Ende der Woche sei „alles in trockenen Tüchern“, schreibt der kicker in seiner Printausgabe, die Stuttgarter Zeitung meldet bereits Vollzug: Der VfB Stuttgart leiht Philipp Degen (27) vom FC Liverpool aus. Vom 2005 bis 2008 kickte der Schweizer Nationalspieler bei Borussia Dortmund – ohne dort allerdings restlos zu überzeugen.
Dabei kam er 2005 mit vielen Vorschusslorbeeren vom Schweizer Meister FC Basel: 22 Jahre, schon Nationalspieler und gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Daniel eines der größten Talente der Alpenrepublik.
Doch in Dortmund holte ihn die Realität schnell ein: Der Mann auf der rechten Seite der Abwehr-Viererkette wirkte oft gedanklich sehr langsam, verlor leichte Bälle in der Offensive und hatte defensiv einige Probleme. Noch schlimmer: Irgendwie hatte man den Eindruck, dass Degen sein früher Ruhm zu Kopf gestiegen sei, so lässig wirkte er manchmal. Was in Dortmund, wo die saubere Grätsche noch gesellschaftsfähig und das Malocher-Image auf dem Platz immer noch sehr wichtig ist, überhaupt nicht gut ankam.
31 Spiele machte er in seiner ersten Saison, die kicker-Durchschnittsnote von 3,76 war durchaus ausbaufähig. Doch die Hoffnung auf Steigerung blieb unerhört: In der Saison 2006/07 absolvierte Degen 27 Spiele (Durchschnittsnote 3,98), 2007/2008 waren es nur noch 10 Partien (Note 4,10) - es ging eher abwärts. (Quelle)
Seuchenjahr
Das sah Rafael Benitez, zu diesem Zeitpunkt Manager des FC Liverpool, allerdings ganz anders. Zur Überraschung vieler verpflichtete der Champions League-Sieger 2005 den Schweizer Nationalspieler. Doch in der Premiere League kam Degen nie richtig an, weil ihn in seinem ersten Jahr Verletzungen immer wieder zurückwarfen.
Leiste, Rippenbruch, Loch in der Lunge und ein Bruch des Mittelfußknochens – in der ersten Saison war der Schweizer fast nie spielfähig. Erst im September 2009 feierte er sein Debüt in der Premiere League für Liverpool. Insgesamt kam Degen nur auf 13 Einsätze, sieben davon in der Premiere League.
„Zappel-Philipp ist erwachsen geworden“, hatte die NZZ vor einem Jahr geschrieben. Die schwarze Saison 2008/09 habe ihn „geduldiger und fokussierter“ gemacht. Jetzt trifft Degen beim VfB Stuttgart wieder auf seinen ehemaligen Trainer Christian Groß, mit dem er in Basel große Erfolge feierte. Obwohl damals auch die Welt nicht nur in Ordnung war. Es mangele den Brüder an der guten Kinderstube, hatte Groß mal über die Zwillinge Philipp und David gesagt.
Wenn es in Deutschland so etwas wie einen Preis für den Ritt des Jahres geben würde, dann wäre Jockey Terry Hellier schon seit Jahren ein chancenreicher Kandidat. 2010 wäre mit Sicherheit sein siegreicher Ritt auf Enora im Düsseldorfer Henkel-Preis der Diana, dem Gruppe1- Klassiker für die Stuten über 2200 Meter, in der engeren Auswahl. Denn was der inzwischen 44jährige auf dem Pferd des Gestütes Röttgen an diesem Sonntag zeigte, das war mal wieder ganz ganz großes Kino.
Denn Mitte gegenüber lag Enora auf einmal auf dem letzten Platz. Auf Bahnen wie Köln, Hamburg oder auch Dortmund ist das kein Problem, denn dort gibt es eine lange Zielgerade, auf der Ross und Reiter spät kommen können. Auf dem engen Düsseldorfer Kurs ist das schon eher schwierig, besonders wenn in diesem Klassiker 15 weitere nervöse Stuten um den Sieg kämpfen. Doch Hellier zeigte mal wieder seine berühmte Coolness, war zu Beginn der Geraden immerhin Vorletzter und fand dann jede noch so kleine Lücke, um die Position zu verbessern. Da hört sich einfach einfacher an als es ist, weil andere Jockeys das auch möchten bzw. verhindern wollen. Aber Hellier ließ sich von der ganzen Hektik nicht anstecken, beorderte Mitte der Zielgerade Enora noch außen, die packte noch einmal gut an und verhinderte mit großem Speed den Erfolg von Elle Shadow, auf der eigentlich Andrasch Starke alles richtig gemacht hatte.
Es war der erste klassische Erfolg für Trainer Torsten Mundry, der erste Sieg in der Diana für das Gestüt Röttgen seit 1981 (insgesamt vier Siege) und der dritte Erfolg für Jockey Terence Hellier in diesem Klassiker.
Speed siegte
Was ist die Form wert? Schwer zu sagen, aber eines steht fest: Wenn die Diana noch wie vor einigen Jahren im Juni gelaufen worden wäre, hätte Enora nicht gewonnen. Denn erst am 13. Juni gab die Noverre-Tochter ihr Debüt, endete auf zu kurzen 1850 Metern als Vierte hinter Stuten wie Night Fashion, Power Eva und Batya. Beim zweiten Lebensstart gab es dann den ersten Sieg über passende 2200 Meter in Köln, als New Wonder und All I Want das Nachsehen hatten. Und dann im dritten Versuch bereits der erste klassische Treffer und so ganz überraschend kam das für manche nicht: 162 ist zwar eine Außenseiter-Quote, aber etwas Meinung war schon dar. „Sie ist ein reines Speedpferd“, sagt ihr Trainer Torsten Mundry.
Damit verdarb Mundry seinem altem Jockeykollegen Peter Schiergen etwas die Party. Denn drei Pferden aus Schiergens Asterblüte-Quartier belegten die Plätze 2 bis 4 und unterstrichen das Argument, dass der Kölner Trainer in diesem Jahr bei den Stuten – siehe auch Aslana – besser aufgestellt ist als bei den Hengsten.
Vielleicht die beständigste Stute des Jahrgangs ist Elle Shadow, doch meistens findet die Wittekindshoferin einen Bezwinger. Nicea und Lagalp zeigten sich hingegen deutlich verbessert.
Keine Chance hatte hingegen die Favoritin Hibaayed aus dem englischen Godolphin-Quartier, die als 7. endete. Die äußere Startnummer in Düsseldorf ist ein ziemlicher Nachteil, dazu war der Boden vielleicht schon etwas zu weich. Zudem sei die Stute nach Aussage von Jockey Frankie Dettori „rossig“ gewesen. 21 000 Zuschauer sollen es am Sonntag auf dem Düsseldorfer Grafenberg gewesen sein. Wenn das so stimmt,wäre das durchaus ein Indiz, dass der Galopprennsport doch nicht so „out“ ist wie manche annehmen. Allerdings ist im Rheinland und Düsseldorf auch viel Turfenthusiasmus vorhanden. Am Umsatz lässt sich hingegen noch einiges machen.
Jetzt erst gefunden, aber dennoch passt das gut zum Henkel-Preis der Diana am Sonntag auf dem Düsseldorfer Grafenberg. Klaus Allofs, Manager bei Fußball-Bundesligisten Werder Bremen und gebürtiger Düsseldorfer, spricht in diesem Interview darüber, wie er zum Galopprennsport kam und was ihn daran besonders fasziniert. Und ich erinnere mich an seinen Galopper Tucuman, der einst durch die Handicaps auf der Dortmunder Allwetterbahn marschierte.
Es muss so 2000 oder 2001 gewesen sein, als mir die Horde 1860-Fans im Stadtexpress zwischen Düsseldorf und Dortmund begegnete. Die Anhänger der Münchener Löwen waren auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Bochum – und ziemlich laut. Und am lautesten schmähten sie in ihren Liedern den damaligen Vereinspräsidenten Karl-Heinz Wildmoser, der jetzt im Alter von 71 Jahren gestorben ist.
Dabei hätte doch damals eigentlich die blau-weiße Welt in Ordnung sein müssen: Nach langen Jahren des Niedergangs hatten sich die 60er in der Ära Wildmoser wieder in der Bundesliga etabliert. 1992 übernahm der barocke Großgastronom, bei dem ich immer an Schweinebraten mit Klößen und die dazugehörige Maß denken musste, das Präsidentenamt bei den Löwen. Der deutsche Meister von 1966, der – was heute schwer vorstellbar ist – mal besser war als der große Lokalrivale FC Bayern, dümpelte zu dieser Zeit in der Bayernliga herum und füllte die Kassen von Vereinen wie Memmingen, Starnberg oder Landshut.
Die Wende hatte auch viel mit dem neuen Trainer Werner Lorant zu tun: Der stockautoritäre Bayer Wildmoser traf 1992 auf den ähnlich veranlagten Westfalen Lorant – und die Zusammenarbeit funktionierte. 1993 Aufstieg in die zweite Liga, nach nur einem Jahr Unterhaus gelang der Sprung in die Bundesliga.
Mit dem kauzigen Lorant etablierten sich die Löwen in der ersten Liga, wurden von Jahr zu Jahr besser und schafften beinahe den Sprung in die Champions League, als sie 2000 erst in der Qualifikation an Leeds United scheiterten. Besonders die Münchener Boulevardpresse liebte den jovialen Wildmoser und den mürrischen Lorant, weil sie beide immer für einen Spruch gut waren. „Die, die nicht zu den Bayern hielten, feierten die Sechziger. Und Wildmoser ließ sich feiern“, schrieb die Münchener Abendzeitung.
Verhasste Heimat
Doch schon zu diesem Zeitpunkt war die Löwen-Anhängerschaft gespalten: 1995 entschied der Präsident, dass die Löwen ins ungeliebte Olympiastadion des verhassten Rivalen FC Bayern umziehen und ihre eigentliche Heimat, das marode Stadion an der Grünwalder Straße, verlassen. „Verrat an den Wurzeln des Vereins“ warfen ihm damals viele 60er-Fans vor. Ein harter Kern von ihnen konzentrierte sich fortan auf die Unterstützung der zweiten Mannschaft, die an der Grünwalder Straße kickte, und auf die Auswärtsspiele.
2001 feuerte Wildmoser Lorant und danach war das Tischtuch zwischen beiden endgültig zerschnitten. 2004 stieg 1860 aus der Bundesliga ab. Vorher trat der ehemals allmächtige Präsidenten bereits selber ab. Grund war die Schmiergeld-Äffäre um die Allianz-Arena: Wildmoser senior wurde mitangeklagt und musste sogar einige Tage in Untersuchungshaft. Nachweisen konnte die Anklage ihm allerdings nichts – im Gegensatz zu Sohn Karl-Heinz junior, der zu viereinhalb Jahre Strafe verdonnert wurde.
„Meine G’sundheit hab i ruiniert. Meine G’schäft hab’ i vernachlässigt. Meine Familie ist auseinandergebrochen. Für diese Leistung, die ich da abg’liefert hab’. Und ehrenamtlich wohlgemerkt“, bilanziert er später
bitter in der Süddeutschen Zeitung.
Mit den Löwen wurde es nach Wildmosers Rücktritt nicht besser: Der Klub entwickelte sich schnell wieder zum Chaosverein vergangener Tage, ist heute finanziell ziemlich klamm und sportlich als Zweitligist der dritten Liga näher als der Bundesliga. Ein Grund, warum es dem Verein wirtschaftlich so schlecht geht, sind die hohen Kosten in der Arena. Und daher möchten die Verantwortlichen jetzt wieder ins Olympiastadion.
Nach seiner Zeit bei 1860 war Karl-Heinz Wildmoser wieder Wirt.