CL-Halbfinale: Die englische Krankheit
Same procedure as last year? Fast, nur dass im Champions League-Halbfinale 2009 der FC Arsenal den FC Liverpool ersetzt. Geld schießt auch weiterhin die Tore in der europäischen Königsklasse: Drei Vertreter aus der englischen Premiere League, dank Murdochs Fernsehgeld die finanzkräftigste der Welt, und der FC Barcelona aus der spanischen Primera Division stehen in der Vorschlussrunde. Schon jetzt einmal eine Sympathie-Vorschau auf das Halbfinale.
FC Chelsea London gegen FC Barcelona
Der neureiche Emporkömmling aus dem Londoner Westen misst sich mit dem FC Barcelona, alter, aber nicht verarmter, katalanischer Adel. Barca schaffte es, dass ich bei der 0:4-Demütigung des FC Bayern im Viertelfinale zum ersten Mal in meinem Leben Mitleid mit den Münchenern hatte. Messi, Xavi, Iniesta und Co. führten den deutschen Rekordmeister in der ersten Halbzeit auf eine Weise vor, dass sogar Udo Lattek weinte. Und wer den hartgesottenen DSF-Stammtischler zu Tränen zwingt, der hat das Finale verdient.
Chelsea sind hingegen eindeutig die Schurken. Oder wer mag Roman Abramovich und seine Millionen, mit denen der Londoner Club endlich die Nummer 1 in Europa werden soll?
Manchester United - FC Arsenal London
Hier fällt die Wahl schwerer. Arsenal hat derzeit wieder einen guten Lauf, ist seit 17 Spielen ohne Niederlage und besitzt mit Arsene Wenger einen schlauen Manager, der an seine junge Mannschaft glaubt. Arsenal spielt spektakulärer als Manchester United, doch die fehlende Erfahrung könnte entscheidend sein.
Das Beste an Manchester United ist Manager Alex Ferguson. Wenn er Interviews gibt, verstehe ich dank seines schottischen Akzents fast gar nichts. Der knorrige Sir zieht seit 23 Jahren sein Ding bei Manchester United durch und lässt sich auch von Glazers dieser Welt nicht in die Karten schauen. Seine Mannschaft, immerhin Titelverteidiger, entwickelt sich in letzter Zeit aber leider zu absoluten Minimalisten. Auch gegen Porto beschränkte sich United nach der frühen Führung weitgehend auf die Kontrolle des Gegners. So sagt das Herz Arsenal, der Verstand aber Manchester.
Und was lernt die Bundesliga von der Premier League, damit nicht spätestens im Viertelfinale Schluss ist? Eintrittspreise drastisch erhöhen (billigste Karte 30 Euro); weg mit der 18 Uhr-Sportschau, dafür eine Zusammenfassung um Mitternacht am Samstag und mehr Geld aus dem Pay-TV; Spiele auch um 11 und 13 Uhr am Samstag und am Samstag abend....
Es geht nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft des deutschen Fußballs.
uknig22 am 16. April 09
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Saisonauftakt auf der Rowley Mile
Der Ort atmet Tradition, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht: Das Städtchen Newmarket in der englischen Graftschaft Suffolk, ca. 110 km nordöstlich der Hauptstadt London, zählt rund 15 000 Einwohner und wäre doch ohne schnelle Vollblüter ziemlich bedeutungslos.
Bereits im Jahr 1665 fand in Newmarket das erste Pferderennen nach Regeln statt. Seitdem dreht sich in dem Ort vieles um Pferde; ein Großteil der Einwohner hat beruflich irgendetwas damit zu tun. Wem also in Newmarket auffällig viele kleine, drahtige Menschen begegnen - nicht wundern, es könnten Jockeys sein.
Auf dem Newmarket Heath werden zahlreiche Vollblüter vorbereitet, viele bekannte Trainer wie Henry Cecil, Sir Michael Stoute oder Saeed bin Suroor, der die Godolphin-Pferde trainiert, sind hier ansässig. Ebenso hat der 1750 gegründete Jockey-Club in Newmarket seinen Sitz.
Zwei Rennkurse, die etwas außerhalb des Ortes liegen, gibt es. Im Sommer werden die Rennen auf dem July Course gelaufen, die großen Meetings im Frühjahr und Herbst finden auf der Rowley Mile statt. Beide Kurse sind nicht die üblichen Rundbahnen, in Newmarket geht es auf beiden Bahnen immer nur geradeaus.
Für viele Turffreunde startet die englische Flachsaison erst richtig mit dem Craven-Meeting auf der Rowley Mile, das heute beginnt. An zwei Tagen stehen mit den Craven Stakes, den Earl of Sefton Stakes und den Nell Gwyn Stakes drei Gruppe 3-Rennen sowie drei Listenrennen auf den Programm. Dazu gibt es mit der 400 000 Tattersalls Trophy ein hochdotiertes Rennen für den klassischen Jahrgang sowie zahlreiche sehr gut besetzte Sieglosenrennen, in denen oftmals sehr veranlagte Pferde ihr Debüt auf der Rennbahn feiern.
Im Blickpunkt stehen die dreijährigen Hengste und Stuten. Die Rennen sind eher etwas zum Zuschauen als zum Wetten. Das liegt daran, dass die Saison gerade beginnt und viele Pferde ihre volle Leistungsstärke noch nicht erreicht haben. Außerdem sind die zahlreichen Debütanten aus den großen Ställen naturgemäß sehr schwer einzuschätzen.
Free Handicap und Craven Stakes gelten als Vorbereitungsrennen zu den 2000 Guineas am 2. Mai, dem ersten Klassiker der ersten Saison. Allerdings: In den letzten Jahren spielten die Sieger aus Free Handicap und Craven Stakes im Klassiker keine Rolle.
uknig22 am 15. April 09
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Der Galopper der Woche: Quamun
„So ganz kann ich den Hype um diesen Hengst nicht verstehen, aber das liegt wohl an seiner Abstammung“, zeigte sich Trainer Andreas Wöhler bei der „Stallparade“ der Fachzeitschrift
Sport-Welt noch etwas skeptisch. Der dreijährige Hengst
Quamun aus dem Gestüt Fährhof hatte über Winter den Derby-Wettmarkt beim Internet-Buchmacher
RaceBets.com aufgemischt. Gab es zu Beginn noch 400 Euro für 10 Euro Einsatz, stand er zuletzt bei 100:10 – obwohl der Hengst noch kein einziges Rennen gelaufen war.
Der dreijährige Monsun-Sohn stammt aus der Ausnahmestute
Quebrada, die unter anderem in den deutschen 1000 Guineas erfolgreich war. Eine noble Abstammung garantiert aber längst noch keine erfolgreiche Rennkarriere.
Der Ernst des Lebens begann für den Hengst am Ostermontag im Preis der Niedersächsischen Wach- und Schließgesellschaft auf der Galopprennbahn in Hannover, einem Rennen für dreijährige sieglose Pferde über 2000 Meter. Die Wetter favorisierten
Precioso aus dem Schiergen-Stall mit 19:10, der Wöhler-Schützling notierte bei 21:10.
Doch Quamun machte seinem guten Namen alle Ehre: Mit viel
Schwung zog er zu Beginn der langen Zielgerade am führenden Precioso vorbei und beschleunigte auf eine Art, wie es nur Klassepferde können. Am Ende hatte der Fährhofer vier Längen Vorsprung und siegte, ohne dass ihn Jockey Eduardo Pedroza groß fordern musste.
Was der Erfolg wert ist, wird sich zeigen. Für das Derby habe ich mütterlicherseits etwas Bedenken, was das Stehvermögen betrifft. Quebrada war zwar Zweite im Preis der Diana über 2200 Meter, zeigte aber ihre beste Formen auf Distanzen bis zur Meile. Die Besucher in Hannover erlebten jedenfalls ein spektakuläres Debüt, das für die Zukunft viel erwarten lässt
uknig22 am 14. April 09
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