Heute Bremen, Samstag Leipzig, Sonntag Düsseldorf und Hoppegarten, Montag Köln, Hannover, München und Saarbrücken – über die Osterfeiertage nimmt die Grasbahnsaison im deutschen Galoppsport endgültig Fahrt auf. Es ist die Zeit, in der die Hoffnungen bei Besitzern, Trainern und Jockeys blühen.
Gerade gewann zum Beispiel Wiener Walzer, ein dreijähriger Hengst aus dem berühmten Gestüt Schlenderhan, ein Sieglosenrennen in Bremen. Ziemlich souverän, die Fachpresse wird wahrscheinlich schreiben „in zukunftsträchtiger Manier“. Die Hoffnung schwingt mit bei jedem Sieg in einer Prüfung für den klassischen Jahrgang. Vielleicht ist der junge Vollblüter ja zu höheren Weihen berufen, hoffen Trainer und Besitzer und träumen vom Derbysieg.
Die Dreijährigen-Rennen sind das Salz in der Suppe früh in der Saison – auch für den Wetter. Doch wie gut sind die Pferde, die oftmals ihren ersten Lebensstart absolvieren? Und jetzt kommen die Stallparaden der Fachzeitschrift Sport-Welt ins Spiel.
Los geht es meist Mitte Januar. Dann besuchen die Redakteure und Mitarbeiter die Trainer und stellen danach jedes Pferd einzeln vor. Früher galt: Besucht wird nur der Trainer, der mehr als 15 Siege in der Vorsaison. Für manche Betreuer war es erklärtes Saisonziel, in die Stallparade der Sport-Welt zu kommen. Heute haben sich die Kriterien etwas gelockert.
Die Stallparaden sind eine großartige Sache, auch wenn das Fachblatt manchmal etwas übertrieben lobhudelt. Natürlich wird kein Trainer zugeben, dass seine letzte Saison eine völlige Katastrophe war. Irgendein einen guten Aspekt gab es immer – und der wird in den Vordergrund gestellt. Auch wird kein Trainer sagen, dass der teuere Vollblüter ziemlich langsam ist und die Investition eigentlich rausgeschmissenes Geld war. Wäre ja auch reichlich dumm, den Besitzer, der ihn finanziert, so zu verärgern.
Der erfahrene Leser liest jedoch zwischen den Zeilen. Wird zum Beispiel lang und breit die ach so noble Abstammung beschreiben, dann heißt das oft: Das Pferd hat in der Arbeit eigentlich noch gar nichts gezeigt, sein Leistungsvermögen ist eher begrenzt.
Wobei die Qualität des Berichts natürlich auch davon abhängt, was der Trainer preisgibt oder ob er nur die üblichen Floskeln verbreitet. Mein besonderes Vergnügen: Die Stallparaden zu sammeln und dann im November noch mal zu lesen. Es ist immer wieder erstaunlich, welche früheren klassischen Hoffnungen dann noch sieglos sind oder gerade einmal einen Ausgleich 4 gewinnen konnten.
Es wird ein Wiedersehen mit vielen Emotionen: Michael Meier, einst Manager von Borussia Dortmund und jetzt in Diensten des 1.FC Köln, kehrt am Samstag ins Westfalenstadion zurück. Im Vorfeld gab er der Dortmunder Tageszeitung
Ruhr-Nachrichten ein Interview. Unter der Überschrift „BVB immer im Herzen“ blickte Meier auf „wunderschöne Zeiten mit unglaublichen Erfolgen" zurück – Fragen zur Finanzkatastrophe, die Borussia beinahe die Existenz kosteten, umdribbelte er allerdings mehr oder weniger elegant. Das sorgte nicht nur im
Forum des BVB-Fanzines schwatzgelb.de für zornige Reaktionen.
Mit dem gebürtigen Lüner und dem damaligen Präsidenten Dr.Gerd Niebaum sind die größten Triumphe, aber auch der absolute Super-GAU in Form des Beinahe-Unterganges verbunden. 1986 wurde Niebaum Präsident des BVB, der zu diesem Zeitpunkt fast in der zweiten Liga gelandet wäre. Mit dem Juristen kehrte der Erfolg in Dortmund ein, 1989 wachte der BVB mit dem Gewinn des DFB-Pokals endgültig aus dem Dornröschen-Schlaf auf.
Ab 1. Dezember 1989 trat Meier seinen Dienst als Manager in Dortmund an. 1991 kam mit Ottmar Hitzfeld ein Trainer, der den BVB an die Spitze führte. 1992 verpassten die Schwarz-Gelben die Meisterschaft noch denkwürdig knapp. Niebaum und Meier pokerten hoch, holten hochkarätige Spieler aus Italien zurück in die Bundesliga. Das zahlte sich aus: 1995 und 1996 wurde Borussia mit der wohl besten Mannschaft der Vereinsgeschichte Meister. Namen wie Klos, Kohler, Julio Cesar, Sammer, Freund, Möller, Riedle oder Chapuisat sorgen heute noch für eine Gänsehaut. 1997 folgte die absolute Krönung: Dortmund siegte im Champions League-Finale gegen Juventus Turin – ausgerechnet im Münchener Olympiastadion. Die Verantwortlichen des FC Bayern waren grün vor Neid.
Borussia war auf einmal auf Augenhöhe mit Europas Spitzenvereinen wie Real Madrid, Juventus Turin, AC Mailand oder Manchester United – ein ungleiches Duell. Denn rote Zahlen begleichen deren Investoren oder Präsidenten zur Not aus ihrer Privatschatulle.
Zu diesem Zeitpunkt war Gerd Niebaum der ungekrönte König in Dortmund. Das BVB- Management in Dortmund galt als innovativ und vorbildlich; Meier wurde mehrfach von seinen Bundesliga-Kollegen als Manager des Jahres ausgezeichnet.
Das böse Erwachen
1997 begann allerdings auch schon der Niedergang. Sportlich lief nicht mehr viel, unternehmerisch verloren Niebaum und Meier so langsam die Bodenhaftung. So sollte unter anderem die eigene Sportmarke „Goool“ den Giganten Adidas, Nike oder Puma Marktanteile abjagen. Der Börsengang im Oktober 2000 war das nächste Alarmzeichen, brachte aber noch mal dringend benötigtes Kapital nach Dortmund.
Der BVB investierte wieder kräftig in die Mannschaft, holte mit Rosicky, Koller und Amoroso teuere Spitzenkräfte und knackte die eigenen Transferrekorde. 2002 wurde der Verein letztmals deutscher Meister und erreichte das Finale im UEFA-Cup. Ein Jahr später folgte der sportliche Tiefschlag: Zuerst verpasste Dortmund durch ein Unentscheiden gegen Cottbus die direkte Teilnahme an der Champions League und scheiterte in der Qualifikationsrunde am FC Brügge. Die dringend benötigten Einnahmen aus der europäischen Königsklasse fehlten. Irgendwann musste Borussias waghalsiges Finanzkonstrukt zusammenkrachen, zumal der teuere Ausbau des Westfalenstadions aus eigenen Mitteln den Verein zusätzlich belastete.
Am 22. Dezember 2003 berichteten der
kicker und die
Süddeutsche Zeitung zeitgleich, „dass sich Borussia Dortmund in einem akuten Liquiditätsengpass befindet und frisches Geld benötigt, um riesige Haushaltslöcher im laufenden Geschäftsjahr zu decken.“ Geplant sei eine Anleihe bei einer englischen Investitionsbank über 12 Jahre.
Was dann folgte, war ein Wirtschaftskrimi allererster Güte - nur dass diesmal nicht irgendein anonoymes Unternehmen, sondern der Lieblingsverein der Übeltäter war. Fast im Wochenrythmus gab es neue Schockmeldungen, Fußballfans machten auf einmal einen Crash-Kurs in Sachen BWL und konnten einiges lernen über Kommanditgesellschaften auf Aktien, Kapitalfonds und die Wünsche von Großinvestoren. Es hatte sich ausgeträumt: Im Oktober 2004 trat Niebaum als BVB-Präsident zurück, Meier räumte seinen Stuhl im Juli 2005.
Wer das finanzielle Drama um den BVB noch einmal nachlesen möchte: Die Akte Schwarzgelb von Frank und Sascha Fligge, 2005, erschienen im Medienhaus Lensing Dortmund. Einfach mal googeln, ob es das Buch noch gibt.
Zwischen 1998 und 2001 kam es nie zu einem Spiel Bayern München gegen den FC Barcelona in der Champions League. Wenn das aber so gewesen wäre, wäre folgender Spielausgang gut möglich gewesen: Im Hinspiel erkämpfen sich Kahn, Effenberg und co. im Camp Nou in Barcelona ein schmutziges 1:1, das Rückspiel in München gewinnen die Bayern 1:0 und Barca ist draußen. In diesen Jahren, der ersten Amtszeit von Trainer Ottmar Hitzfeld, war der FC Bayern eine Mannschaft, die nur schwer zu schlagen war. 2001 holten die Roten dann auch die begehrteste Vereinstrophäe – im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia.
2009 ist die Mannschaft von der Besetzung nicht schlechter, doch offensichtlich fehlt das Sieger-Gen ihrer Vorgänger. Nicht in der Champions League: Da überstanden die Bayern souverän die Vorrunde ohne Niederlage. Im Achtelfinale fertigten sie die bedauernswerten Portugiesen von Sporting Lissabon, immerhin eine Mannschaft der oberen europäischen Mittelklasse, mit insgesamt 12:1-Toren ab.
Die Bundesliga bereitet Sorgen. Jürgen Klinsmann hatte Hitzfeld als Trainer abgelöst, der in seinem letzten Jahr mit zehn Punkten Vorsprung die Meisterschaft holte. „Wer wird hinter Bayern Zweiter?“, fragte Hitzfeld im Kicker-Sonderheft Bundesliga 2008/09 und sprach damit aus, was viele vor der Saison dachten.
Doch in der heimischen Liga läuft es nicht: Nur Platz 4, drei Punkte hinter Tabellenführer Wolfsburg, da droht der für Bayern so unwürdige UEFA-Cup. Am Samstag kassierte das Starensemble um Ribery und Toni ein bitteres 1:5 gegen eben jenen VfL Wolfsburg.
Das Beständige am FC Bayern unter Jürgen Klinsmann ist seine Unbeständigkeit. Besonders im Defensivverhalten offenbaren sich große Schwächen, 36 Gegentore sind der Beweis. Kein Wunder, dass Klinsmanns Job wackelt, wenn der FCB in der Champions League ausscheidet und – noch entscheidender – die Meisterschaft verfehlt.
Franz Beckenbauer hat die Debatte schon eröffnet.
Und ausgerechnet jetzt geht es zum FC Barcelona mit den Offensiv-Assen Messi, Eto’o und Henry sowie den Mittelfeld-Künstlern Xavi und Iniesta. Viele sehen sie derzeit als die beste Vereinsmannschaft der Welt. Barca hat sein kleines Tief überwunden, zuletzt
6:0 und 1:0 gewonnen und führt die spanische Primera Division mit 72 Punkten und dem sagenhaften Torverhältnis von 85:24 vor dem Erzrivalen Real Madrid (66 Punkte) an.
Den
Katalanen passt die letzte Schlappe der Krisen-Bayern allerdings nicht ins Konzept. Zumal die Bilanz negativ ist: Von vier Spielen in UEFA-Cup und Champions League gewannen die Münchener drei, eines endete Unentschieden.