Freitag, 16. April 2010
Zu grün für Liga 3
Es war die dritte Niederlage in Folge – mit 1:3 verlor am Mittwoch die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gegen Erzgebirge Aue und bleibt damit auf einem Abstiegsplatz in Liga 3. Und irgendwie bleibt nur die Hoffnung auf ein Fußballwunder, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Es sind zwar noch fünf Spiele zu absolvieren und es fehlen nur drei Punkte zum rettenden Platz 17, den derzeit die zweite Mannschaft von Werder Bremen belegt. Allerdings ist Regensburg auf Rang 16 schon sechs Punkte entfernt und lauert auf Platz 19 Wuppertal mit einem Punkt und einem Spiel weniger.
Die Leistungen der letzten Wochen geben wenig Anlass zur Hoffnung. Nur eines (gegen Sandhausen) der letzten fünf Heimspiele gewann Borussias Nachwuchs. Besonders an den Spielterminen am Mittwoch hagelte es Niederlage auf Niederlage.
Der gestrige Mittwoch machte da keine Ausnahme: Gegen eine sehr starke Mannschaft aus Aue blieb der BVB chancenlos. Der Tabellenzweite aus dem Erzgebirge spielte wie ein Aufstiegskandidat, bestrafte die Anfängerfehler der unerfahrenen BVB-Abwehr und hatte die Lage auch nach dem 1:2-Anschlusstreffer jederzeit im Griff.
Die Verunsicherung drückte sich auch dadurch aus, dass das ansonsten technische so versierte Team von Theo Schneider viel mit (ungenauen) langen Bällen agierte. Zudem fehlte mit Uwe Hünemeier in der Innenverteidigung der herausragende Spieler; entsprechend konfus agierte die schwarz-gelbe Deckung.

Abgezockte Kontrahenten
Borussias Nachwuchsspieler sind einfach noch zu grün für diese Liga. Spielerisch können sie jederzeit mithalten. Solche Spiele wie gegen Aue waren die Ausnahme; die meisten Niederlagen waren eigentlich ziemlich überflüssig.
Wenn Dortmunds Zweite ein „normales“ Team wäre, würden die Verantwortlichen vier oder fünf Routiniers verpflichten, die den Nachwuchs führen. BVB 2 ist jedoch – wie jede Reservemannschaft – eine Ausbildungsmannschaft für das erste Team und da müssen sich die Spieler selbst durchbeißen. Weil die Nachwuchskräfte in der dritten Liga viel lernen können, gegen ziemlich abgezockte Gegner antreten und so einiges in Sachen Selbstbehauptung und Widerstand mitbekommen. Die dritte Liga ist quasi die ideale Ausbildungsliga für Nachwuchsspieler.
Übrigens ist Borussias Restprogramm ziemlich happig: Zuhause gegen den starken Mitaufsteiger Heidenheim, den Spitzenreiter Osnabrück und Regensburg; auswärts geht es nach Erfurt und zum Tabellenletzten Kiel. Und wer jetzt vom Heimvorteil spricht: siehe oben! Die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde ist leider keine Festung mehr.



Dienstag, 13. April 2010
Svennis persönliches Konjunkturprogramm
Fußball-Trainer müsste man sein. So wie Sven Göran Eriksson: Der Schwede übernimmt zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika für drei Monate das Team der Elfenbeinküste. Dafür erhält Eriksson nach Informationen des kickers (und der hat diese Zahlen von der französischen Sportzeitung L’Equiqe und wir glauben einfach mal diesen Bastionen des seriösen Sportjournalismus) monatlich 305 000 Euro.
Wenn die Elfenbeinküste das Achtelfinale erreicht, gibt es zusätzlich 203 000 Euro, beim Erreichen des Viertelfinales winken 305 000 Euro, das Halbfinale ist den Verantwortlichen 406 000 Euro wert, den Finaleinzug belohnen sie mit 509 000 Euro. Und wenn „Svenni“ das Unmögliche schafft und als erstes afrikanisches Team mit der Elfenbeinküste Weltmeister wird, darf er sich über zusätzliche 1,5 Millionen freuen. Dazu bezahlen ihm die Ivorer die Hotelkosten von rund 25 000 Euro in London (was ganz sinnig ist, weil eh’ das Gros der Ivorer in Europa kickt) und vertrauen ihm eine nichtlimitierte Kreditkarte an.



Da war Eriksson noch der große Held: 5:1 siegten die Engländer in Deutschland, triumphierten gegen Blasmusik und Autobahn und eine ganze Nation träumte von Titeln. Es blieb ein Traum...

Fette Schlagzeilen
Nun hat ja Eriksson durchaus seine Erfolge als Trainer gehabt. So war er in grauer Vorzeit mal UEFA-Cup-Sieger mit IFK Göteborg und gewann den italienischen Scudetto mit Lazio Rom. Das ist allerdings schon eine Weile her. Als englischer Nationaltrainer siegte er zwar mal mit 5:1 in München gegen Deutschland, doch ansonsten schaffte er es nicht, aus den Beckhams, Ferdinands, Gerrards oder Lampards (die viele als beste englische Fußballergeneration aller Zeiten betrachten) eine funktionierende Nationalmannschaft zu machen, die Titel gewinnt und sich nicht spätestens im Achtelfinale nach Hause verabschiedet. Dafür sorgte er zur Freude der englischen Tabloids als Freund außerehelicher Affären für fette Schlagzeilen.
Und auch seine letzten Stationen bei Manchester City und als Nationaltrainer Mexikos waren nicht gerade vom Erfolg geprägt. Dafür war er immerhin mit Notts County in der vierten englischen Division auf Aufstiegskurs in Liga 3 - sein Weggang ist wiederum eine ganz andere Geschichte.



Dienstag, 13. April 2010
Erinnerungen an eine klassische Nummer 10

Zoltan Varga ist tot. Der ungarische Mittelfeldspieler, unter anderem von 1974 bis 1976 in Diensten von Borussia Dortmund, verstarb im Alter von 65 Jahren während eines Prominentenspiels in Budapest.
Zoltan wer? werden jetzt viele fragen. Wer in den 80er oder 90er Jahren aufgewachsen ist, wird ihn schwerlich kennen. Wer allerdings wie der Autor dieser Zeilen in den 70er Jahren groß wurde und in dieser Zeit seine ersten BVB-Spiele sah, erinnert sich an den Mittelfeldregisseur aus Ungarn.
„Einer der genialsten Spieler, die jemals das BVB-Trikot getragen haben. Im benachbarten Kamen wurde sogar ein Hund nach ihm benannt“, schreibt zum Beispiel BVB-Chronist Dietrich Schulze-Marmeling in seinem Standardwerk „Borussia Dortmund – Der Ruhm, der Traum und das Geld.“
Varga war eine klassische Nummer 10 – ein technisch brillanter Spieler, dessen Stärken eindeutig in der Offensive lagen. In der Defensive machte er gar nichts, auch von Konditionstraining hielt er wenig.

Kein Freund von Otto Rehhagel
1974 wechselte der Ungar von Ajax Amsterdam zu Borussia Dortmund, das damals in der 2. Liga Nord kickte. Unter dem strengen Trainer Otto Knefler ging es nach Jahren der Finsternis endlich wieder aufwärts und die Zuschauer strömten in ungeahnten Mengen ins Westfalenstadion. Varga sollte der Kampftruppe BVB etwas Spielkultur verleihen, zu seinem Debüt gegen die DJK Gütersloh (heute FC Gütersloh) kamen über 42 000 Zuschauer.
Der große Zampano war er in Dortmund nicht mehr, gelegentlich blitzten aber seine genialen spielerischen Möglichkeiten auf. Insgesamt lief er in der 2. Liga Nord 53mal auf und schoss 10 Tore.
1976 stieg der BVB mit Varga wieder in die Bundesliga auf. Im Oberhaus war der Ungar jedoch nicht mehr am Ball für Schwarz-Gelb – der damalige BVB-Trainer Otto Rehhagel „rasierte“ ihn wegen seiner Defensivschwäche und stellte ihn nicht mehr auf. Zudem stempelte er ihn als Intriganten ab, der das Mannschaftsklima vergiftete.
Seine beste sportliche Zeit verbrachte Varga wohl bei Hertha BSC Berlin in der Bundesliga. Dort war er allerdings auch maßgeblich am damaligen Bestechungsskandal beteiligt.
Zoltan Varga bei Wikipedia – der dortige Text ist aber etwas mit Vorsicht zu genießen. Zoltan Varga war zum Beispiel definitiv kein Mittelstürmer.