Dienstag, 4. Mai 2010
Ein kranker Tipp und ein französisches Doppel in Newmarket
Das Ergebnis war ernüchternd. „Spannte am Ende völlig aus“, lautete der Kurzkommentar im Rennergebnis. Nicht nur diese Kolumne hatte Ronja in den German 1000 Guineas in Düsseldorf, dem ersten klassischen Galopprennen der Saison auf dem Düsseldorfer Grafenberg, getippt – und lag daneben. Es siegte die 114:10-Chance Kali vor Reine heureuse und Neon Light, Ronja wurde nur enttäuschende 12. und Letzte. „Ein Laufen, das bei allen Unwägbarkeiten des Galopprennsports nach den Vorleistungen und Trainingseindrücken der letzten Woche(n) weder zu erwarten war, noch stimmen konnte“, meinten die Besitzer des Stalles Domstadt. Sie ließen Ronja daraufhin ärztlich untersuchen, Ergebnis: Die Stute litt unter einer schweren Atemwegserkrankung. Und damit war die schwache Form erklärt.
Die Siegerin steht im gleichen Stall – Waldemar Hickst trainiert Kali für das Gestüt Park Wiedingen von Helmut von Finck. Die 114:10-Chance muss sich in den letzen Wochen weiter verbessert haben, denn bislang hatte sie nur ein Maidenrennen in Düsseldorf gewonnen, dessen Wertigkeit noch schwer einzuschätzen ist.
Am Ende gewann Kali leicht, zeigte Reserven und profitierte von einem gut eingeteilten Ritt ihres Jockeys Adrie de Vries. De Vries hatte die Stute immer prominent placiert und das zahlte sich wie so häufig am Grafenberg aus. Andere Starterinnen wie Vanjura oder Devillish Lips hatten ein viel ungemütlicheres Rennen.

Sensation durch Makfi
Die ersten Klassiker standen auch auf der britischen Insel auf dem Programm: Bei den 2000 Guineas für die Hengste auf der Bahn in Newmarket gab es ein echtes Schockresultat. „Mak wer?“ lautete am Samstag meine erste Reaktion, als ich vom BVB-Spiel nach Hause kam und mir die Rennergebnisse des Tages anschaute.
Der Sieg im ersten englischen Klassiker der Saison ging nach Frankreich: Der 33:1-Schuss Makfi, trainiert von Mikel Delzangles und geritten von Christophe Lemaire, gewann leicht gegen das Hannon-Paar Dick Turpin und Canford Cliffs. Mein Tipp Xtension lief ein braves Rennen, nur leider war die Prüfung kein Handicap mit vier Platzgeldern.
Der Gewinner stammt aus dem Shadwell-Imperium von Sheikh Hamdan Al Maktoum und war zweijährig bei Markus Tregoning im Training. Dort traute man dem Dubawi-Sohn offensichtlich nicht viel zu, Makfi wurde nach Frankreich verkauft und kam zu Delzangles ins Training. Mit Erfolg: Zuletzt war er leichter Sieger im Gr. 3 Prix Djebel in Maisons Laffitte – und dennoch hatte ihn kaum einer (ich natürlich auch nicht) auf der Rechnung.
Denn viele Experten hatten schon im Vorfeld mal wieder einen Wunderkandidaten aus dem Quartier von Aidan O’Brien endeckt: Alles drehte sich um St. Nicholas Abby, 2009 unter anderem überzeugender Gewinner der Racing Post Trophy. Natürlich war der Hengst klarer Favorit bei den Buchmachern. Doch deren Mienen hellten sich während des Rennens wieder auf: St. Nicholas Abbey hatte spätestens nach etwa 1200 Metern sein Pulver verschossen und lief wie ein Pferd, das dieses Rennen unbedingt noch braucht - eigentlich ungewöhnlich für das Quartier, das die Flachrennen in England und Irland in den letzten Jahren ziemlich dominierte.

Die Stewards entschieden
In den siebziger Jahren hatte Henry Cecil mal mit der 33:1-Chance Bolkovski in den 2000 Guineas triumphiert. Am Sonntag hätte der in England von vielen Turffans fast vergötterte Trainer beinahe einen noch größeren Coup in den 1000 Guineas für die Stuten gelandet. 66:1-Schuss Jacqueline Quest, zuletzt noch deutlich unterlegen, war mit einer Nase vor der Favoritin Special Duty im Ziel vorne. Doch im Finish schwankte der Ritt von Tom Queally nach rechts und hatte damit nach Meinung der Stewards die französischen Mitfavoritin behindert. Die Richter stuften das Cecil-Pferd auf Platz 2 zurück und machten so Special Duty zur klassischen Siegerin. Eine harte Entscheidung besonders für Jacqueline Quests Besitzer Noel Martin, den deutsche Neonazis in den 90er Jahren lebensbedrohend verletzt hatten.
Es war zudem ein eher unbefriedigendes Rennen. Weil die Pferde, die eine niedrige Startbox-Nummer hatten, eindeutig im Vorteil waren. Die ersten fünf Pferde kamen alle an der „Stand-Side“, wer Mitte des Kurses war, blieb chancenlos. Meine Tipps
Pollenator
und Pipette, beide mit hohen Startbox-Nummern, wurden 11. bzw. 13. Und auch im nachfolgenden Sprint kamen Sieger und Placierte aus dem Bereich der niedrigen Nummern.



Freitag, 30. April 2010
Allererste Chancen für Ronja

Erster Erfolg beim ersten Lebensstart: Ronja gewinnt beeindruckend zweijährig in Krefeld. Ein größerer Sieg könnte folgen: Sie ist die Favoritin dieser Kolumne für die German 1000 Guineas.

Wer hat an der Uhr gedreht? Noch sind die Hindernis-Festivals in Punchestown und Aintree nicht ganz verarbeitet, stehen schon auf der Flachen die ersten Klassiker auf dem Programm. Den Auftakt in Deutschland machen wie immer die dreijährigen Stuten, die sich auf dem Düsseldorfer Grafenberg zu den 90. German 1000 Guineas (Gr. II, 1600 Meter) versammeln.
Es ist eine Prüfung, in der es hinterher bei den Favoritenwettern oftmals lange Gesichter gab, weil ein Außenseiter triumphierte. 2008 etwa hatte Briseida als vermeintlich dritte Schiergen-Farbe zum Kurs von 212 die Nase vorn, Shapira aus dem Stall von Trainer Andreas Löwe gewann 2004 sogar zum Kurs von 524.
Kein Zweifel: Das Rennen ist schwierig. Dreijährige Stuten, von denen sich viele über Winter verbessert haben, sind schwer prognostizierbar. Hinzu kommt der enge Düsseldorfer Kurs, der nicht jedem Pferd behagt.
Frontrenner haben auf der Grafenberger Bahn eine gute Bilanz. Siehe 2009, als Penny’s Gift den Sieg nach England ins Quartier von Richard Hannon mitnahm. Noch eindrucksvoller war 2007 der Erfolg von Mi Emma, die ihre Gegnerinnen regelrecht aus den Hufen galoppierte.
Andreas Wöhler trainierte Mi Emma und Wöhler ist auch zuständig für die wahrscheinliche Favoritin Neon Light. Die Stute aus dem Stall Titan ist nach zwei Starts noch ungeschlagen und imponierte 2009 besonders im Preis der Winterfavoritin, dem wohl besten deutschen Rennen für zweijährige Ladies. Und genauso wie Mi Emma mag Neon Light Rennen von der Spitze. Wenig aussagekräftig ist die Tatsache, dass die Stute Jahresdebütantin ist. Denn die Dreijährigen aus dem Wöhler-Quartier zeigten sich bei ihrem ersten Start bislang in großartiger Verfassung – nicht nur optisch.

Top-Zweijährige gegen Aufsteigerinnen
Danach folgt im Wettmarkt Vanjura aus dem Quartier von Roland Dzubasz in Hoppegarten. Auch sie zählte zweijährig zu den Spitzenstuten des Jahrgangs, gewann drei Rennen und unterlag in Baden-Baden nur Zazou, dem zur Zeit wohl besten Hengst des Jahrganges und zuletzt leicht im Busch-Memorial erfolgreich.
Zu den Aufsteigerinnen im Jahrgang gehört hingegen Ronja aus dem umtriebigen Stall Domstadt. Zweijährig einmal überzeugende Siegerin, gewann sie mit viel Speed den Henkel-Stutenpreis und schlug dabei mit dem englischen Gast Kinky Afro, Reine Heureuse, Prakasa, Devilish Lips, Artica sowie Genovesa Gegnerinnen, auf die sie am Samstag wieder trifft. Zugegeben, es war höllisch knapp auf den ersten Plätzen, doch wie Ronja aus fast unmöglicher Position beschleunigte, das sah richtig nach Rennpferd aus. Von den Kandidatinnen, die hinter ihr waren, schätze ich Reine Heureuse ziemlich hoch ein, zumal die Ostmann-Pferde ihren ersten Start traditionell meist noch brauchen.
Urteil: Was Egon nicht für den Stall Domstadt schaffte, könnte Ronja gelingen – einen Sieg in einem klassischen Rennen. Die Gegnerinnen sehe ich in Neon Light, Vanjura und Reine Heureuse. Für den Kurs von 140:10 ist der englischen Gast Kinky Afro definitiv eine kleine Wette wert.



Mittwoch, 28. April 2010
Herzensbrecher für Herne-West


Derbysieger 2007: Da dachte Christoph Metzelder noch nicht an Einsätze für S04, eher an kleine T-Shirts, die diesen historischen Tag dokumentieren.

Manchmal ist man doch reichlich naiv. Zum Beispiel, wenn man glaubt, dass Profi-Fußballer keine Söldner sind, denen es ziemlich egal ist, bei welchem Verein sie ihr Geld verdienen. Weil selbst einem Profi klar ist, das dieser Klub eine Seele hat und vielen anderen Menschen Identität und Lebensinhalt spendet. Und ein Akteur, der sieben Jahre im Klub gespielt hat, dort vom unterklassigen Nachwuchs- zum Nationalspieler und Kapitän wurde und auch in schwierigen Verletzungsphasen vorbildlich unterstützt wurde, sollte eigentlich wissen, dass manche Dinge überhaupt nicht gehen. Beispielsweise zum Erzrivalen zu wechseln.
Und dann entpuppen sich diese Gedanken mal wieder als reine Folklore, die von der Wirklichkeit im harten Profi-Business weit entfernt sind: Christoph Metzelder, ehemaliger BVB-Kapitän und von 2000 bis 2007 in Diensten von Borussia Dortmund, geht im Sommer von Real Madrid zum FC Schalke 04 – nach Herne-West zum Dortmunder Erzrivalen.
Und damit brachen im Ruhrgebiet, wo Schalke oder Dortmund vielfach eine fußballerische Glaubensfrage ist, alle Dämme. Die Ruhr-Nachrichten setzten den Metzelder-Wechsel sogar als Aufmacher auf die Titelseite, im Sportteil erschien diese Geschichte. Über 500 Postings verzeichnete das Schwatzgelb-Forum – bei fast allen Schreibern dürfte Metzelder zukünftig chancenlos sein. Einblicke in die blaue Fanseele habe ich mir erspart, mit einem Sympathiebonus wird er dort jedoch nicht unbedingt rechnen können.
Und da war ja noch diese Geschichte, 2007 nach dem Derbysieg und der damit verpassten Schalker Meisterschaft entstanden. Nicht nur die schwarz-gelbe Fraktion ist darüber jetzt empört, auch auf Schalke wird diese Geschichte noch lang nachwirken.