Eine Papierkugel spielte Schicksal. 82. Minute, HSV-Innenverteidiger Michael Gravgaard wollte den Ball zu seinem Keeper Frank Rost zurückspielen. Doch von einer auf dem Platz liegenden zusammengeknüllten Papierkugel sprang der Ball ans Bein des Dänen und von da ins Toraus. Ecke für Werder Bremen: Und die nutzten die Gäste zum 3:1 beim Hamburger SV – ausgerechnet Kapitän Frank Baumann, ein eher seltener Torschütze, traf zur Vorentscheidung. Der HSV konnte im Halbfinale des UEFA-Cups nur noch durch Olic auf 2:3 verkürzen und war trotz des 1:0-Auswärtserfolges in Bremen aufgrund der weniger geschossenen Auswärtstore draußen. Werder hat hingegen nach dem Pokalfinale das zweite Endspiel erreicht und trifft in Istanbul auf Schachtjor Donezk aus der Ukraine.
Werder ist in diesem Jahr eine richtige Wundertüte. In der Bundesliga blieben die Hanseaten im Mittelmaß stecken. In den Pokalwettbewerben beißt die Mannschaft aber richtig, schaltete unter anderem im UEFA-Cup den AC Mailand aus.
Dabei lagen im dritten Nordderby in zwei Wochen (das vierte folgt am Sonntag in der Bundesliga) die Trümpfe eindeutig auf Seiten der Hamburger. Nach dem frühen Führungstor durch Olic führte der HSV addiert mit 2:0; Werder zeigte sich allerdings wenig geschockt. Angetrieben vom starken Duo Diego und Özil übernahmen die Gäste die Initiative und kamen durch Diego nach präzisem Anspiel von Pizarro zum Ausgleich. Das Spiel wogte hin her; Chancen gab es auf beiden Seiten. Und wieder entschieden die Torhüter: Rost sah bei Pizarros Schuss nicht gut aus, auch wenn der Ball richtig flatterte. Und dann kam eben jenes besagte Tor aus der 84. Minute…
Wermutsstropfen auf der Bremer Seite dürften aber die gelben Karten für Diego und Hugo Almeida sein, die damit im Finale fehlen werden.
Damit ist Werder Bremen die erste deutsche Mannschaft seit 2002, die das Finale eines europäischen Klubwettbewerbes erreicht. 2002 verlor der BVB gegen Feyenoord Rotterdam.
Im gleichen Jahr unterlag Bayer 04 Leverkusen äußerst unglücklich im Finale der Champions League gegen Real Madrid. Heute sind deutsche Mannschaften von den Finalspielen der europäischen Königsklasse weit entfernt – auch der FC Bayern, der gegen Barcelona im Viertelfinale schmerzhaft seine Grenzen gezeigt bekam.
Das norddeutsche Derby im UEFA-Cup bot ordentlichen Fußball, doch im Vergleich zu den Halbfinals der Champions League waren die Spiele in Tempo, Taktik und Technik eine Klasse schlechter. Der UEFA-Pokal, der im nächsten Jahr als Euro League firmiert, hat immens an Bedeutung verloren, weil sich alles auf die Meisterklasse fokussiert. Einst von Franz Beckenbauer despektierlich als „Cup der Verlierer“ tituliert, ist er jetzt wirklich einer. Oder was qualifiziert die Mannschaften, die den dritten Platz in der Gruppenphase der Champions League belegten, für den Wettbewerb? Sportlich sind sie gescheitert und ausgeschieden. Werder und Schachtjor Donezk belegten dritte Plätze in ihren Gruppen, scheiterten an Pananthinaikos Athen und Inter Mailand bzw. FC Barcelona und Sporting Lissabon.
Nachtrag: Bei Ebay tauchen inzwischen mehrere (!!!)
Papierkugeln auf, die alle die besagte aus dem Spiel sein sollen.
Was ein Drama! Mehr als 180 Minuten „quälte“ Chelsea den FC Barcelona regelrecht im Halbfinale der Champions League – sowohl beim 0:0 im Hinspiel als auch im Rückspiel an der Stamford Bridge fanden die Katalanen, am Samstag noch stolzer 6:2-Sieger gegen den Erzrivalen Real Madrid in der heimischen Liga, nie ein Mittel gegen die ausgeklügelte Defensivtaktik der Westlondoner. Und dann traf Iniesta in der 93. Minute quasi aus dem Nichts zum Ausgleich und schoss Barca dank des erzielten Auswärtstores ins Finale nach Rom.
Chelseas Coach Guus Hiddink spielte zwar offensiver als im Hinspiel, dennoch stand die Heimmannschaft erst mal hinten gewohnt sicher. Perfekte Raumaufteilung, enorme physische Präsenz – das war Gift für Barcas Kurzpassspiel. Das frühe Tor durch Essien unterstützte die Taktik der Londoner. Barcelonas gefürchtete Kurzpässe kamen nicht an, weil Chelsea die Räume geschickt dichtmachte.
Die Ratlosigkeit der Katalanen zeigte sich zunehmend daran, dass die Strategen des perfekten Kurzpassspieles zwangsläufig auf lange und hohe Bällen in die Mitte setzten. Das war kein Problem für Terry und Alex in der Chelsea-Innenverteidigung, zudem flankte Barcas Außenverteidiger Dani Alves grauenhaft an diesem Abend. Außerdem wirkte Iniesta in der Henry-Position auf links völlig verschenkt.
Die Londoner hätten das Spiel frühzeitig entscheiden müssen. 7:2 lautete die Chancenbilanz – Barcelona konnte sich bei Torhüter Victor Valdes, der sonst eher im Schatten der Offensivkünstler steht, bedanken.
Ihr Dank sollte aber auch dem norwegischen Unparteiischen Tom Henning Övrebö gelten. Chelsea fühlte sich
betrogen – und der Zorn ist verständlich. Selbstverständlich lässt sich vom heimischen Sofa nach mehreren Zeitlupen immer vortrefflich argumentieren, aber bei allen vier strittigen Szenen wäre ein Strafstoß berechtigt gewesen. Und schon tauchen die ersten Konspirationstheorien wie „die UEFA wollte keine zwei englischen Mannschaften im Finale" auf.
Für Övrebö dürfte die nächste Zeit nicht leicht werden. Wer sich daran erinnert, wie die englische Boulevardpresse
einst den Schweizer Urs Meier verfolgte, der dürfte Böses ahnen. Die Tabloids, allen voran die
üble Sun, gaben dem Schiedsrichter die Schuld, dass England bei der EM 2004 ausschied. Meier hatte in der 89. Minute im Viertelfinalspiel gegen Portugal ein englisches Tor wegen eines Foulspiels nicht anerkannt.
Gefunden auf den Seiten des
Galopp Clubs Deutschland: koeln1.tv, Internetfernsehen aus der Domstadt, war auf der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch und hat die Wetter beim Buchmacher gefragt, was den erfolgreichen Tipper denn nun auszeichnet. Keine Ahnung, wann der Film gedreht wurde, aber das
Ergebnis ist großartig, eine echte Perle des deutschen Farbfernsehens…..
Champions League Halbfinale: Leichter als erwartet setzte sich Manchester United mit 3:1 und 1:0 gegen Arsenal London durch und steht damit als erster Final-Teilnehmer fest. Vor 12 Jahren stand ManUtd auch im Halbfinale – doch damals scheiterte das Team von Alex Ferguson, schon zu dieser Zeit Manager, an Borussia Dortmund. 1:0 gewann Schwarz-Gelb im Westfalenstadion, 1:0 siegte der BVB auch im Rückspiel in Old Trafford. Dortmund zog ins Finale ein und holte dank eines 3:1-Erfolges gegen das mächtige Juventus Turin sensationell den Pokal mit den hässlichen Ohren.
Damit war der BVB auf dem Zenit angekommen, nach den Meisterschaften 1995 und 1996 folgte die europäische Krönung. Ottmar Hitzfeld betreute eine hochkarätige Mannschaft, der große Namen wie Reuter, Kohler, Möller, Sammer, Paulo Sousa oder Chapuisat angehörten. Finanzprobleme, die später fast zum Kollaps des Vereins führten, erahnten höchstens Insider; Präsident Dr. Gerd Niebaum und Manager Michael Meier galten als das Dreamteam des deutschen Fußballs.
Ganz so heil war die BVB-Welt im Frühjahr 1997 aber nicht mehr. In der Bundesliga enttäuschte die Mannschaft besonders auswärts, es gab peinliche Niederlagen in Bochum, Düsseldorf oder Bielefeld. Am Ende landete die Millionentruppe auf Rang 3, neun Punkte hinter Meister Bayern München.
In der Champions League hielt sich der BVB jedoch schadlos. Ohne Probleme qualifizierte sich das Team in den Gruppenspielen gegen Widzew Lodz, Steaua Bukarest und Atletico Madrid für das Viertelfinale. Dort traf man auf den AJ Auxerre aus Frankreich mit der Trainerlegende Guy Roux und gewann beide Spiele mit 3:1 zuhause und 1:0 in Auxerre.
Ooh Aah Cantona
Im Halbfinale wartete allerdings mit Manchester United ein anderes Kaliber. Alex Ferguson hatte mit Giggs, Beckham, Scholes, den Neville-Brüdern, Butt und Solskjaer hochtalentierte junge Spieler in die Mannschaft eingebaut; im Tor stand der furchterregende Däne Peter Schmeichel, im Mittelfeld bestimmte der aggressive Roy Keane den Rhythmus und vorne sorgte der charismatische Franzose Eric Cantona für die Tore.
Wie so oft in dieser Zeit, plagten den BVB vor der Partei gegen die Engländer zudem massive personelle Sorgen. So musste Hitzfeld im Hinspiel Riedle, Chapuisat, Kohler und Sammer ersetzen. Am 9. April 1997 war das 1997 Westfalenstadion natürlich ausverkauft (damals passten nur 48 500 Zuschauer in den Tempel), die Nordtribüne war fest in Hand der englischen Fans.
Es wurde einer dieser knisternden internationalen Abende, die man nicht mehr vergisst – nicht, weil die Partie spielerisch besonders gut war. Beide Mannschaften waren absolut gleichwertig, schenkten sich nichts, versuchten aber oft mit hohen Bällen ihr Glück. Dortmunds „Verlegenheitssturm“ mit Heiko Herrlich und Rene Tretschok schlug sich wacker, doch Uniteds Abwehr stand sicher. Chancen blieben Mangelware. In der Pause gab es nicht die üblichen Werbespots, sondern Soul vom Altmeister James Brown. Die Tribünen swingten...
Im zweiten Abschnitt beharkten sich beide Teams nach allen Kräften, richtige Vorteile konnte sich aber keiner erarbeiten. Bis zur 75 Minute: Da nahte die große Stunde des Rene Tretschok, damals meist Reservist hinter Knut Reinhardt und im nach hinein einer der am meist unterschätzten Spieler im BVB-Dress. Die portugiesische „Diva" Paulo Sousa gewann den Ball gegen Butt, passte zu Tretschok und der zog aus 25 Metern, halblinke Position, einfach ab. Das Unheil für United nahm seinen Lauf: Pallister fälschte ab, Van der Gouw, der den kurzfristig verletzten Schmeichel im Tor ersetzte, zögerte einen Moment und flog dann vergeblich. 1:0 für den BVB – viele wie Neil Mullally vom Manchester United-Forum
RedCafe.net meinten, der Däne hätte den Schuss gehalten.
Das 1:0 war natürlich ein denkbar knappes Ergebnis für das Rückspiel am 23. April in Old Trafford. Doch es ging gut los: Lars Ricken markierte das 1:0 schon nach 8 Minuten. Manchester musste jetzt schon mindestens drei Tore schießen. Es folgte ein einziger Sturmlauf der Gastgeber, den Borussia nur mit sehr, sehr viel Glück überstand. Nach 17 Minuten rettete Jürgen Kohler unglaublich artistisch gegen Cantona; ein paar Minuten folgte die nächste Rettungstat des Abwehrrecken.
United belagerte
pausenlos das Dortmunder Tor, hatte massenweise Chancen, vergab diese aber allesamt. Dortmund war hingegen nur in der Defensive und kam kaum zu Entlastungsangriffen, Stefan Klos im BVB-Tor musste unzählig Male klären – und irgendwann hatte Schiedsrichter Urs Meier aus der Schweiz nach gefühlten 120 Minuten ein Einsehen und pfiff das Spiel ab. Borussia Dortmund durfte nach München, Manchester Uniteds große Stunde kam erst zwei Jahre später in Barcelona gegen den FC Bayern.