Das Mc Coy-Denman-Desaster
Der 13. Februar 2010 dürfte ein Tag sein, den National Hunt-Championjockey Tony Mc Coy vielleicht später einmal als den Tiefpunkt seiner ansonsten tadellosen Karriere bezeichnen wird: Sein erster Ritt auf
Denman, zweiter Favorit für den Cheltenham Gold Cup am 18. März, endete in der Aon Chase in Newbury mit einem Desaster. Der 11:10-Favorit beförderte nach einem Fehler am drittletzten Hindernis seinen Jockey zu Boden.
Und Mc Coy stand nach dem Rennen im Kreuzfeuer der Kritik. „…als wenn ein vollbeladener Öltanker Feuer gefangen hat“, formuliert es etwas dramatisch ein
unbekannter Schreiber im englischen Racingforum.
Denn bereits im Vorfeld war eine lebhafte Debatte ausgebrochen: Die Entscheidung von Trainer Paul Nicholls und der Besitzer Harry Findlay und Paul K. Barber traf auf heftige Kritik. Mc Coy hatte Sam Thomas abgelöst, der „The Tank“ unter anderem zum Sieg im Cheltenham Gold Cup 2008 gesteuert hatte, allerdings inzwischen im Nicholls-Camp in Ungnade gefallen war.
„Mc Coys aggressiver, no-nonsense Stil passt nicht zum Stil von Denman“, sagt obiger Schreiber aus dem englischen Racingforum. Auch ich bin der Meinung, dass der Wallach keinen Jockey braucht, der ihn groß antreibt, sondern den sicheren Springer einfach im Rhythmus hält. Die große Stärke des Wallachs ist sein Galoppiervermögen, mit denen er an guten Tagen seine Gegner demoralisiert – gut zu sehen im Hennessy Gold Cup 2007.
Schuldlos
Nach dem Rennen war der Championjockey für viele der Buhmann. Allerdings: Lange sah es am Samstag so aus, dass Mc Coy und Denman ein neues Traumpaar bilden. Der Nicholls-Schützling sprang fast fehlerfrei, alles deutete auf einen lockeren Sieg des Favoriten hin.
Erst vier Hindernisse vor Schluss passierte das erste Malheur: Denman touchierte das Hindernis, sein Reiter konnte sich nur noch mit Mühe im Sattel halten.
Niche Market zog vorbei und Mc Coy fing an zu reiten. Das gefiel Denman überhaupt nicht: Am nächsten Sprung verlor er völlig die Balance und beförderte seinen Jockey zu Boden. Beide verletzten sich glücklicherweise nicht.
Und Mc Coy trifft keine Schuld, wie das
Rennvideo zeigt. Das Pferd war einfach müde war, die Konzentration fehlte. Ähnlich war es in Aintree im April 2009: Als Sam Thomas begann, den müden Denman energisch zu reiten, patzte dieser am Hindernis und warf seinen Reiter ab.
Für Trainer Paul Nicholls war der Verlauf der Aon Chase kein Grund zur Panik. „Denman ist 100 Prozent ok“, sagte er
nach dem Rennen. In fünf Wochen im Gold Cup werde man ein anderes Pferd sehen. Nicholls gewann übrigens das Rennen mit seinem zweiten Starter
Tricky Trickster, der Niche Market noch auf der Linie im Stile eines großen Stehers abfing.
Und auch für Tony Mc Coy war nicht nur Düsternis angesagt: Mit
Get Me Out Of Here siegte er in der hochdotierten Totesport Trophy.
uknig22 am 16. Februar 10
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Ein Hauch von White Turf im Revier
Winter in Wambel: Jockeys und Rennleitung im Führring, die Besucher können sie einzeln begrüßen
Sonntag nachmittag auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel: Der Schnee hatte die Bahn in eine Winterlandschaft verwandelt, ein Hauch von White Turf lag im Revier. Natürlich nur etwas: Die Pelzmäntel treffen sich am vereisten See im Schweizer Nobelort St. Moritz, in Dortmund sind Funktionsjacken eindeutig in der Überzahl.
Die meisten ihrer Besitzer blieben an diesem Nachmittag allerdings zu hause. Nur wenige Besucher waren auf der Rennbahn, der
Bahnumsatz war so mäßig wie in den Wochen zuvor.
Dabei war das Programm für den Winter gar nicht so schlecht: einige gutbesetzte Handicaps mit vielen Formenpferden versprachen gute Quoten.
Die Bilanz des Tages? Es war Ladies Day in Wambel: Sechs der acht Rennen gewannen Pferde mit Frauen im Sattel, am meisten strahlte Caroline Fuchs, die drei mal erfolgreich war - zweimal für Trainer Christian von der Recke, einmal für Trainer Axel Kleinkorres. Von der Recke feierte noch einen Erfolg, auch Kleinkorres gewann ein weiteres Rennen.
Überraschende Niederlage: Owentuo und Jockey Andre Best nach dem Rennen im Absattelring
Einige „Unverlierbare“ sorgten für lange Gesichter bei ihren Anhängern: Bereits im ersten Rennen verlor der 13:10-Favorit
Owentuo gegen die 191:10 Chance
Cesare. Das von der Recke-Duo
Prime Aspiration und
Mayta Capac hielt im fünften Rennen
Captain Camelot (13:10) im Schach. Dumm gelaufen - nicht nur für Sport-Welt Tipster Olaf Schick, der diese Pferde angesagt hatte. Geld verdienen konnte man mit den Tipps des ehemaligen Jockeys mal wieder nicht.
Fast schon „Poesie“ sind manche Renntitel in diesem Winter. Mein Liebling an diesem Tag war das „Mit gesenkten Abzügen auf Sieg und Platz mehr Geld gewinnen-Rennen“.
Lob verdienen die Verantwortlichen dafür, einen Ausgleich 3, eines der sportlich beste Rennen des Tages, Katharina Daniela Werning zu widmen. Dortmunds Sportlerin des Jahres 2009, im Dezember schwer gestürzt, war anwesend, sagte die Siegerin
Giardini in ihrem Rennen an, zeigte sich kämpferisch und erklärte, dass sie im März wieder anfange. Und verdiente sich noch Extra-Punkte für ihr Styling.
Meine Wettbilanz: ein getroffener Einlauf mit
Fabregas und
Bambari (zahlte zwar nur 99), ein Sieger mit
Little Doc (Kurs 48) - das war in Ordnung.
uknig22 am 15. Februar 10
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
„Fiepe“ imponierte auch den Engländern
Es ist selten, dass ein deutsches Hindernispferd der englischen Fachzeitschrift
Racing Post eine
Notiz wert ist, wenn es seine aktive Laufbahn beendet. Der zehnjährige Wallach
Fiepes Shuffle hat sich diese Auszeichnung aber redlich verdient: Sein Erfolg im Dezember 2008 in der Desert Orchid Chase, einem Grade II-Rennen über zwei Meilen, auf der Rennbahn in Kempton war der größte Erfolg eines deutschen Pferdes in der Hochburg der europäischen Hindernisrennen.
„Er war nicht so verrückt an den Hindernissen“, erklärte sein
glücklicher Trainer Christian von der Recke nach dem Rennen. Und bezog sich auf das Rennen vorher in Sandown, als der Wallach in guter Haltung gestürzt war, weil er etwas übermotiviert ein Hindernis anging. Allerdings kam ihm auch der flache Kurs in Kempton entgegen: Dort schlug er Start-Ziel als 16:1-Aussenseiter mit Jamie Moore im Sattel immerhin
Petit Robin aus dem Stall von Nicky Henderson. Im geschlagenen Feld endete ein gewisser
Twist Magic, der an diesem Tag völlig indisponiert wirkte.
Bereits im April des Jahres hatten Fiepes Shuffle und von der Recke für Aufsehen auf der Insel gesorgt, als der Wallach Dritter in der Celebration Chase wurde – übrigens hinter dem ansonsten immer etwas rätselhaften
Andreas, der an diesem Tag aber sein Phlegma einfach mal vergaß.
Dass der Big Shuffle-Sohn einmal die Hindernis-Szene aufmischt, hätte sein Besitzer Gerd Zimmermann, dessen Pferde unter dem Namen Stall Jenny laufen, anfangs wohl kaum gedacht. Denn Fiepes Shuffle war ein frühreifer und schneller Zweijähriger, gewann unter der Obhut von Mario Hofer zwei frühe Rennen in Baden-Baden und Hamburg und lief danach immer in ziemlich guter Gesellschaft in Baden-Baden, Maisons Laffitte und Doncaster.
Dreijährig reihte sich Fiepes Shuffle schnell in die Riege der besten deutschen Sprinter ein. Höhepunkt war der Sieg im Volkswagen-Großen Preis von Berlin in Hoppegarten, dazu kamen weitere Placierungen.
Schnell top
2004 ging es auf der Flachen allerdings nicht richtig weiter und da Gerd Zimmermann ein der wenigen Förderer des in Deutschland ziemlich darbenden Hindernissports ist, wechselte er auf die Hürdenbahn und kam zu Christian von der Recke.
Dort entpuppte sich Fiepes Shuffle als ziemliches Talent, gewann seine ersten drei Rennen sowohl über die kleinen Hürden als auch die großen Jagdsprünge.
In der kleinen Phalanx deutscher Hindernispferde nahm er schnell eine Spitzenstellung ein. 21 Rennen bestritt der Frontrenner insgesamt über die Sprünge: 11 mal davon kam er als Sieger zurück.
Und es hätten durchaus noch mehr Rennen und Siege sein können, wenn er nicht durch Verletzungen ziemlich beeinträchtigt gewesen wäre. Die Jahre 2005 und 2007 konnten die Verantwortlichen so ziemlich streichen. Und auch 2009 war er nur einmal am Start. Und die Vorstellung in Dortmund, wo Fiepes Shuffle – jetzt wieder bei Mario Hofer – 40 Längen hinter dem Sieger blieb, war der etwas ernüchternde Schlusspunkt einer ansonsten hocherfolgreichen Karriere.
uknig22 am 12. Februar 10
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren