Donnerstag, 9. Juni 2011
Royal Ascot: Nur die Pferde stören etwas


Treffender Beitrag von deutsche welle tv über die Rennen in Royal Ascot. Ich habe nur keine Ahnung, wo man den Sender sehen kann. Das königliche Festival auf der Rennbahn im englischen Ascot steht jedenfalls vor der Tür: Am 14. Juni geht es los, am 18. Juni ist Schluss, macht in der Summe fünf Tage hochklassigen Galopprennsport.
Nur dass die Pferde nicht unbedingt die Hauptrolle spielen. Das königliche Rennfestival ist für viele Besucher das, was der Karneval in Deutschland ist. Das heißt Verkleiden und Alkohol bis zum Stillstand der Augen – zumindest bei manchen Besuchern. In der königlichen Loge mag es etwas distinguierter zugehen – offiziell.
Sportlich beginnt es am Dienstag schon mächtig, wenn Frankel, Triumphator in den englischen 2000 Guineas, in den St. James's Palace Stakes (Gruppe 1, 1600 Meter) unter anderem auf Dubawi Gold, Zweiter in den englischen und irischen 2000 Guineas, und Excelebration, Sieger im deutschen Mehl Mülhens-Rennen, trifft. „Ich habe alte Männer getroffen, die Pferderennen seit langen Jahren schauen und die sagen, dass sie noch nie so ein Rennpferd gesehen haben“, zitiert die Sporting Life Tom Queally, den Jockey von Frankel.
Ein weiteres Highlight sind die King’s Stand Stakes für die schnelle Brigade. Mit dabei unter anderem Overdose und einige starke Gäste aus Übersee.



Mittwoch, 8. Juni 2011
Führen wie der Blatter Sepp
Was war das für eine Groteske in der letzten Woche beim Fußball-Weltverband FIFA. Selbstverständlich wählten die Delegierten den bisherigen Präsidenten Joseph S. Blatter wieder. Vorher gab es eine schöne Schlammschlacht: Sein Gegenkandidat Mohamed Bin Hammam (Katar) verzichtete, weil ihm die sogenannte FIFA-Ethik-Kommission der Korruption bezichtete. Nur Blatter hat weiter ein reines Gewissen.
Das sorgt nicht nur bei führenden deutschen FIFA-Kritikern wie Jens Weinreich oder Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung für Empörung. Selbst das Fachblatt kicker, früher immer stramm auf FIFA-Linie und immer noch ziemlich auf DFB-Kurs, spricht seit einiger Zeit von Korruption innerhalb des Weltfußballverbandes.
Aber, liebe Nachwuchs-Machiavellis und BWL-Studenten im fortgeschrittenen Semester, Ihr könnt einiges vom Management a la Blatter lernen. Ihr müsst nur gewisse Regeln beachten. nurpferdefussball enthüllt exklusiv die Management-Leitlinien des Joseph S. Blatter.

Kritik ignorieren, Probleme aussitzen: Da ist der Sepp ganz groß drin. Kritik prallt bei ihm äußerlich unbeteiligt ab (na gut, nicht immer, manchmal bricht er auch Pressekonferenzen einfach ab), Krisen sitzt er aus. Und seit seinem Amtsantritt hat er schon einige schlimme Situationen erlebt. Was stört es eben die stolze Eiche, wenn sich das niedrige Borstenvieh dran weidet. Wichtig sind zudem (Pseudo)-Aktionen, um Probleme zu beseitigen. Das übernimmt der Präsident höchstpersönlich.

Das Gute betonen: Großen Wert legt Blatter in seinen Reden und Interviews auf Begriffe wie Leidenschaft, Fairplay, Transparenz, Ethik oder Fortschritt. Gerne spricht er auch von der großen weltweiten Fußball-Familie. Wir sitzen doch alle in einem Boot – geführt von den weisen Männern der FIFA.

Klotzen: Als FIFA-Präsident stellt man etwas dar in der großen Welt. Nur keine falsche Bescheidenheit: Top-Hotels, Privatjets, die besten Plätze im Stadion – keine Ahnung, wann jemand wie Blatter zuletzt Eintritt für ein Fußballspiel bezahlt hat.

Orden sammeln: Zahllose Auszeichnungen schmücken die Karriere des Joseph S. Blatter. Unter anderem ist er Träger des Ordens Jarowslas des Weisen (Ukraine), Träger des „Order of Good Hope" der Republik Südafrika, dazu Ritter der französischen Ehrenlegion. Unter natürlich hat er auch das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und ist Ehrenmitglied des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nur keine Scheu vor Diktaturen oder politisch fragwürdigen Regimes. Denn die haben unheimlich tolle Auszeichnungen. Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit dem Friedensnobelpreis.

Geschenke machen: 1998, was war das damals für ein Ärger. Dieser schwedische Typ von der UEFA, er sprach wahrlich von solchen Dingen wie Transparenz. Doch wer gewann die Wahl? Natürlich unser Held – und so hat jetzt der Fußballverband von Mali ein Hauptquartier, in dem das Büro des Verbandspräsidenten größer ist als das des Landespräsidenten. Weil der Präsident ein Herz für die kleinen Verbände hat und sie finanziell unterstützt. Das schafft Dankbarkeit und bringt Wählerstimmen. Wo das Geld letztendlich landet – Themenwechsel.

Die Schwächen der Kollegen kennen: Zweifellos die größte Stärke des Sepp Blatter. So hat er sich mit Leuten wie diesen umgeben, von denen einige nichts gegen gutgemeinte Geschenke (es kann auch Bargeld sein) haben. Das weiß der Blatter Sepp: Und wenn dann einer davon wie Jack Warner nach seiner Suspendierung von einem „Tsunami spricht, der die die ganze FIFA zum Einsturz bringen kann", dann sind das nur leere Worte. Weil der Ticketspezialist Warner doch einige Flecken in seiner sauberen Weste hat und ihm die materiellen Pfründe dann doch wichtiger sind als die gute Sache.



Sonntag, 5. Juni 2011
Wenn Menschenmassen Dortmund-Wambel stürmen

Donnerstag, gegen 15 Uhr, Rennbahn-Wambel: Menschen, Menschen, Menschen

In dieser Woche häufen sich die Turf-Großereignisse: Seit letztem Samstag läuft schon das Frühjahrsmeeting in Baden-Baden, gestern (Freitag) gab es die englischen Oaks, heute folgte dann das englische Derby, am Sonntag findet das französische Derby statt. Und dann war noch am Donnerstag der Sparkassen-Renntag in Dortmund. Natürlich war ich bei letzterem live dabei.
Der Laie freut sich, der Profi stöhnt: Die sogenannten Volksrenntage stoßen auf ein geteiltes Echo. Seit Ewigkeiten sponsert die Sparkasse Dortmund diesen Renntag am Feiertag Himmelfahrt und verteilt viele, viele Freikarten. Entsprechend gut besucht ist die Rennbahn, besonders wenn das Wetter mitspielt. Donnerstag war perfektes Wetter, trocken, etwa 25 Grad. Und so zog es Familien mit Kindern, Vatertagsausflügler und die Turfprofis nach Wambel.
Manches hat sich im Laufe der Zeit verändert: Früher war das etwa mit den leicht bis volltrunkenen Bollerwagen-Trupps viel schlimmer. Es gab Jahre, da waren zum Schluss die Nüchternen in der Minderheit auf dem Rennplatz. Das ist Vergangenheit: Heute ist das eine Familien-Veranstaltung, bei der die schnellen Pferde eine wichtige Rolle spielen, aber nicht alles sind.
Für den Profi sind Volksrenntage hingegen die Pest: Weil sich lange Schlangen vor Wettschaltern und Verpflegungsständen bilden, der Führring (der in Dortmund direkt in den Biergarten übergeht und wenig Zuschauerplätze bietet) dicht umdrängt ist und irgendwelche fremde Leuten seinen Stammplatz bevölkern.
So schlimm war es am Donnerstag nicht, zumal die Dortmunder Bahn durchaus Rückzugsorte vom Trubel bietet. 10 000 Zuschauer sollen da gewesen sein, der Umsatz war mit rund 150 000 Euro bei so vielen Besuchern wie so häufig ziemlich dürftig. Außerdem veranstaltete Baden-Baden fast zeitgleich, das zog viel Umsatz ab.

Happy Royal macht Freude
Ärgerlich ist, dass Baden Racing erstmals an diesem Tag eine Derbyvorprüfung veranstaltete und damit dem Dortmunder Rennverein quasi eine Prüfung mit viel Tradition wegnahm. Der Große Preis der Sparkasse Dortmund war diesmal ein Ausgleich 1. So viel also zum Thema Solidarität im deutschen Turf.
Sportlich sattelte der Dortmunder Lokalmatador Uwe Stoltefuß mit Sommerabend und Birthday Lion die ersten zwei in obigem Ausgleich, gewann der unverwüstliche Egon mal wieder eine gut ausgesuchte Pflichtaufgabe und bewies Summernight Sky aus dem Ostmann-Quartier, dass Pferde auch trotz einer Aversion gegen die Startbox gewinnen können.
Meinen Tag finanziell rettete Happy Royal, ein schon neunjähriger Wallach aus dem Stall von Besitzertrainerin Karin Niester. Der Senior, der aus einer Pause kam, gewann souverän den Ausgleich 4. Großen Anteil daran hatte Jockey Fernando Alberto Guanti – ein Name, der mir vor kurzem noch gar nichts gesagt hatte. Seit Dienstag kenne ich ihn jedoch: Da ritt der Panamese Fol Liam in Baden-Baden zum Sieg – ähnlich beherzt, ähnlich taktisch klug von der Spitze wie mit Happy Royal. Nur dass er den England-Import Fol Liam richtig marschieren ließ und damit seine Gegner quasi aus den Schuhen galoppierte. Es war übrigens ein grandioser Dienstag – mit Nardo (wie Fol Liam ebenfalls trainiert von Besitzertrainer Christian Peterschmitt) und Laufmasche wettete ich zwei weitere Sieger. Und das auf einer Bahn, auf der ansonsten meine Bilanz eher durchwachsen ist.


Wo laufen sie denn? Da unten....