Mittwoch, 8. Januar 2014
Die ultimative Bilanz des PMU-Renntages in Dortmund
Jean Pierre aus Nizza kann seit einiger Zeit auch deutsche Rennen sehen – dank des französischen Wettgiganten PMU, der diese Ereignisse in sein Bistro oder Wohnzimmer überträgt. Den Auftakt in diesem Jahr machten die Prüfungen auf unserer bescheidenen Sandbahn in Dortmund. Es war ein Dienstagabend bei beinahe frühlingshaften Temperaturen und (fast) keinem Regen.
Das Programm bildeten überwiegend Handicaps der unteren Kategorie, keine großen Unterschiede zum sonstigen Wochenend- und Winterprogramm auf den deutschen Allwetterbahnen. Nur waren diese Prüfungen dank PMU deutlich höher dotiert als üblich.
Erstaunliche drei Millionen Euro setzte die PMU laut Galopponline in Dortmund um. Da bleibt ein schöner Batzen für den deutschen Rennsport übrig.
Es war ein Renntag, der mir als Besucher teilweise richtig Spaß machte. Das mag am Wetter gelegen haben, an den teilweise recht formstarken Feldern, aber auch, dass ich ein paar Leute getroffen habe, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Die Bilanz des Tages:

Aufreger des Tages
Da hätte Cecilia Müller auf Dutch Master im Preis von Pau eigentlich alles richtig gemacht. Den Favoriten aus der Startbox 10 in eine gute Position gebracht, ihn vorne ordentlich treten lassen und sich dann in der Zielgerade vom Feld gelöst. Dieser Plan ging erstaunlich leicht auf. So hörte die Reiterin kurz vor dem Ziel auf zu reiten, zumal sich doch mit Be My Lion der offenbar einstige ernstzunehmende Verfolger verabschiedet hatte. Doch Müller hatte nicht mit Twain gerechnet. Der Schützling von Trainerin Erika Mäder kam mit unglaublichem Speed angeflogen, auf der Linie hatte er Dutch Master gestellt und gewann mit kurzem Kopf.
Und die Auszubildende hatte die Deppenkarte: Es gab heftige Kritik auf der Bahn und besonders im Internet, die teilweise unter der Gürtellinie war. All die Kritiker sollten bedenken: So ein Fauxpas ist schon vielen Top-Jockeys passiert. Zudem ist Cecilia Müller eine Auszubildende mit wenig Erfahrung. So etwas wird ihr nicht mehr passieren, mit zehn Wochen Rennverbot ist sie schon genug bestraft.

Rennen des Tages
Es war zwar „nur“ ein Ausgleich III, aber der Preis von Chantilly über 1700 Meter war gespickt mit Formpferden und fast schon so schwer wie manches britische Mega-Handicap. Von den 14 Startern hatte ich beim ersten Durchblick neun als potenzielle Siegpferde markiert. Dragoslav, der Tipp der Sport-Welt, stand weit über 100 am Toto. Ich entschied mich eben für diesen und zudem für Golden Touch. Beide waren letztlich chancenlos – es gewann mit Ante Portas auch einer der markierten Kandidaten.

Schocker des Tages
Das war schon ein richtiger Kracher, der leichte Sieg von Kimbra im Preis von Deauville, dem Ausgleich IV über kurze 1200 Meter. Die letzte brauchbare Form der Stute lag schon lange zurück, auf so kurzen Wegen war sie noch nie engagiert und dann auch noch die Startbox 14 ganz außen. In Sprints ist diese Position ein Nachteil, verständlich, dass die Tochter von Holy Roman Emperor als 630-Schuss an den Start kam. Doch Stephen Helleyn servierte Kimbra ein Rennen nach Maß und siegte problemlos.

Spezialisten des Tages
Wenn ein Pferd ein Handicap mit 16 Längen gewinnt, ist das zwar schön, aber gibt mir auch ein wenig zu bedenken. Panesidora aus dem Stall von Christian vor der Recke sah im Führring hervorragend aus, kam mit guten Formen, war aber nach neun Starts noch sieglos. An diesem Abend sah es aber im Auftaktrennen der Karte so aus, als wenn ein Ausgleich 1-Pferd im Ausgleich 4 laufen würde. Es war ein unbeschreiblich leichter Sieg, hoffentlich bestraft der Handicapper diese Überlegenheit nicht zu sehr.
Auf der Allwetterbahn gibt es oft Spezialisten. Zarras triumphierte im SIS Satelliten Information Service-Rennen mit 15 Längen immerhin gegen Gruppepferde wie Point Blank (enttäuschender Letzter, eine unerklärliche Vorstellung) und König Concorde. Wanderlust und Premier Choice gewannen ihr zweites Rennen in Folge auf dem Dortmunder Geläuf.

Wettbilanz des Tages
Zufriedenstellend. Der Einlauf Twain –Dutch Master zahlte 228, die Siegwette auf Zarras immerhin 28. Das verbesserte natürlich auch meine Laune.

Leider versagte der Akku meiner Kamera, aber ich bin eh’ nicht der große Fotograf und so verweise ich lieber auf diese Seite, wo einige nette Schüsse des Renntages zu sehen sind.



Montag, 17. September 2012
Altano und ein Hauch von Chantilly
Großkampftag in Dortmund-Wambel: Die DSW 21, die Dortmunder Stadtwerke, sponsern den Renntag rund um das St. Leger. Mit Abo-Tickets des öffentlichen Nahverkehrs hat man freien Eintritt und wer nicht mit dem eigenen Auto da ist, den befördern Shuttlebusse zur Rennbahn. Was nicht bedeutet, dass diese ansonsten nicht per Bus erreichbar ist. Nur sonntags gibt es meist nur einen Bus pro Stunde – und da geht man doch lieber zu Fuß.
Jedenfalls ist diesmal das Gelände eine Stunde vor Rennbeginn schon sehr gut besucht. Jeder soll sich wohlfühlen, es gibt eine gigantische Hüpfburg für die Kinder und aus der Ferne dröhnt eine Jazz-Band.
Meine Lektüre des Fachblattes Sport-Welt machte offenbar Eindruck. Ich werde zum „Mr. Turf“, erkläre einer Besucherin den Wettschein und Wettarten. Und wenn man einmal schon dabei ist, kommt direkt der Nächste. Es ist jedenfalls schwierig, einem Laien Kombiwetten zu erklären, wenn dieser mit den Begriffen Zweierwette hin und zurück und Dreierwette nichts anfangen kann. Die Zweijährigen des ersten Rennens sind schon längst im Führring, als dieser endlich verstanden (oder nicht) hatte.


Nicht der Sieger, aber immerhin der St. Leger-Zweite Tidespring (hinten) und der Dritte Wilddrossel (vorne) präsentieren sich im Führring.

Sieger des Tages
Bei einem Turf-Konservativen wie mir findet das zwar nicht unbedingt Anklang, wenn ein Pferd im zarten Alter von fünf und sechs Jahren zwei klassische Siege einfährt, weil der klassische Jahrgang eben die Dreijährigen sind. Aber so ist das eben mit dem St. Leger – und das soll bloß keine Kritik am siegreichen Team sein. Altano war irgendwie das etwas vergessene Pferd des Rennens, zumal er zuletzt zweimal eher schwach lief. Doch die Pause tat ihm gut und als Eddy Pedroza den Galileo-Sohn auf der Zielgerade schnell machte, war die Frage nach dem Sieger schnell beantwortet. Tidespring aus Frankreich wurde zweite, unser Tipp Wilddrossel landete auf Platz 3. Damit setzt die Stute meine schwarze Serie im St. Leger auf, obwohl sie tadellos lief. Und ich will es kaum glauben: Das war der erste Erfolg im deutschen St. Leger für Trainer Andreas Wöhler. Damit hat er alle Klassiker in Deutschland gewonnen, mein Glückwunsch.

Exot des Tages
Kroatien gilt nicht gerade als Großmacht des Turfs. Von wegen - Kastillo gewann das BBAG Auktionsrennen Dortmund und der zweijährige Sohn des großen Sinndar wird in Kroatien trainiert. Natürlich hatte er Glück, dass Gershwin einen Hauch zu spät kam, aber drin ist eben drin. Und obwohl er sich im Führring erst einmal ziemlich ungebührlich aufführte, worauf seine Führerin mit dem Hengst ziemlich böse auf kroatisch schimpfte. Jedenfalls klang das so.
Mein Tipp Titano wurde im Vorfeld richtig stark gewettet, aber ein Rennen aus dem Hintergrund bei 14 unerfahrenen Pferden ist eben ein Spiel mit hohem Risiko. So musste Jockey Martin Harley mehrere Stopps hinnehmen, weil die Räume dicht waren. Immerhin hatte ich den Sieger in der einleitenden Prüfung für den Nachwuchs, als Erlkönig trotz deutlicher Unreife diese für sich entschied.

Handicaps des Tages
Die großen Gelder gab es in den Handicaps – natürlich nicht Preisgelder für die Teilnehmer, sondern am Totalisator. Manche Resultate sind wirklich erstaunlich: Da siegt zum Beispiel im Preis von Dokom 21 souverän War Bride zum Toto von 163, die letzte gute Form stammt aus dem Vorjahr. Oder der wackere Schimmel Tremendous im vierten Rennen (Toto 251), dem die wenigsten Wetter das mit dem hohen Gewicht zugetraut hätten. Seinen vierten Erfolg in Serie feierte hingegen Ipos - Respekt!

Premiere des Tages
Endlich hat der Dortmunder Rennverein neue Startboxen. Die Alten waren schon lange ein Ärgernis, weil sich oftmals eine Boxentür zu früh öffnete und das zu Verzögerungen führte. Die Neuen stammen von der französischen Nobelbahn aus Chantilly, sind also gebraucht, aber immerhin wurde aus ihnen schon das französische Derby gestartet. Darauf verwies Rennbahnsprecher Klaus Göntzsche noch einmal extra und ich stand gerade an einem Punkt der Dortmunder Bahn, wo man ihn auch verstand. Das wäre übrigens mein Tipp für die nächste Investition: eine neue Lautsprecheranlage.
Pünktlich war man in Dortmund übrigens auch nicht mit der neuen Startmaschine. Die Schlangen an den wenigen Kassen waren lang und nirgendwo gibt es offenbar so viele startschwierige Pferde wie in Deutschland. Aber mit Pünktlichkeit haben es die deutschen Rennbahnen noch nie gehabt.

Artikel des Tages
Zwei ganz nette Texte über den Renntag in Dortmund-Wambel. Nur das mit dem „Klassiker in Hoppegarten“ ist hier schlichtweg falsch und warum es immer ein „Hauch von Ascot“ sein muss, ist mir auch etwas rätselhaft. Offensichtlich ist diese Überschrift bei vielen Redakteuren eingespeichert. Und das mit dem Hauch ist so schlecht auch wieder nicht…



Montag, 18. Juni 2012
All Shamar, Scalo und ein ganz starker Andrasch Starke
Am Abend Deutschland gegen Dänemark bei der EM, am Nachmittag Galopprennen in Dortmund-Wambel – nette Kombination für einen Sonntag. Vereinzelt waren dann auch Deutschland-Trikots zu sehen, doch dieser Nachmittag gehörte dem Galopprennsport. Der Renntag um den Großen Preis der Wirtschaft, ein Gruppe 3-Rennen dotiert mit 55 000 Euro, zählt zu den Traditionsterminen der Dortmunder Galopprennbahn. So lange ich Rennbahnen besuche, gibt es diesen Renntag – leider einer der wenigen Termine im Dortmunder Sommer.
Mancher Name, der heute als Deckhengst wieder im Rennprogramm auftaucht, konnte sich einst in die Siegerliste eintragen: Lord of England etwa oder Soldier Hollow. Ich erinnere mich hingegen mit Freude an eine meiner lukrativsten Zweiterwetten, die ich in Deutschland gemacht habe: Iron Fighter vor Enharmonic zu Beginn der neunziger Jahre.


Gefeierter Gewinner: All Shamar nach seinem Erfolg im Großen Preis der Wirtschaft

Sieger des Tages
Spätestens nach seinem zweiten Platz zum großen Derbyfavoriten Novellist in Frankfurt zählte All Shamar zur Creme des Derby-Jahrgangs. So wie er in Dortmund die keinesfalls schlechte Gegnerschaft besiegte, sollte der Dreijährige seinen Besitzern, dem Stall Pregel, noch einige Freude bereiten. Jockey Andrasch Starke hatte den Schützling von Trainer Waldemar Hickst immer im Vorderfeld placiert. Als es dann ernst wurde, löste sich All Shamar leicht und gewann mit zwei Längen vor Theo Danon, Russian Tango und Scalo. Als „sehr, sehr guten Dreijährigen“ charakterisierte Jockey Starke den Shamardal-Sohn. Extra für diesen Ritt brachte er einige Opfer: Denn 53,5 Kilogramm sind sein Gewichtsminimum.

Comeback des Tages
So recht war danach keiner klug. „Das war noch nicht der Scalo, wie man ihn kennt“, sagte nach dem Rennen sein Trainer Andreas Wöhler. Nur Platz 4 in einem Gruppe 3-Rennen klingt auf den ersten Blick für einen Gruppe 1-Sieger, der vor Danedream das beste deutsche Pferd über längere Distanzen war, enttäuschend – allerdings: 2000 Meter sind für Scalo einfach zu kurz, auch wenn er einst eine Gruppe 2-Prüfung im französischen Deauville über diese Strecke für sich entscheid. In Dortmund fehlten die letzten Reserven – und so weit war er auch nicht geschlagen. Für das erste Rennen nach elfmonatiger Verletzungspause auf nicht passender Distanz sah das so übel nun auch wieder nicht aus.
Im Führring sah Scalo übrigens gut aus, rennfit wirkte er schon. Am besten gefiel mir aber Tesey - nur das der Hengst abgeschlagen Letzter wurde. Da muss doch irgendetwas mit dem Pferd sein.


Ist das Glas jetzt halb voll oder halb leer? Scalo nach seinem Comeback...

Mann des Tages
Vier Siege und dazu noch zwei zweite Plätze: Nicht nur im Hauptereignis des Tages ritt Starke mit viel Erfolg. Der Kölner Jockey ist derzeit groß in Form, denn auch am Samstag in Düsseldorf war er mehrfach erfolgreich. Was mir immer wieder auffällt: Starke ist kein Reiter, der gerne von hinten mit viel Speed kommt (wie etwa Ryan Moore und Kieran Fallon, die Kollegen aus England). Starke postiert seine Pferde fast immer im erweiterten Vorderfeld und sucht relativ früh die Entscheidung. Diese Taktik beherrscht er wie kein anderer in Deutschland; dazu kommt, dass er für deutsche Verhältnisse ein starker Endkampf-Reiter ist. Und derzeit reitet er eben auf einer Welle des Vertrauens.

Stimmung des Tages
6000 Besucher waren nach Angaben des Dortmunder Rennvereins auf der Bahn. „Bei diesem schönen Wetter hätten wir uns ein paar Tausend mehr erhofft“, sagte hinterher Markus Sträter, Präsident des Rennvereins. Na ja, zu voll war die Bahn jedenfalls nicht.
Die Dortmunder Rennbahn ist wahrlich nicht schön, sie hat eher diesen herben westfälischen Charme, bei dem Schönheit eher nur lästiges Beiwerk ist. Immerhin habe ich Bekannte wieder getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe und von denen ich dachte, es gibt sie gar nicht mehr. Aber verändert haben sie sich nicht: Nach dem Rennen muss ein Sündenbock her, wenn die Wette nicht getroffen wurde. Und das ist in diesem Falle fast immer der Jockey….


Zu wenig Zuschauer? Himmelfahrt ist es erheblich voller auf der Dortmunder Rennbahn

Bilanz des Tages
Ich war reichlich spät auf der Bahn und wettete das erste Rennen nicht. Das war ein Fehler, denn eigentlich wollte ich Diyalani spielen und der gewann für 69. Danach lief nicht mehr viel, ein paar zweite Plätze waren die beste Ausbeute. Nur einmal habe ich mich richtig geärgert: Beim Erfolg von Manguinho über 2000 Meter, weil ich dachte, diese Strecke ist zu lang für das Pferd. Von wegen zu lang – das Pferd von Trainer Sascha Smrczek siegte zum lukrativen Toto von 92. Dumm gelaufen!



Montag, 26. September 2011
Schafe, Seriensieger und geschlagene Frontrenner
Ganz großer Galoppsport am Sonntag in Köln-Weidenpesch: Der Preis von Europa war der Höhepunkt einer hochinteressanten Karte mit einem weiteren Grupperennen, zwei Listenrennen und mehreren gut besetzten Handicaps.
Eigentlich war es ein perfekter Tag: Das Wetter fantastisch, die Bahn sehr gut besucht, obwohl der 1.FC Köln zeitgleich ein Heimspiel hatte. Die Kölner Bahn hat zudem Flair, weil die Besuchermischung stimmt. Die Atmosphäre ist locker, nicht so verkrampft wie manchmal in Düsseldorf. Außerdem hatten die Kölner genügend Kassen geöffnet, so dass man nicht lange anstehen musste. Und es war nicht so voll, dass man beispielsweise nicht an den Führring kam. Meine persönliche Bilanz des Tages.

Aufreger des Tages
Es war ein souveräner Sieg nach einem gut eingeteilten Ritt von Frankie Dettori: Campanologist aus dem Godolphin-Imperium gewann den Preis von Europa und schlug dabei mit Ibicenco, Earl of Tinsdal und Saltas drei Top-Vertreter des deutschen Derbyjahrgangs. Und schon gehen sie wieder los, die Diskussionen um die Qualität des Derbyjahrgangs.
Denn der Kingmambo-Sohn war zwar bereits dreifacher Gruppe I-Sieger in Deutschland, die diesjährigen Formen waren allerdings nicht gerade furchteinflößend. Zum Beispiel der zweite Platz aus Istanbul hinter Indian Days: Dieser sechsjährige Wallach ist ein sehr solides Pferd, das sich durch die Handicaps nach oben gekämpft hat, aber mehr als Gruppe 3-Format verkörpert der Stolz von Trainer James Given nicht. Davor lief Campanologist schwach in englischen Rennen und auch die Form aus dem April in The Curragh hinter So You Think finde ich nicht gerade aufregend. Er habe den Lauf im Melbourne Cup im November 2010 in Australien nicht verkraftet, sagte Jockey Dettori im Interview nach dem Rennen. Zudem ist es auch in diesem Jahr ähnlich wie in den Jahren zuvor: Im Herbst laufen die Pferde der blauen Armada zu großer Form auf, die Leistungen im Frühjahr sind hingegen oftmals sehr schwach.
Und damit kommen wir zum deutschen Derby-Jahrgang: Ibicenco aus dem vor dem Derby so gefeierten Schlenderhaner „Wunder-Jahrgang“ schlug sich noch am besten, zeigte viel Stehvermögen und kam noch einmal etwas an Campanologist heran, ohne diesen zu gefährden.
Eher enttäuschend lief hingegen der große Favorit Earl of Tinsdal. Der war schon im Führring auffällig nervös und zermürbte diesmal seine Gegner nicht von der Spitze. Auf den letzten Metern zog der Black Sam Bellamy-Sohn wieder etwas an und verteidigte damit seinen Nimbus gegen den alten Rivalen Saltas, den er allerdings bei seinem Erfolg im Kölner Rheinland Pokal viel deutlicher distanzierte. „Die beiden Erstplacierten waren heute einfach besser, dem Earl ist damit kein Zacken aus der Krone gefallen“, erklärte Trainer Andreas Wöhler auf seiner Homepage. Ich sehe das ähnlich: Der Earl hat eine anstrengende Saison hinter sich, zudem waren die Gegner im Rheinland-Pokal schwächer. So ganz schreibe ich den Derbyjahrgang nicht ab, auch wenn diese Form und andere Fakten – wie etwa die letzten beiden Auftritte des Derbysiegers Waldpark - nicht so optimistisch stimmen. Zudem gibt es ja noch Danedream.


Der Engländer nennt das "Slightly on his toes". Schon im Führring wirkte der Earl of Tinsdal reichlich nervös.

Sieger des Tages
Wenn ein Pferd das sechste Rennen in Serie gewinnt, dann ist das schon eine besondere Leistung: Lordsbury Pride lautet der Namen des Galoppers, der im Preis des Spielbank Bad Neuenahr siegte. Das war zwar „nur“ ein Ausgleich 3, aber wie Trainer Sascha Smrczek den Wallach des Stalles Frohnlach gesteigert hat, verdient schon Respekt. Erstaunlicherweise hat Lordsbury Pride bereits 17 Starts hinter sich. In England lief er elfmal in meist bescheidener Gesellschaft, zwei Placierungen waren eine eher dürftige Ausbeute. In Deutschland konnte er im Handicap ziemlich unten anfangen und das machte sich bezahlbar: Den Erfolgen in Bad Harzburg (zwei Mal), Bad Doberan, Miesau und Baden-Baden folgte jetzt Köln.

Ritt des Tages
Im Ilse und Heinz Ramm-Erinnerungsrennen, einem Listenrennen für Stuten über 1600 Meter, wurde er noch Zweiter mit Julie’s Love, doch im Kölner Herbst-Stutenpreis, einem Gruppe 3-Rennen für Stuten über 2200 Meter, zeigte Mirco Demuro einen perfekt getimten Ritt und fing die Favoritin Ovambo Queen noch ab. Die Siegerin Kapitale kommt aus dem Quartier von Andreas Wöhler, der mit drei Siegen der Trainer des Tages war und mit Black Arrow einen weiteren hochtalentierten Youngster vorstellte. Nur der Earl lief nicht ganz so wie vorgesehen.


Irgendwo dahinten ist er: Die Besucher schauen zu Frankie Dettori und Campanologist, Triumphator im Preis von Europa. Und weil diese Seite ungerne blaue Trikots zeigt, suchen wir mit ihnen.

Wettbilanz des Tages
Mal wieder mau. Ich war allerdings auch erst zum dritten Rennen auf der Bahn und bin dann nach dem achten Rennen wieder gefahren. Pech war, dass Campanologist mir im Preis von Europa den Einlauf kaputt machte. Hinzu kam falscher Geiz: Ovambo Queen, Kapitale und Temida hatte ich mir vorher als Pferde für die Einlaufkombi ausgesucht, auf der Rennbahn spiele ich allerdings nur Ovambo Queen und Temida. Kapitale siegt vor Ovambo Queen, die Zweierwette zahlt 435 – ein Vermögen, obwohl die heiße Favoritin dabei war. Und sonst: Reine heuresse war ein etwas vermessener Tipp, nach Bestform hatte sie jedoch durchaus Chancen. Koos hatte ich wie viele andere in der Wettchance des Tages getippt, weil die erst wenig geprüfte Stute noch Reserven hat. Beide wurden aber reichlich offensiv von der Spitze aus geritten. Das ist auf der langen Kölner Geraden bei gutem Boden nicht immer vorteilhaft – besonders wenn reichlich Speedpferde im Feld sind.
Und dann war da noch Lotosprinz in meinem abschließenden achten Rennen, einem Ausgleich IV. Neben mir gab es noch genug andere dumme „Schafe“, die den Mamool-Sohn wetteten und zum Favoriten machten. Dabei soll man doch nie den Favoriten im Ausgleich IV nehmen. Lotosprinz lief dann auch ein etwas „unauffälliges“ Rennen und landete im vorderen Mittelfeld. Die Viererwette wurde im übrigen in dieser Prüfung nicht getroffen. Die Nachbarn auf der Stehstufen jubelten aber: Sie hatten Kim Groom gespielt und für die überaus formbeständige Stute gab es reichlich Geld.



Dienstag, 20. September 2011
Vergebliche Fuchsjagd - Fox Hunt siegt im Leger
Es gibt so Tage, die kann man wettmäßig nur „in die Tonne kloppen“. An denen nichts geht, alles irgendwie einfach schief läuft. Zum Beispiel am Sonntag: Es ist St. Leger-Renntag auf meiner Heimatrennbahn in Dortmund, der letzte Klassiker im deutschen Turf und immer noch einer der Höhepunkte der Dortmunder Grasbahnsaison. Ein Pflichttermin, die Bahn ist gut gefüllt – auch wenn Borussia Dortmund fast zeitgleich um 15:30 am Sonntag in Hannover spielt. Und es blieb trocken.


So sehen Sieger aus: Fox Hunt mit der Schleife, Trainergattin Deirdre Johnston strahlt.

Sieger des Tages
Das war natürlich Fox Hunt, der Gewinner im klassischen St. Leger und das Pferd, das ich partout nicht haben wollte. Mein Tipp Rosello war leider Nichtstarter, zu allem Überfluss wird mein anderer Tipp Dawn Twister auch zwischen Fox Hunt und dem späteren Zweiten Fair Boss eingeklemmt. Ob das Hirschberger-Pferd ohne diese Behinderung gewonnen hätte? Das glaube ich nicht, aber den Rhythmus hat er schon verloren. Die Stewards ließen jedenfalls das Ergebnis unverändert.
Die besten Formen hatte der Wallach schon, aber dafür ging er ja auch zum Kurs von 20 ab. Es gab schon Gründe, ihn nicht zu spielen: Zum Beispiel der, dass Fox Hunt eine anstrengende Saison hinter sich hatte und einige Substanz gelassen hat. Erstaunlicherweise vertrat auch Sport-Welt-Tipp-Experte Olaf Schick – ansonsten eher bekannt für Favoritentipps – diese These.
Doch Fox Hunt wird trainiert von Mark Johnston und dessen Pferde laufen viel, sind auf der Insel bekannt für ihre Härte. Jockey Silvestre De Sousa musste den Dubawi-Sohn dann mal kurz im Bogen aufmuntern, doch den tapfer kämpfenden Fair Boss bekam Fox Hunt noch sicher in den Griff. Trainergattin Deidre Johnson lobte dann auch den Siegeswillen ihres Schützlings, Jockey de Sousa strahlte und „God Save the Queen“ schallte zu Ehren des Siegesteams über den Rennplatz.
Es war schön, de Sousa mal live zu erleben, nachdem man ihn sonst nur am Bildschirm bewundern kann. Der aus Brasilien stammende Jockey ist eine der Entdeckungen der letzten Jahren und hat sich auf den Bahnen im Norden Englands aus bescheidenen Anfängen nach oben gearbeitet. Inzwischen zählt er zu den Top-Jockeys in England.

Ritt des Tages
Ich gebe zu, dass ich mir die drei Handicaps während des Fußballspiels quasi geschenkt habe und lieber den BVB geguckt habe. Aber es war ein blitzsauberer Ritt von Nicole Oelerking auf dem 352:10-Aussenseiter Russian Tigress im Preis von Hohenbuschei, einem gut besetzten Ausgleich 3. Die junge Reiterin fand immer wieder die Lücke aus hinteren Regionen und schlüpfte dann innen durch. Das war so überraschend, dass selbst Rennkommentator Pan Krischbin den Vorstoß verpasste und Win for Gold zum Sieger erklärte.

Nachwuchs des Tages
Um diese Zeit sind die Rennen für die Zweijährigen immer hoch interessant. Zwei Prüfungen gab es für die Youngster, eine davon war das hochdotierte Auktionsrennen. Im ersten Rennen ging es um den Preis des Dortmund Airports für sieglose Zweijährige. Alle überragte Russian Song, ein Bruder des guten Russian Tango. Allerdings sah er so aus, dass er diesen Lauf noch braucht. Und so lief es dann auch: Russian Song war lange gut dabei, doch als es ernst wurde, hatte er nicht mehr viel zuzusetzen. Besser konnte es der Favorit (und zudem viel rennfähiger aussah) und noch besser der Außenseiter All Shook Up: Der war spät geboren, bereits Wallach und weil Terry Hellier nicht rechtzeitig da war, gab es einen Kistenritt für Andre Best. Trainer Mario Hofer, der in München weilte, soll nach dem Rennen „regelrecht erschrocken gewesen sein“, weil er mit dem Erfolg nicht gerechnet hatte, berichtete Klaus Göntzsche, der in Dortmund mal wieder den Bahnsprecher zwischen den Rennen mimte. Und ich war 2 und 3 im Einlauf, weil ich die Stute Loivissa neben Global Thrill noch mit auf dem Schein hatte.


Der spätere Sieger fehlt hier: Global Thrill (vorne) und Russian Song vor dem ersten Rennen im Führring.

Rennen 3 war das BBAG-Auktionsrennen für zweijährige Pferde. Satte 52 000 Euro Preisgeld gab es für Pferde, die auf einer BBAG-Auktion im letzten Jahr angeboten wurde. Über den sportlichen Wert dieser Rennen lässt sich streiten, aber immerhin waren einige Pferde am Start, die gute Formen hatte. Einer davon war Chapman: Sein Namensvetter kommentiert in Dortmund bekanntlich nicht – und so kannte sich Pan Krischbin den Gag nicht verknapsen, dass Manfred, äh Chapman vorne war. Der Witz ging wie viele Krischbein-Witze deutlich daneben und besagter Chapman lief zwar ganz ordentlich, war aber chancenlos gegen den Iffezheimer Gast Old Pal, der mit durchaus brauchbaren Formen aus der französischen Provinz angereist war. Natürlich hatte ich den Hengst nicht mit auf den Schein, dabei machte der kleine Soldier Hollow-Sohn einen sehr entschlossenen Eindruck im Führring. Ich hatte mich nämlich für Compact Storm und Chapman im Einlauf schieden. Chapman lief gut, Compact Storm war lange gut dabei, doch hinterher fehlten die Reserven.

Ärgernis des Tages
Es war ein Tag der großen Felder: 16 Dreijährige, von denen einige zu diesem späten Zeitpunkt ihr Rennbahndebüt gaben, trafen sich beispielsweise im Preis des Phoenix-Sees. Und einige Starter wirkten wahrlich spätreif: Electric Desert zum Beispiel – eines der wenigen Pferde, das ein Dortmunder Trainer für das Gestüt Wittekindshof von Hans Hugo Miebach, dem Ehrenpräsident des Dortmunder Rennvereins trainiert. Vor dem Start passierte mal wieder etwas, was ich in England, Frankreich oder Irland noch nie gesehen haben, in Dortmund aber fast bei jedem Renntag Thema ist: Eine Boxentür öffnete sich frühzeitig. Das geschah dreimal(!), Leidtragende waren Agrippina und Lucciana, die beide nachträglich zu Nichtstartern erklärt wurden. Weil ich Agrippina mit auf dem Schein hatte, gab es kein Geld zurück. Vorne waren die drei meist gewetteten Pferde, dahinter war die Lücke groß.

Flop des Tages
Erst einmal meine Wetten, aber dann kommt schon Borussia Dortmund: 1:2 in Hannover, die beiden Gegentore in den 87. und 89. Minute kassiert. Es läuft nicht beim BVB in dieser Saison nach dem grandiosen Meisterjahr.



Donnerstag, 1. September 2011
Minarik und Shamalgan gaben „Vollgasch"
Tag 4 der Großen Woche im beschaulichen Örtchen Iffezheim in der Nähe von Baden-Baden steht vor der Tür: nurpferdeundfussball ist live (am PC) dabei.

15:05: Es geht los, im Hintergrund hört man Stimmen im badischen Dialekt. Kameraschwenk auf den Führring, bei Sonnenschein erwarten die Zuschauer das erste Rennen, einen Ausgleich IV über die Minimum-Distanz von 1000 Metern. Die Sprinter sind gefragt und mit dabei ist jemand, den wir in dieser Kolumne noch am Dienstag sehr lobend erwähnt haben: Bahnspezialist Mack Summerland gewann vor nicht mal zwei Tagen und jetzt läuft er wieder mit Aufgewicht und der stattlichen Bürde von 69 kg. „Das geht nicht“, werden manche jetzt sagen: Zwei Rennen in so kurzen Abständen. Bei englischen Trainern ist so etwas allerdings nicht selten. Der Wallach aus den Niederlanden hat das außerdem schon erfolgreich praktiziert: 2008 und 2009 gewann er zweimal während der Großen Woche, 2010 belegte er die Plätze 1 und 2. Jedenfalls geht er nicht mehr zum Toto 108 ab. Einer seiner Gegner ist Xi und von dem dachte man im Winter, dass er doch mehr als nur als ein Handicapper ist, als er auf der Sandbahn quasi spazieren ging. Ein Start in einem Listenrennen im englischen Lingfield stand auf der Agenda, dieses Vorhaben klappte jedoch nicht. Immerhin ist der Spezialist für die schnellen 1000 Meter frischer Sieger.

15:35: Rennbahnsprecher Manfred Chapman hatte das richtige Näschen und gab vor dem Rennen noch mal einen dicken Hinweis auf Wild Bill Tracey. Der Wallach hatte genau vor zwei Jahren ebenfalls in Baden-Baden über die gleiche Distanz gewonnen, stand jetzt aber erheblich günstiger im Gewicht, weil danach die Form eigentlich ziemlich mau war. Doch diesmal klappte es wieder, Wild Bill Tracey gewann zudem innen, nachdem die Tage vorher immer außer gewonnen wurde. 160 gab es für den Sieger und auch dahinter waren Außenseiter. Und Mack Summerland? Der lief wieder ein gutes Rennen, aber die 69 Kilo drückten dann doch etwas. Immerhin landete er auf Platz 4.


15:50: Die erste Wette des Tages steht an: Schauen wir mal, was die guten Auslandsformen und die Form in einem Düsseldorfer Listenrennen von Boa Vista wert sind. Kombiniert habe ich die Stute im Einlauf mit Isolda aus dem Löwe-Quartier. Favorisiert wird allerdings La Concha aus dem Mundry-Quartier, ist jedoch erst ihr zweiter Start. Experte Daniel Delius weist auch auf Boa Vista und Isolda hin – hoffentlich hat er Recht, bislang lag er meist daneben.

16:10: Was ein bescheuertes Rennen, ich weiß schon, warum ich lieber in England wette. Aber da muss ich heute durch. Es siegt Demerara (konnte man spielen) vor der Debütantin Double Birthday, Isolda wird Vierte, Boa Vista von der Spitze aus nur Sechste. Stall Amtsschimmel, so der Name des Besitzers, passt irgendwie zum Badischen Gemeindederby.

16:25: Früher dachte ich immer, dass Kronimus vielleicht der erste Gewinner dieser Traditionsprüfung sei. Ganz daneben, denn Kronimus ist der Name eines Betonsteinwerkes aus dem Badischen. Die gleichnamige Firma sponsert schon seit Ewigkeiten das Listenrennen für zweijährige Pferde, der Senior ist schon seit 40 Jahren bei den Rennen dabei. So richtig Meinung habe ich nicht: Chica Loca hat hier schon gewonnen und dann die Form in Frankreich noch aufgewertet. Der Kurs ist jedoch völlig uninteressant. Etwas Lust habe ich auf Alpha, aber siegen? Ist doch ein großer Sprung....

16:45: Die Favoritin Chica Loca vor der zweiten Favoriten Paraisa - reich werden die nicht, die diese Wette getroffen haben. Aber das sah schon nach Rennpferd aus, wie die Stute von Trainer Michael Figge gewann. Kurz war der Weg versperrt, doch als sich die Lücke öffnete, ritt sie Christophe Lemaire nur mit den Händen nach hause. Allerdings rückte Paraisa noch näher. Schauen wir mal, ob die Besitzer mit zerrissener Jeans auf dem Siegespodest stehen. Die Antwortet lautet Nein: Jeans, aber ohne Löcher.

17:00: „Entdecken Sie das schillernde Leben von St. Moritz“ verspricht der Werbespot des Sponsors Kempinski vor dem Rennen. Wer hier die Viererwette trifft, der kann vielleicht über den Schweizer Nobelort nachdenken - zumindest für ein verlängertes Wochenende. Es ist ein Ausgleich IV mit 18 Pferden, von denen - erstaunlich für Rennen dieser Klasse - viele durchaus gute Form haben. Neun der 18 Starter habe ich mir in der Sport-Welt angekreuzt, ich versuche es mit Tamburini, zuletzt als Sieger disqualifiziert in Saarbrücken. Trainer Hans-Albert Blume hat früher mal Pferde ganz anderer Klasse im Stall gehabt.

17:25: Der 52:10 Favorit hat gewonnen: Mon Rose aus dem Quartier von Christian Sprengel vor der tapferen Senorita Lomita und den Außenseitern Black Jackund Valenziani. Es ist der 500 Erfolg für Trainer Christian Sprengel – Glückwunsch! Tamburini lief ganz passabel, war aber chancenlos. Und im Hintergrund erzählt jemand etwas von „Vollgasch geben“.

17:45: Ich befürchte, jetzt sind Pferde vorne, die ich überhaupt nicht auf der Rechnung habe. Engai zum Beispiel aus dem Sauer-Quartier: Ich bin immer skeptisch, wenn Pferde wie Engai von 1800 auf 1400 Meter in der Distanz runter gehen, weil diesen Mitteldistanzler oft die Spritzigkeit fehlt. Ich rechne auch nicht mit Welcome Life, die erstmals mit Scheuklappen läuft. Mein Mumm heißt Golden Riviera.

18:05: Der erste Treffer des Tages: Golden Riviera siegt leicht gegen Eastern Warrior. Andreas Suborics reitet derzeit mit viel Zuversicht und machte auch hier wieder alles richtig. Trainer Markus Klug hat zudem seine Pferde gut in Schuss. Für Engai war die Distanz wahrlich etwas kurz: Zuerst konnte er nicht folgen, dann kam er viel Speed noch auf Platz 4.

18:20: So richtig Mumm habe ich in diesem Ausgleich 3 nicht: Pickwick aus dem Hofer-Stall ist der verdiente Favorit, zudem laufen die Schützlinge des Krefelder Trainers ganz ordentlich bei diesem Meeting. Formpferde lassen sich schwerlich finden. Ich versuche es mal mit Sir Areion zum lukrativen racebets-Festkurs 80.

18:40: Herzschlag-Finale, fünf Pferde auf einer Linie und keiner der Jockeys zeigt irgendeine Gefühlsregung. Mein Tipp Sir Areion ist dabei, liegt innen – und wird 5. Wie so häufig, wird außen und in der Mitte des Geläufes gewonnen: New Yorker vor Nightdance Tiger sowie Kaliba und Zarrentin im toten Rennen. Nase-Hals-totes Rennen-Nase lautet der Richterspruch.

18:50: Es folgt der sportliche Höhepunkt des Tages: Das Darley-Oettingen-Rennen, ein Rennen der Gruppe 2 über die Meile. In den letzten drei Jahren waren immer die Ausländer vorne, in diesem Jahr allerdings kommt der klare Favorit mit Alianthus aus Deutschland. Allerdings sind die Hirschberger-Pferde nicht besonders in Form. Gegner? Ich versuche es mit Sir Oscar und Blue Panis.

19:05: Wenn die PMU übertragt, dann sind die Deutschen pünktlich. Der Sieg im Darley-Oettingen-Rennen geht wieder ins Ausland, aber nicht nach England oder Frankreich. Trainer und Besitzer stammen aus Kasachstan, das Pferd Shamalgan wird trainiert in Tschechien und schlägt den Favoriten Alianthus leicht. Eine Überraschung war dies nicht, denn einige Formen des Sohns von Footstepsinthesand waren richtig gut. Nur ich hatte den Sieger nicht auf der Rechnung. Guter Ritt zudem von Herrn Minarik, der genau auf den richtigen Moment wartete. Der Sieg zahlt 86, ein Vermögen. „In Frankreich war er zuletzt immer am langsamen Renntempo gescheitert“, meinte Siegjockey Filip Minarik nach dem Rennen.

19:20: Einer mache ich noch, ich versuche es mal mit Quezon Star von Trainer Norbert Sauer. Der wird erstaunlich stark gewettet, obwohl die Formen auf Gras zu wünschen lassen. Und wegen der PMU geben die Organisatoren richtig Gas, damit die Prüfung pünktlich abgeht.

19:40: Mal wieder ist der bekannte Stall Molenhof und Trainerin Nadine Verheyen vorne. Die Stallgefährtin Pria machte das Tempo, Slona hängte sich immer daran und gewann leicht gegen Duty and Destiny. Und irgendwie läuft es für Topjockey Andrasch Starke nicht besonders, aber immerhin war er diiesmal Zweiter. Mein Tipp Quezon Star wurde Letzter - und das ist doch ein treffender Grund, diesen Live-Blog zu beenden. Ach ja - schöne Werbung von Longines. Optisch zumindest, eben Dolce Vita.



Samstag, 4. Juni 2011
Wenn Menschenmassen Dortmund-Wambel stürmen

Donnerstag, gegen 15 Uhr, Rennbahn-Wambel: Menschen, Menschen, Menschen

In dieser Woche häufen sich die Turf-Großereignisse: Seit letztem Samstag läuft schon das Frühjahrsmeeting in Baden-Baden, gestern (Freitag) gab es die englischen Oaks, heute folgte dann das englische Derby, am Sonntag findet das französische Derby statt. Und dann war noch am Donnerstag der Sparkassen-Renntag in Dortmund. Natürlich war ich bei letzterem live dabei.
Der Laie freut sich, der Profi stöhnt: Die sogenannten Volksrenntage stoßen auf ein geteiltes Echo. Seit Ewigkeiten sponsert die Sparkasse Dortmund diesen Renntag am Feiertag Himmelfahrt und verteilt viele, viele Freikarten. Entsprechend gut besucht ist die Rennbahn, besonders wenn das Wetter mitspielt. Donnerstag war perfektes Wetter, trocken, etwa 25 Grad. Und so zog es Familien mit Kindern, Vatertagsausflügler und die Turfprofis nach Wambel.
Manches hat sich im Laufe der Zeit verändert: Früher war das etwa mit den leicht bis volltrunkenen Bollerwagen-Trupps viel schlimmer. Es gab Jahre, da waren zum Schluss die Nüchternen in der Minderheit auf dem Rennplatz. Das ist Vergangenheit: Heute ist das eine Familien-Veranstaltung, bei der die schnellen Pferde eine wichtige Rolle spielen, aber nicht alles sind.
Für den Profi sind Volksrenntage hingegen die Pest: Weil sich lange Schlangen vor Wettschaltern und Verpflegungsständen bilden, der Führring (der in Dortmund direkt in den Biergarten übergeht und wenig Zuschauerplätze bietet) dicht umdrängt ist und irgendwelche fremde Leuten seinen Stammplatz bevölkern.
So schlimm war es am Donnerstag nicht, zumal die Dortmunder Bahn durchaus Rückzugsorte vom Trubel bietet. 10 000 Zuschauer sollen da gewesen sein, der Umsatz war mit rund 150 000 Euro bei so vielen Besuchern wie so häufig ziemlich dürftig. Außerdem veranstaltete Baden-Baden fast zeitgleich, das zog viel Umsatz ab.

Happy Royal macht Freude
Ärgerlich ist, dass Baden Racing erstmals an diesem Tag eine Derbyvorprüfung veranstaltete und damit dem Dortmunder Rennverein quasi eine Prüfung mit viel Tradition wegnahm. Der Große Preis der Sparkasse Dortmund war diesmal ein Ausgleich 1. So viel also zum Thema Solidarität im deutschen Turf.
Sportlich sattelte der Dortmunder Lokalmatador Uwe Stoltefuß mit Sommerabend und Birthday Lion die ersten zwei in obigem Ausgleich, gewann der unverwüstliche Egon mal wieder eine gut ausgesuchte Pflichtaufgabe und bewies Summernight Sky aus dem Ostmann-Quartier, dass Pferde auch trotz einer Aversion gegen die Startbox gewinnen können.
Meinen Tag finanziell rettete Happy Royal, ein schon neunjähriger Wallach aus dem Stall von Besitzertrainerin Karin Niester. Der Senior, der aus einer Pause kam, gewann souverän den Ausgleich 4. Großen Anteil daran hatte Jockey Fernando Alberto Guanti – ein Name, der mir vor kurzem noch gar nichts gesagt hatte. Seit Dienstag kenne ich ihn jedoch: Da ritt der Panamese Fol Liam in Baden-Baden zum Sieg – ähnlich beherzt, ähnlich taktisch klug von der Spitze wie mit Happy Royal. Nur dass er den England-Import Fol Liam richtig marschieren ließ und damit seine Gegner quasi aus den Schuhen galoppierte. Es war übrigens ein grandioser Dienstag – mit Nardo (wie Fol Liam ebenfalls trainiert von Besitzertrainer Christian Peterschmitt) und Laufmasche wettete ich zwei weitere Sieger. Und das auf einer Bahn, auf der ansonsten meine Bilanz eher durchwachsen ist.


Wo laufen sie denn? Da unten....



Mittwoch, 1. September 2010
Nur der schnelle Rogalt überraschte - Baden-Baden live
15:40: Manchmal gibt es andere Dinge, die noch Vorrang haben, daher der verspätete Einstieg in den Liveblog. Zwei Rennen sind schon gelaufen in Baden Baden und gerade hat Adenike zu einer lukrativen Quote von 72 den UVEX-Preis, einen Ausgleich 4, gewonnen. Im Sattel saß Patrick Gibson, Sohn des viel zu früh verstorbenen Dortmunder Trainers Tim Gibson.
Das Zweijährigen-Rennen ging erneut an den Stall von Peter Schiergen. Aigrette Gazette setzte den positiven Trend des Stalles fort, auch wenn gestern im Kronismus-Rennen der Favorit Darnell patzte. Der Sieg der Stute des Gestütes Ammerland sah ganz gut aus, die Gegnerinnen waren chancenlos. "Zum dritten Mal im ersten Rennen Andrasch Starke", sagt Rennkomentator Manfred Chapman.

16:10: Etwas kämpfen musste er schon, der 16:10-Favorit Next Vision, aber letztendlich gewann der Hengst souverän gegen Salontänzerin. Der Sieger kommt aus ganz anderen Rennen, im letzten Jahr lief er noch - in Frankreich trainiert - in einem Gruppe I-Rennen gegen die großartige Goldikova, war aber chancenlos.
Gar nicht geht im übrigen das neue Design des Livestreams. Wer sich den ausgedacht hat, gehört bestraft. Gelbe Schrift auf weißem Untergrund - wer soll denn das lesen können. Und warum sind die Quoten so überirdisch groß und bleibt aus dem Führring nur ein Minibild? Wenn ich den deutschen Stream mit den englischen vergleichen, dann habe ich immer den Eindruck, dass man den deutschen Bildern einen Grauschleier verpasst hat. Unscharfe Bilder, verwaschene Farben - grauenhaft.

16:25: Mein in mühsamer Arbeit ausgeguckter Favorit Shirsam läuft nicht. So entscheide ich mich im Ausgleich III über lange 2800 Meter für Spirit of Stars zum racebets-Festkurs von 75, auf der Bahn steht er bei 46. Daniel Delius und Andy Suborics nennen im Expertentalk die Favoriten aus dem Wöhler-Stall Altano (steht lächerliche 23) und Ticana. Ich nenne eher noch die beiden Rotering Pferde Saba Dancer und Miami Tallyce, beide Bahn- und Distanzsieger.

16:45: Sch...deutsche Rennen: Der Favorit Altano, runter gewettet auf 18:10, siegt hochüberlegen wie ein Pferd anderer Klasse. Weit dahinter die Rotering-Pferde und mein Tipp Spirit of Stars. Diese permanenten Favoritensiege gehen mir ziemlich auf den Geist.

17:00: Die Wettchance des Tages folgt, es winken 30 000 Euro in der Viererwette. Für diese Rennen bietet das Fachblatt Sport-Welt inzwischen eine Sonderseite mit Expertentipps und Statements der Trainer an und für diesen Extraservice muss man das oftmals geprügelte Fachblatt auch mal loben. Experte Olaf Schick wirkt auf dem Foto allerdings reichlich zerknittert. Die Rennen scheint eher mittelschwer zu sein, mit Chinook, Bonasera, Mirakhour, Crespo, Boulders und Milano gibt es einige Formpferde. Dazu kommen die noch nicht voll erfassten Tara Sb und Novarov. Wie gesagt: eher mittelschwer....Ich schaue jetzt mal, wie Boulders aus dem Stall des Baden-Baden-Spezialisten John Smith steht, 50:10 ist mir aber zu wenig. Vielleicht kommt Smith ja auch mit seinem anderen Starter Sissley, der steht über 800. Um die Viererwette zu attackieren, fehlt mir einfach die finanzielle Munition...

17:25: Novarov (75:10) gewinnt die Wettchance des Tages, behält knapp die Oberhand gegen Mirakhour (79:10). 4 mal lief der Vierjährige hinterher, beim fünften Start zeigte er einen Ansatz und jetzt gab es den ersten Sieg im Ausgleich IV mit 54 kg. Die Viererwette zahlt 17 790:10, Boulders (43:10) und Wellmondo (124:10) landen auf den Plätzen 3 und 4. Und der siegreiche Jockey Stephen Hellyn beweist eindrucksvoll im Interview nach dem Rennen mit dem ehemaligen Kollegen Suborics, dass Rennreiten eine anstrengende Angelegenheit ist.

17:45: Früher konnte man immer sicher sein, dass die Pferde aus dem Krefelder Quartier von Erika Mäder in Baden-Baden zu Hochform auflaufen, auch wenn sie vorher nicht unbedingt Topform hatten. Das ist allerdings schon länger her und früher hätte ich auch blind ihre Vertreterin Trust Me gespielt. In diesem Rennen sind aber andere Kaliber am Start: Glady Romana kommt aus den Toprennen des Jahrgangs und geht jetzt einige Klassen tiefer. Dazu wird noch Keydream gewettet - schaut nach einem Zwei-Pferde-Rennen aus. Dann schauen wir mal...

18:00: Nächster Favoritenerfolg: Glady Romana (23:10) gewann wirklich wie ein Pferd, dass schon ganz andere Gegnerinnen viel besserer Klasse gesehen hat. Dahinter wurde Damanda noch richtig schnell, konnte die Siegerin aber nicht gefährden. Yann Lerner ritt die Favoritin aber auch sehr souverän, wusste immer, auf was für einem Kaliber er saß. Dritter wurde Keydream, Trust Me blieb erwartungsgemäß chancenlos.

18:10: Schalke-Fan Uli Potofski interviewt Klaus Allofs, Manager von Werder Bremen, und großer Freund des Galopprennsports. Seit 30 Jahren, so Potofski, treffe man sich auf Galopp- und Trabrennbahnen. Allofs tippt Mulan als Sieger im Belmondo-Preis, dem ehemaligen Fürstenmberg-Rennen (Gruppe III über 2000 Meter), erzählt vom Galoppsportfreak Claudio Pizarro und kündigt einen Werder Bremen-Renntag in Bremen an. Ich schließe mich dem Werder-Manager ab, tippe auch Mulan, weil er mir in Hamburg bei seinem Sieg ungemein imponierte. Die Gegner kommen aus dem Schiergen-Stall: Elle Shadow, Altair Star, Neatico. Nicht zu vergessen der beständige Empire Storm aus dem Wöhler-Stall.

18:30: Der nächste Favoritensieg: Elle Shadow aus dem Schiergen-Quartier triumphiert vor Empire Storm und Neatico. Die Skeptiker hatten bei Mulan recht: Die Distanz war zu kurz, das Pferd war reell geschlagen und kam erst auf den letzten Metern näher. 2200 oder 2400 Meter sind eindeutig besser. Das Kompliment geht an die siegreiche Stute Elle Shadow, die in den Top-Stutenrennen als Zweite immer etwas Pech hatte. Ein weiterer schöner Erfolg für das Gestüt Wittekindshof des langjährigen Präsidenten des Dortmunder Rennvereins, Hans-Hugo Miebach. Und wo lässt er die Stute trainieren? Natürlich in Köln...

18:50: Einen haben wir noch, einen ziemlich undurchsichtigen Ausgleich IV über die Sprinterdistanz von 1000 Metern. Ich versuche es einfach mal mit Saldenlöwe, auch wenn die Form nicht gut ist und die Distanz vielleicht etwas kurz. Aber richtige 1000 Meter-Spezialisten sehe ich in dem Rennen auch nicht. Und wenn einer ein Pferd für Baden-Baden in Form bringen kann, dann ist das Trainer Stoltefuß aus Dortmund. Gewettet wird der Wallach allerdings kaum...

19:05: "Der schnelle Rogalt kommt nach Hause" kommentierte Rennbahnkommentator Chapman und er hatte Recht. Der Sohn von Rock of Gibraltar gewann einst über 1000 Meter in Herschberg und war am Sonntag über 1200 Meter gar nicht weit geschlagen. Der Sieg blieb im Südwesten bei Trainer Hans-Peter Rosport, das Pferd gehört Sohn Denny. Auf den Sieger hätte man eigentlich kommen können. Zweiter wurde der Baden-Baden Spezialist Mack Summerland, mein Tipp Saldenlöwe lief gar nicht so übel, am Ende fehlte aber die Spritzigkeit über die kurze Distanz.
Fazit: Baden-Baden bleibt für mich wettmäßig ein schwieriges Pflaster, außer Spesen nichts gewesen.



Montag, 15. Februar 2010
Ein Hauch von White Turf im Revier

Winter in Wambel: Jockeys und Rennleitung im Führring, die Besucher können sie einzeln begrüßen

Sonntag nachmittag auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel: Der Schnee hatte die Bahn in eine Winterlandschaft verwandelt, ein Hauch von White Turf lag im Revier. Natürlich nur etwas: Die Pelzmäntel treffen sich am vereisten See im Schweizer Nobelort St. Moritz, in Dortmund sind Funktionsjacken eindeutig in der Überzahl.
Die meisten ihrer Besitzer blieben an diesem Nachmittag allerdings zu hause. Nur wenige Besucher waren auf der Rennbahn, der Bahnumsatz war so mäßig wie in den Wochen zuvor.
Dabei war das Programm für den Winter gar nicht so schlecht: einige gutbesetzte Handicaps mit vielen Formenpferden versprachen gute Quoten.
Die Bilanz des Tages? Es war Ladies Day in Wambel: Sechs der acht Rennen gewannen Pferde mit Frauen im Sattel, am meisten strahlte Caroline Fuchs, die drei mal erfolgreich war - zweimal für Trainer Christian von der Recke, einmal für Trainer Axel Kleinkorres. Von der Recke feierte noch einen Erfolg, auch Kleinkorres gewann ein weiteres Rennen.



Überraschende Niederlage: Owentuo und Jockey Andre Best nach dem Rennen im Absattelring

Einige „Unverlierbare“ sorgten für lange Gesichter bei ihren Anhängern: Bereits im ersten Rennen verlor der 13:10-Favorit Owentuo gegen die 191:10 Chance Cesare. Das von der Recke-Duo Prime Aspiration und Mayta Capac hielt im fünften Rennen Captain Camelot (13:10) im Schach. Dumm gelaufen - nicht nur für Sport-Welt Tipster Olaf Schick, der diese Pferde angesagt hatte. Geld verdienen konnte man mit den Tipps des ehemaligen Jockeys mal wieder nicht.
Fast schon „Poesie“ sind manche Renntitel in diesem Winter. Mein Liebling an diesem Tag war das „Mit gesenkten Abzügen auf Sieg und Platz mehr Geld gewinnen-Rennen“.
Lob verdienen die Verantwortlichen dafür, einen Ausgleich 3, eines der sportlich beste Rennen des Tages, Katharina Daniela Werning zu widmen. Dortmunds Sportlerin des Jahres 2009, im Dezember schwer gestürzt, war anwesend, sagte die Siegerin Giardini in ihrem Rennen an, zeigte sich kämpferisch und erklärte, dass sie im März wieder anfange. Und verdiente sich noch Extra-Punkte für ihr Styling.
Meine Wettbilanz: ein getroffener Einlauf mit Fabregas und Bambari (zahlte zwar nur 99), ein Sieger mit Little Doc (Kurs 48) - das war in Ordnung.



Montag, 4. Januar 2010
Winter in Wambel: Verlust trotz Gewinn
Vor geraumer Zeit gab es in Dortmund immer Galopprennen an Neujahr. Das war durchaus dem Neujahres-Skispringen vorzuziehen, weil man eben an der frischen Luft seinen Silvester-Kater viel effektiver abbaut.
Den Neujahrs-Renntag veranstaltet der Dortmunder Rennverein schon lange nicht; nichtsdestotrotz startete in diesem Jahr auch wieder die deutsche Rennsaison 2010 mit acht Rennen auf der Allwetterbahn im Vorort Wambel.
Weil in Deutschland derzeit Schnee und Eis regieren, mussten die Dortmunder ziemlich kämpfen, damit die Starterfelder einigermaßen gefüllt waren. Die Situation hatte sich am Sonntag nicht verändert: Das Winterwetter sorgte nicht nur für einige Nichtstarter, sondern auch dafür, dass viele Zuschauer daheim blieben. „Man konnte beim Umsatz natürlich keine Wunderdinge erwarten“, lautet dann immer der Standardsatz bei GaloppOnline – und so war es auch diesmal. Ganze 27 000 Euro wurden auf der Bahn gewettet – mit meinen mageren 20 Euro Gesamteinsatz lag ich also ziemlich im Trend der Bahnbesucher. Der Gesamtumsatz betrug mässige 123 970 Euro.
Ganz früher war ich häufiger im Winter in Wambel. Seitdem ich aber mein Herz für den englischen Hindernissport entdeckt habe, sind die Besuche dort selten, obwohl die Bahn direkt vor der Haustür liegt. Zumal der sportliche Anreiz fehlt: Immer die gleichen mäßigen Pferde, von denen mal der eine, mal der andere vorne ist; hinzu kommt die Erkenntnis, dass man auf Dauer mit Tipps auf langsame Vollblütern nur Geld verlieren kann. Die besseren deutschen Pferde laufen hingegen in den höher dotierten Rennen im französischen Deauville.
Es ist die vielbeschworene Galoppsportbasis, die die Winterrrennen in Dortmund und Neuss am Leben hält. Viele Teilnehmer kommen aus dem Osten oder aus dem Südwesten und nehmen lange Anfahrtswege bei widrigen Wetterbedingungen in Kauf - für Preisgelder, die schon seit 20 Jahren nicht mehr gestiegen sind.

Buschtrommeln blieben stumm
Dabei wirkt die Dortmunder Bahn schon lange nicht mehr so trostlos wie noch vor einigen Jahren. Das Bemühen, das Umfeld gastlicher zu gestalten, ist deutlich zu erkennen. Die Gastronomie ist viel besser geworden – früher war sie allerdings auch eine Zumutung.
Am Sonntag waren aber auch die beiden beheizten Glastribünen für viele kein Argument für einen Bahnbesuch. Vor dem ersten Rennen um 14 Uhr standen vielleicht geschätzte 30 Leute am Führring und schauten sich die dreijährigen Pferde an. Erstaunlich, dass sogar zwei Starter aus Frankreich sich um die 4 500 Euro Preisgeld bewarben. Sie liefen allerdings ziemlich hinterher – Steffi Hofer gewann für ihren Vater Mario mit Starcos die erste Prüfung des Jahres, meine Zweierwettenpferde Cresta Gold und Lips Devil belegten die Plätze 2 und 3. So ging das wettmäßig weiter: im zweiten Rennen 1. und 3. im Einlauf, im dritten Rennen hatte mein Tipp Hurry Girl einige gute Szenen, aber keine Durchschlagskraft.
Der Sieger Vengador aus dem Stall des einstigen Topjockeys Dragan Ilic gewann zur lukrativen Quote von 189:10, was mich etwas erstaunt. Normalerweise sind die Buschtrommeln aus dem Ilic-Stall ziemlich laut, wenn ein Pferd aus dem Quartier gewinnen kann. Das war diesmal offensichtlich nicht so.
Im vierten Rennen war rein rechnerisch nur ein Duell zwischen Löwenherz und Libon möglich, beide standen „kilometerweit“ (Sport-Welt) über den restlichen drei Startern. Nun ist das auf der Sandbahn mit den guten Dingen so eine Sache – doch wenn in diesem Rennen eine der drei noch verbliebenen Pferde vor bzw. zwischen die Favoriten gelaufen wäre, ich glaube, ich hätte so schnell keine deutsche Bahn mehr betreten.
Doch am Ende lief alles formgemäß: Löwenherz vor Libon, der Einlauf zahlte 19:10. Und da ich diesen natürlich hin und zurück geschrieben hatte, gab es trotz des Treffers noch 25 Cent Verlust.
Eine ziemliche Farce war der Ausgleich 3, der „sportliche Höhepunkt“ der Karte. Drei Nichtstarter reduzierten das Starterfeld auf vier Teilnehmer – am Ende distanzierte der größte Außenseiter Rolling Arrogance seine Gegner. Es war Zeit zu gehen…