Freitag, 15. Mai 2009
Die gute Nachricht: Die Pferde laufen in Iffezheim
Anfang April sorgte eine Pressemitteilung des Internationalen Clubs Baden-Baden für Aufsehen. In dieser verkündete der Club, Veranstalter der Galopprennen in Iffezheim, dass er einen Insolvenzantrag gestellt habe. Eine Nachricht allerdings, die auch Nicht-Insider wenig überraschte. Hatte der Internationale Club doch schon im Herbst 2008 eine Pressemitteilung in die Öffentlichkeit gebracht, in der er in reichlich blumigen Worten seine schlechte finanzielle Lage beklagte. So ein Tribünenneubau verschlingt eben viel Geld und wenn dann die Wetteinnahmen von Jahr zu Jahr immer weniger werden, dann hat das irgendwann finanzielle Konsequenzen.
Das Frühjahrs-Meeting vom 16. bis 24. Mai auf der Galopprennbahn in Iffezheim findet aber statt. Und das ist die gute Nachricht: Weil die Meetings Prestige-Termine im deutschen Turf sind. Eine Absage hätte eine fatale Wirkung in der Öffentlichkeit gehabt – auch wenn dann die Medien nach dem Motto „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ vielleicht mal entdeckt hätten, dass es den Sport Galopprennen überhaupt noch gibt.
Somit können nicht nur Hotellerie und Gastronomie der Region aufatmen. Und damit viele Besucher auf die Rennbahn kommen, lockt der Veranstalter mit zahlreichen günstigen Aktionen.
Im Mittelpunkt am Samstag stehen das 43. Benazet-Rennen (Gruppe III) über 1200 m für die schnelle Brigade und die Frage, wie sich der noch ungeschlagene Dreijährige Smooth Operator gegen die älteren Spezialisten schlägt. Endlich steht zudem mal wieder ein Handicap der besseren Kategorie auf der Karte, das ein richtiges Wettrennen verspricht.


Foto: Internationaler Club

Ansonsten finde ich das Programm am Samstag nicht besonders aufregend: Drei Ausgleich-Rennen IV, die nur schwer zu entschlüsseln sind und wo meistens eh’ irgendein ein großer Außenseiter die Wette kaputt macht, sind nicht meine Welt.
Am Sonntag heißt es in der BHF-Bank-Meile, der ehemaligen Badener Meile (Gr.III), „Alle gegen Liang Kay“ und wird im Lanson-Cup der Nachfolger von Overdose gesucht. Über einen Mangel an Startern können sich die Veranstalter nicht beklagen: Besonders am Sonntag sind alle Rennen quantitativ gut besetzt.
Eigentlich eine Voraussetzung für gute Umsatzzahlen? Auf der Bahn mit Sicherheit ja, bei den Außenwetten bleiben allerdings reichlich Fragezeichen. Gerade mal knapp 20 000 Euro, schreibt Daniel Delius im Editorial für den Newsletter Turf-Times, kam an Außenwetten zum Mehl-Mülhens-Rennen. Von den Buchmachern, von den Internetplattformen, von den Annahmestellen der Rennvereine – irgendetwas könne da doch nicht stimmen.
Dabei machen sich die Rennvereine das Leben aber auch gegenseitig schwer. Warum veranstaltet Baden-Baden seit einiger Zeit am Feiertag (Donnerstag), der früher immer rennfrei war, und tritt damit in direkte Konkurrenz zu Magdeburg und Dortmund? In Dortmund wird die Rennbahn beim Sparkassen-Renntag proppenvoll sein, steht immerhin eine durchaus sportlich wertvolle Derby-Vorprüfung auf dem Programm. Warum geht Baden-Baden nicht wie früher auf den Freitag? Dagegen hätte wenig gesprochen: Der Tag ist ein Brückentag, an dem viele nicht arbeiten müssen, und BB wäre Alleinveranstalter. So viel zum Thema Solidarität unter den Rennvereinen.



Mittwoch, 13. Mai 2009
Der Titelkampf: Wolfsburg hätte es verdient
Irgendwie ein ganz neues Gefühl, mal wieder ein Spiel zu verlieren. Gestern riss die Siegesserie von Borussia Dortmund in der Bundesliga, beim Spitzenreiter VfL Wolfsburg kassierte Schwarz-Gelb eine 0:3-Niederlage. Eine Halbzeit spielte der BVB gut mit, hatte seine Chancen, doch spätestens nach dem 2:0 durch Grafite nach 47 Minuten war das Spiel gelaufen. Dzeko, kongenialer Sturmpartner des Brasilianers, traf noch zweimal. Die beste Offensive der Liga stoppte den Dortmunder Vormarsch.
Felix Magath hat schon eine gute Mannschaft „zusammengecastet“ (Kicker), die den Meistertitel verdient hätte. Natürlich ist der VfL ein Plastikverein, der jetzt gerade mal im absoluten Erfolgsfall sein 30.000-Zuschauer-Stadion voll bekommt. Aber was soll es? Wenn es nach Tradition geht, müssten beispielsweise Dresden (3. Liga), Braunschweig (3. Liga) oder RW Essen (4. Liga) in der Bundesliga spielen. Sie sind aber nicht dabei – aus vielerlei Gründen, aber ihr Abstieg hat immer etwas mit völlig unfähigen Vereinsführungen zu tun.
Und Bayern? Da „juppt“ es ja wieder dank Jupp Heynckes – typischer Wort-Schwachsinn irgendwelcher durchgeknallter Boulevardjournalisten. Gestern hatten sie erstmal Glück, dass Schiedsrichter Kinhöfer aus Herne zwei glasklare Elfmeter für Leverkusen nicht gab. Danach trafen dann Toni, Ribery und Podolski, über den man sich im Manchester United-Forum ziemlich lustig macht. Falls der FC Bayern München Meister wird, versammeln sich die üblichen 5 000 Verdächtigen auf dem Münchener Marienplatz, der BR sendet live und bricht die Sendung nicht wegen eines Tierfilms ab und im DSF-Doppelpass verkündet Udo Lattek, das er es schon immer gewusst hat. Ihre eigentlichen Erwartungen aber - und das wissen die Bayern-Verantwortlichen und darum durfte auch Klinsmann gehen – hat die Mannschaft nicht erfüllt. Denn Ribery und Toni wurden vor knapp zwei Jahren verpflichtet, damit die Münchener auf Augenhöhe mit den Top-Clubs der Champions League sind. Das sind sie nicht, wie das Desaster von Barcelona eindrucksvoll zeigte.
Respekt natürlich für Hertha BSC Berlin, wo Trainer Lucien Favre aus einer Durchschnittsmannschaft das Optimum herausgeholt hat. Aber mit diesem Minimalistenfußball zum Titel – das muss wirklich nicht sein.
Dann doch lieber der VfB Stuttgart. Der Ex-Bayer Markus Babbel hat den Schwaben offensichtlich das berühmte Bayern-Sieger-Gen eingepflanzt. Wenn die Stuttgarter heute in Schalke gewinnen, traue ich ihnen alles zu. Dann kommt es am letzten Spieltag zum Showdown in München – und da macht der VfB dann sein Meisterstück.



Dienstag, 12. Mai 2009
Bühne frei für den künftigen englischen Derbysieger?
Früher fanden auf dem Knavesmire am Rande der nordenglischen Stadt York die Hinrichtungen statt. Unter anderem wurde dort der berühmte Räuber Dirk Turpin gehenkt. Heute wird das Gelände erheblich sinnvoller genutzt: Vom 13. bis 15. Mai laufen die schnellen Vollblüter auf einem der renommiertesten Rennkurse des Vereinigten Königreichs beim May Dante Festival. Höhepunkt sind die Dante Stakes (Gr.2) für dreijährige Hengste, die wichtigste Vorprüfung zum englischen Derby Anfang Juni in Epsom.
Seit 1994 war fünf Mal der Sieger in York auch der Gewinner auf den Epsom Downs: Erhaab (1994), Benny The Dip (1997), North Light (2004),Motivator (2005) und Authorized (2007) schafften das Double. Tartan Bearer, der 2008-Triumphator, scheiterte im vergangenen Jahr nur denkbar knapp.
Favorit der Ausgabe 2009 dürfte Crowded House (Trainer Brian Meehan/Jockey Jamie Spencer) werden, im letzten Jahr Sieger in der Racing Post Trophy (Gr.I). Seine Gegner sind unter anderem Redwood (Barry Hills/Michael Hills) und Nehaam (John Gosden/Richard Hills). Und auch die Großmächte Ballydoyle und Godolphin kreuzen die Klingen: Die Iren setzen auf Freemantle (Johnny Murtargh) sowie den Außenseiter und wahrscheinlichen Pacemaker Black Bear Island (Colm O'Donoghue). Die Königsblauen schicken Kite Wood (Frankie Dettori) ins Rennen, im letzten Jahr noch trainiert von Michael Jarvis und Sieger in einem Gruppe 3-Rennen in Ascot.
Weitere Highlights der drei Tage sind die Musidora Stakes für dreijährige Stuten (Gr.3), die Duke of York Stakes (Gr.2) für die schnelle Fraktion über 1200 Meter, die Middleton Stakes (Gr.3) für ältere Stuten sowie der Yorkshire Cup für die Steher (Gr.2) am Freitag. Dazu kommen einige nur sehr schwer entschlüsselbare Handicaps. Die wichtigsten Rennen des Dante-Meetings 2008 gibt es hier noch einmal.
Die Rennbahn in York gilt als eine der besten auf der Insel. Wahre Renninteressierte seien aber manchmal in der Minderheit, warnt Paul Ostermeyer, Verfasser eines formidablen Internet-Guides über englische Rennkurse. „Bei Festivals und an Wochenenden sind für viele Besucher die Rennen nur Nebensache. Ziel ist es, möglichst viel Alkohol in sich hineinzuschütten“, so Ostermeyer. Was auf der Insel nach meinen Erfahrungen aber mehr die Regel als die Ausnahme ist.
Im letzten Jahr erlebte die Bahn in Yorkshire ihren Super-Gau: Das Ebor-Festival, das zweite wichtige Meeting im August, fiel aus, weil nach schweren Regenfällen das Geläuf unter Wasser stand. Umfangreiche Investitionen und Arbeiten an der Bahn sollen dies zukünftig verhindern.