Wenn ein ausländisches Pferd ein deutsches klassisches Rennen gewinnt, dann fällt die Stimmung danach immer etwas gedämpfter aus. Das dürfte auch am Montag nach dem Mehl Mülhens-Rennen, den deutschen 2000 Guineas, der Fall gewesen sein, zumal die Besitzer nicht irgendein ein joviales Turfsyndikat waren, die freudestrahlend im Absattelring ihren Erfolg zelebrierten. Der Sieger Frozen Power kommt aus dem mächtigen Godolphin-Stall und gewann das Gruppe II-Rennen auf der Kölner Rennbahn in einem „echten Herzschlagfinish“ (Galopponline) vor Kite Hunter sowie Noble Alpha und dem Favoriten Russian Tango, die auch durch die vergrößerte Zielfotografie nicht zu trennen waren.
Es war ein packendes Rennen und am Ende hatte Frankie Dettori mit dem Oasis Dream-Sohn seinen Vorstoß außen genau richtig getimt: Einen Hals Vorsprung hatte Frozen Power gegenüber Kite Hunter, der innen immer wieder anzog und von der Spitze aus ein großartiges Rennen lief. Und auch Kite Hunters Stallgefährte Noble Alpha und Russian Tango enttäuschten nicht, beide waren nur einen weiteren Hals entfernt.
Wobei besonders der Wöhler-Schützling Russian Tango einen Hinweis verdient: Der lief immer noch etwas grün, kam nach einer kurzen Schwächeperiode aber wieder und zog gut an. 2000 Meter dürfte er können, bei der Derbydistanz von 2400 Meter habe ich bezüglich des Stehvermögens immer noch ein paar Bedenken.
Hochüberlegen
Der Sieger Frozen Power war schon im Winter während des Dubai Carnivals in Meydan City ziemlich aktiv, gewann unter anderem ein Rennen. Die Formen sind aber schwer einzuordnen – ich hatte den Godolphin-Schützling nicht auf meine Rechnung.
Sein Trainer dürfte vielen in Deutschland noch kein Begriff sein: Mahmood al-Zarooni trainiert seit Beginn des Jahres einen Teil der Godolphin-Pferde in Newmarket. Zarooni war im letzten Jahr Assistenztrainer von Saeed bin Suroor, der weiterhin erster Trainer für die Scheichs bleibt. Schlecht macht der Newcomer seinen Job nicht: Der Erfolg in Köln war sein erster klassischer Erfolg.
Vielleicht denkt er aber auch kurz an seinen deutschen Trainerkollegen Mario Hofer: Der war am Montag im Mehl Mülhens-Rennen knapp geschlagen Zweiter (und ebenfalls hauchdünn unterlegener Dritter). Ähnliches erlebte Zarooni am Sonntag in den Irish 1000 Guineas, als Anna Salai nur mit einem Kopf gegen Bethreb (Pat Smullen/Dermot Weld) unterlag.
Die Vorstellung der Woche kommt übrigens auch von der irischen Rennbahn The Curragh. Und wieder spielen Trainer Richard Hannon und Jockey Richard Hughes eine tragende Rolle. Nur das der vierbeinige Held diesmal nicht Paco Boy, sondern Canford Cliffs hieß. Der Hengst triumphierte höchst eindrucksvoll in den Irish 2000 Guineas. So ungefähr nach 1300 Metern konnte man schon sehen, wer das Rennen gewinnt. Als alle andere Jockeys bereits schon kräftig arbeiteten, saß Richard Hughes immer noch seelenruhig auf dem 32:10-Favoriten. Und dann sagte Hughes „Go“ – und Canford Cliffs beschleunigte und gewann hochüberlegen mit drei Längen.
Es ist bislang ein phantastisches Jahr für Richard Hannon - einer der großen Namen der englischen Szene, seit 1970 Trainer von Rennpferden und bekannt für frühreife Zweijährige. Mit Paco Boy, Dick Turpin, dem Doppelzweiten aus den französischen und englischen 2000 Guineas, und eben diesem Canford Cliffs dürfte Hannon drei der besten europäischen Meiler im Stall haben. Und für den Iren Hughes, der quasi auf der Curragh aufgewachsen ist, dürfte es ein besonderer Erfolg gewesen sein.
Nachtrag: Die Stimmung in Köln war nach dem Erfolg von Frozen Power alles andere als gedämpft, wie ich der Homepage des Kölner Rennvereins entnehmen darf. Das Kölner Publikum feierte frenetisch Jockey Frankie Dettori, der natürlich seinen berühmten Dettori-Jump nach großen Siegen vorführte.
Von Barrios bis Zidan - die Bilanz der Dortmunder Angreifer
Dritter und letzter Teil unserer Saisonbilanz: Diesmal beschäftigt sich nurpferdeundfussball mit den Leistungen der BVB-Angreifer.
Lucas Barrios (33 Spiele, 19 Tore, kicker-Durchschnittsnote 3,27): Was soll man zu ihm noch sagen? Auch diese Kolumne war am Anfang skeptisch, als Barrios den Schweizer Publikumsliebling Alex Frei ersetzen sollte. Der Anfang war (verständlicherweise, wenn man aus der ersten chilenischen Liga kommt, die Sprache nicht kennt etc.) holprig, doch was dann kam, ähnelte einer Explosion. Barrios lernte schnell und schoss Tore: 19 waren es am Ende der Saison. Der Argentinier mit der Mutter aus Paraguay ist technisch passabel, schirmt den Ball geschickt ab und setzt seinen Körper gut ein. Und er ist ein echter Knipser, der weiß, wo das Tor steht. Ich habe beim BVB schon exzellente Strafraumspieler erlebt: Stephane Chapuisat zum Beispiel oder die brasilianische Diva Marcio Amoroso. Barrios übertrifft sie alle in Sachen Torinstinkt…
Kevin Großkreutz (32 Spiele, 5 Tore, Note 3,52): Es war eine fast märchenhafte Saison für den gebürtigen Dortmunder, der vom Zweitligisten RW Ahlen zu Saisonbeginn kam und vor zwei Jahren noch selbst auf der Südtribüne stand. Großkreutz schaffte den Sprung scheinbar mühelos, absolvierte 32 von 34 Spielen und war ab dem 14. Spieltag Stammspieler auf der linken Seite. Dort lief er und lief, harmonierte prächtig mit Marcel Schmelzer. Die beide spielten so, als wenn sie schon 400 Spiele zusammen absolviert hätten. Am Ende schnupperte Großkreutz sogar bei Joachim Löw rein, auch wenn es nur gegen Malta war und die Hälfte der Nationalmannschaft andere Verpflichtungen hatte. Wenn er auf dem Boden bleibt und weiß, wie er mit den ganzen Schulterklopfern, die ihn derzeit umschwirren, umgehen muss, dann dürfte Großkreutz noch viele Jahre erfolgreich Fußball spielen. Als Juniorentrainer bei Phönix Eving ist die Erdung mit der Basis noch vorhanden.
Dimitar Rangelov (10 Spiele, 1 Tor, Note 5,00): Schoss immerhin in der Vorsaison neun Tore für Absteiger Cottbus. In Dortmund konnte der Bulgare noch nicht auftrumpfen. Zumal er wegen eines Mittelfußbruches von November bis März pausieren musste.
Nelson Valdez (28 Spiele, 5 Tore, Note 4,00): Es war ein enttäuschendes Jahr für den Dauerläufer mit der bekannten Abschlussschwäche. Dabei war Valdez im Vorjahr, als Klopp vorwiegend mit zwei Spitzen spielte, noch eine der Schlüsselfiguren im Dortmunder Spiel, weil er durch seine unermüdliche Laufarbeit immer wieder Lücken in die gegnerische Abwehr riss. Die Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 war gar nicht nach seinem Geschmack, der Paraguayo sieht sich selbst als „Mann für ein Zwei-Spitzen-System“.
Mohammed Zidan (27 Spiele, 6 Tore, Note: 3,57): Der sensible Ägypter fühlt sich wohl in Dortmund. Das merkte man spätestens ab Oktober/November, als der Techniker immer besser wurde. Weil ihm die Position hinter Barrios gefiel und er dort seine Stärken ausspielen konnte. Zidan spielte auf einmal mannschaftsdienlich, setzte seine Dribblings endlich richtig und sammelte fleißig Sympathiepunkte beim Dortmunder Publikum. Es schien sein Jahr zu werden: Gewinn der Afrikameisterschaft mit der Nationalmannschaft, Tor in Wembley, Formanstieg in Dortmund – und dann kam der 18. April: Zidan verdrehte sich das Knie, die Diagnose lautete Kreuzbandriss, ein halbes Jahr Pause.
Nach dem Schlusspfiff lagen die Spieler apathisch auf dem Boden, Tränen flossen – Hansa Rostock hatte auch das zweite Relegationsspiel gegen den FC Ingolstadt 04 mit 0:2 verloren und stürzte erstmals in seiner Geschichte in die Drittklassigkeit ab. Muss man Mitleid mit den Hanseaten haben? Nein, weil der bisherige Drittligist Ingolstadt in den beiden Spielen die bessere Mannschaft war. Besonders im Rückspiel hätten die Bayern gegen völlig angeschlagene Rostocker noch höher gewinnen müssen. Hansa wirkte verkrampft und konnte nie seine Nervosität verbergen. Kampf allein reicht nicht aus. Und natürlich ist der Abstieg die verdiente Quittung für eine desolate Saison. Fehler machten die Verantwortlichen auf allen Ebenen, nach dem letzten Bundesligaabstieg 2007 ging die Entwicklung eigentlich nur noch abwärts. Nein, weil gewalttätige Idioten in den letzten Jahren das Bild des Hansa-Fanblocks prägten und Angst und Schrecken in Fußball-Deutschland verbreiteten. Wobei sie jetzt ihr Unwesen in Liga 3 treiben werden. Ja, weil der letzte DDR-Meister für viele Ostdeutsche mehr als nur ein Fußballverein war. Der Erfolg von Hansa war auch der Erfolg der Menschen aus dem wirtschaftlich arg gebeutelten Mecklenburg-Vorpommern. 12 Jahre spielte Rostock insgesamt in der Bundesliga und schlug sich mit kleinem Etat respektabel. Und während Traditionsvereine wie Dresden, Magdeburg, Jena oder Dynamo Berlin in der sportlichen Anonymität verschwanden, traf Hansa, das in der DDR nie Meister war, auf die Elite des deutschen Fußballs.
Und die Zukunft? Die sieht erstmal düster aus…
Weil Racing UK mal wieder rumzickt und es nicht erlaubt, das Video hier zu zeigen, verweise ich einfach einmal auf die Ergebnisseite der Sporting Life. Dort gibt es seit kurzem auch bewegte Bilder und Enthusiasten des gepflegten Rennsports können so noch einmal die grandiose Vorstellung des Paco Boy genießen.
Manchmal wirkt die Reitweise von Jockey Richard Hughes schon reichlich arrogant. Zum Beispiel in den Lockinge Stakes, Gruppe 1-Prüfung im englischen Newbury über die Meile: Während die anderen Teilnehmer schon reichlich bemüht werden, sitzt Hughes auf dem 17:10-Favoriten Paco Boy immer noch seelenruhig. Weil er weíß, auf was für einem Klassepferd er sitzt. Alles deutet auf einen problemlosen Erfolg des Hengstes aus dem Quartier von Richard Hannon hin, ohne dass sein Jockey groß arbeiten muss.
Doch dann wird es doch noch Arbeit: Richard Hills forciert auf einmal mit Ouqba das Tempo und erwischt – so scheint es auf den ersten Blick – Hughes und Paco Boy quasi auf dem falschen Haus. Doch die zwei haben eine Antwort und was dann folgte, war ganz großes Kino: Der Hannon-Schützling beschleunigt wie es nur große Rennpferde können und zieht mühelos an Ouqba vorbei. Eine beeindruckende Vorstellung und vielleicht die bislang beste der englischen Flachsaison. „Eine Vorstellung, die hinreisst, aufregt und erfreut, wird dringend benötigt“, schrieb Lee Mottershead in der Racing Post vom Samstag und bezog sich auf eine bislang wenig aufregende Flachsaison. Nicht nur Mottershead bekam sie….
Der Sohn von Desert Style machte zudem die Schmach vom Vorjahr weg, als er als haushoher Favorit nur Vierter hinter Virtual wurde. Über die Meile winken nun packende Duelle mit Rip Van Winkle oder Goldikova.