Mittwoch, 26. September 2012
Paul Scholes: Köpfchen und Killerpässe


“Who scores goals – Paul Scholes” (Wer schießt Tore – Paul Scholes)”, sangen einst die Fans von Manchester United – und singen es heute noch, wenn sie denn noch singen.
Paul Scholes, englischer Mittelfeldspieler in Diensten von Manchester United, absolvierte vor kurzem seinen 700. Einsatz für United, inzwischen sind es 702 Spiele (Stand 26.9.2012, 19:30). Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Über 700 Begegnungen für einen Verein. Allerdings wird Scholes noch getoppt von seinem Kollegen Ryan Giggs, der über 800 Mal für den Club von Manager Alex Ferguson im Einsatz war.
Aber Scholes war immer einer meiner persönlichen Favoriten: klein, rothaarig, giftig, zweikampfstark, allerdings auch technisch versiert und sehr torgefährlich. „Das wahre Herz von Old Trafford“, schreib einst die FAZ und zitierte damit United-Legende Bobby Charlton, der zudem „sein Köpfchen und seine Killerpässe“ lobt.
Scholes zählt zu der berühmten United-Generation mit David Beckham, den Neville-Brüdern Gary und Phil sowie Nicky Butt, die einst gemeinsam aus der United-Jugend kamen. Doch im Gegensatz zu David Beckham war und ist das Privatleben von Paul Scholes ziemlich unbekannt. Interviews sind ihm offenbar ein Gräuel – was dieses Dokument eindrucksvoll beweist.
Seinem Manager Alex Ferguson ist das durchaus recht. Der überredete den heute 37jährigen zum Comeback nach seinem bereits erfolgten Rücktritt – mit Erfolg.



Donnerstag, 20. September 2012
Semayyel lässt es krachen
Totoschock in England: Die Außenseiterin Semayyel gewann am Mittwoch zum Kurs von 126:1 die At The Races John Musker Fillies' Stakes (For The John Musker Trophy) in Yarmouth, ein Listenrennen über etwas mehr als 2000 Meter. Wer also 10 Euro auf die Stute placiert hatte, durfte sich über 1260 Euro für den Sieg freuen.
Das Erstaunliche: Die Green Desert-Tochter, trainiert von Clive Brittain und geritten von Freddie Tylicki, siegte mit satten fünf Längen, also eher wie eine Favoritin. Ich kann mich an keine ähnlich hohe Eventualquote in diesem Jahr erinnern. Ansonsten fällt mir noch Zweigelt ein, der vor einiger Zeit auf der Dortmunder Sandbahn für Toto 1440 erfolgreich war.
Mit diesem Erfolg rückte Clive Brittain, Jahrgang 1934 und dienstältester Trainer im englischen Newmarket, mal wieder in die Schlagzeilen. Im Sommer hatte er seine Biographie „The Smiling Pioneer“ veröffentlicht. Bekannt ist er unter anderem dafür, dass seine Pferde frühmorgens als erste auf den diversen Trainingsbahnen in der englischen Turf-Zentrale in Aktion sind. Das hat ihm allerdings in letzter Zeit wenig genutzt, denn aktuell lief es gar nicht mehr so gut.
Die Zeiten der großen Sieger schienen Vergangenheit zu sein. In Deutschland kennt man den Trainer gut. Dafür sorgten Pferde wie Luso, in den 90er Jahren erfolgreicher Dauergast in den deutschen Gruppe 1-Rennen über Distanzen von 2000 Metern und länger; Air Express, 1997 Sieger im Mehl-Mülhens-Rennen oder die Stute Crimplene, die im Jahr 2000 nach ihrem Erfolg in den deutschen 1000 Guineas den Düsseldorfer Grafenberg zum Schweigen brachte und später zur Gruppe 1-Siegerin wurde.
Dabei hatte Brittain nie Bedenken, auch sieglose Pferde in klassischen Rennen starten zu lassen. In neun von zehn Fällen waren diese Starter erwartungsgemäß überfordert, den einen, der sich aber zu einer Riesenquote placierte, feierten die englischen Turfjournalisten dann aber immer begeistert.

Wett-Coup
Die erfolgreiche Semayyel wäre mit Sicherheit auch ein Thema im Buch des Newmarket-Trainers gewesen. Ihre letzte gute Form war ein zweiter Platz aus einem Listenrennen im Herbst 2011 in Newmarket, in diesem Jahr war sie in Handicaps und Listenrennen immer deutlich geschlagen. Das war allerdings über die Meile und kürzere Distanzen. Jetzt folgte der erste Versuch über eine längere Distanz – und erstaunlicherweise löste sie diese Aufgabe hoch überlegen, was vorher rechnerisch unmöglich schien. Denn eigentlich schien diese Prüfung für Timepeace aus dem Henry Cecil-Stall maßgeschneidert zu sein. Doch diese wurde angaloppiert und fiel damit aus dem Rennen. Die meisten Bookies auf der Insel wird es gefreut haben.
Und wer neben Semayyel in einem Anflug von Wahn auch noch Emerald Wilderness in eine Sieg-Schiebe gepackt hätte und damit auf ein Freddy Tylicki-Double spekuliert, hätte richtig die Korken knallen lassen können. Denn der Wallach aus dem Stall vom Mark Rimmer, einst sehr erfolgreicher Jockey beim legendären Bruno Schütz in Deutschland, gewann zum Kurs von 340. Bei einem Einsatz von 10 Euro hätte er oder sie sich über fast 43 000 Euro freuen dürfen. Das wäre mal ein Coup gewesen…



Dienstag, 18. September 2012
Altano und ein Hauch von Chantilly
Großkampftag in Dortmund-Wambel: Die DSW 21, die Dortmunder Stadtwerke, sponsern den Renntag rund um das St. Leger. Mit Abo-Tickets des öffentlichen Nahverkehrs hat man freien Eintritt und wer nicht mit dem eigenen Auto da ist, den befördern Shuttlebusse zur Rennbahn. Was nicht bedeutet, dass diese ansonsten nicht per Bus erreichbar ist. Nur sonntags gibt es meist nur einen Bus pro Stunde – und da geht man doch lieber zu Fuß.
Jedenfalls ist diesmal das Gelände eine Stunde vor Rennbeginn schon sehr gut besucht. Jeder soll sich wohlfühlen, es gibt eine gigantische Hüpfburg für die Kinder und aus der Ferne dröhnt eine Jazz-Band.
Meine Lektüre des Fachblattes Sport-Welt machte offenbar Eindruck. Ich werde zum „Mr. Turf“, erkläre einer Besucherin den Wettschein und Wettarten. Und wenn man einmal schon dabei ist, kommt direkt der Nächste. Es ist jedenfalls schwierig, einem Laien Kombiwetten zu erklären, wenn dieser mit den Begriffen Zweierwette hin und zurück und Dreierwette nichts anfangen kann. Die Zweijährigen des ersten Rennens sind schon längst im Führring, als dieser endlich verstanden (oder nicht) hatte.


Nicht der Sieger, aber immerhin der St. Leger-Zweite Tidespring (hinten) und der Dritte Wilddrossel (vorne) präsentieren sich im Führring.

Sieger des Tages
Bei einem Turf-Konservativen wie mir findet das zwar nicht unbedingt Anklang, wenn ein Pferd im zarten Alter von fünf und sechs Jahren zwei klassische Siege einfährt, weil der klassische Jahrgang eben die Dreijährigen sind. Aber so ist das eben mit dem St. Leger – und das soll bloß keine Kritik am siegreichen Team sein. Altano war irgendwie das etwas vergessene Pferd des Rennens, zumal er zuletzt zweimal eher schwach lief. Doch die Pause tat ihm gut und als Eddy Pedroza den Galileo-Sohn auf der Zielgerade schnell machte, war die Frage nach dem Sieger schnell beantwortet. Tidespring aus Frankreich wurde zweite, unser Tipp Wilddrossel landete auf Platz 3. Damit setzt die Stute meine schwarze Serie im St. Leger auf, obwohl sie tadellos lief. Und ich will es kaum glauben: Das war der erste Erfolg im deutschen St. Leger für Trainer Andreas Wöhler. Damit hat er alle Klassiker in Deutschland gewonnen, mein Glückwunsch.

Exot des Tages
Kroatien gilt nicht gerade als Großmacht des Turfs. Von wegen - Kastillo gewann das BBAG Auktionsrennen Dortmund und der zweijährige Sohn des großen Sinndar wird in Kroatien trainiert. Natürlich hatte er Glück, dass Gershwin einen Hauch zu spät kam, aber drin ist eben drin. Und obwohl er sich im Führring erst einmal ziemlich ungebührlich aufführte, worauf seine Führerin mit dem Hengst ziemlich böse auf kroatisch schimpfte. Jedenfalls klang das so.
Mein Tipp Titano wurde im Vorfeld richtig stark gewettet, aber ein Rennen aus dem Hintergrund bei 14 unerfahrenen Pferden ist eben ein Spiel mit hohem Risiko. So musste Jockey Martin Harley mehrere Stopps hinnehmen, weil die Räume dicht waren. Immerhin hatte ich den Sieger in der einleitenden Prüfung für den Nachwuchs, als Erlkönig trotz deutlicher Unreife diese für sich entschied.

Handicaps des Tages
Die großen Gelder gab es in den Handicaps – natürlich nicht Preisgelder für die Teilnehmer, sondern am Totalisator. Manche Resultate sind wirklich erstaunlich: Da siegt zum Beispiel im Preis von Dokom 21 souverän War Bride zum Toto von 163, die letzte gute Form stammt aus dem Vorjahr. Oder der wackere Schimmel Tremendous im vierten Rennen (Toto 251), dem die wenigsten Wetter das mit dem hohen Gewicht zugetraut hätten. Seinen vierten Erfolg in Serie feierte hingegen Ipos - Respekt!

Premiere des Tages
Endlich hat der Dortmunder Rennverein neue Startboxen. Die Alten waren schon lange ein Ärgernis, weil sich oftmals eine Boxentür zu früh öffnete und das zu Verzögerungen führte. Die Neuen stammen von der französischen Nobelbahn aus Chantilly, sind also gebraucht, aber immerhin wurde aus ihnen schon das französische Derby gestartet. Darauf verwies Rennbahnsprecher Klaus Göntzsche noch einmal extra und ich stand gerade an einem Punkt der Dortmunder Bahn, wo man ihn auch verstand. Das wäre übrigens mein Tipp für die nächste Investition: eine neue Lautsprecheranlage.
Pünktlich war man in Dortmund übrigens auch nicht mit der neuen Startmaschine. Die Schlangen an den wenigen Kassen waren lang und nirgendwo gibt es offenbar so viele startschwierige Pferde wie in Deutschland. Aber mit Pünktlichkeit haben es die deutschen Rennbahnen noch nie gehabt.

Artikel des Tages
Zwei ganz nette Texte über den Renntag in Dortmund-Wambel. Nur das mit dem „Klassiker in Hoppegarten“ ist hier schlichtweg falsch und warum es immer ein „Hauch von Ascot“ sein muss, ist mir auch etwas rätselhaft. Offensichtlich ist diese Überschrift bei vielen Redakteuren eingespeichert. Und das mit dem Hauch ist so schlecht auch wieder nicht…