Montag, 3. Mai 2010
Ein kranker Tipp und ein französisches Doppel in Newmarket
Das Ergebnis war ernüchternd. „Spannte am Ende völlig aus“, lautete der Kurzkommentar im Rennergebnis. Nicht nur diese Kolumne hatte Ronja in den German 1000 Guineas in Düsseldorf, dem ersten klassischen Galopprennen der Saison auf dem Düsseldorfer Grafenberg, getippt – und lag daneben. Es siegte die 114:10-Chance Kali vor Reine heureuse und Neon Light, Ronja wurde nur enttäuschende 12. und Letzte. „Ein Laufen, das bei allen Unwägbarkeiten des Galopprennsports nach den Vorleistungen und Trainingseindrücken der letzten Woche(n) weder zu erwarten war, noch stimmen konnte“, meinten die Besitzer des Stalles Domstadt. Sie ließen Ronja daraufhin ärztlich untersuchen, Ergebnis: Die Stute litt unter einer schweren Atemwegserkrankung. Und damit war die schwache Form erklärt.
Die Siegerin steht im gleichen Stall – Waldemar Hickst trainiert Kali für das Gestüt Park Wiedingen von Helmut von Finck. Die 114:10-Chance muss sich in den letzen Wochen weiter verbessert haben, denn bislang hatte sie nur ein Maidenrennen in Düsseldorf gewonnen, dessen Wertigkeit noch schwer einzuschätzen ist.
Am Ende gewann Kali leicht, zeigte Reserven und profitierte von einem gut eingeteilten Ritt ihres Jockeys Adrie de Vries. De Vries hatte die Stute immer prominent placiert und das zahlte sich wie so häufig am Grafenberg aus. Andere Starterinnen wie Vanjura oder Devillish Lips hatten ein viel ungemütlicheres Rennen.

Sensation durch Makfi
Die ersten Klassiker standen auch auf der britischen Insel auf dem Programm: Bei den 2000 Guineas für die Hengste auf der Bahn in Newmarket gab es ein echtes Schockresultat. „Mak wer?“ lautete am Samstag meine erste Reaktion, als ich vom BVB-Spiel nach Hause kam und mir die Rennergebnisse des Tages anschaute.
Der Sieg im ersten englischen Klassiker der Saison ging nach Frankreich: Der 33:1-Schuss Makfi, trainiert von Mikel Delzangles und geritten von Christophe Lemaire, gewann leicht gegen das Hannon-Paar Dick Turpin und Canford Cliffs. Mein Tipp Xtension lief ein braves Rennen, nur leider war die Prüfung kein Handicap mit vier Platzgeldern.
Der Gewinner stammt aus dem Shadwell-Imperium von Sheikh Hamdan Al Maktoum und war zweijährig bei Markus Tregoning im Training. Dort traute man dem Dubawi-Sohn offensichtlich nicht viel zu, Makfi wurde nach Frankreich verkauft und kam zu Delzangles ins Training. Mit Erfolg: Zuletzt war er leichter Sieger im Gr. 3 Prix Djebel in Maisons Laffitte – und dennoch hatte ihn kaum einer (ich natürlich auch nicht) auf der Rechnung.
Denn viele Experten hatten schon im Vorfeld mal wieder einen Wunderkandidaten aus dem Quartier von Aidan O’Brien endeckt: Alles drehte sich um St. Nicholas Abby, 2009 unter anderem überzeugender Gewinner der Racing Post Trophy. Natürlich war der Hengst klarer Favorit bei den Buchmachern. Doch deren Mienen hellten sich während des Rennens wieder auf: St. Nicholas Abbey hatte spätestens nach etwa 1200 Metern sein Pulver verschossen und lief wie ein Pferd, das dieses Rennen unbedingt noch braucht - eigentlich ungewöhnlich für das Quartier, das die Flachrennen in England und Irland in den letzten Jahren ziemlich dominierte.

Die Stewards entschieden
In den siebziger Jahren hatte Henry Cecil mal mit der 33:1-Chance Bolkovski in den 2000 Guineas triumphiert. Am Sonntag hätte der in England von vielen Turffans fast vergötterte Trainer beinahe einen noch größeren Coup in den 1000 Guineas für die Stuten gelandet. 66:1-Schuss Jacqueline Quest, zuletzt noch deutlich unterlegen, war mit einer Nase vor der Favoritin Special Duty im Ziel vorne. Doch im Finish schwankte der Ritt von Tom Queally nach rechts und hatte damit nach Meinung der Stewards die französischen Mitfavoritin behindert. Die Richter stuften das Cecil-Pferd auf Platz 2 zurück und machten so Special Duty zur klassischen Siegerin. Eine harte Entscheidung besonders für Jacqueline Quests Besitzer Noel Martin, den deutsche Neonazis in den 90er Jahren lebensbedrohend verletzt hatten.
Es war zudem ein eher unbefriedigendes Rennen. Weil die Pferde, die eine niedrige Startbox-Nummer hatten, eindeutig im Vorteil waren. Die ersten fünf Pferde kamen alle an der „Stand-Side“, wer Mitte des Kurses war, blieb chancenlos. Meine Tipps
Pollenator
und Pipette, beide mit hohen Startbox-Nummern, wurden 11. bzw. 13. Und auch im nachfolgenden Sprint kamen Sieger und Placierte aus dem Bereich der niedrigen Nummern.