Freitag, 26. Juni 2009
Suestado klar in der Favoritenrolle
17 Pferde werden wahrscheinlich am 5. Juli beim Deutschen Derby in Hamburg-Horn in die Boxen rücken. Einzige Stute im Feld wird Bolivia sein, die Besitzer Dr. Christoph Berglar für eine Gebühr von 50 000 Euro nachnannte. Noch sind nicht alle Jockey-Fragen geklärt, doch es zeichnet sich ab, dass sich wieder einige ausländische Prominenz in den Sattel schwingen wird. So wird Frankie Dettori Hansom reiten, Richard Hughes sitzt auf Egon und Daryll Holland wird Frantic Storm steuern.
Adrie de Vries, Stalljockey bei Jens Hirschberger, hat sich allerdings noch nicht entschieden. Der Holländer hat die Qual zwischen dem Favoriten Suestado und Wiener Walzer, Sieger im Union-Rennen und ebenfalls hochgehandelt.
nurpferdeundfussball hat mal recherchiert, was die Buchmacher und Online-Plattformen an Festkursen geben. Das Ergebnis zeigt erst einmal, dass Deutschland in Sachen Ante-Post-Wetten Entwicklungsland bleibt. Nur vier Firmen bieten online Festkurse auf das wichtigste Rennen im deutschen Turfkalender an, bei bekannten Online-Namen wie Jaxx und Germantote habe ich nichts gefunden. Ich weiß, dass viele Buchmacher vor Ort (wie Schickle in Dortmund) auch Festkurse anbieten – also einfach mal nachfragen.
Klarer Favorit bei allen vier Firmen ist Suestado, niedrigste Quote 24:10. Es folgen Wiener Walzer, Saphir und Oriental Lion. Teilweise gibt es richtig große Differenzen: So steht Bolivia bei Pferdewetten.de 37, bei den anderen hingegen 100, 100 und 130. Die beste Quote steht in kursiver Schrift, Stand der Recherche war der 25. Juni.

RaceBets
Bolivia 130/34, Double Handful 1500/308, Egon 300/68, Eliot 160/40, Frantic Storm 220/52, Glad Panther 280/64, Hansom 230/54, Marlow 1100/228, Ordenstreuer 240/56, Oriental Lion 90/26, Panyu 150/38, Quo Dubai 800/168, Saphir 110/30, Sordino 180/44, Suestado 35/15, Toughness Danon 250/58, Wiener Walzer 42/16

Dietz
Bolivia 100/28, Double Handful 1100/228, Egon 190/46, Eliot 190/46, Frantic Storm 230/54, Glad Panther 230/54, Hansom 230/54, Marlow 900/188, Ordenstreuer 220/52, Oriental Lion 100/28, Panyu 140/36, Quo Dubai 730/154, Saphir 100/28, Sordino 85/25, Suestado 33/15, Toughness Danon 370/82, Wiener Walzer 40/16

pferdewetten.de (nur Sieg)
Bolivia 37, Double Handful 750, Egon 245, Eliot 113, Frantic Storm 150, Glad Panther 120, Hansom 250, Marlow 750, Ordenstreuer 166, Oriental Lion 66, Panyu 67, Quo Dubai 750, Saphir 73, Sordino 150, Suestado 24, Toughness Danon 296, Wiener Walzer 42

oneXtwo (nur Sieg)
Bolivia 100, Double Handful 999, Egon 352, Eliot 130, Frantic Storm 324, Glad Panther 377, Hansom 180, Marlow 834, Ordenstreuer 250, Oriental Lion 108, Panyu 149, Quo Dubai 519, Saphir 83, Sordino 120, Suestado 28, Toughness Danon 330, Wiener Walzer 52



Mittwoch, 24. Juni 2009
Die „Brasilianer“ aus dem Schurkenstaat
Hong Yong Jo, Ri Jun Il oder Ri Myong Guk – Namen, die in Europa kaum einer kennt. Vielleicht aber nach der Fußball-WM 2010 in Südafrika: Denn die drei Akteure spielen für Nordkorea, das sich jetzt zum zweiten Mal in seiner Geschichte durch ein 0:0 gegen Saudi-Arabien in Riad für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Schützenhilfe leistete ausgerechnet der feindliche Bruder aus Südkorea durch ein 1:1 gegen den Iran.
Aus dem abgeschotteten Reich des Diktators Kim Jong Il dringen ansonsten nur Horrornachrichten über Hungersnöte und Atomtests – wenn überhaupt – an die Öffentlichkeit. Zuletzt schickte das Regime zwei US-Journalistinnen in die gefürchteten Arbeitslager.
Nur im Fußball scheint sich das Land vorsichtig zu öffnen. Im Mai gastierte die nordkoreanische Nationalelf erstmals seit der WM 1966 in Europa und traf in der Schweiz auf den Zweitligisten Concordia Basel. Die Transferrechte an den Spielern der nordkoreanischen Nationalmannschaft und Olympiaauswahl besitzt die Firma Friends of Korea, zu deren Inhabern unter anderem Concordias Präsident Stephan Glaser und der frühere Schweizer Erstligaspieler Kurt Messerli gehören. „Sie gelten als die Brasilianer Asiens“, sagt Messerli. Zwei Nordkoreaner kickten bereits in der letzten Saison bei Concordia.
Mitte Mai trainierten zwei 15jährige Nordkoreanerinnen, die im November 2008 mit der U17-Auswahl Junioren-Weltmeister wurden, beim deutschen Frauenfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam.
Das Regime in Pjöngjang habe eine Art Fußball-Armee aufgestellt, die die Fußball-Welt erobern soll, sagt der ARD-Korrespondent Peter Kujath vorsichtig und nennt als Quelle eine kleine Wissenschaftsgemeinde, die sich mit allen Nachrichten aus Nordkorea intensiv beschäftigt. Denn auch Kujath selbst ist natürlich nicht vor Ort. Danach sollen die Frauen, die seit Jahren zur erweiterten Weltspitze gehören, bei der WM 2011 in Deutschland den Titel holen, die Männer sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren.
Die Männer haben ihren Auftrag erfüllt. Erstaunlicherweise setzt das erfolgreiche Team auch auf Legionäre: Hong Yong Jo spielt in Russland beim Aufsteiger FK Rostov, Jong Tae Se kickt in Japan und An Yong Hak ist sogar in Südkorea unter Vertrag.
Für manche Experten war die Qualifikation des Teams von Trainer Kim Jong Hun dennoch eine Überraschung. „Keine Infrastruktur, einfach nichts, zero. Einige Fußballspieler hatten keine Fußballschuhe und spielten in Mokassins“, berichtete der Schweizer Trainer (und ehemalige BVB-Spieler) André Egli, der 2008 zwei Monate als Ausbilder in Nordkorea tätig war.
Beim einzigen Auftritt auf der Weltbühne des Fußballs sorgte das Land für viel Aufsehen: Bei der WM 1966 in England schlugen die Asiaten sensationell Italien mit 1:0 in der Vorrunde und scheiterten erst im Viertelfinale mit 3:5 (nach einer 3:0-Führung) an Portugal. Vier Mal traf damals der große Eusebio.



Dienstag, 23. Juni 2009
Zaungast wird zum Stargast

Nach dem zweiten Rennen: Hinten der Sieger Snooker, vorne der Viertplacierte Tamburini

Nach der Royal Ascot-Extravaganza war wieder Alltag angesagt: Mit dem Glamour und Spektakel des königlichen Rennfestivals kann die Veranstaltung im bodenständigen Westfalen natürlich nicht mithalten, aber immerhin gab es mit dem Großen Preis der Wirtschaft ein Gruppe III-Rennen und damit ein Highlight der Dortmunder Grasbahnsaison.
Schon seit Ewigkeiten kooperiert der Dortmunder Rennverein an diesem Renntag mit der Dortmunder Wirtschaft und der IHK; das heißt: die „wichtigen“ Personen aus Dortmund und Umgebung sind an diesem Tag präsent und wandeln mit buntem Bändchen, die den VIP-Status dokumentieren, über die Bahn.
Leider veranstaltet der Dortmunder Rennverein inzwischen nur noch zwei weitere Renntage auf Gras – Himmelfahrt mit dem Großen Preis der Stadtsparkasse und Anfang Oktober, wenn das klassische Deutsche St. Leger auf dem Programm steht. Das ist schade, denn ein Rennbahnbesuch ist natürlich im Sommer bei erträglichen Temperaturen viel angenehmer als im Winter bei Minusgraden.
Das erste Rennen des Tages verpasste ich allerdings. Es gab den erwarteten Doppelsieg des Gestütes Wittekindshof, das dem Dortmunder Rennvereins-Präsidenten Hans-Hugo Miebach gehört. Als ich dann endlich auf der Bahn ankomme, ist diese schon sehr gut besucht, obwohl die Wetterprognosen eher durchwachsen waren. Im Führring können die Besucher die Eventualquoten jetzt von zwei nagelneuen Flachbildschirmen ablesen, ein noch größeres Lob verdient der Rennverein jedoch für die exzellente Leinwand, die er wieder in Zielnähe aufgestellt hatte.
Das kompensiert wiederum etwas meinen Ärger, weil ich auf meinem Stammplatz – die Stufen der mittlere Treppe zur zweiten Tribüne, dort hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Bahn und ist fast auf Höhe des Zielpfostens – nicht stehen darf, weil dort beim letzten Renntag eine ältere Dame die Treppe heruntergestolpert sei und diese sich beim Rennverein beschwert habe. Seit 13 Jahren stehe ich dort - passiert ist noch nie etwas.


Hutfrei: die Wambeler Rennbahn

Im zweiten Rennen treffe ich den Sieger Snooker und ärgere mich (aber nur leicht) darüber, dass ich den zweiten Big Snow nicht mit in den Einlauf gepackt habe. Denn dieser machte im Führring von allen Pferden den besten Eindruck und wird von Ralf Suerland, dessen Vollblüter ich früher immer gerne gespielt habe, trainiert. Die Quote von 395:10 und ein schwaches Lebensdebüt sprachen gegen die Wette.

Leerer Favoritentank
Nach dem dritten Rennen ertönte die Sirene der Rennleitung, die den eigentlichen Sieger Forvic später auf Rang 2 setzt, weil dieser die Favoriten Kamikola behinderte. Die Entscheidung geht in Ordnung, ich wundere mich nur, wie unterschiedlich doch die Regeln im restlichen Europa sind. In England hätte Kamikola das Rennen nie am grünen Tisch gewonnen; Forvics Reiter wäre aber wahrscheinlich gesperrt worden.
Im vierten Rennen, einem Ausgleich III, wettete Turfdeutschland den Wittekindshofer Next Style, trainiert von Lokalmatador Uwe Stoltefuß, auf 19:10 herunter. Der Bruder des Derbysiegers Next Desert war lange verletzt, lief dann nicht schlecht in einigen Altersgewichtsrennen, ohne jedoch zu gewinnen. Dennoch sahen ihn viele gut im Handicap untergekommen – dazu noch der Championjockey Andrasch Starke im Sattel, was sollte da noch schief gehen? Einiges, wie das Rennen zeigte – Starke ritt Desert Style sehr aggressiv von der Spitze aus und Mitte der Geraden war der Tank leer, die Gegner zogen mühelos vorbei. Nunzio siegte, klug aus der Reserve geritten, vor Warstein und Indian Sun.
Spannend war es auch in der Wettchance, in der mein Tipp Wildling mit einem Kopf vorne war, und so manches Ascot-Pech etwas kompensierte. Den zweiten Sieg für das Gestüt Wittekindshof holte dann überlegen die 15:10 Favoritin Nina Celebre, als Tochter der Next Gina ziemlich blaublütig gezogen.

Dreijährige chancenlos
„Die 2000er Asse kommen“, hatte das Fachblatt Sport-Welt vor dem Preis der Wirtschaft getitelt. In der Tat – es gab schon Jahre, da war das Rennen viel schlechter besetzt. Der Gruppe I-Sieger Prince Flori, der noch ungeschlagene und wenig geprüfte Obelisk, der Dubai-Erfahrene Duellant, der letztjährige Seriensieger Zaungast und die dreijährige Stute Soberania mit entsprechenden Gewichtsvorteilen waren die Favoriten im 9er Feld (Stella di Quattro war Nichtstarterin).
Am Ende durften die Wambeler Besucher mal wieder einen typischen Terry Hellier-Ritt bewundern, der aus hinteren Regionen an allen vorbeilief und im Ziel eineinviertel Längen Vorsprung vor Prince Flori hatte. Einlauf getroffen! Dritter wurde Il Divo, Vierter der ewig unterschätzte Lord Hill. Die Enttäuschungen hießen Soberania, Duellant und Obelix. Im Absattelring dikutierten Duellants Besitzerin Margot Herbert, Trainer Peter Schiergen und Jockey Andrasch Starke ziemlich intensiv, aus ihren Gesichtern war die Enttäuschung abzulesen.
Ganz anders natürlich die Stimmung im Lager von Zaungast, auch wenn Trainer Waldemar Hickst in Bremen weilte und Besitzer Jochen Ehrhardt auf dem Weg von Stuttgart nach Dortmund im Stau stecken bleib. Zufrieden waren auch die Verantwortlichen von Prince Flori, den Trainer Sascha Smrczek wieder eigenhändig in die Startbox führte.
Hans-Hugo Miebach und das Gestüt Wittekindshof legten zu den zwei Dortmunder Siegen noch einen drauf: Die Stute Serienhoehe schlug die Hengste im Bremer Derby-Trial, ein Listenrennen und das Hauptereignis dort auf der Karte.