Freitag, 19. Februar 2010
Die Brandbeschleuniger vom Boulevard
Die Jungs von der Boulevard-Front haben wieder zugeschlagen: Nächste Woche steht das Revierderby zwischen Schalke und Dortmund an und da brauchen Sport-BLÖD BILD und BLÖD BILD ein paar knackige Schlagzeilen, um die Stimmung anzuheizen und ein paar Zeitungen mehr zu verkaufen. Also legt man dem Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz einen Fragebogen mit folgenden Antwortmöglichkeiten vor:



Großkreutz macht natürlich dass, was Manuel Neuer auf Schalker Seite auch gemacht hätte, wenn sein Sohn BVB-Fan wäre und kreuzt die einzig richtige Lösung an. Und schon haben Springers Gazetten die großen Schlagzeilen, die sie wollen, um danach noch die große moralische Keule zu schwingen. Die komplette Geschichte gibt es beim Bildblog.
Kritik an der Aktion gab es vom Dortmunder Trainer Jürgen Klopp auf der gestrigen Pressekonferenz. Eine Wutrede wie einst bei Herrn Doll, liebe Ruhr-Nachrichten, war das aber nicht. „Die Freunde hier“, sagte der Übungsleiter, „schaffen es tatsächlich, da so ein Ding raus zu machen, um uns alle gleichzeitig aufzufordern, Ruhe zu bewahren, damit sich Zuschauer vor dem Spiel nicht gegenseitig auf den Kopf hauen.“
Großkreutz hat jetzt erst einmal Sendepause und vielleicht schweigt Klopp nächste Woche auch. Zumal ja erst das Heimspiel gegen Hannover ansteht.



Alte Helden: „Feiersinger, Feiersinger“


In Dortmund war es ihm nicht vergönnt, ein Tor zu schießen. Dafür trifft Wolfgang Feiersinger hier im Dress von Austria Salzburg beim FC Linz.

„Eigentlich kann ich besser Ski fahren als Fußball spielen“, flachste Wolfgang Feiersinger locker auf einer Pressekonferenz im Spätsommer 1996. Verständlich – der Mann ist eben Österreicher und war vor kurzem von Austria Salzburg zu Borussia Dortmund gewechselt. Den Schmäh verstanden die humorresistenten Dortmunder Journalisten allerdings nicht: Der BVB ging kurz darauf 1:5 am Mönchengladbacher Bökelberg unter und Dortmunds österreichischer Neuzugang wurde permanent überlaufen. Nach 46 Minuten war für ihn Schluss – und die Dortmunder Journaille rieb dem Nationalspieler obigen Spruch hämisch unter die Nase.
Doch die Pressevertreter erkannten schnell, dass der gelernte Gendarm auch ordentlich Fußball spielen kann. Allerdings nicht auf der Außenposition, sondern als Libero und damit als Vertreter für den schon damals häufig verletzten Matthias Sammer.
Besonders in der Champions League offenbarte er seine Qualitäten. Feiersinger war nicht besonders antrittsschnell, antizipierte aber gut und bestach durch sein ausgezeichnetes Stellungsspiel. Im Gegensatz zu Sammer, der das Spiel unermüdlich antrieb, beschränkte sich sein Stellvertreter auf die Defensive
Von der Tribüne wirkt das häufig etwas lässig. Lässig kann aber nur der spielen, der das nötige Handwerkszeug hat – und der Österreicher hatte es. Die Südtribüne feierte ihn mit „Feiersinger, Feiersinger“-Chören, wenn er mal wieder elegant und scheinbar ohne großen Aufwand die Situation klärte und Dortmund ins Spiel brachte.

Schlag auf den Schädel
Doch Borussias Dortmunds Triumph in der Champions League 1997 war einer der bittersten Momente in der Karriere des Wolfgang Feiersinger. Im Finale gegen Juventus Turin saß er noch nicht einmal auf der Bank. „Es war die schwerste Entscheidung meiner Karriere“, erklärte sein damaliger Trainer Ottmar Hitzfeld später. „Feiersinger hatte super gespielt, doch Matthias Sammer war wieder fit. Und auf der Bank brauchte ich Rene Tretschok als Joker.“
„Es war wie ein Schlag auf den Schädel, ich hatte ja vorher jedes Spiel gemacht“, erinnert er sich jetzt in der kicker-Rubrik „Hallo,…, was machen sie jetzt“ (Seite 47). Erst im Laufe der Zeit fühlte er sich auch als Champions League-Sieger. Die Wunden sind verheilt: „Mit Ottmar Hitzfeld habe ich mich längst ausgesprochen“, betont Feiersinger.
1996 kam der österreichischer Nationalspieler und UEFA-Cup-Finalist von Austria Salzburg nach Dortmund. 2000 wechselte er zurück nach Österreich.
Heute bewirtschaftet er mit seiner Lebensgefährtin eine Hütte in den Kitzbühler Alpen. Im Westfalenstadion war er seit seiner aktiven Zeit nicht mehr, demnächst sei aber „wirklich mal wieder ein Besuch fällig“.
Die aktuelle Entwicklung beim BVB gefällt ihm gut. „Nach all den Turbulenzen spielt da wieder ein junges Team, mit dem sich die Leute identifizieren können. Das ist wichtig, wenn man in diesem Stadion spielt, dem schönsten der Welt“, sagt Feiersinger.



Dienstag, 16. Februar 2010
Das Mc Coy-Denman-Desaster
Der 13. Februar 2010 dürfte ein Tag sein, den National Hunt-Championjockey Tony Mc Coy vielleicht später einmal als den Tiefpunkt seiner ansonsten tadellosen Karriere bezeichnen wird: Sein erster Ritt auf Denman, zweiter Favorit für den Cheltenham Gold Cup am 18. März, endete in der Aon Chase in Newbury mit einem Desaster. Der 11:10-Favorit beförderte nach einem Fehler am drittletzten Hindernis seinen Jockey zu Boden.
Und Mc Coy stand nach dem Rennen im Kreuzfeuer der Kritik. „…als wenn ein vollbeladener Öltanker Feuer gefangen hat“, formuliert es etwas dramatisch ein unbekannter Schreiber im englischen Racingforum.
Denn bereits im Vorfeld war eine lebhafte Debatte ausgebrochen: Die Entscheidung von Trainer Paul Nicholls und der Besitzer Harry Findlay und Paul K. Barber traf auf heftige Kritik. Mc Coy hatte Sam Thomas abgelöst, der „The Tank“ unter anderem zum Sieg im Cheltenham Gold Cup 2008 gesteuert hatte, allerdings inzwischen im Nicholls-Camp in Ungnade gefallen war.
„Mc Coys aggressiver, no-nonsense Stil passt nicht zum Stil von Denman“, sagt obiger Schreiber aus dem englischen Racingforum. Auch ich bin der Meinung, dass der Wallach keinen Jockey braucht, der ihn groß antreibt, sondern den sicheren Springer einfach im Rhythmus hält. Die große Stärke des Wallachs ist sein Galoppiervermögen, mit denen er an guten Tagen seine Gegner demoralisiert – gut zu sehen im Hennessy Gold Cup 2007.

Schuldlos
Nach dem Rennen war der Championjockey für viele der Buhmann. Allerdings: Lange sah es am Samstag so aus, dass Mc Coy und Denman ein neues Traumpaar bilden. Der Nicholls-Schützling sprang fast fehlerfrei, alles deutete auf einen lockeren Sieg des Favoriten hin.
Erst vier Hindernisse vor Schluss passierte das erste Malheur: Denman touchierte das Hindernis, sein Reiter konnte sich nur noch mit Mühe im Sattel halten. Niche Market zog vorbei und Mc Coy fing an zu reiten. Das gefiel Denman überhaupt nicht: Am nächsten Sprung verlor er völlig die Balance und beförderte seinen Jockey zu Boden. Beide verletzten sich glücklicherweise nicht.
Und Mc Coy trifft keine Schuld, wie das Rennvideo zeigt. Das Pferd war einfach müde war, die Konzentration fehlte. Ähnlich war es in Aintree im April 2009: Als Sam Thomas begann, den müden Denman energisch zu reiten, patzte dieser am Hindernis und warf seinen Reiter ab.
Für Trainer Paul Nicholls war der Verlauf der Aon Chase kein Grund zur Panik. „Denman ist 100 Prozent ok“, sagte er nach dem Rennen. In fünf Wochen im Gold Cup werde man ein anderes Pferd sehen. Nicholls gewann übrigens das Rennen mit seinem zweiten Starter Tricky Trickster, der Niche Market noch auf der Linie im Stile eines großen Stehers abfing.
Und auch für Tony Mc Coy war nicht nur Düsternis angesagt: Mit Get Me Out Of Here siegte er in der hochdotierten Totesport Trophy.



Montag, 15. Februar 2010
Ein Hauch von White Turf im Revier

Winter in Wambel: Jockeys und Rennleitung im Führring, die Besucher können sie einzeln begrüßen

Sonntag nachmittag auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel: Der Schnee hatte die Bahn in eine Winterlandschaft verwandelt, ein Hauch von White Turf lag im Revier. Natürlich nur etwas: Die Pelzmäntel treffen sich am vereisten See im Schweizer Nobelort St. Moritz, in Dortmund sind Funktionsjacken eindeutig in der Überzahl.
Die meisten ihrer Besitzer blieben an diesem Nachmittag allerdings zu hause. Nur wenige Besucher waren auf der Rennbahn, der Bahnumsatz war so mäßig wie in den Wochen zuvor.
Dabei war das Programm für den Winter gar nicht so schlecht: einige gutbesetzte Handicaps mit vielen Formenpferden versprachen gute Quoten.
Die Bilanz des Tages? Es war Ladies Day in Wambel: Sechs der acht Rennen gewannen Pferde mit Frauen im Sattel, am meisten strahlte Caroline Fuchs, die drei mal erfolgreich war - zweimal für Trainer Christian von der Recke, einmal für Trainer Axel Kleinkorres. Von der Recke feierte noch einen Erfolg, auch Kleinkorres gewann ein weiteres Rennen.



Überraschende Niederlage: Owentuo und Jockey Andre Best nach dem Rennen im Absattelring

Einige „Unverlierbare“ sorgten für lange Gesichter bei ihren Anhängern: Bereits im ersten Rennen verlor der 13:10-Favorit Owentuo gegen die 191:10 Chance Cesare. Das von der Recke-Duo Prime Aspiration und Mayta Capac hielt im fünften Rennen Captain Camelot (13:10) im Schach. Dumm gelaufen - nicht nur für Sport-Welt Tipster Olaf Schick, der diese Pferde angesagt hatte. Geld verdienen konnte man mit den Tipps des ehemaligen Jockeys mal wieder nicht.
Fast schon „Poesie“ sind manche Renntitel in diesem Winter. Mein Liebling an diesem Tag war das „Mit gesenkten Abzügen auf Sieg und Platz mehr Geld gewinnen-Rennen“.
Lob verdienen die Verantwortlichen dafür, einen Ausgleich 3, eines der sportlich beste Rennen des Tages, Katharina Daniela Werning zu widmen. Dortmunds Sportlerin des Jahres 2009, im Dezember schwer gestürzt, war anwesend, sagte die Siegerin Giardini in ihrem Rennen an, zeigte sich kämpferisch und erklärte, dass sie im März wieder anfange. Und verdiente sich noch Extra-Punkte für ihr Styling.
Meine Wettbilanz: ein getroffener Einlauf mit Fabregas und Bambari (zahlte zwar nur 99), ein Sieger mit Little Doc (Kurs 48) - das war in Ordnung.