Montag, 20. September 2010
Wie Bild das Revierderby anheizt
Das Revierderby zwischen Schalke und Dortmund ist auch für die Sportredaktion von BILD immer ein besonderes Ereignis. Da werden Emotionen geschürt, wird die Rivalität zwischen den Fans noch mal aufgestachelt, ist keine Schlagzeile reißerisch genug. Immer schwingt ein moralischer Unterton mit. Wenn es dann kracht, Bild war es nicht, hat aber wieder die gewünschte Geschichte.
Diesmal war es im Vorfeld trotz des katastrophalen Schalker Saisonstarts relativ ruhig, der Derby-Boykott vieler Dortmunder Fans wegen der hohen Eintrittspreise in der Arena war für BILD nicht das große Thema. Aber der Boulevard wäre nicht der Boulevard, wenn man nicht noch selbst „Dampf“ ins Derby bringen würde – auf höchst plumpe Weise.
„Watzke: Gott sei Dank ticken wir anders als Schalke“ titelt die Bild am Sonntag. „Schalke und wir haben total unterschiedliche Philosophien. Sie setzen auf Stars, wir ticken anders und setzen – Gott sei Dank – auf junge Talente“, zitiert das Blatt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Und garniert das Ganze mit dem Satz „Watzke lacht die Schalker aus“. So wird die Story schön dramatisch; allerdings muss der Leser schon sehr böswillige Absichten haben, um diese Aussage aus den Worten des BVB-Bosses zu lesen.

Hohn und Spott
„Watzke genießt die Misere in vollen Zügen“, schreibt die BamS weiter und bringt ein weiteres (eigentlich harmloses) Zitat des BVB-Bosses: „Schalke steht mit dem Rücken zur Wand! Die wollen eigentlich Deutscher Meister werden, also müssen sie eigentlich den Anspruch haben, gegen uns zu gewinnen……“ Und wieder lacht Watzke die Schalker aus. Damit bekommt eine eigentlich harmlose Geschichte den notwendigen reißerischen Touch, kann so in Bild laufen.
Und warum rege ich mich darüber auf? So funktioniert eben der Boulevard, die meisten BVB-Fans lesen, sagen sie zumindest, so und so nicht das Blatt. Nur sind Bild und BamS immer noch die meist verkauften Zeitungen in Deutschland, gilt der Sport als das große Aushängeschild des Blattes. Was nicht stimmt. Ich oute mich mal als sonntäglicher BamS-Leser, nur den meisten Sch…, den sie im Sport (und anderen Ressorts) schreiben, kann man nicht ernst nehmen.
Sportlich war es eine eindeutige Geschichte: Mit 3:1 demütigte der BVB den FC Schalke 04 und gewinnt erstmals seit 2005 wieder in der Turnhalle. Damit stoßen Dortmunds junge Wilde das Schalker Starensemble noch mehr ins Elend. Null Punkte in vier Spielen, Tabellenletzter – erstmals bekommt Felix Magath richtig Gegenwind. Was wiederum gut ist für Bild, denn aus Krisen lassen sich die schönsten Schlagzeilen basteln.



Mittwoch, 15. September 2010
Der Fluch des St. Legers
Es war wieder St. Leger-Zeit auf der Dortmunder Galopprennbahn – das Rennen, mit dem mich viel verbindet. Denn der Klassiker, in den Jahren vorher immer am ersten Oktober- bzw. letzten September-Wochenende, hat mich eigentlich erst richtig für den Turf und das Wetten infiziert, obwohl mein erster richtiger Besuch auf einer Rennbahn an einem dunklen Dezember-Sonntag Mitte der 80er Jahre war.
In den ersten Jahren beim St. Leger lief es auch beim Wetten: Die Siegerinnen Prairie Neba (1986), Gondola (1987) oder ein Jahr später der Einlauf mit Britannia und Obando – das waren Treffer, die mich für kleines Geld stolz machten.
Nur seitdem ist diese Serie gerissen. Gut, ich habe danach wieder angefangen, Fußball im Verein zu spielen und das lief zeitgleich zu den Rennen in Wambel. Doch irgendwann war die Kickerkarriere vorbei, dennoch bleib der Wettfluch des St. Legers. Einmal hätte ich getroffen, 2005 den Einlauf mit El Tango und Harar – nur spielte parallel am Sonntag Abend der BVB und ich habe die Wette nicht beim Bookie abgegeben.
Das Elend setzte sich in diesem Jahr fort: Optimistisch habe ich drei Pferde – Next Vision, Amare und Brusco – im Einlauf kombiniert; nur Favorit Brusco spielte letztendlich eine Rolle und wurde Dritter. Mein auch hier verkündeter Tipp Next Vision wurde Letzter; das Pferd für die Überraschung Amare fand nie ins Rennen und war weit geschlagen.

Quick Pick
Selbstverständlich gewann wie so oft das Pferd, das ich nicht haben wollte: Dabei war Val Mondo einer der Mitfavoriten, hatte sein Stehvermögen schon eindrücklich unter Beweis gestellt und siegte dann auch im Stile eines guten Stehers. Bei dem Lando-Sohn störte mich die wenig aufregende Form von Trainer Uwe Ostmann.
Wie ein Pferd mit viel Stamina lief ebenfalls der Überraschungs-Zweite Burma Gold, der schon im Führring einen hervorragenden Eindruck machte. Dann folgte Brusco und danach kam bereits Saldennähe aus dem Gestüt Wittekindshof von Hans Hugo Miebach, Ehrenpräsident des Dortmunder Rennvereins. Wenigstens bestätigte sich die Regel, dass die Wittekindshofer Pferde in Dortmund immer gut laufen, auch wenn die Form nicht besonders ist. Denn auch die zweite Vertreterin Sworn Pro zog sich achtbar aus der Affäre.
Was brachte der Renntag noch? Prince de la Nuit, Sieger im Auktionsrennen, sorgte dafür, dass der Tag mit einem leichten finanziellen Plus endete. Der Quick Pick in der Viererwette ist eine schöne Sache (auch wenn ich natürlich nicht die Wette getroffen habe). Das Catering nimmt wieder alte Besorgnis erregende Züge an, zumindest in der Wetthalle unter der ersten Glastribüne. Den Kaffee gab es nur im Pappbecher und er schmeckte ganz grauenhaft. Immerhin hatte die Kratz-Bratwurst die gewohnte Qualität – so ganz kann ich aber die Euphorie des Leserbriefschreibers aus der Sport-Welt nicht nachvollziehen, der nicht mehr nach Krefeld fährt, weil dort der Bratwurst-Profi fehlt.



Montag, 13. September 2010
Chancentod Valdez schießt Barca ab
Als Shinji Kagawa, Dortmunds neuer japanischer Publikumsliebling, das 2:0 des BVB gegen den VfL Wolfsburg markierte, meinte jemand auf der Tribüne des Signal-Iduna-Parks: „Den hätte Valdez nie gemacht“. Die Reaktion der anderen war Kopfnicken. Denn so sehr sich der vor der Saison zum spanischen Erstligisten Hercules Alicante verkaufte Nelson Valdez im BVB-Dress auch bemühte, erfolgreich im Torabschluss war er nicht. Er galt eher als Chancentod: 16 Tore in vier Jahren Dortmund sind für einen Angreifer keine gute Bilanz.
Und dann das Deja-Vu-Erlebnis am Samstag Abend: Neuling Alicante gewann sensationell 2:0 beim großen FC Barcelona, der vielleicht besten Vereinsmannschaft der Welt. Doppelter Torschütze: Nelson Valdez, besonders das zweite Tor war ganz große Klasse. Selbst BVB-Trainer Jürgen Klopp schickte eine Glückwunsch-SMS.
Denn unbeliebt war Paraguays Nationalstürmer in Dortmund nie. Zu sehr passte sein Spielweise zur schwarzgelben Fanmentalität – kämpfen, nie aufgeben, so etwas sieht man im schönsten Stadium der Republik gerne, da verzeiht man auch andere Schwächen.



Zumal Valdez in seinen vier Jahren Borussia Dortmund sich auch Respekt verdient hatte. Seine beste Saison war die Spielzeit 2008/09, das erste Jahr der Ära Jürgen Klopp. Da war er als zweite Angriffsspitze eine feste Größe im System Klopp. Weil er unermüdlich erarbeitete, Räume schuf und mit seinem hohen Aktionsradius dafür sorgte, dass das Dortmunder Spiel nur schwer vom Gegner auszurechnen war.
Im letzten Jahr allerdings war Valdez einer der Leidtragenden der Umstellung des BVB-Systems von 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 mit der einzigen gesetzten Spitze Lucas Barrios. Die Positionen hinter den Spitzen behagten Valdez überhaupt nicht. Spieler wie Zidan oder Großkreutz liefen ihm den Rang ab, für den Paraguayo blieb nur die Bank. Die gute WM mit seiner Nationalmannschaft beflügelte dann den Wechsel nach Spanien – auch wenn Hercules Alicante nicht unbedingt zu den ersten Adressen des Weltfußballs gehört. Nach diesem Wochenende aber vielleicht doch….