Samstag, 31. März 2012
März-Wahnsinn im Signal Iduna-Park
Seit fast 40 Jahren gehe ich in das Westfalenstadion/den Signal/Iduna-Park, aber an so ein Wahnsinnspiel wie zwischen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart kann ich mich nicht erinnern. 4:4 endete die Begegnung. Dabei sah nach 49 Minuten alles nach einem weiteren Dortmunder Sieg und einem entspannten Wochenende mit der Hoffnung auf einen Bayern-Patzer aus. 2:0 hieß es zu diesem Zeitpunkt, der BVB zauberte gegen gar nicht mal so schlechte Stuttgarter einen Hochgeschwindigkeits-Fußball der Kategorie Wahnsinn auf den Rasen. Nur die Chancenauswertung ließ zu wünschen übrig.
Was dann aber kam, war schlichtweg unbegreiflich. Der Gast aus Schwaben drehte auf einmal das Spiel und schoss von Minute 70 bis 80 drei Tore. Einmal Ibisevic, zweimal Schieber und der VfB führte 3:2. Besonders beim zweiten Tor lieferte die BVB-Abwehr eine wahre Slapstickeinlage. Ausgerechnet Schieber, der so lange verletzt war und erst einmal in dieser Spielzeit traf.
Auf der Tribüne wird es fast fatalistisch. Der Block, indem, ich auf der Südtribüne stehe, könnte früher auch auf der alten Nordtribüne gewesen sein. Will sagen: Die Zahl der Zweifler und Schwarzseher ist relativ hoch, gerade in solchen Situation neigen manche zu Extremmeinungen. Selbst ich denke, dass das ganze Gerede mit dem Termin für die Double-Feier nach Meisterschaft und Pokal doch reichlich übertrieben war. Noch ist nämlich nichts gewonnen.


Herr Gentner hatte das letzte Wort
Doch es kam wieder Leben ins Stadion, die Zuschauer trieben den BVB an. Und zum Glück hat Borussia eine Mannschaft, die sich so schnell nicht geschlagen gibt. Mats Hummel, der smarte Rhetoriker, trifft für seine Stürmerkollegen. Und dann macht der eingewechselte Ivan Perisic nach 87 Minuten das 4:3 und stürzt das Stadion in einen kollektiven Jubeltaumel, wie ich ihn noch nie erlebt habe.
Dann kommt die Nachspielzeit. Auf der Tribüne pfiff inzwischen alles, was Schwarz-Gelb trägt. Schiedsrichter Weiner soll endlich abpfiffen. Das macht er dann auch, doch vorher traf Gentner für den VfB zum 4:4 – wieder nach einer ziemlichen Dortmunder Slapstickeinlage. Wahnsinn! Auf der Tribüne herrscht eine Mischung zwischen Wut und Staunen, aber Kompliment an beide Teams. Das war ganz großer Fußball und wenn ich einem Unbeteiligten die Faszination der Sportart erklären müsste, dann würde ich ihm dieses Spiel zeigen. Deutscher Meister wird dennoch nur der BVB.



Freitag, 30. März 2012
Rennbahnen im Netz: Frankfurt


Was bieten die Internetseiten der Galopprennbahnen für Profis und Anfänger? So langsam kommt die Grasbahnsaison ins Rollen und damit Anlass für nurpferdeundfussball, die Angebote der Rennvereine mal unter die Lupe zu setzen. Den Auftakt macht Frankfurt, dort wird am Sonntag auf der Bahn in Niederrad die Rennsaison eröffnet.
Die Querelen der Vergangenheit sind offenbar vorbei, der noch relativ „neue“ Frankfurter Rennklub präsentiert sich im Netz reichlich frisch und inspiriert. Das Konzept ähnelt dabei sehr in der Aufmachung den Seiten des Hamburger Rennvereins bzw. dem von Turf-Times. Das verwundert nicht: Die Handschrift von Dequia Media, die für obige Auftritte zuständig sind, lässt sich nicht leugnen. Was nicht schlecht ist – denn Turf-Times liefert reichlich Fachkompetenz zu den Seiten.

Inhalt
Schon auf ihrer Startseite punkten die Hessen: Dort wechseln sich verschiedene Aufmacher-Fotos von guter Qualität ab, darunter folgen die wichtigsten Meldungen der letzten Zeit. Weitere Extrapunkte gibt es zudem dafür, dass im Aufmacher-Text weitere Informationen verlinkt sind. Seitlich rechts steht eine Übersicht über die Renntermine des Jahres in Frankfurt – auch nicht schlecht. Die obere Leiste verlinkt zu den Themen Termine, Service, Wetter, Rennbahn, Hospitality, Training, Renn-Klub, Historie, und Media.

Informationen und Nutzwert
Das Angebot ist vollgepackt mit Informationen, sowohl Anfänger als auch der Profi kommen auf ihre Kosten. Für Neulinge beispielsweise: Im Segment Service unterstützen ein Rennsport-ABC und die Extraseite „Das erste Mal auf der Rennbahn“, im Bereich Wetten gibt es weitere Tipps. Und die Basics wie Anfahrt und Eintrittspreise sind leicht erkennbar.
Der Profi profitiert von der Kooperation mit Turf-Times. Das zeigt sich, dass im Programm eine Vielzahl an Informationen zu den Pferden abrufbar ist. Das Einzige, was etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist die Tatsache, dass sich kein neues Fenster öffnet und es nur mit der Zurück-Funktion wieder auf die Seite geht.
Auch in den anderen Bereichen wartet einiges Wissenswertes auf den Besucher. Die Texte sind zudem gut geschrieben und aktuell.

Optik
Die Mischung aus Rot, Grau und Weiß ist in Ordnung, vielleicht könnte die Schriftgröße an der Seite etwas größer sein. Aber in diesem Falle ist das Jammern auf hohem Niveau.

Fazit
Das Internetangebot der Hessen macht schon Eindruck. Ein fast perfekter Auftritt, zumal später noch Videos und weitere Fotos hinzukommen sollen.



Mittwoch, 28. März 2012
Lean on Pete
Er wächst nicht gerade behütet auf, der 15jährige Charley, Hauptfigur in Willy Vlautins Buch „Lean on Pete“. Die Mutter schon lange tot, der Vater nie zu hause, Freunde hat er nicht. Wie sollte er auch, wenn er immer wieder mit seinem Vater den Ort wechselt. Die derzeitige Station heißt Portland. Doch auch hier kümmert sich der Vater nicht um den Sohn. Charley bleibt auf sich alleine gestellt – und nimmt einen Job auf der Rennbahn in Portland an. Sein Chef heißt Des Montgomery, ein Trainer von Galopprennpferden, dessen beste Zeiten aber schon lange vorbei sind.


Promo-Video für Lean on Pete: Willy Vlautin ist zudem Sänger der Band Richmond Fontaine. Diese wurde 1994 auf der Rennbahn Portland Meadows gegründet.

Es ist die Kehrseite des amerikanischen Traums, die Vlautin eindrucksvoll schildert. Dann stirbt auch noch der Vater von Charley. Nur einer spendet Trost: das Rennpferd Lean on Pete. Doch auch hier droht die Katastrophe: Trainer Montgomery will Lean on Pete zum Schlachter schicken, weil dieser seine Leistung nicht mehr bringt. Charley aber flüchtet mit dem Pferd – und verliert dann auch noch Lean on Pete auf der Flucht. Immerhin kommt es nach einigen Irrungen unterwegs zum Happy-End: Charley findet seine Tante.
Das hört sich an wie der Plot einer schlechten „Soap“ und hätte fürchterlich daneben gehen können. Doch Willy Vlautin umschifft diese Hürde problemlos. Weil er diese Geschichte ohne großes Pathos und falsche Gefühle erzählt und zudem erstaunlich unkompliziert schreibt.

Quarterhorse
Es ist kein Buch, das einen emotional groß mitnimmt, weil der Autor immer distanziert bleibt. Aber diese Distanz macht das Werk so lesenswert. Denn trotz allem Elend, das Charley zustößt, verfällt der Beobachter nicht in Mitdepressionen. Es ist ein Buch vom Durchhalten auch nach den härtesten Schicksalsschlägen, die Vlautin nicht groß dramatisch ausschmückt. Sie passieren einfach.
Natürlich habe ich das Werk hauptsächlich gelesen, weil es teilweise im Rennbahn-Milieu spielt. Vorher kannte ich von Vlautin bereits „Motel Life“, doch dieses Werk überzeugte mich nicht ganz.
Auch in „Lean on Pete“ schildert Vlautin die Schattenseiten: Lean on Pete ist ein Quarterhorse, das sich seinen Hafer in dubiosen Rennen auf dem Land verdient. Sein Jockey ist ein Säufer, sein alter Trainer chronisch abgebrannt. Charley bezahlt er nur unregelmäßig und auch sonst ist er ein Typ, der wenig sympathisch wirkt. Es geht ums wirtschaftliche Überleben – und das ist eben weit weg vom „Glamour des Turfs“, den viele Unbeteiligte immer mit Galopprennen verbinden. Eher Kreisliga statt Champions League …..

Fazit: Absolut empfehlenswert, ein wirklich packendes Buch.