Sonntag, 19. Februar 2012
Preuße Rehhagel will Hertha retten
Da hat Michael Preetz, Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin, Berlins Boulevard-Journaille aber mal ziemlich geleimt. Alle möglichen Namen hatten die Journalisten in die Trainerdiskussion bei Hertha gebracht – Stanislawski, Rangnick oder Thomas Doll, an den man sich in Dortmund nur mit Schaudern erinnert. Nur auf Otto Rehhagel kam keiner der findigen Leute von den Zeitungen mit den großen Buchstaben. Ausgerechnet dieser wird im zarten Alter von 73 Jahren Nachfolger von Michael Skibbe: Gemeinsam mit Assistenztrainer Rene Tretschok soll er die Hertha vor dem Abstieg in die 2. Liga retten.
Am Samstag blühte in der Bundesliga-Sendung auf WDR 2 schon wieder der Flachs. Zum Beispiel in Sachen Fußballtaktik a la Rehhagel: Ob denn Hertha wieder mit Libero agiere? Setzt Rehhagel wieder auf die Manndeckung? Feiert der gepflegte Oberlippenbart sein Comeback?
Am Sonntag präsentierte sich der Fußballlehrer in einem Interview mit der Bild am Sonntag in gewohnter Form. Er sei ab Montag Tag und Nacht für Hertha da – „und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin. Ich bin ein Preuße. Oder auch ein demokratischer Diktator.“ Oder: „Der Sinn des Lebens besteht in Arbeit – wie Immanuel Kant schon sagt.“

Experte für Fußball-Wunder
Doch bei allen Schrulligkeiten des gebürtigen Esseners: Otto Rehhagel ist ein hochgradig fähiger Fußball-Lehrer. Wer es schafft, mit dem Aufsteiger 1.FC Kaiserslautern Deutscher Meister zu werden und mit den griechischen Underdogs die Europameisterschaft zu holen, der muss schon einiges auf dem Kasten haben. Nicht zu vergessen die lange und erfolgreiche Zeit bei Werder Bremen mit Meistertiteln und Pokalsiegen. Es war diese Mischung aus Flexibilität und Starrsinn, die Rehhagel so erfolgreich machte. Nur in München beim FC Bayern scheiterte er – was auch nicht unbedingt gegen ihn spricht.
Jetzt also Hertha BSC. Die Berliner hatten im September 2011 beim Gastspiel in Dortmund eine taktisch sehr ausgereifte Vorstellung geboten und völlig verdient gewonnen. Das dachte nicht nur ich, dass die Verbindung mit Trainer Markus Babbel passt. Doch dann zofften sich Preetz und Babbel; Skibbe ersetzte Babbel, verlor fünf Spiele in Serie und musste gehen. Und in Berlin zittert man wieder um den Klassenerhalt.
Borussia Dortmund hatte mit einer ähnlichen Trainer-Lösung mal gute Erfahrungen gemacht: 2000 lösten Altmeister Udo Lattek und Matthias Sammer Bernd Krauss ab und hielten die Klasse.
Im Übrigen stimmt das gar nicht mit dem Libero. „Wir haben beim EM-Sieg 2004 mit Griechenland gar nicht mit Libero gespielt, sondern mit einer versetzten Viererkette. Ein Spieler, der nicht so schnell war, rutschte etwas heraus“, verriet der Meister im besagten BamS-Interview. Das wäre also geklärt.



Donnerstag, 16. Februar 2012
Lollo und Immi halten die Kutten-Flagge hoch
Es ist stets das gleiche Ritual so gegen Ende des Programms. Ein Mann in den besten Jahren, ordentlicher Bauch, schwarzgelbes Stirnband und Jeansweste, betritt die Bühne und blickt in die Runde. Und dann kommt die bekannte Frage: „Schalker hier?“ Dann meldeten sich irgendwelche Versprengte aus den hinteren Bereichen des Saales und die schaut dann unser BVB-Fan Immi erstmal böse an. Er ist einer der „Zwei vonna Südtribüne“, wichtiger Bestandteil des Ruhrgebiets-Karnevals Geierabend. Etwas später kommt dann Lollo auf die Bühne. „Wo wahrse so lange“, fragt Immi im Slang des Ruhrgebiets. „Abitur machen“, nuschelt Lollo. Und dann wird die erste Bierflasche aufgemacht.
Die zwei BVB-Fans – gespielt von Hans Martin Eickmann und Franziska Mense-Moritz – stehen sonst auf der Südtribüne, der berühmten Tribüne im Dortmunder Signal-Iduna-Park (einst Westfalenstadion), wo der Hardcore-Anhang des amtierenden deutschen Fußballmeisters sich versammelt. Immi und Lollo philosophieren schon seit Ewigkeiten (1992 gab es den ersten Geierabend) über Borussia Dortmund – natürlich im Ruhrgebiets-Dialekt. Die Nummer ist aus dem Geierabend eigentlich nicht mehr wegzudenken, im Sommer 2011 gab es sogar ein eigenes Soloprogramm.

Bier ist unser Gemüse
Meistens hat Immi das große Wort. Von wegen alles friedlich im schwatzgelben Revier: Beim Geierabend 2012 ging es um das Scheitern des BVB in der Champions League; Immi verglich das mit der Angst, die er als Kind vor dem Nikolaus hatte, wenn er ein Gedicht aufsagen sollte. Die etwas tumb wirkende Lollo offenbart erstaunliche Einsichten. „Das Denken wird überschätzt“ philosophiert sie etwa.
Es wird ordentlich gezecht. „Nehma noch einen“, fragt Lollo, „Jaah sicher“ antwortet Immi und dann kommen Sprüche wie „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ oder „Bier ist unser Gemüse“.
Erstaunlicherweise halten die beiden ihr Niveau über die Jahre. Natürlich sind sie reichlich klischeehaft, aber sie treffen schon einen gewissen Typen, der auf der Südtribüne präsent ist. Und vielleicht werden Immi und Lollo mal die letzen Kutten-Fans in Dortmund sein.
Denn die Fans mit der markanten Jeansweste und den vielen Stickern kommen in die Jahre. Diese Anhänger stammen offensichtlich aus einer anderen Zeit. In den 70er und 80er Jahren war der Fußball noch nicht so angesagt, kamen nicht gefühlte 90 Prozent der Stadionbesucher im Trikot. Nur der Hardcore-Fan trug das Dress seines Klubs, dazu gerne mehrere Schals – und eben Kutte.
Auf den „normalen“ Tribünenbesucher wirkten diese Fans immer etwas asozial. Sie waren laut, tranken Alkohol in Unmengen und traten oft in Gruppen auf.
Kuttenfans litten mit ihrem Verein, sie waren die treuesten Fans und kamen auch, wenn es sportlich mal nicht so lief und die Schönwetter-Anhänger sich anderen Dingen widmeten. Sie dominierten eindeutig die Fanszene. Den Kuttenträger traf man auf der Stehtribüne, meist war er männlich – Frauen waren eher die Ausnahme. Auch die Hooligans kamen in den 70er und 80er Jahren aus der Kuttenszene, erst später bestimmten Leute ohne Vereinszeichen die gewalttätige Szene.
Heute sind die Kuttenträger in die Jahre gekommen, manche sind schon über 50 und haben sich auf die besseren Plätze zurückgezogen. Die Ultras mit ihren Ritualen bestimmen die Fankurven. Doch auch auf der Dortmunder Südtribüne gibt es immer noch die Leute mit den markanten Westen – wie Lollo und Immi.



Donnerstag, 9. Februar 2012
Entdecke deinen Lieblingsclub
Wie finde ich den richtigen Bundesliga-Club? Für uns Hardcore-Fans, die ihre Anhängerschaft quasi mit der Muttermilch eingesogen haben, ist das kein Thema – aber für all die Menschen im Lande, die auf einmal den Fußball entdeckt haben, weil er angesagt ist, gibt es jetzt eine nette Hilfe. Sie kommt aus England, erschien auf der Seite mit dem schönen Namen Inbedwithmaradona und ist – sagen wir es einmal so – etwas verwunderlich.
Aber manchmal sind die Hinweise ganz treffend, zum Beispiel beim FC Bayern. Bei Borussia Dortmund weiß ich allerdings nicht so, am besten gefallen mir aber die Fragen für den 1.FC Köln: Wenn Bier trinken in verrückten Kostümen besser ist als Fußball gucken und das Leben ein chaotischer Mist ist, dann ist der FC die richtige Wahl.