal bauliche Veränderungen an, weil, so die
Ruhr-Nachrichten, „die weiten Wege hier nicht meinen Vorstellungen entsprechen“. Die Hügel, sie werden kommen.
Die ersten Gräuel seiner Amtszeit gab es auch schon: Zwei Tage vor Trainingsbeginn kündigte der aktuelle Meistertrainer an, dass er ohne das bisherige Trainerteam plane. Die zuletzt erfolgreichen Interimstrainer und Co-Trainer Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck sowie Reha-Trainer Christos Papadopoulos und Ernährungsberater Christian Frank haben ihre Schuldigkeit getan und müssen gehen. „Wer ihn (Magath) installiert, muss eben Opfer bringen. Und koste es, siehe Clemens Tönnies, persönliche Glaubwürdigkeit“, kommentierte der
kicker (Ausgabe 25. Juni, S. 8). Der Aufsichtsratchef hatte Büskens, Mulder und Reck – allesamt höchst populär – eine Jobgarantie gegeben.
uknig22 am 26. Juni 09
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