Donnerstag, 9. Dezember 2010
Der Held von Berlin
15 Spiele, 13 Siege, 1 Remis, eine Niederlage – Borussia Dortmund spielt eine Saison, von der jeder, der dabei war, noch nachfolgenden Generationen erzählen wird. Der BVB thront an der Tabellenspitze und spielt einfach geilen Fußball. Am Samstag kommt Werder Bremen, Zweitlieblingsclub vieler Menschen, nach Dortmund. Ihre Krise haben die Gäste erst einmal beendet, dennoch ist Rang 10 ziemlich enttäuschend. In der Champions League gab es zuletzt einen Erfolg gegen ein allerdings ziemliches desolates Inter Mailand. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Werder letztendlich chancenlos ausschied. Dortmund gegen Bremen waren oft packende Spiele, nurpferdeundfussballerinnert an drei denkwürdige Duelle.

Borussia Dortmund – Werder Bremen 4:1 (1:1), 24.06.1989, Olympiastadion Berlin, DFB-Pokal, Finale
Es ist das gleiche Ritual bei jedem Heimspiel von Borussia Dortmund. „Norbert, Norbert Dickel – jeder kennt ihn, den Held von Berlin“, skandiert die Südtribüne. Stadionsprecher Norbert Dickel verneigt sich dann immer höflich und danach gibt es die Mannschaftsaufstellung des BVB. Viele, die mitsingen, waren damals noch gar nicht geboren oder gerade im Kindergarten-Alter. Denn die große Stunde des heute beim BVB als Eventmanager beschäftigten Siegerländers liegt mehr als 20 Jahre zurück. 1989 traf der Mittelstürmer, dessen Spielweise manchmal reichlich unbeholfen wirkte, zwei Mal beim 4:1-Sieg der Dortmunder im DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen – und erwarb damit dauerhaften schwarz-gelben Heldenstatus.
Dabei war Dickels Einsatz vor dem Spiel mehr als fraglich, eine Knieverletzung behinderte ihn. Doch Trainer Horst Köppel stellte ihn auf und hatte sich für den richtigen Schachzug entschieden. Riedle, der später auch für den BVB Geschichte schrieb, brachte Werder zwar nach 15 Minuten in Front, doch bereits sechs Minuten egalisierte Schwarz-Gelb durch den ersten Streich des Norbert Dickel. Es war ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, in dem die Borussia ihre Chancen besser nutzte. Mill erhöhte auf 2:1, wieder Dickel auf 3:1 und der eingewechselte Michael Lusch setzte mit dem 4:1 den Schlusspunkt.
Der Pokalsieg war der erste Erfolg nach langen Zeiten der Erfolglosigkeit und Dortmund feierte diesen Erfolg enthusiastisch. Nur für Norbert Dickel endete dieses Spiel mit einer tragischen Note: Denn von seiner Knieverletzung erholte er sich nicht mehr, es war das Ende seiner aktiven Laufbahn. Und blieb trotzdem dem BVB und seinen Fans erhalten.


Knie kaputt, aber ein glücklicher Mensch. Norbert Dickel wurde nach dem Pokalsieg 1989 zum Kult im BVB-Fanlager. Was auch daran liegt, dass er für jeden Sch…zu haben ist. Siehe diese mäßige, längst vergessene Comedy des WDR

Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1 (1:19, 04.05.2002, Westfalenstadion Dortmund, Bundesliga Saison 2001/2002, 34. Spieltag
An Ewerthon Henrique de Souza, Künstlername Ewerthon, scheiden sich die Geister in BVB-Fankreisen – auch heute noch. Seine Gegner verweisen auf seine Zweikampfschwäche, seine Befürworter argumentieren, dass er an einem guten Tag dank seiner Schnelligkeit und Technik nicht zu stoppen war. Beide Meinungen enthalten einen Teil Wahrheit, unstrittig ist allerdings die Tatsache, dass der brasilianische Stürmer, der 2001 von Corinthians Sao Paulo nach Dortmund kam, immer getroffen hat. 47 Tore in 119 Spielen in vier Jahren sind keine so schlechte Bilanz. Und ein ganz wichtiger Treffer war dabei.
Am 34. Spieltag der Saison 2001/02 empfing der BVB Werder Bremen und musste gewinnen, um Deutscher Meister zu werden. Das Spiel war nichts für Menschen mit chwachen Nerven: Werder machte Dortmund das Leben schwer und führte nach 14 Minute durch Stalteri. Dortmund war zwar überlegen, hatte auch Chancen, doch die Gäste wehrten sich. Erst in der 41. Minute erlöste Koller den BVB-Anhang mit dem 1:1.
In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild: Dortmund war zwar überlegen, doch die Bremer Konterangriffe blieben gefährlich. In der 73. Minute aber zog Borussen-Coach Matthias Sammer den Joker und wechselte Ewerthon ein. Eine Minute später brachte eine brasilianische Kooperation den Erfolg: Flanke Dede und Ewerthon bugsierte den Ball artistisch über die Linie. 2:1 für Dortmund, so blieb es auch. Borussia war Deutscher Meister und der schmächtige Angreifer einer der Helden des Tages. Nur die Prognose von Roberto Carlos bewahrheitete sich nicht ganz: „Ewerthon ist für mich einer der besten Brasilianer überhaupt. Für mich wird Ewerthon schon bald einer der besten Spieler der Welt sein", adelte ihn der Verteidiger, einst eine große Nummer bei Real Madrid und in der brasilianischen Nationalmannschaft.

Werder Bremen – Borussia Dortmund 2:0 (0:0), 28.02.2004, Weserstadion Bremen, Bundesliga, 22. Spieltag
Eigentlich war es kein besonderes Spiel. Doch es war der einzige BVB-Auftritt, den ich jemals live im Weserstadion erlebt habe. Was auch daran liegt, dass einer meiner Brüder seit geraumer Zeit in Bremen lebt und das Spiel auch noch auf den Geburtstag meiner Nichte fiel. So ließ sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und ich erlebte eines meiner wenigen Auswärtsspiele. Am Eingang gab es ein Riesengedränge, weil es offensichtlich für die Gäste-Fans nur einen Zugang gab und diese auch noch im Zeitlupentempo kontrolliert wurde. Die Show vor dem Spiel war etwas peinlich, was auch daran lag, dass man „Football is coming home“ nicht auf Deutsch mit „Das W... auf der Brust“ covern kann. Das ging gar nicht, aber ansonsten saßen in unserem Block Dortmunder und Bremer Fans friedlich nebeneinander. Nur einmal gab es spöttische Kommentare, als ein vielleicht zehnjähriger Junge bei einem Tor des FC Bayern jubelte. Hier muss wohl etwas in der Erziehung fehlgelaufen sein, auch die Eltern schauten etwas pikiert.
Unten auf dem Rasen stand der BVB eine Halbzeit in der Abwehr ganz gut, doch spätestens nach dem 1:0 durch Ismael war das Spiel gelaufen. Dortmund fehlte die Kreativität nach vorne. Der unvergleichliche Ailton entschied dann spät das Spiel endgültig. Werder hatte in dieser Spielzeit aber auch eine ganz starke Mannschaft und wurde hochüberlegen Deutscher Meister.



Freitag, 3. Dezember 2010
Lieber Sandown als Dortmund oder Neuss
Es droht ein Wochenende mit Entzugserscheinungen – pferdesportmäßig. Zumindest am Samstag, weil dort bereits jetzt alle Hindernisrennen in England wegen Schnee und Eis abgesagt wurden. Das ist traurig, weil der englische National Hunt-Sport mich quasi im Winter aufrecht hält. Aber keine Chance am Wochenende: die Top-Karte Sandown mit der Tingle Creek Chase abgesagt, in Wetherby und Chepstow fielen die Rennen ebenfalls den winterlichen Bedingungen Opfer.
Nun mag der Leser ja argumentieren, dass es doch Flachrennen auf den Allwetterbahnen in England gibt. Das ist richtig: Am Samstag veranstalten Kempton und Southwell, am Abend kommt noch Wolverhampton hinzu. Diese Rennen sind jedoch kein Ersatz: Ich finde Flachrennen auf den Allwetterbahnen langweilig – immer die gleichen (langsamen) Pferde, von denen mal der, mal der gewinnt. Wenn ich Pferderennen auf Sand wetten möchte, dann kann ich das außerdem auch in Deutschland.
Und da wären wir bei Dortmund am Sonntag. Auch in Deutschland geht das Geschehen auf den Winterbahnen ziemlich an mir vorbei. Die Winterrennen mögen ja ihre Berechtigung haben. Ich habe großen Respekt vor Trainern und Besitzer aus dem Osten oder Südwesten dieser Republik, die bei schlechten Bedingungen weite Wege auf sich nehmen, um ihre Pferde für diese lausigen Preisgelder laufen zu lassen. Aber der Unterhaltungswert dieser Rennen ist doch sehr beschränkt. Ich würde nie auf die Idee kommen, im Winter nach Neuss zu fahren.
Dortmund ist da etwas anders gelagert. Weil die Rennbahn quasi um die Ecke liegt und ich als Dortmunder ein „Heimspiel“ habe, könnte ich doch eigentlich hingehen. So schlimm sieht das Programm auch gar nicht aus – große Felder, einige ganz interessante Pferde. Dennoch bin ich mir noch nicht schlüssig: Es ist kalt draußen und so prickelnd ist die Atmosphäre in Wambel nicht. Ein Ersatz für Sandown ist das jedenfalls nicht…



Donnerstag, 2. Dezember 2010
Wenn englische Tories Fußball spielen


Was man nicht alles so findet, wenn man auf den Seiten des Guardians die englische Reaktionen auf die Vergabe der Fußball-WM nachlesen möchte: Ein grandioses Foul von Boris Johnson, englischer Tory-Politiker (also ein Konservativer) und Bürgermeister von London. Starr der Blick auf den Boden und dann mit dem Kopf in den Gegner - ein Foulspiel, das auf Fußballplätzen Seltenheitswert hat. "Er komme mehr vom Rugby" soll Johnson hinterher gesagt haben. Wen er da auf deutscher Seite fällt, konnte ich leider nicht erkennen und war auch im nachhinein nicht festzustellen. Zumal das Ganze schon etwas länger zurückliegt: 2006 war es in Reading und Deutschland gewann 4:2. Erfolgreiche Revanche 40 Jahre nach Wembley - trotz Boris.