Der Wechsel von BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin zu Real Madrid hat eine gute und eine schlechte Seite. Die Schlechte ist natürlich, dass Sahin Borussia Dortmund verlässt und zu Real Madrid geht. Gut ist immerhin, dass der türkische Nationalspieler keinen direkten Konkurrenten aus der Bundesliga wie etwa den FC Bayerrn München verstärkt. Das wäre noch schwerer zu ertragen.
Die Meisterschale ist noch nicht überreicht und schon bricht Dortmunds Meistermannschaft auseinander. Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass dieses kurz oder lang nicht passieren wird – auch wenn BVB-Manager Michael Zorc sicher ist, „dass diese Mannschaft nicht auseinander fällt.“ Weil die Reals, ManUs oder Chelseas dieser Welt eben doch ganz andere finanzielle Möglichkeiten als die Borussia haben. Das wird auch das zukünftige Financial Fair Play der UEFA nicht ändern. Die Zeiten, als der BVB mit diesen Klubs auch geldmäßig mitspielen wollte, sind längst Vergangenheit und führten bekanntlich fast zum Exitus des Klubs. Von daher wird sich der BVB-Fan daran gewöhnen müssen, dass andere Vereine Dortmunds junge Wilde abwerben. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass Mario Götze lange in Dortmund spielen wird.
Dennoch tut der Abschied von Nuri Sahin zu Real Madrid nicht nur sportlich weh. „Es kamen nicht viele Vereine in Frage, dafür ist der BVB einfach zu wertvoll,“ sagte der türkische Nationalspieler. Es gehe ihm absolut nicht ums Geld. „Ich werde unter normalen Umständen in meiner Karriere genug Geld verdienen. Ich habe mich ausschließlich für das Sportliche entschieden.“
Natürlich nehme ich dem BVB-Eigengewächs ab, dass ihm der Abschied fällt - besonders nach dieser grandiosen Saison. Nur die Sache mit dem Geld glaube ich nicht: Zumal auch Nuri Sahin Berater hat, die an einem Wechsel mitverdienen. Vereinsromantik war im Profifußball schon immer nur etwas für den Hardcore-Fan.
Von wegen Mythos
Gegen was tauscht Sahin also die Gelbe Wand im Signal-Iduna-Park ein? Der königliche Klub aus Madrid mag zwar ein Mythos sein mit den vielen Erfolgen der Vergangenheit. In den letzten Jahren präsentierte sich Real Madrid aber eher als proliger Neureicher, der mit seinem Geld alle zuschei…… .
Sportlich hat der FC Barcelona nicht nur in Spanien Real so ziemlich den Rang abgelaufen. Den letzten Titelgewinn gab es 2007, in der Champions-League triumphierten die Königlichen das letzte Mal 2002. In diesem Jahr scheiterte Real in Meisterschaft und Champions League (immerhin Halbfinale) am Zauberfußball von Barca, in den Jahren zuvor schieden die Madrilenen immer schmachvoll schon im Achtelfinale der Champions League aus.
Das wurmt natürlich die Verantwortlichen und dafür holten sie mit José Mourinho den erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt. Auch ein Grund für Sahin: Er könne es kaum erwarten, sagte dieser, unter Mourinho, einem der besten Trainer der Welt, zu arbeiten. Nun hat der Portugiese in Spielerkreisen einen legendären Ruf, nach außen hingegen wirkt er manchmal reichlich skurril, wenn er mal wieder irgendwelche Verschwörungstheorien wie zuletzt in die Welt setzt.
Zudem gilt Mourinho als Defensiv-Experte, der schon mal den „berühmten Bus im Strafraum parkt“. In Madrid ist er mit dieser Taktik inzwischen nicht mehr unumstritten, zumal die Zuschauer dort eleganten Offensivfußball wollen und nicht diesen Defensivfußball, den Mourinho zuletzt gegen Barca spielen ließ.
Und ob der offensivstarke Nuri Sahin in dieses System passt? Bei Real Madrid sind die beiden „Sechser“ (unter anderem Sami Khedira) eher defensivorientiert – im Gegensatz zum BVB, wo Sahin auf dieser Position das Spiel lenkt und Sven Bender eher den defensiven Pakt gibt.
Aber vielleicht ändert ja Mourinho sein System für Sahin. Immerhin trifft dieser dort seinen Freund und deutschen Nationalspieler Mesut Özil, der zudem den gleichen Berater hat. Özil begann übrigens ganz stark, doch zuletzt saß der technische so versierte offensive Mittelfeldspieler bei Real öfter auf der Reservebank. Real ist eben auch ein Haifischbecken, in dem der Starke den Schwachen frisst. Quellen: Ruhr-Nachrichten; kicker; Reviersport
Vier Tage ist das jetzt her – und so langsam wird die Farbe Schwarz-Geld im Dortmunder Stadtbild wieder etwas weniger. Seit Samstag steht fest, dass Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister ist und nur jemand, der auf einer fernen Insel lebt, hat das noch nicht mitbekommen. Hier in Dortmund gab es so und so keine Chance, dem BVB-Wahn zu entkommen.
Es war allerdings ein wunderschöner Wahn. Weil es eine Meisterschaft war, von der wir später noch einmal unseren Nachkommen erzählen werden. Zum einen war es – zumindest vor der Saison – völlig unerwartet, zum anderen hat das wirklich beste Team in diesem Jahr gewonnen. Fußballromantiker kommen auf ihre Kosten: Denn der BVB schickte eine junge Truppe ins Rennen, einige Spieler wie etwa Sahin, Schmelzer oder Großkreutz kommen aus dem eigenen Nachwuchs oder aus Dortmund selbst. Und offensichtlich passt die Mannschaft auch charakterlich zusammen, obwohl ich das mit den 11 Freunden nicht ganz glauben möchte.
Die Mannschaft von Jürgen Klopp hat Maßstäbe gesetzt und in (fast) jeder Partie ihren Gegner eindrucksvoll dominiert. „Mit einem mitreißenden Fußball, von dem man zuvor kaum ahnte, dass er existieren könne, rockte Dortmund die Republik“, formulierte das Fachblatt kicker.
Es gab viele Highlights in dieser Saison und ein ganz besonderer war der 3:1-Triumph beim Rekordmeister FC Bayern München. Hier gibt es noch einmal die Tore – natürlich gewohnt sachlich kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert im BVB-Netradio. Hier kann man gut erkennen, wie Borussia in dieser Saison spielte: Schnelle Balleroberung, schnelle Kombinationen, möglichst direkt. Einfach phänomenal!
„Sadismus und Brutalismus“ – das Grand National 1954
Kontroversen um das Grand National, das vielleicht schwerste Galopprennen der Welt, sind keine Erfindung der heutigen Zeit. Ein Blick in den Spiegel aus dem Jahr 1954 beweist das nachdrücklich. „Zu viele Kadaver“ titelte das Nachrichtenmagazin auf einer Seite. Vier Pferde verloren in diesem Jahr ihr Leben auf der Bahn in Aintree und der Spiegel lässt ausführlich die Gegner des Rennens zu Wort kommen. Dazu zählen Politiker wie der sozialistische Oberhaus-Abgeordneten Lord Ammon. „Rennen wie das Grand National sind Sadismus und Brutalismus gegenüber diesen herrlichen Tieren“, meint der Lord.
Und auch die Konservativen standen damals nicht alle hinter dem Sport. „Eine nationale Schande“ nannte der Tory-Politiker Howard Johnson das Rennen. Ob dieser Johnson was mit dem späteren fast gleichnamigen Trainer zu tun hat? Der Name Johnson ist allerdings in England so verbreitet wie bei uns etwa Müller.