Dienstag, 20. April 2010
Sonntagsruhe an der Amateurbasis
Sonntag, 15:30: Über 80 000 Menschen schauen das Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim im Westfalenstadion. Zeitgleich laufen zahlreiche Spiele der Amateurligen in Dortmund. Die Zuschauerzahlen dort dürften noch niedriger sein als sonst – kein Wunder bei der übermächtigen Konkurrenz der Profis.
Der Sonntag gehört dem Amateurfußball – diese Regel gilt schon lange nicht mehr. Neu in dieser Saison ist nur, dass eine Begegnung um 15:30 läuft – parallel zum klassischen Spieltermin der unteren Ligen in Nordrhein-Westfalen.
Das führte im vergangenen Jahr zu einigen Protesten der Basis. Auch in Dortmund regte sich leiser Widerstand, allerdings nicht so stark wie in anderen Kreisen wie etwas Gelsenkirchen, wo sogar ein kompletter Spieltag boykottiert werden sollte.
Ein Jahr später herrscht offenbar Ruhe an der Amateurfront in Dortmund. Offiziell – inoffiziell schimpft fast jeder Vereinsvertreter über die Sonntagsspiele. Allerdings: Die meisten haben eingesehen, dass ihre Proteste chancenlos sind und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ihr Programm durchzieht, weil sie eben die Einnahmen aus dem Pay-TV braucht und daher seinem Partner Sky möglichst viel Exklusivität bieten muss. Dass das Ganze bislang wenig erfolgreich war und Sky weiter hinter seinen Zielen bleibt, ist wieder ein anderes Thema.

Kaum Spielverlegungen
Bislang sind die Dortmunder Amateurvereine zudem glimpflich davongekommen. Das Heimspiel gegen Hoffenheim – wohlgemerkt am 31. Spieltag – war das Erste (und Letzte) in dieser Saison um 15:30 am Sonntag. Auch um 17:30 hatte der BVB nur zwei Heimspiele.
Entsprechen gelassen war die Reaktion am letzten Spieltag: Nur zwei Landesligisten verlegten ihre Heimspiele auf den Freitag, Westfalenligist Hombruch kickte bereits um 13 statt 15 Uhr. Ob es was gebracht hat? Wobei es zudem für die meisten Vereine schwierig ist, auf den Samstag zu gehen, weil dann die Jugendmannschaften die Plätze belegen. Und auch ein Ausweichen in die Woche fällt derzeit flach, weil durch die vielen Spielausfälle im Winter die Dienstage, Mittwoche und Donnerstage für Nachholspiele vorgesehen sind.
Der BVB bot zudem ein Trostpflaster für die Dortmunder Amateurklubs: Die Profis traten Anfang November 2009 gegen eine Dortmunder Amateurauswahl an, die Einnahmen gingen an den Fußballkreis. Die Zuschauerresonanz war mit 1900 Besuchern aber eher bescheiden....



Freitag, 16. April 2010
Zu grün für Liga 3
Es war die dritte Niederlage in Folge – mit 1:3 verlor am Mittwoch die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gegen Erzgebirge Aue und bleibt damit auf einem Abstiegsplatz in Liga 3. Und irgendwie bleibt nur die Hoffnung auf ein Fußballwunder, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Es sind zwar noch fünf Spiele zu absolvieren und es fehlen nur drei Punkte zum rettenden Platz 17, den derzeit die zweite Mannschaft von Werder Bremen belegt. Allerdings ist Regensburg auf Rang 16 schon sechs Punkte entfernt und lauert auf Platz 19 Wuppertal mit einem Punkt und einem Spiel weniger.
Die Leistungen der letzten Wochen geben wenig Anlass zur Hoffnung. Nur eines (gegen Sandhausen) der letzten fünf Heimspiele gewann Borussias Nachwuchs. Besonders an den Spielterminen am Mittwoch hagelte es Niederlage auf Niederlage.
Der gestrige Mittwoch machte da keine Ausnahme: Gegen eine sehr starke Mannschaft aus Aue blieb der BVB chancenlos. Der Tabellenzweite aus dem Erzgebirge spielte wie ein Aufstiegskandidat, bestrafte die Anfängerfehler der unerfahrenen BVB-Abwehr und hatte die Lage auch nach dem 1:2-Anschlusstreffer jederzeit im Griff.
Die Verunsicherung drückte sich auch dadurch aus, dass das ansonsten technische so versierte Team von Theo Schneider viel mit (ungenauen) langen Bällen agierte. Zudem fehlte mit Uwe Hünemeier in der Innenverteidigung der herausragende Spieler; entsprechend konfus agierte die schwarz-gelbe Deckung.

Abgezockte Kontrahenten
Borussias Nachwuchsspieler sind einfach noch zu grün für diese Liga. Spielerisch können sie jederzeit mithalten. Solche Spiele wie gegen Aue waren die Ausnahme; die meisten Niederlagen waren eigentlich ziemlich überflüssig.
Wenn Dortmunds Zweite ein „normales“ Team wäre, würden die Verantwortlichen vier oder fünf Routiniers verpflichten, die den Nachwuchs führen. BVB 2 ist jedoch – wie jede Reservemannschaft – eine Ausbildungsmannschaft für das erste Team und da müssen sich die Spieler selbst durchbeißen. Weil die Nachwuchskräfte in der dritten Liga viel lernen können, gegen ziemlich abgezockte Gegner antreten und so einiges in Sachen Selbstbehauptung und Widerstand mitbekommen. Die dritte Liga ist quasi die ideale Ausbildungsliga für Nachwuchsspieler.
Übrigens ist Borussias Restprogramm ziemlich happig: Zuhause gegen den starken Mitaufsteiger Heidenheim, den Spitzenreiter Osnabrück und Regensburg; auswärts geht es nach Erfurt und zum Tabellenletzten Kiel. Und wer jetzt vom Heimvorteil spricht: siehe oben! Die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde ist leider keine Festung mehr.



Dienstag, 13. April 2010
Svennis persönliches Konjunkturprogramm
Fußball-Trainer müsste man sein. So wie Sven Göran Eriksson: Der Schwede übernimmt zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika für drei Monate das Team der Elfenbeinküste. Dafür erhält Eriksson nach Informationen des kickers (und der hat diese Zahlen von der französischen Sportzeitung L’Equiqe und wir glauben einfach mal diesen Bastionen des seriösen Sportjournalismus) monatlich 305 000 Euro.
Wenn die Elfenbeinküste das Achtelfinale erreicht, gibt es zusätzlich 203 000 Euro, beim Erreichen des Viertelfinales winken 305 000 Euro, das Halbfinale ist den Verantwortlichen 406 000 Euro wert, den Finaleinzug belohnen sie mit 509 000 Euro. Und wenn „Svenni“ das Unmögliche schafft und als erstes afrikanisches Team mit der Elfenbeinküste Weltmeister wird, darf er sich über zusätzliche 1,5 Millionen freuen. Dazu bezahlen ihm die Ivorer die Hotelkosten von rund 25 000 Euro in London (was ganz sinnig ist, weil eh’ das Gros der Ivorer in Europa kickt) und vertrauen ihm eine nichtlimitierte Kreditkarte an.



Da war Eriksson noch der große Held: 5:1 siegten die Engländer in Deutschland, triumphierten gegen Blasmusik und Autobahn und eine ganze Nation träumte von Titeln. Es blieb ein Traum...

Fette Schlagzeilen
Nun hat ja Eriksson durchaus seine Erfolge als Trainer gehabt. So war er in grauer Vorzeit mal UEFA-Cup-Sieger mit IFK Göteborg und gewann den italienischen Scudetto mit Lazio Rom. Das ist allerdings schon eine Weile her. Als englischer Nationaltrainer siegte er zwar mal mit 5:1 in München gegen Deutschland, doch ansonsten schaffte er es nicht, aus den Beckhams, Ferdinands, Gerrards oder Lampards (die viele als beste englische Fußballergeneration aller Zeiten betrachten) eine funktionierende Nationalmannschaft zu machen, die Titel gewinnt und sich nicht spätestens im Achtelfinale nach Hause verabschiedet. Dafür sorgte er zur Freude der englischen Tabloids als Freund außerehelicher Affären für fette Schlagzeilen.
Und auch seine letzten Stationen bei Manchester City und als Nationaltrainer Mexikos waren nicht gerade vom Erfolg geprägt. Dafür war er immerhin mit Notts County in der vierten englischen Division auf Aufstiegskurs in Liga 3 - sein Weggang ist wiederum eine ganz andere Geschichte.