Das Schöne am Galopprennsport ist, dass immer wieder Pferde auftauchen, die selbst hartgesottenen Beobachtern des Sports das Herz wärmen. Am Samstag war es mal wieder so: Camelot gewann die Racing Post Trophy in Doncaster, eines der Top-Rennen für Zweijährige in England. Und wie er siegte: im gewöhnlichsten Galopp. Ohne dass ihn sein junger Reiter Joseph O’Brien auffordern musste, zog der Schützling von Trainer Aidan O’Brien mit einer Leichtigkeit an seinen Gegnern vorbei, die schlichtweg atemberaubend war. Zweieinviertel Längen trennten den Montjeu-Sohn am Ende von Zip Top sowie Fencing, die allesamt auf voller Betriebstemperatur liefen, während ihr Bezwinger immer noch im Schongang agierte. Schon taucht er auf, der Vergleich mit dem großen Frankel.
Nun ist das etwas verfrüht, nicht jeder herausragende Zweijährige ist auch ein grandioser Dreijähriger und noch weiß niemand, wo gut die Gegner an diesem Tag waren. Camelot, bei dessen Namen ich immer an diesen Sketch von Monty Python denken muss, zählt jedoch nicht gerade zu den hart geprüften Zweijährigen. Der Start in der Racing Post Trophy war erst sein zweiter Einsatz auf der Rennbahn, das Debüt in Leopardstown war selbstverständlich auch erfolgreich.
Das Real Madrid des Turf
Da sollte noch einiges kommen, auch wenn ich die Leute nicht verstehe, die den Hengst jetzt schon zum lausigen Kurs von 40 für das englische Derby 2012 wetten. Das Pedigree stimmt zumindest: Vater ist der große Montjeu, die Mutter Tarfah war auch ein erfolgreiches Pferd, gewann unter anderem ein Gruppe 3-Rennen. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Spross so gut wird, aber hier passt das wohl.
Camelot ist ein richtiges Vollblut-Blaublut und kein Schnäppchen wie die grandiose Danedream. Satte 525 000 Guineas (umgerechnet 632.668 Euro) zahlten die Herren Smith, Tabor und Magnier an Züchter Sheikh Abdulla Bin Isa Al-Khalifa und schickten ihn zu Trainer Aidan O’Brien. Die Herren können sich das aber durchaus leisten: Ihre Pferde laufen für Ballydoyle, Rennstall der Coolmore-Organisation und quasi das Real Madrid des Galopprennsports. Montjeu zählt auch zu den Coolmore-Deckhengsten, hat die schlappe Decktaxe von 75 000 Pfund und brachte schon große Pferde wie Motivator, Authorized, Hurricane Run oder Pour Moi, englischer Derby-Sieger in diesem Jahr.
Geschichte wird gemacht: Montjeu triumphiert im Prix D’Arc de Triomphe 1999, mit dabei war auch ein gewisser Tiger Hill.
Drei Spiele, zwei Niederlagen, ein Remis, 2:7 Tore, ein magerer Punkt – es sind derzeit bittere Abende für Borussia Dortmund und seine Anhänger in der Champions League. Nach dem bitteren 1:3 bei Olympiakos Piräus ist das Achtelfinale fast schon verspielt, selbst Platz 3 und ein Überwintern in der Euro League scheint fraglich. Der BVB und der europäische Vereinsfußball – das passt derzeit einfach nicht. Zwischen Aufwand und Ertrag liegen Welten.
Denn zumindest in den ersten zwei Spielen agierte das Team durchaus gefällig, hatte beispielsweise in beiden Begegnungen ein Chancenplus. Allerdings bestraften die Gegner – anders als in der Bundesliga – die Dortmunder Fehler gnadenlos.
Im ersten Spiel gegen den FC Arsenal rettete erst ein spätes Tor von Ivan Perisic die Borussia. Dabei hatte das Klopp-Team den englischen Gast über weite Strecken dominiert. Wenn da nicht dieser dummer Fehlpass von Sebastian Kehl gewesen wäre, der Robin van Persie das 1:0 für die Gunners ermöglichte.
Noch frustrierender war das nachfolgende 0:3 bei Olympique Marseille. Der BVB vergab die besten Chancen, die Tore machten aber die Franzosen nach wahren Dortmunder Slapstick-Einlagen (Subotic rutscht weg, der missglückte Kopfball von Hummels). Das Elend ergänzte ein Elfmeter, den man auch nicht unbedingt pfeifen muss.
Nach dem 1:3 im Europa geplagten Griechenland fehlten auch dem ansonsten so wortgewaltigen BVB-Coach Jürgen Klopp die Erklärungen. Dortmund begann in Piräus gut, vergab die ersten Chancen durch Perisic und Kagawa, doch was dann kam, erinnert an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.
Nadelstiche
Der erste gefährliche Angriff des 48fachen griechischen Meisters, bei dem nur ein Grieche in der Startformation stand, führte zum 1:0. Und wieder patzte die Borussia, ließ die Flanke zu und den ehemaligen Münchener Löwen Holebas zum Kopfball kommen. Nach dem 1:1 durch Lewandowski keimte kurz Hoffnung auf, doch Olympiakos war an diesem Abend mit seiner Taktik der Nadelstiche erfolgreich. Erneut kam die Flanke, Hummels rutschte weg und Subotic verlor das Duell gegen Djebbour.
Die zweite Halbzeit war von Dortmunder Seite schwach, die Mannschaft wirkte richtig verunsichert. Viel musste Olympiakos nicht mehr machen, hatte aber dennoch noch die besseren Möglichkeiten. Das 3:1 war die logische Folge und sogar verdient.
International zahlt der BVB das berühmte „Lehrgeld“ (auch wenn ich das nicht mehr hören kann). Aber Fehler werden auf internationaler Ebene noch schneller bestraft als in der Bundesliga. Nach Champions League-Kriterien sind Teams wie Marseille und Piräus gehobenes Mittelmaß – und das reichte gegen den BVB.
Natürlich habe ich nicht erwartet, dass Borussia Dortmund nach dem überraschenden Meistertitel die europäische Königsklasse im Sturm und Drang erobert. Dafür ist die Mannschaft noch zu jung, dafür haben Vereine wie Barca, Manchester United, Real oder Chelsea ein ganz anderes sportliches und finanzielles Niveau. Selbst der FC Bayern – wenn er sich nicht gerade wie in der letzten Saison intern selbst zerlegt – befindet sich auf einem anderen Level. Ist ja auch logisch, wenn man einen dreimal so hohen Personaletat wie Dortmund hat. Aber so ernüchternd hätte das Ergebnis nicht ausfallen sollen. Eigentlich waren diese Tage doch als Festtage eingeplant.
Noch einmal ein kleiner Nachtrag zur Peitschen-Debatte in England, auch weil mir inzwischen die „Wendy-Fraktion“ in dieser Sache so ziemlich auf den Geist geht. Allen, die Top-Jockeys wie Dettori, Moore, Mc Coy oder Fallon als „Metzger“ bezeichnen, nur weil diese im Endkampf manchmal etwas energischer reiten, widme ich diesen Selbsttest von Guardian-Journalist Greg Wood.
Wood hat sich nämlich von Jockey Jim Crowley peitschen lassen. Dreimal schlug der Jockey den Pressevertreter auf die besonders sensible Innenfläche der Hand, das dritte Mal so hart „wie ich jemals ein Pferd geschlagen habe“, so Crowley. Das Ergebnis: Wood fühlte kaum etwas. Weil die moderne Reitpeitsche heute leichtgewichtig und schaumstoffgepolstert sei und nichts mehr mit der Ledervariante vergangener Jahr zu tun habe. „Diese Peitsche verletzt keinen Menschen, so kann sie auch kein Pferd verletzen", meint der Reiter. Im übrigen ist der Job des Metzgers ein ehrenwerter Beruf.
Der komplette Text Vielen Dank an user robertob aus dem Galopperforum, der diesen Link dort gepostet hat.